Carlsen im Milken Institut: "Ich glaube, dass ich nicht besonders viel weiß"

Carlsen im Milken Institut: "Ich glaube, dass ich nicht besonders viel weiß"

Was hat GM Magnus Carlsen mit dem Basketball-Star Kareem Abdul-Jabbar gemeinsam? Ehrlich gesagt: nicht viel (es liegen immerhin 3189 Blocks und 2832 Rating Punkte zwischen den beiden). Aber genau das war die Strategie der globalen Konferenz des Milken Institutes, die letzte Woche in Los Angeles stattfand.

Wer wollte diese Diskussion aber hören? Etwa 3.500 "leitende Entscheidungsträger" aus den Bereichen Sport, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und natürlich Schach. Das Thema der viertägigen Konferenz war, "dem Leben einen Sinn geben".

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Wenn es der "Sinn des Lebens" ist, wenigstens einmal gegen Carlsen eine Schachpartie verloren zu haben, dann haben einige Konferenzteilnehmer ein sinnvolles Leben gehabt.

Neben Carlsen und dem ehemaligen Superstar der NBA waren noch weitere bemerkenswerte Teilnehmer an der Konferenz beteiligt. Der ehemalige Vizepräsident der USA, Joe Biden, der ehemalige  US Präsident George W. Bush, vier Mitglieder des aktuellen amerkanischen Kongresses, der Direktor J.J. Abrams und der Musiker Moby, um nur einige zu nennen.

Der Vizepräsident von Chess.com, Danny Rensch, war auch anwesend, natürlich als Kommentator des Simultanschachs an 10 Brettern, das Carlsen gab, und indem Chess.com CEO Erik Allebest als Schiedrichter fungierte.

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Ja, Danny Rensch hat auch Anzüge in seinem Kleiderschrank.

Vor den Schachpartien wurde Carlsen vor dem versammelten Publikum interviewt und einige Teilnehmer bewiesen, dass sie durchaus Schachwissen hatten. Eine Frage aus dem Publikum war: "Wie bringe ich meinem 10 jährigen Sohn dazu, nicht mehr Stonewall zu spielen?"

Hier sind einige Stichprobem aus Carlsen's Antworten. Die meisten Fragen des Moderators bezogen sich auf seine Vorbereitung und auf den sportlichen Aspekt des Schachs, sowie auf die anderen Talente Carlsens. Die meisten der Antworten des Weltmeisters waren allgemein gehalten und er behauptete bescheiden, dass er außer im Schach, noch nichts großartiges geleistet habe, aber dass er gerne lernt. An einem Punkt sagte er:  "Ich glaube, dass ich nicht besonders viel weiß."

  • Über Genialität:

"Mein größtes Talent war, dass ich mich auf etwas sehr lange konzentrieren konnte. Mein Interesse flaute nie ab. Das war wohl mein Hauptvorteil gegenüber anderen. Ich war nie derjenige, der irgendetwas am schnellsten Kapiert hat, aber ich war immer der, der nie aufgehört hat, etwas zu lernen, wenn es mich interessiert hat."

  • Über seinen Tagesablauf:

"Ich würde gerne ein Vorbild sein, aber ich bin es wohl nicht. Wenn ihr an Athleten denkt, die jeden Tag um 7 Uhr aufwachen und dann 2 Trainingseinheiten haben..... bei mir ist es nicht so (Carlsen ist dafür bekannt, dass er nur ungerne vor Mittag aufsteht). Ich denke natürlich viel an Schach. Ich arbeite jeden Tag an meinem Schach aber ich habe dabei keinen festen Zeitplan. Es kommt immer darauf an, wie ich mich fühle. Glücklicherweise macht es mir immer noch Spass.. Manchmal spiele ich sogar besser wenn ich nicht so viel geschlafen habe, denn dann bin ich irgendwie kreativer."

Er fügte noch an, dass er mindestens 8 Stunden am Tag schläft und dass er nur wenig süsses zu sich nimmt, damit er einen beständigen Blutzuckerspiegel während seiner Partien hat.

