Die neuen Leiden des jungen Trainers - Jugendweltmeisterschaften in Uruguay

Die neuen Leiden des jungen Trainers - Jugendweltmeisterschaften in Uruguay

Kürzlich war ich auf Mission in Montevideo, Hauptstadt eines kleinen freundlichen Landes mit wunderschöner Küste: Uruguay.

Man kann es sich hier gut gehen lassen!

(Die Strandpromenade von Montevideo - hier lässt es sich aushalten!)

Vom 16.-26. September richtete der uruguayische Schachverband die Weltmeisterschaften U14, U16 und U18 in einem der besten Hotels der Stadt aus. Die Organisation war auf hohem Niveau und bei der Eröffnungsfeier im „Palacio Legislativo“ (dem Parlament!) wurde auch klar warum: Uruguay hat über die letzten Jahre viele internationale Sportwettkämpfe ausgetragen und versucht sich einen Namen als verlässlicher Ausrichter und guter Gastgeber aufzubauen. Das große Ziel ist eine erfolgreiche Bewerbung um die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2030 - gemeinsam mit Argentinien. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg dorthin ist auch Montevideos´ Bewerbung um die Ausrichtung der Schacholympiade 2022.

Meine Aufgabe in Montevideo war die Betreuung und Vorbereitung je eines deutschen Spielers in jeder Altersklasse: Daniel Kopylov (U14), Alexander Riess (U16) und Dmitrij Kollars (U18).

Die Eröffnungsvorbereitung traf bei Daniel und Dmitrij erfreulich oft ins Schwarze, doch die Chancenverwertung versagte leider bei allen dreien in den entscheidenden Momenten, sodass keiner ein hervorstechendes Ergebnis erreichen konnte.

Schauen wir uns die jeweiligen Schlüsselmomente an:

Alexander lief seiner Form von Anfang an hinter her – gute und schlechte Partien wechselten sich ab. In Runde 8, als noch alles möglich schien – einen starken Schlussspurt vorausgesetzt – ereignete sich folgende Tragödie:

Im Nachhinein wurde offensichtlich, dass Alexander diesen bitteren Aussetzer nicht ausblenden konnte. Die letzten 3 Runden führten zu einem katastrophalen Ergebnis und ließen mich ratlos zurück. Wie kann man einem Spieler helfen so eine Partie schnell zu verdrängen oder zu verarbeiten? Für mich selbst greife ich zu ziemlich drastischen Maßnahmen, die zwar wirken, aber bei Anderen vermutlich mehr Schaden als Nutzen hervorbringen würden.

Vor dem Turnier wurde natürlich einiges von Dmitrij erwartet, schließlich startete er von der Spitze der Setzliste ins Turnier. Auch bei Dimitrij war der Start jedoch verhalten und als er langsam Fahrt aufnahm, waren schon nicht mehr genug Runden übrig. Die Partien in der ersten sowie der letzten Runde (11) hatten einen bezeichnenden Verlauf:

 

Daniel Kopylov war mit 4 Siegen optimal ins Turnier gestartet, dann stand das Kräftemessen mit dem späteren Weltmeister U14, Dambasuren Batsuren aus der Mongolei, an:

Diese Partie zeigte gleichzeitig Daniels´ Talent sowie seine Unerfahrenheit. Besonders gefreut habe ich mich darüber wie er gleich in der nächsten Runde mit unbedingtem Siegeswillen zurückschlug:

Zum Schluß standen zu Buche:

Alexander Riess: Rang 34 mit 5.5/11 Punkten

Daniel Kopylov: Rang 9 mit 7 Punkten

Dmitrij Kollars: Rang 6 mit 7,5 Punkten 

Nur Daniel konnte halbwegs zufrieden mit seinem Ergebnis sein, da er viele positive Akzente setzen konnte und als Außenseiter gestartet war.

Die Arbeit als Trainer ist interessant, da jeder Schüler eine Herausforderung darstellt. Um erfolgreich helfen zu können muss ich mich individuell auf jeden richtig einstellen. Aber es ist schwierig sich daran zu gewöhnen sehr wenig Einfluß auf das Ergebnis zu haben, denn wenn ich gute Arbeit in der Vorbereitung leiste hat mein Schützling eine gute Ausgangsposition – nicht mehr und nicht weniger. Der Rest hängt dann vom Spieler selbst und seiner Form ab.

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