Aronian besiegt den nächsten Weltmeister und zieht mit Nakamura gleich!

Aronian besiegt den nächsten Weltmeister und zieht mit Nakamura gleich!

Beim Altibox Norway Chess Turnier war heute war schon wieder die Dame eines Weltmeisters in arger Bedrängnis und somit konnte Levon Aronian gegen Vladimir Kramnik, der heute einen ganz schwachen Tag hatte, locker gewinnen. Damit zog der Armenier vor dem Ruhetag mit Hikaru Nakamura gleich. Und auch Vishy Anand konnte gegen Fabiano Caruana seine erste Partie in diesem Turnier gewinnen.

Aronian besiegte Kramnik und liegt nun auf dem geteilten ersten Platz. | Foto: Maria Emelianova.

Manchmal denkt dein Hirn einfach nicht.

Vladimir Kramnik stand nach der Eröffnung gegen Levon Aronian eigentlich wirklich gut, aber nach 2 unglücklichen Damenzügen war seine Stellung auf einmal absolut Hoffnungslos.

Aronian versuchte den seltenen (aber natürlich aussehenden) Zug 13.Tc1 im Semi-Tarrasch. Dies ist übrigends eine weitere Eröffnung die viele Großmeister, genau wegen Kramnik, in ihr Repertoire aufgenommen haben.

Ironischerweise war es Kramnik's Turmzug 16...Tac8, der ihm später noch große taktische Probleme bereiten sollte. Die Computer finden diesen Zug zwar gut, aber bei der Pressekonferenz sagte Aronain zu seinem Gegner: "Komplett unnötig. Der Zug bringt nur Ärger."

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Carlsen sieht sich Kramnik's Stellung an. | Foto: Maria Emelianova.

Nach dem 19. Zug stand Schwarz immer noch gut, aber 2 Züge später wurde klar, dass der schwarzen Dame die Felder ausgehen würden. Aronan sagte, dass er hier gute Chancen für sich gesehen hatte. "Als ich 19.Sh4 zog, habe ich berechnet, dass 19...Dh4 nicht geht, denn ich kann auf Damenfang gehen."

"Ich habe die Idee des Damenfangs überhaupt nicht gesehen," sagte Kramnik. "Heute war einfach nicht mein Tag. Überhaupt nicht. Aber das passiert manchmal."

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Kramnik versucht verzweifelt seine Dame zu retten. | Foto: Maria Emelianova.

In einem Interview für unseren russischen YouTube Kanal, erklärte Aronian, warum er ohne einen Sekundanten nach Stavanger gereist war: "Seit kurzem reise ich ohne Sekundanten und bereite mich selbst auf meine Gegner vor. Einen Sekundanten haben ist eine gute Sache, aber Eigenverantwortung zu übernehmen ist auch wichtig. Ich gebe mir bei der Vorbereitung dann auch mehr Mühe. Weißt du, wenn Du niemanden hast, der dir hilft, dann arbeitest du konzentrierter und zielstrebiger."

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Seit dem Grenke Turnier zeigt sich Aronian in hervorragender Verfassung. | Foto: Maria Emelianova.

Nach sechs gespielten Runden wartet Magnus Carlsen immer noch auf seinen ersten Sieg. Das letzte Mal, dass er so lange auf seinen ersten Sieg bei einem Turnier warten musste war 2015 beim London Chess Classic, als er die ersten sechs Runden remisierte und in der siebten gegen Nakamura gewann.

In Stavanger steht Carlsen bei Minus 1, was bedeutet, er hat den geteilten..... letzten Platz.

Der Weltmeister präsentierte sich heute gegen Maxime Vachier-Lagrave in guter Laune, obwohl er bereits vor der Partie schon einen riesen Fehler gemacht hatte!

Nach wenigen Zügen gab er nämlich ein lustiges Statement ab: "Ich habe meine Brille vergessen. Ich wollte eigentlich italienisch spielen, aber das ist kläglich gescheitert."

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Carlsen: "Ich habe meine Brille vergessen. Ich wollte eigentlich italienisch spielen, aber das ist kläglich gescheitert." | Foto: Maria Emelianova.

Magnus eröffnete stattdessen mit 1.d4 Sf6 2.Lf4, also genauso, wie er gegen MVL schon die Blitzpartie eröffnet hatte. Da überlegte der Franzose 6 Sekunden lang und zog dann 2...b6. Heute überlegte er ganze 11 Minuten und entschied sich dann für 2...g6.

Anders als in der Blitzpartie konnte MVL heute aber schnell Ausgleich erlangen. Carlsen: "Ich muss mich wirklich zusammenreißen. Es ist erschreckend, wie wenig ich aus den letzten beiden Eröffnungen mit den weißen Figuren herausgeholt habe."

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Carlsen und MVL tauschten 12 Figuren ab, bis nur noch die Könige auf dem Brett waren.  | Foto Maria Emelianova.

Nach Vishy Anand's erstem Sieg bei diesem Turnier stehen jetzt 4 Spieler bei Minus 1. Der fünfmalige Weltmeiste spielte heute wirklich stark und bezwang Fabiano Caruana mit den schwarzen Figuren.

