2 Chinesen liegen beim Moskau Grand Prix in Führung

2 Chinesen liegen beim Moskau Grand Prix in Führung

Ding Liren gewann gegen Ernesto Inarkiev und zog mit seiner Landsfrau Hou Yifan beim FIDE Grand Prix in Moskau gleich. Der einzige Verlierer der ersten Runde, Ian Nepomniachtchi, gewann gegen Jon Ludvig Hammer.

Ding Liren hat jetzt "Plus Eins", genauso wie Hou Yifan. | Foto: Maria Emelianova.

An einem ruhigen Tag im Central Telegraph Gebäude, an dem nicht nur wenige zahlende Besucher, sondern auch wenige VIP Gäste anwesend waren, erreichte Hou Yifan gegen den um fast 150 ELO Punkte höher eingestuften Maxime Vachier-Lagrave ein Remis. Die Partie der einzigen Siegerin der ersten Runde war gegen den Top-Gesetzten Spieler des Turniers fand natürlich an Brett 1 statt.

MVL sagte, es wäre kein Vorteil gewesen, dass er vor eineinhalb Jahren gegen Levon Aronian exakt die selbe Eröffnung auf dem Brett hatte: "Ich konnte mich an meine damalige Vorbereitung nicht mehr erinnern aber ich glaube ich habe meine Probleme gelöst. Als ich sah wie die Partie enden würde, war ich ein wenig enttäuscht, aber die weiße Stellung war einfach sehr solide."

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Nachdem es gestern ein kleiner Junge war, hatte heute eine Gruppe von Damen mittleren Alters zusammen mit Kirsan Ilyumzhinov die Ehre, den ersten Zug auszuführen. Wer diese Damen aber genau waren konnte weder der offizielle Turnierfotograf Max Avdeev, noch der offizielle Kommentator GM Evgeny Miroshnichenko und auch die Chess.com Fotografin Maria Emelianova nicht in Erfahrung bringen. | Foto: Maria Emelianova.

Tja, und natürlich gab es auch heute wieder einige schnelle Remis. Das "Remis-Fieber" scheint mit den Top-Spielern von den Emiraten mit nach Russland gereist zu sein, denn auch hier gibt es nicht die Medizin gegen dieses Fieber, die auch "Anti-Remis-Regel" genannt wird. Nakamura-Radjabov remisierten nach 18 Zügen, Gelfand-Mamedyarov nach 22, Svidler-Salem nach 16 und Grischuk-Tomashevsky sogar schon nach 12.

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Mamedyarov, Giri, Gelfand und Salem verfolgten die restlichen Partien. | Foto: Maria Emelianova.

Von allen Spielern die heute die Punkte teilten kam Paco Vallejo dem Sieg am nächsten. Sein Zug 11.b3 führte zu interessanten Komplikationen in der katalanischen Eröffnung und der Spanier eroberte sogar 2 Bauern. Die verschiedenfarbigen Läufer, die auf dem Brett blieben, ermöglichten Pentala Harikrishna zwar eine Verteidigung aufzubauen, aber da auch noch Türme auf dem Brett waren hätte Weiß, laut den Spielern, eigentlich irgendwie gewinnen müssen.

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Vallejo verfolgt entspannt die Partien auf den Bildschirmen. | Foto: Maria Emelianova.

Michael Adams versuchte den 3.Lb5 Sizilianer gegen Anish Giri, aber war schon bald auf sich alleine gestellt. "Aus irgendeinem Grund habe ich die Eröffnungstheorie total vergessen" sagte der Engländer, der deswegen improvisieren musste. "Aber irgendwie habe ich überlebt."

Speziell den h4-Bauern aufzugeben war eine beachtliche Entscheidung von Weiß, aber sie funktioniert. Giri: Irgendwann habe ich gemerkt, dass mein Plan eine Lücke hatte. Nämlich, dass ich ihn nicht Matt setzten konnte." 

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Zwei gutgekleidete Herren in der eleganten Agon Lounge. | Foto: Maria Emelianova.

