Eljanov-Nepomniachtchi: War das Bauernendspiel wirklich gewonnen?

Eljanov-Nepomniachtchi: War das Bauernendspiel wirklich gewonnen?

Pavel Eljanov gewann in der dritten Runde des FIDE Grand Prix in Genf eine unterhaltsame Partie gegen Ian Nepomniachtchi. Mit einem tollen Qualitätsopfer räumte er den Weg für seinen d-Bauern frei, aber war diese Stellung dann wirklich gewonnen?

Pavel Eljanov in der dritten Runde. | Foto: WorldChess

Bei sieben Remis in 9 Partien hat sich in der Tabelle natürlich nicht viel verändert. Radjabov verteidigte seine Führung und Eljanov schoss in die Verfolgergruppe auf, die nun aus 6 Spielern besteht. Rapport verlor seine zweite Partie nach fast sieben Stunden Spielzeit, nachdem er gegen Jakovenko ein Endspiel Turm gegen Turm und Springer in den Sand setzte.

Genf Grand Prix | Ergebnisse der 3. Runde

Brett Gesetzt Land Name ELO Pt. Ergebnis Pt. Land Name ELO Gesetzt
1 1 Aronian 2809 ½-½ 2 Radjabov 2724 12
2 8 Harikrishna 2737 ½-½ Mamedyarov 2800 2
3 9 Adams 2736 ½-½ Grischuk 2761 4
4 3 Giri 2775 1 ½-½ 1 Li Chao 2735 10
5 5 Svidler 2749 1 ½-½ 1 Gelfand 2728 11
6 7 Eljanov 2739 1 1-0 1 Nepomniachtchi 2742 6
7 13 Inarkiev 2707 ½ ½-½ ½ Hou Yifan 2666 16
8 15 Rapport 2694 ½ 0-1 ½ Jakovenko 2703 14
9 17 Riazantsev 2654 ½ ½-½ 0 Salem 2638 18

Manchmal glaubt man an eine Idee, und der Glaube daran ist so stark, dass andere auch beginnen daran zu glauben. Wir sprechen hier aber nicht über eine Religion oder die Existenz von UFO´s, sondern vom Schach.

Seht Euch diese Stellung an - Schwarz ist am Zug.

Pavel Eljanov schätzte dieses Endspiel als gewonnen für Weiß ein. Nach der Partie sagte er: "Nach dem Qualitätsopfer ist die Stellung bereits hoffnungslos. Gerade noch rechtzeitig konnte ich alles verteidigen und meinen Bauern vorziehen."

Diese Stellung kam jedoch nie zu stande, denn Ian Nepomniachtchi entschied sich dazu, sie zu vermeiden. Er dachte wahrscheindlich auch, dass Schwarz verloren wäre, wegen des entfernten weißen Freibauern.

In der Realität war dieses Endspiel aber ein Remis, zumindest in der Zeit, die dem Autor dieses Berichts zur Verfügung stand, sich dieses Endspiel anzusehen. Die Computer haben aber auf die schnelle auch keinen Gewinn gefunden.

Dieser Bauer wurde übrigends von Jonathan Rowson in seinem Buch "Understanding the Grünfeld" auf den Namen Delroy getauft, lange bevor Simon Williams anfing, den h-Bauern "Harry" zu nennen! 

Aber zurück zur Partie. Der Punkt ist: Vielleicht war die schwarze Stellung gar nicht so hoffnungslos...

WGM Anna Burtasova sprach nach der Partie mit GM Pavel Eljanov.

Nach 2 Siegen in Folge musste Teimour Radjabov mit den schwarzen Figuren gegen Levon Aronian antreten. Er hatte sich gut auf Aronian's 8.Sa3 vorbereitet, mit dem der Armenier gegen Anish Giri in Wijk aan Zee gewonnen hatte.

Radjabov sagte, er war froh eine Stonewall Stellung spielen zu können denn er spielt diese Stellungen schon sein ganzes Leben und auch Magnus Carlsen hatte ja in letzter Zeit einige Erfolge mit diesem Aufbau erzielt. Ein solch ungefährdetes Remis gegen einen Spieler wie Aronian zu erreichen, ist sicher ein Erfolg.

WGM Anna Burtasova sprach nach der Partie mit GM Teimour Radjabov.

Richard Rapport durchlebte den Alptraum eines jeden Schachspielers. Du hast eine schlechtere Stellung, musst einen Bauern geben und dich trotzdem weiter verteidigen. Du verteidigst dich wirklich gut aber dein Gegner drückt und drückt. Nach 6 Stunden und 45 Minuten hast Du dann endlich den sicheren Hafen erreicht und deinem Gegner bleibt nichts als ein Endspiel Turm und Springer gegen Turm.

Dieses Endspiel ist ja bekanntlich Remis und leichter Remis zu halten als das Endspiel Turm und Läufer gegen Turm, oder? Tja.... nicht unbedingt wenn es fast 9 Uhr schlägt und Du seit 2 Uhr am Brett sitzt. Ein einziger falscher Zug, und auf einmal war Weiß verloren.

Unser Lob gilt aber auch Dmitry Jakovenko, der das unmögliche versucht hatte. Das ist auch etwas, was einen guten Schachspieler ausmacht.

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Ein harter Arbeitstag für Richard Rapport. | Foto: WorldChess.

Genf Grand Prix | Tabelle nach der 3. Runde

Platz Gesetzt Land Name ELO Lstg. Punkte
1 12 Radjabov, Teimour 2724 3053 2,5
2-7 1 Aronian, Levon 2809 2841 2
2-7 2 Mamedyarov, Shakhriyar 2800 2844 2
2-7 4 Grischuk, Alexander 2761 2832 2
2-7 7 Eljanov, Pavel 2739 2831 2
2-7 8 Harikrishna, Pentala 2737 2850 2
2-7 9 Adams, Michael 2736 2832 2
8-12 3 Giri, Anish 2775 2699 1,5
8-12 5 Svidler, Peter 2749 2722 1,5
8-12 10 Li Chao 2735 2777 1,5
8-12 11 Gelfand, Boris 2728 2763 1,5
8-12 14 Jakovenko, Dmitry 2703 2750 1,5
13-16 6 Nepomniachtchi, Ian 2742 2600 1
13-16 13 Inarkiev, Ernesto 2707 2622 1
13-16 16 Hou Yifan 2666 2580 1
13-16 17 Riazantsev, Alexander 2654 2560 1
17-18 15 Rapport, Richard 2694 2456 0,5
17-18 18 Salem, Saleh 2638 2443 0,5

Die Paarungen der vierten Runde lauten: Radjabov-Harikrishna, Grischuk-Aronian, Mamedyarov-Eljanov, Svidler-Adams, Gelfand-Giri, Li Chao-Jakovenko, Nepomniachtchi-Hou Yifan, Riazantsev-Inarkiev and Salem-Rapport.

Der Genfer Grand Prix findet vom 6. bis um 15. Juli im Hotel Le Richemond in Genf statt. Die Teilnehmer spielen um einen Preisfond von €130,000 / $148,520. Die Bedenkzeit beträgt 100 Minuten für 40 Züge, dann 50 Minuten für weitere 20 Züge und 15 Minuten für den Rest der Partie sowie 30 Sekunden Extrazeit pro Zug, ab dem ersten Zug.


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