Fedoseev, MVL, Rapport, So und Svidler stehen im Viertelfinale

Fedoseev, MVL, Rapport, So und Svidler stehen im Viertelfinale

Vladimir Fedoseev, Maxime Vachier-Lagrave, Richard, Rapport, Wesley So und Peter Svidler qualifizierten sich in den Tiebreaks für das Viertelfinale des FIDE World Cups in Tiflis.

Grischuk gibt die Partie gegen MVL Remis und besiegelt damit sein Ausscheiden. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Da warens nur noch acht.

Nachdem sich Aronian, Ivanchuk und Ding Liren bereits gestern für das Viertelfinale qualifiziert hatten, wurden die anderen 5 Achtelfinals heute in den Tiebreaks entschieden. Es war aber ein relativ kurzer Tag, denn 4 Duelle waren bereits nach 2 Partien entschieden und nur ein Achtelfinale ging bis zur 10+10 Phase, aber dann war auch dieses Duell vorbei.

Im Viertelfinale sehen wir nun die folgenden Paarungen: Svidler-MVL, Ivanchuk-Aronian, So-Fedoseev und Rapport-Ding.

2017 World Cup | Round 4 Results

Land Spieler Land Spieler Klassisch Schnellschach Blitz Gesamt
Svidler (2756) Bu Xiangzhi (2714) ½-½, ½-½ 2-0 3-1
Vachier-Lagrave (2804) Grischuk (2788) ½-½, ½-½ ½-½, ½-½, 1-0, ½-½ 3½-2½
Ivanchuk (2727) Giri (2777) 1-0, ½-½ 1½-½
Dubov (2666) Aronian (2802) ½-½, 0-1 ½-1½
So (2792) Jobava (2702) ½-½, ½-½ 1-0, ½-½ 2½-1½
Rodshtein (2695) Fedoseev (2731) 0-1, 1-0 0-1, 0-1 1-3
Rapport (2675) Najer (2694) ½-½, ½-½ ½-½, 1-0 2½-1½
Wang Hao (2701) Ding Liren (2771) ½-½, 0-1 ½-1½

"Genna Sosonko kann Maia Chiburdanidze's Erklärungen nicht ganz folgen."

Vor wenigen Tagen besiegte er noch den Weltmeister, aber heute war nicht der Tag von Bu Xiangzhi. Er verlor beide Schnellschach Partien gegen Peter Svidler.

In der ersten Partie wurde der Chinese mit Weiß überspielt, verlor dann eine Qualität und erlaubte dann noch ein "Matt-in-Eins".

"Die erste Partie war eigentlich ganz gut," sagte Svidler, der dachte, dass er leichter gewinnen hätte können. Als Bu nur noch wenig Bedenkzeit hatte brachte Svidler den Chinesen aus dem Gleichgewicht indem er Züge spielte, mit denen sein Gegner überhaupt nicht gerechnet hatte.

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Der Start der Tiebreaks. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Bu musste daraufhin die zweite Partie gewinnen, aber seine Eröffnung wurde zu einem Eigentor, was in diesen Situationen ja des öfteren passiert. Die ersten Züge waren 1.Sf3 f5 2.d3 d6 3.e4, was noch ganz normal, und eigentlich ein guter Weg ist, um die hölländische Eröffnung zu umgehen.

Aber nach 3...e5 4.Sc3 und Le7 entschied sich Svidler für 5.d4!?, was zu einer Philidor Stellung mit ...f5 führte, bei der Schwarz den Extra-Zug ...Le7 hat (Arne Moll hat erst vor kurzem in seinem Blog eine Partie von Morphy mit dieser Stellung vorgestellt). Das war aber der ganze Vorteil des Russen und zu keiner Zeit hatte Svidler eine gewonnene Stellung.

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Es war einfach nicht Bu's Tag. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Hier ist, wie der Sieger die Partie sah: "Er ist extrem stark in der langen Bedenkzeit. Seine Stärke ist, dass er so genau spielt, also die Figuren auf guten Feldern platziert und die ganzen Grundlagen so super gut beherrscht und umsetzt. Als er aber mit Schwarz auf Gewinn spielen musste, wurde er konfus und übersah schon früh eine Taktik: Se4-g5!"

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Svidler's Antwort auf die Frage, ob er im Viertelfinale lieber gegen MVL oder Grischuk spielen möchte: "Kann ich bitte in der unteren Hälfte des Turnierbaums weiterspielen?" | Foto: Chess.com/Maria Emelianova. 

Die Hoffnung, die die lokalen Fans in Baadur Jobava gesetzt hatten, ist verpufft. Der Georgier musste im Achtelfinale gegen Wesley So antreten, der zwar in den klassischen Partie seine liebe Mühe mit dem Lokalmatador hatte aber heute anscheinend seinen Glücksbringer dabei hatte. Die zweite Partie endete mit einem Remis, aber wir sehen uns lieber den beeindruckenden Sieg von Wesley So in der ersten Partie an:

"Es war ein hartes Achtelfinale," sagte So. "Baadur war wirklich kreativ. Er wollte zurückschlagen und hatte ein Heimspiel und eine Menge Fans haben ihn unterstützt."

"Gestern hatte ich eine sehr zweifelhafte Stellung gehabt und ich bin echt glücklich, dass ich diese Partie überlebt habe. Heute lief es besser und ich danke Gott, dass er mich dieses Duell gewinnen lies."