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Wir denken mal, dass Ihr nicht persönlich anwesend wart, denn die Eintrittskarten für diese Veranstaltung kosteten zwischen $12,000 und $50,000.

  • Auf weitere Gesundheitsfragen:

"Ich habe eine Zeit lang Yoga gemacht, aber ich habe nie wirklich meditiert. Ich mag es aktiv zu sein, also mache ich das nur zum Spass. Es hilft meinem Schach. Ich glaube, ich sollte mehr meditieren denn ich glaube, die paar Male als ich es probiert habe, habe ich einen klareren Verstand gehabt."

  • Über Computer:

Carlsen sagte, dass er lieber gegen Menschen spielt. "Wenn ich gegen einen Computer spiele, dann denke ich immer dass ich gegen einen Blödmann spiele. Und gegen jemanden zu verlieren, von dem du weißt, dass er das Spiel weniger gut als du selbst versteht, ist kein schönes Gefühl."

  • Wie er mit Niederlagen umgeht:

"Nicht sehr gut. Ich versuche die nächste Partie zu gewinnen. Mir wurde immer gesagt, dass man mit einem Lächeln im Gesicht gewinnen und verlieren sollte, aber seit ich Profi geworden bin, denke ich dass man am besten mit einer Niederlage umgeht, indem man einfach erst garnicht verliert."

  • Über das Leben nach dem Schach:

"Ich bin immer noch motiviert. Ich lerne noch. Und solange es mir Spass macht werde ich weiterspielen. Wer weiß, wie lange das sein wird?"

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  • Wenn Außerirdische die Erde angreifen würden, und er hätte nur eine Partie um die Menschheit zu retten und er hätte Weiß:

"Dann würde ich wohl 1.Sf3 oder die englische Eröffnung spielen. Ich würde keine theoretische Stellung suchen und auf jeden Fall alle Figuren auf dem Brett behalten und meinen Gegner irgendwie versuchen zu überlisten. Und nachdem ich am Anfang ein paar ruhige Züge gemacht hätte, könnte ich wahrscheindlich einschätzen ob die Außerirdischen gut im Schach sind, oder nicht."

  • Über seine Lieblingsgegner:

"Es gibt da einen Spieler aus den USA. Fabio Caruana. Die Partien gegen ihn sind immer sehr interessant. Erstens, weil er wirklich stark ist, aber auch, weil er so geradlinig spielt. Ihm ist es egal ob er gegen mich oder jemand anderen spielt. Er zieht immer seine Strategie durch und fordert mich jedesmal heraus. Es gibt aber noch andere, zum Beispiel den Armenier Aronian oder den Inder Anand."

Hier könnt ihr das ganze Video ansehen. Wenn ihr den Frageteil überspringen wollt, dann seht das Video erst ab 33:30 an. Dann wird Danny Rensch vorgestellt und das Simultanturnier beginnt.

Das Simultanturnier war nicht einfach: 10 Partien wurden gespielt mit einer Zeitkontrolle von 10 Minuten pro Partie und keiner Extrazeit. Carlsen hatte alles unter Kontrolle außer einer Kleinigkeit: Er vergaß eine komplette Partie!

Als alle Partien ausser einer beendet waren, sah Carlsen auf einem Brett seinen unentwickelten Damenflügel und all seine Bauern auf der zweiten Reihe und dachte, die Partie wäre schon beendet und teilweise wieder aufgebaut worden.

Dem war aber nicht so. Magnus hatte einfach seinen Damenflügel noch nicht entwickelt und seine Bauern nicht gezogen. Logischerweise hat er diese Partie dann auf Zeit verloren.

Rensch gab ihm aber eine Chance zur Wiedergutmachung und lies Carlsen die Partie beenden. Zuerst fragte er aber Carlsen noch, wieviele Züge er denn denke, dass die Partie noch dauern würde. Carlsen antwortete: "Sechs oder sieben" und setzte seinen Gegner in sechs Zügen matt!

Diese Prognose beeindruckte die Zuschauer genauso, wie die 9 anderen Siege.

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