Mamedyarovs Geheimnis für klassisches, modernes Schach

Mamedyarovs Geheimnis für klassisches, modernes Schach

Gserper
GM Gserper
14.06.2017, 00:00 |
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Als ich die Nachricht, dass GM Shakhriyar Mamedyarov die 2800 Marke überschritten hatte zum ersten Mal las, wer ich nicht besonders überrascht.

Eigentlich war ich nur überrascht, dass es nicht schon vor einigen Jahren passiert ist. Denn während ich mich kaum noch daran erinnern kann, wann ich die Namen Carlsen oder Aronian zu ersten Mal hörte, kann ich mich noch sehr wohl daran erinnern, wann mir Shakhriyar Mamedyarov zum ersten Mal auffiel.

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2003 habe ich einen Artikel über einen aserbaidschanischen Schachspieler gelesen, der gerade die U18 WM gewonnen mit 10 von 11 möglichen Punkten gewonnen hatte. Ich hab mir daraufhin die Partien angesehen und war von seinen Partien noch mehr beeindruckt als von seinem Ergebnis!

Die Erstrundenpartie von Shakhriyar beeindruckte mich schon sehr. Shah (wie er von den meisten genannt wird) opferte völlig überraschend eine Qualität, wonach Weiß einfach keinen Plan mehr hatte.

Mamedyarov's Gegner konnte danach nur noch hilflos zusehen, wie er eine Figur nach der andern in seinen Angriff mit einband.

Analysiert diese Partie nicht mit einem Computer! Er wird nach dem Opfer wahrscheinlich einen riesigen Vorteil für Weiß aufzeigen. Seht euch diese Partie einfach nur mit euren Augen an und ihr werdet feststellen, wie schwierig es für Weiß ist, diesen Angriff zu verteidigen! Mamedyarov's Partien erinnern mich an Partien des großen Petrosian, wie zum Beispiel diese:

Aber um die Wahrheit zu sagen, gefällt mir Mamedyarov's Partie noch besser. Petrosian's Opfer war irgendwie natürlich, denn die Kompensation für das Opfer war abzusehen. Mein erster Gedanke nach Mamedyarov's Opfer war hingegen "waaaas??"

Ich habe übrigens ein sehr interessantes Muster von vielen Mamedyarovs Partien entdeckt. Er nutzt ein bekanntes klassisches Konzept als Inspiration und produziert dann ein nach anspruchsvolleres und schönes Juwel.

Urteilt selbst: Die nächste Partie ist aus der Kategorie: "Die muss jedes russische Schulkind kennen". Sollte euch euer Trainer diese Partie noch nie gezeigt haben, dann versucht einfach, die Gewinnkombination selbst zu finden.

Und jetzt versucht, hier Mamedyarov's Gewinnkombination zu finden:

Ich kann natürlich nur raten, aber ich glaube, dass Mamedyarov's kreatives gebrauchen des klassischen Erbes etwas mit seiner Herkunft aus Aserbaidschan zu tun hat. Ich war schon einige Male in diesem Land und war immer wieder beeindruckt von der kulturellen Vielfalt, die die verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen dort geschaffen haben. Fast die gleiche Vielfalt aus verschiedenen Spielstilen können wir in den Partien des Aserbaidschanischen Großmeisters beobachten. Es ist vielleicht kein Zufall, dass Garry Kasparov sein Buch "The Test of Time" der Aserbaidschanischen Hauptstadt Baku gewidmet hat.

Die Mischung verschiedenen Stilen und Kulturen zeigt auch die aserbaidschanische Version dieses Klassikers. Ich weiß gar nicht, was mir an dem Video am besten gefällt. Die aserbaidschanischen Musikinstrumente, die hübschen Zwillinge oder die lokale Ausgabe von John Belushi!

Heutzutage ist Mamedyarov selbst zu einem Vorreiter des modernen Angriffsschachs geworden und viele Spieler benutzen seine Partien als Inspiration. Hier ist eine weitere:

Wie es aussieht, war ich aber nicht der einzige, der Mamedyarov's spektakuläre Partien der U18 WM analysierte, denn zwei Jahre später folgte ein zukünftiger Weltmeister Mamedyarov's Fußspuren:

Zu guter Letzt möchte ich euch noch zwei weitere Schachpuzzle präsentieren. Versucht einfach die Gewinnkombinationen, die Shakhriyar Mamedyarov spielte, zu finden. Die erste Stellung ist relativ einfach, aber die zweite ist wirklich eine harte Nuss!

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