Pirc ist eine Eröffnung, die meist von Spielern gewählt wird, die unter Siegzwang stehen, oder einfach gerne eine Kampfpartie haben wollen.So wie Jon Ludvig Hammer diese Eröffnung heute behandelte muss er wohl von Ian Nepomniachtchi's Zug 1...d6 völlig überrascht worden sein. Der Russe spielte diesen Zug erst 5 mal vorher in seiner Karriere in langen Partien und ist damit ungeschlagen und holte inclusive der heutigen Partie damit 4.5 von 6 möglichen Punkten.

Schon im sechsten Zug entschied sich Hammer für einen dubiosen Bauernvorstoß. Das frühe 5...b5 (die meisten Pirc-Experten warten allerdings mit diesem Zug, bis Weiß seine Karten gezeigt hat) kann entweder mit 6.f3 und einem englischen Angriff, oder mit 6.Ld3, um Sc3-e2 zu ermöglichen, beantwortet werden. Weiß setzt dann mit Sf3 und kurzer Rochade fort, und z.B. Michael Adams hat schon einige schöne Partien nach dieser Eröffnung gewonnen.

Hammer's späteres Spiel war erfinderisch, aber der Norweger konnte nicht verhindern, dass der "Pirc-Läufer" auf g7 zu einem wahren Monster wurde. Schwarz hatte alle Zeit der Welt um seinen Angriff aufzubauen.

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Die Spieler unterhalten sich nach der Partie. | Photo Maria Emelianova.

Am Ende des Tages gewann Ding Liren gegen Ernesto Inarkiev ein Endspiel und zog damit mit Hou Yifan in der Tabelle gleich. Eröffnungstechnisch war es die interessanteste Partie des Tages und auch nachdem die Damen vom Brett waren ist noch viel passiert. Ab diesem Zeitpunkt war Inarkiev aber nur noch am Verteidigen.

Schließlich fanden sich die beiden im selben Endspiel wie Vallejo und Hari wieder, aber während diese Partie gewonnen gewesen wäre und Remis endete, war dieses Enspiel eigentlich Remis und wurde gewonnen.

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Die Spieler warten auf den Startschuss zur 2. Runde. | Foto Maria Emelianova.

2017 Moskau Grand Prix | Tabelle nach der 2. Runde

Platz Gesetzt Land Titel Name ELO Punkte ELO+/-
1 4 GM Ding Liren 2773 1,5 3,5
2 16 GM Hou Yifan 2652 1,5 8,3
3 1 GM Vachier-Lagrave Maxime 2795 1 -2,6
4 2 GM Nakamura Hikaru 2786 1 -1,8
5 3 GM Giri Anish 2785 1 -1,3
6 5 GM Mamedyarov Shakhriyar 2772 1 -1,6
7 6 GM Svidler Peter 2755 1 -2,5
8 7 GM Nepomniachtchi Ian 2751 1 -3,2
9 8 GM Grischuk Alexander 2750 1 -2,4
10 9 GM Harikrishna P. 2750 1 -2,3
11 10 GM Adams Michael 2747 1 1,2
12 12 GM Gelfand Boris 2724 1 1,5
13 13 GM Radjabov Teimour 2710 1 1,9
14 14 GM Vallejo Pons Francisco 2710 1 1,5
15 15 GM Tomashevsky Evgeny 2696 1 1,6
16 17 GM Salem A.R. Saleh 2633 1 3,3
17 11 GM Inarkiev Ernesto 2727 0,5 -3,6
18 18 GM Hammer Jon Ludvig 2621 0,5 -1,5

Die Auslosung der dritten Runde ergab folgende Partien: Hou-Ding, MVL-Gelfand, Tomashevsky-Nakamura, Giri-Vallejo, Mamedyarov-Adams, Harikrishna-Svidler, Nepomniachtchi-Salem, Radjabov-Grischuk und Inarkiev-Hammer.

Das Turnier geht bis zum 21. Mai, wobei am 17. Mai ein Ruhetag ist. Gespielt werden 9 Runden nach Schweizer System. Die 18 Teilnehmer kämpfen um einen Preisfond von 130.000 Euro.  Nach Moskau finden noch 2 weitere Grand Prix statt: im Juli in Genf und im November in Palma de Mallorca. Die ersten beiden der Gesamtwertung qualifizieren sich für das Kandidatenturnier 2018.

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