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Borg-Verteidgung

ZapperloT

Hallo, mit Borg -Verteidigung (engl. wikipedia) bezeichnet man die Stellung, die nach 1. e4 g5 entsteht:

 

Stockfish 13 evaluiert die Position mit >+2.0, was ungefähr bedeutet, dass bei perfektem Spiel von Schwarz und Weiß Schwarz verliert:

Die Frage: wie bestraft man eine derart unsolide Eröffnung mit Weiß?

Ich fand die Analyse von Stockfishs Zügen sehr interessant; vielleicht hilft sie ja einem von euch.

Screenshots von den Evaluierungen werde ich nur bei Gelegenheit posten, sonst wird das ganze zu unübersichtlich IMHO. Viel Spaß!

 

I. Allgemeines

Welche Ziele verfolgt man in der Eröffnung?

1. Zentrum kontrollieren / Gegner an der Kontrolle des Zentrums hindern

2. Figuren entwickeln (möglichst zuerst die Leichtfiguren) / gegnerische Figuren in der Entwicklung behindern

3. Schwächen in der Bauernstruktur (Isolani, rückständige Bauern, Doppelbauern) vermeiden / solche Schwächen in der gegnerischen Bauernstruktur schaffen

4. Rochieren / gegnerisches Rochieren verhindern

 

1. e4 g5 - Ausgangsposition

 

e4: kontrolliert Zentrumsfeld d5; befreit weißfeldrigen Läufer und Dame
g5: kontrolliert kein Zentrumsfeld; befreit aber immerhin den schwarzfeldrigen Läufer, der wahrscheinlich nach g7 entwickelt wird (sog. langes fianchetto)

Ich werde nur auf eine Fortsetzung für Weiß eingehen, 2. d4. Der natürlichste und wahrscheinlich auch beste Zug, (kontrolliert e5, attackiert g5).

II. Nebenvariante 1 - 2. d4 d5

Nach 3. exd5 ähnelt dies der skandinavischen Verteidgung 1. e4 d5 2. exd5, woraufhin Schwarz 2.. g5?! spielen würde:

 

Nach 3. exd5 wird Weiß entweder den gewonnenen Bauern behaupten (Lc4, Sc3) oder im wahrscheinlichen Falle von 3... Dxd5 die frühe Entwicklung der schwarzen Dame nutzen, um mit Drohungen (Sc3) früher oder später Material zu gewinnen. Beispiele:

 

II. Nebenvariante 2 - 2. d4 e6

Den g-Bauern kann man mit der Dame (vorläufig) verteidigen. Ich will hier nicht auf Varianten eingehen, wichtig ist, sich die Züge zu merken, die in den Hauptvarianten auch gespielt werden können: Sc3, Lc4, h4, Dh5, Sf3 und langes Rochieren.

ZapperloT

Die häufigst gespielten Züge nach 1. e4 g5 2. d4 sind, je nachdem welche Datenbank man benutzt:

1. 2... h6: verteidigt den Bauern auf g5; wahrscheinlich die logischste Fortsetzung

2. 2... Bg7?: erlaubt 3. Lxg5 und Weiß hat direkt den g-Bauern gewonnen; wird hier ignoriert (3. Sc3 kann aber auch hier gespielt werden und ist evtl. sogar minimal besser)

oder

2. 2... g4?!: 3. Dxg4 d5 4. Dh4/De2 dxe4 ist ein Bauernopfer; Weiß ist immernoch klar besser.Der beste Zug ist  wahrscheinlich wieder 3. Sc3!

3. 2... e6: wie oben schon angesprochen, werde ich nicht darauf eingehen. Hier sind viele verschiedene Stellungsbilder möglich (Schwarz kann Be7 oder Bg7 spielen, d6 oder d5). Das führt zu weit.

III. Hauptvariante 1 - 1. e4 g5 2. d4 h6

Die wahrscheinlich logischste und am häufigsten gespielte Fortsetzung: Schwarz verteidigt den g-Bauern. Hier kann man

1. direkt den g-Bauern mit 3. h4!? angreifen oder

2. 3. Sc3 spielen: d5 ist nun unter Kontrolle und in den meisten Fällen rochiert man lang, so dass häufig der Damenflügel zuerst entwickelt wird. h4 folgt dann normalerweise im nächsten Zug.

1. e4 g5 2. d4 h6 3. Sc3 Lg7

 

Den Läufer nach g7 zu entwickeln ist logisch.

1. e4 g5 2. d4 h6 3. Sc3 d6

 

3... d6 kontrolliert g4, so dass 4. h4 g4 den g-Bauern nicht verliert.

In fast allen Fällen (Sc6, Sf6), auch in diesen, sollte man nun nicht weitere Figuren entwickeln, sondern mit 4. h4! am Königsflügel angreifen. Das ist wahrscheinlich der kritische Zug, den man kennen muss. Hierbei ist es egal, ob Schwarz mit g4 antwortet oder gxh4.

Danach kann man seine Figuren entwickeln, so dass man eine Stellung ähnlich des Englischen Angriffs in der Sizilianischen Verteidigung erhält: Le3, De2, langes Rochieren und dann Attacke am Königsflügel!

 

III. Hauptvariante 2 - 1. e4 g5 2. d4 g4

 

Ein Bauernopfer. Schwarz will nach 3. Dxg4 d5 ein Tempo gewinnen, stünde aber immernoch klar schlechter. Der beste Zug ist aber wieder 3. Sc3! Nun kann man wie in der ersten Hauptvariante mit Le3, De2 und langem Rochieren eine Art Englischen Angriff spielen, aber erst wird wieder der g-Bauer angegriffen, diesmal mit 4. h3!?

 

IV: Zusammenfassung

1. 2. d4 und 3. Sc3 kann man in dieser Reihenfolge eigentlich immer spielen. Spielt man 2. Sc3, erlaubt dies 2... e5, was zu anderen Stellungsbildern führt

2. Danach greift man den g-Bauern mit dem h-Bauern an. h4 oder h3, je nachdem. Den g-Bauern sollte man nicht mit der Dame schlagen, der läuft nicht weg

3. In fast allen Stellungen ist ein Aufbau mit Le3, De2 und langer Rochade optimal. Dieser sollte e4-Spielern auch aus anderen Eröffnungen (Robatsch/Sizilianisch) bekannt sein

4. Der f1-Läufer wird häufig als letztes entwickelt, kann aber auch früher nach c4 gespielt werden.

5. Der g1-Springer sollte erst entwickelt werden, nachdem der g-Bauer geschlagen oder bewegt wurde, um g4 mit Tempogewinn zu vermeiden

6. Danach heißt es: Attacke! Zentrum aufbrechen und den schwarzen König, der eigentlich immer im Zentrum bleibt, angreifen! Viel Spaß.

ZapperloT

V: ausgewählte Partien

Zuerst ein paar Blitzpartien, die hier auf chess.com gespielt wurden.

 



 

 

 

Anschließend noch zwei Partien, in denen Stockfish 13 gegen sich selbst spielt.

 

Ceti665

Den Bauern g7 gleich zwei Felder vorrücjen?

Garrileo

Cool, tolles Thema! Aber heißt es nicht Polnische Verteidigung?

ZapperloT
Garrileo wrote:

Cool, tolles Thema! Aber heißt es nicht Polnische Verteidigung?

 

Sieht nicht so aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Polnische_Verteidigung 1. d4 b5

Schachgrenze

Ich glaub Borg ist Grob (1.g4) andersrum geschrieben

Garrileo

Stimmt, wir haben eine neue Theorie zum Namen der Borg-Verteidigung♟