Nach 17 Zügen gefiel dem Kommentator Nigel Short die schwarze Stellung außerordentlich gut (Raumvorteil und ein starker Springer im Zentrum), aber Anand war sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so sicher.

Der Turmschwenker Te8-e6-g6, kombiniert mit Sf6-e8-d6 war ein guter Plan. Caruana entschied sich darauf, auf den Damenflügel zu rochieren und auf dem Königsflügel anzugreifen, aber Anand konnte den Angriff locker parieren und hatte bald darauf eine strategisch gewonnene Stellung.

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Der Tiger aus Madras hat wieder zugebissen. | Foto: Maria Emelianova.

Anish Giri steht weiterhin bei 50% aber nach der heutigen Runde sollte er eigentlich bei Plus 1 stehen. Wesley So gab zu, dass er heute eigentlich verlieren hätte müssen.

Obwohl die Bauernstruktur nach der Eröffnung symmetrisch war, hatte Giri wegen seines starken fianchettierten Läufers einen Vorteil. Und als So einen Turm auf die siebte Reihe eindringen lies wurde es richtig ungemütlich für ihn. Nach 29 Zügen sah die schwarze Stellung einfach nur noch furchtbar aus. So: "Meine Stellung war schon zum verzweifeln bevor ich zu Zügen wie 29....Ld8 gezwungen wurde."

Giri machte aber viel zu wenig aus seinen Chancen. Nachträglich verstand er selbst nicht, warum er sich auf ein Turmendspiel eingelassen hatte. Ein Läuferendspiel mit dem c-Bauern hätte ihm viel größere Gewinnchancen gegeben.

Die Partie Hikaru Nakamura gegen Sergey Karjakin war einer der weniger interessanten Sorte. Am interessantesten an der Partie war wohl die Endstellung, in der sich alle Bauern gegenseitig blockierten und die Könige keine Möglichkeit hatten ins jeweilige feindliche Lager einzudringen.

"Ich bin mir sicher, dass jeder einzelne unserer Zuseher diese Stellung gegen Magnus Carlsen remis halten könnte" sagte der Kommentator Nigel Short.

Karjakin fügte hinzu: "Egal mit welcher Farbe!"
Short schloss die Analyse dann mit den Worten "Mehr Remis kann eine Stellung gar nicht sein," ab.

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Short stellte fest, das die Endstellung leicht nach einem Remis aussehen würde. | Foto: Maria Emelianova.

Das selbe könnte man aber auch schon über die Stellung nach dem 50. Zug sagen, als der weiße König die letzte schwarze Figur geschlagen hatte. Laut dem Schiedrichter  Chris Bird hätte die Schiedrichterin hier bereits die Partie beenden sollen, denn die FIDE Regel 9.7 besagt "Eine Partie ist Remis, wenn eine Stellung erreicht wurde, in der keine der beiden Seiten durch legale Züge ein Schachmatt erreichen kann."

Sie tat es aber nicht, und die Spieler wiederholten daraufhin dreimal Ihre Züge! Noch mehr Remis geht jetzt wirklich nicht.

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Nakamura und Karjakin sehen sich die Computerauswertung ihrer Partie an. | Foto: Maria Emelianova..

2017 Altibox Norway Chess | Tabelle nach der 6. Runde

# Land Name ELO Leistung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 Punkte SB
1 Nakamura,Hikaru 2785 2917 ½ ½ ½ 1 ½ 1 4.0/6 11.75
2 Aronian,Levon 2793 2920 ½ 1 ½ 1 ½ ½ 4.0/6 11.50
3 Karjakin,Sergey 2781 2795 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 3.0/6 9.00
4 Kramnik,Vladimir 2808 2795 ½ 0 ½ ½ ½ 1 3.0/6 8.75
5 Giri,Anish 2771 2798 0 ½ ½ ½ ½ 1 3.0/6 8.75
6 So,Wesley 2812 2796 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 3.0/6 8.25
7 Carlsen,Magnus 2832 2736 ½ 0 ½ ½ ½ ½ 2.5/6 7.50
8 Caruana,Fabiano 2808 2741 ½ ½ ½ ½ ½ 0 2.5/6 7.50
9 Vachier-Lagrave,Maxime 2796 2745 0 ½ ½ ½ ½ ½ 2.5/6 7.25
10 Anand,Viswanathan 2786 2738 ½ 0 0 ½ 1 ½ 2.5/6 6.75

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Carlsen's Eltern und seine ältesten Schwestern Ellen und Ingrid sind auch beim Turnier. Ellen unterstützte heute sogar den Kommentatoren Hans Olav Lahlum bei TV2. | Foto: Maria Emelianova.

Morgen ist der zweite und damit letzte Ruhetag. Die Paarungen der siebten Runde, die am Mittwoch stattfindet, lauten: Kramnik-Carlsen, MVL-Giri, Karjakin-Aronian, So-Caruana und Anand-Nakamura.

Ihr könnt die Partien auf unserem Live Server jeden Tag um 16.00 Uhr verfolgen. Berichte über das Turnier findet ihr hier auf Chess.com/News und auf unseren Twitter, Facebook und YouTube Kanälen.

 


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