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Wesley So stoppt die Uhr und reklamiert ein Remis. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

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Die Reklamation war zurecht, und somit endete die Partie an diesem Punkt. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Wesley So sagte zu Chess.com, dass er zum erstenmal in seinem Leben das Viertelfinale in einem Weltcup erreicht häbe und wies auch darauf hin, dass er bereits 6 Tage vor dem Turnier nach Tiflis gereist war, um sich vom Jetlag zu erholen.

Evgeniy Najer, ein weiterer "Drachentöter" (er warf Fabiano Caruana aus dem Turnier), hatte in der ersten Partie gute Chancen aber Richard Rapport konnte sich in ein Remis retten. In der zweiten (absolut verrückten!) Partie, war der Ungar dann in seinem Element. In einem Dschungel an taktischen Möglichkeiten überspielte er seinen Gegner, aber am Ende hatte Najer doch noch eine Möglichkeit um ein Remis zu erzielen.

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Der an Nummer 51 gesetzte Richard Rapport ist jetzt unter den letzten 8. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Maxim Rodshtein konnte sich durch seinen gestrigen Sieg in den Tiebreak retten und schien einen psychologischen Vorteil zu haben, aber Vladimir Fedoseev zeigte überhaupt keine Nerven und gewann beide Schnellschach Partien. In der ersten Partie hatte sein Gegner am Ende aber gnädig mitgeholfen.

Bei dieser Partie würde übrigends zum dritten Mal beim Weltcup ein ungültiger Zug gespielt. Fedoseev bekam zwei Minuten auf der Uhr gutgeschrieben, was die Bestrafung für den ersten ungültigen Zug beim Weltcup ist. Ein zweiter ungültiger Zug würde die Partie verlieren.

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Fedoseev sagte, dass er besonders in der ersten Partie sehr nervös war. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

In der zweiten Partie hatte es aber den Anschein, als ob Rodshtein Chancen gehabt hätte. Zumindest konnte er eine unausgeglichene Stellung erreichen aber Fedoseev spielt in dieser Phase extrem stark. Er beschreib seine Stellung mit den Worten: "Wie man so schlecht wie möglich spielt, wenn man nur ein Remis braucht."

Der russische Großmeister erklärte, dass er aus dem Tag zuvor, als er ebenfalls nur ein Remis benötigte, seine Lehren gezogen hatte: "Ich muss einfach immer auf Gewinn spielen. Wenn ich meinen Stil ändere, bekomme ich Probleme."

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Für Maxim Rodshtein ist das Turnier beendet. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Das hochklassige Duell zwischen Maxime Vachier-Lagrave und Alexander Grischuk war das längste Duell des Tages. Die ersten beiden Schnellschach-Partien endeten Remis, aber dann konnte MVL die erste 10+10 Partie gewinnen. (Seht Euch nur diese Bauern an!)

"Meine Vorbereitung hat hervorragend Funktioniert und ich konnte endlich einmal Druck auf Sasha (Grischuk) ausüben," sagte MVL. "Nachdem es mir gelungen war die Damen zu tauschen konnte ich mit meinen Zentrumsbauern vorrücken und hatte das Gefühl, dass ich gewinnen würde."

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Wesley So sieht bei MVL-Grischuk zu. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Bemerkenswert war, dass nach dem gestrigen Endspiel bei der Partie Aronian gegen Dubov, Grischuk und MVL heute ein Endspiel mit genau den selben Figuren auf dem Brett hatten. Der einzige Unterschied bei der zweiten 10+10 Partie war, dass sich die Bauern nicht auf g2 und g5, sondern auf g3 und h3 nebeneinander waren.

Lange war die Partie theoretisch gewonnen, aber anders als Aronian, konnte Grischuk mit nur 10 Sekunden Zeit für jeden Zug, den Gewinn nicht finden:

Vachier-Lagrave: "Zuerst war ich davon überzeugt, dass ich dieses Endspiel halten könnte, aber dann habe ich einen Fehler gemacht. Ich war in ernsthaften Schwierigkeiten und dass ich das Remis erzielt habe, grenzt an ein Wunder. Ich konnte eine Festung bauen, die ich nie bauen hätte dürfen."

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Der Franzose zeigte sich für den Rest des Turniers vorsichtig optimistisch: "Die Intensität dieses Duells war so groß, als wäre es das Finale gewesen, Es liegen noch 3 schwere Runden vor mir, aber wenn ich es schaffe diese Leistung zu konservieren, dann brauche ich mir keine Sorgen machen."

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(Für eine größere Version einfach auf das Bild klicken.)

Games von TWIC.

Der Weltcup findet vom 3. bis zum 27. September in der georgischen Hauptstadt Tiflis statt. Jede Runde besteht aus 2 klassischen Partien (nur im Finale sind es 4) und danach folgt, je nach Bedarf, ein Tiebreak im Schnell- und Blitzschach. Das Preisgeld bei diesem Turnier beträgt $1.600.000 und der Sieger bekommt mit $120.000 den Löwenanteil davon. Zusätzlich qualifizieren sich die beiden Finalisten für das Kandidatenturnier 2018.

Chess.com überträgt alle Partien des Weltcups live auf Chess.com/Live. Außerdem könnt ihr Live Kommentare der besten Kommentatoren der Welt, der Chessbrahs, also GM Eric Hansen, GM Robin van Kampen, GM Yasser Seirawan und IM Aman Hambleton auf  Chess.com/TV sehen.


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