Damen Grand Prix München: Kein guter Tag für die deutschen Damen
Alexandra Kosteniuk, die auch als ChessQueen bekannt ist, hat einen schrecklichen Fehler von Elisabeth Pähtz gnadenlos ausgenutzt und damit auch ihre zweite Partie beim FIDE Damen Grand Prix in München gewonnen.
Die zweite deutsche Teilnehmerin, Dinara Wagner, hatte sich gegen Anna Muzychuk eine tolle Stellung erspielt, die aber in Zeitnot völlig zusammenbrach und schließlich musste auch Dinara das Handtuch werfen.
Als erstes war aber eine Partie ohne deutsche Beteiligung beendet. IM Alina Kashlinskaya versuchte in der französischen Vorstoßvariante ein Gambit, aber nachdem Tan Zhongyi im Mittelspiel den Bauern zurückgegeben hatte, erreichten die Spielerinnen ein ungleichfarbiges Läuferendspiel und einigten sich im 31. Zug auf ein Remis.
Foto: David Llada/FIDE.
Elli Pähtz riskierte gegen Kosteniuk das verwegene Evans-Gambit, geriet aber im Mittelspiel ins Stolpern und verschwendete wertvolle Tempi, indem sie ihren Springer von e5 nach f3 und dann wieder zurück nach e5 zog. Im 23. Zug dachte die deutsche Großmeisterin dann, dass Kosteniuks Turm auf e4 gefesselt wäre und zog ihren Läufer nach f4. Leider war der Turm aber nicht gefesselt und somit war die Partie entschieden.
Den direkten Vergleich zwischen den beiden führt Kosteniuk nach 73 gespielten Partien deutlich an:
With today's win, Alexandra Kosteniuk adds to a massive head-to-head lead against Elisabeth Paehtz. It was their 73rd game against each other! pic.twitter.com/kgSaok4uej
— International Chess Federation (@FIDE_chess) February 3, 2023
Mit einer wahren Desperado-Taktik erspielte sich Zhu Jiner gegen Harika Dronavalli einen mächtigen Freibauern. Im daraus resultierenden gewonnen Endspiel wählte Zhu aber dann ein wenig effektives Feld für ihren Turm und ermöglichte Harika einen Konter und einen eigenen Freibauern zu schaffen. Nachdem Zhu dann die schwarzen Bauern am Königsflügel verschlungen und Harika alle weißen Bauern am Damenflügel eingesammelt hatte, endete die Partie mit einer dreifachen Stellungswiederholung.
Im Interview nach der Runde sagte Harika: "Es war eine sehr spannende Partie und ich denke, dass ich mit dem Remis mehr zufrieden sein kann. Ich spiele hier seit langer Zeit wieder zum ersten Mal klassisches Schach und ich nehme einfach jede Partie wie sie kommt."
Anna Muzychuk schaffte gegen Dinara Wagner ein unglaubliches Comeback. Zunächst erlangte Wagner gegen die Grünfeld-Verteidigung der ukrainischen Großmeisterin eine dominante Stellung, indem sie sich im Zentrum ausbreitete und ihre Schwerfiguren auf der f-Linie vertrippelte, was eine scharfe Spannung am Königsflügel erzeugt. Muzychuk hielt jedoch dem immensen Druck stand und gewann dann in Zeitnot sogar die Oberhand. Als Wagner dann einen Bauern einstellte, übernahm Muzychuk das Kommando über das Endspiel und verwandelte es im 70. Zug in einen Sieg.
Dieser turbulente Kampf ist unserer Partie des Tages und Großmeister Rafael Leitao hat sie für uns analysiert.
Time troubles can be cruel. Dinara Wagner missed drawing chances and, when the fog settled, found herself down a pawn in a queen endgame. pic.twitter.com/TpAXSQpKdN
— International Chess Federation (@FIDE_chess) February 3, 2023
Die Kasachin Zhansaya Abdumalik nutzte einen Fehler ihrer Gegnerin Humpy Koneru, um den abenteuerlustigen weißen Turm im damenlosen Mittelspiel in eine Falle zu locken. Die indische Großmeisterin kämpfte aber mit einer Qualität weniger weiter. Obwohl Abdumalik dann auch noch ihren Turm auf die zweite Reihe bringen und einige weiße Bauern einsammeln konnte und Koneru ihren Läufer für einen der dadurch entstandenen Mehrbauern opfern musste, fand die Kasachin einfach keinen Weg, das Endspiel Turm und Läufer gegen Springer und 2 Bauern zu gewinnen. Es war aber auch wirklich schwer und die Gewinnwege, die der Computer aufzeigt, sind schwer zu verstehen.
In der längsten Partie des Tages hatte Mariya Muzychuk gegen Nana Dzagnidze bereits drei Bauern gewonnen und die Georgierin hatte als Kompensation dafür nur etwas Druck am Königsflügel. Muzychuk opferte zwei Bauern, um in ein vorteilhaftes Damenendspiel abzutauschen, fand aber dann keinen Weg, um es zu verwandeln und die Partie endete nach 81 Zügen Remis.
Die Kreuztabelle

Alle Partien der 2. Runde
Der FIDE Damen Grand Prix besteht aus vier Turnieren. Das zweite davon wird vom 1. bis zum 14. Februar in München gespielt. Das Format ist ein Rundenturnier für 12 Spielerinnen. Die Bedenkzeit beträgt 90 Minuten für die ersten 40 Züge, 30 Minuten für den Rest der Partie und einem Inkrement von 30 Sekunden pro Zug. Der Preisfonds bei diesem Turnier beträgt 80.000 Euro.
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