Juniorenweltmeister Xiong qualifiziert sich für die Speedschachmeisterschaft

Juniorenweltmeister Xiong qualifiziert sich für die Speedschachmeisterschaft

Der amtierende Juniorenweltmeister Jeffery Xiong ist der Überraschungssieger des dritten Qualifikationsturniers für die Chess.com Speedschachmeisterschaft. Aber wie kann so ein Megatalent ein Überraschungssieger sein? Ok, erstens war er "nur" an Position 25 bei 166 Teilnehmern gesetzt und zweitens verlor er gleich seine Auftaktpartie. Eigentlich sind bei einer Auftaktniederlage bei einem 10 Runden Turnier alle Gewinnchancen vorbei, aber Xiong lief zu einer großartigen Form auf, und erspielte sich 8.5 Punkte aus den letzten 9 Runden.

Dies ist umso bemerkenswerter, da Xiong regelmäßíg bei den Titled Tuesday Turnieren teilnimmt, aber noch nie eines gewinnen konnte. Er wird nun entweder gegen Magnus Carlsen, Hikaru Nakamura, Sergey Karjakin oder  Maxime Vachier-Lagrave spielen. Gegen wen genau er spielen wird, entscheidet sich nächsten Dienstag, wenn der vierte und letzte Qualifikant ausgespielt wird. Bis jetzt haben sich, neben Xiong, die GMs Georg Meier und Sergey Grigoriants qualifiziert.

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Auch wenn die Schweizer-Gambit Eröffnung von Xiong nicht genau nach seinen Vorstellungen verlief, sah seine Stellung mit Mittelspiel, dank seines starken Läuferpaars, doch vielverprechend aus.

Xiong gewann dann seine nächsten 4 Partien und musste dann gegen GM Zviad Izoria antreten, der eine Figur opfern musste, als sich sein Springer auf dem Damenflügel vergaloppierte. Eine sehr schöne Defensivtaktik hätte das Pony aber noch retten können.

Dann drehts sich alles um die letzten beiden Runden. Xiong's Partien waren nicht immer sauber gespielt aber in den kompliziertesten Stellungen fand er immer die besseren Züge als seine Gegner. In der neunten Runde gegen IndianLad verzauberte er die Kommentatoren Danny Rensch and Anna Rudolf. IndianLad lag bis dahin in Führung und akzeptierte in der Runde zuvor in einer fantastischen Position ein Remis. Wie die beiden Kommentaroren richtig vorausahnten rächte sich diese Entscheidung, denn ab dann lag ein schlechtes Karma über dem Inder.

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Vor der letzten Runde führte Xiong mit einem halben Punkt vorsprung. Mit einem weiteren Sieg hätte er also den Turniersieg sicher gehabt, und mit einem Remis zumindest die Play-Offs erreicht. Beide Optionen schienen aber schon nach wenigen Zügen unerreichbar zu sein, denn Xiong setzte seine Eröffnung gegen GM Jose Ibarra Jerez total in den Sand.

Durch dieses Remis hatte GM Eduardo Iturrizaga noch die Chance Xiong einzuholen, aber er musste gegen den an Nummer 2 gesetzten GM Darius Swiercz antreten. Er verlief sich in einem Königsindischen Angriff und verlor dann zuerst eine Figur und schließlich auch die Partie.

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Swiercz spielte in jedem Qualifikationsturnier extrem stark. Kann er das vierte Turnier gewinnen?

Während Xiong seinen Turniersieg unter Dach und Fach brachte, sorgten zwei weitere Champions für Höhepunkte des Turniers. Hikaru Nakamura, der kürzlich zum dritten Mal die Zurich Chess Challenge gewann, startete genauso wie Xiong mit einer Niederlage in das Turnier. Er verlor ein "Bauernrennen" gegen FM Andrii Punin.

Gegen GM Alexandra Kosteniuk startete Nakamura einen kreativen Angriff.

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Einen weiteren Höhepunkt setzte die frischgebackene US Meisterin Sabina Foisor. Sie holte aus 9 Partien 6 Punkte und damit genausoviele wie die russische Meisterin Alexandra Kosteniuk. In der neunten Runde erreichte sie das berühmte Endspiel Zwei Springer gegen einen Bauern.

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U.S. Meisterin Sabina Foisor mit ihrem Verlobten, GM Elshan Moradiabadi.

Eigentlich können zwei Springer den gegnerischen König ja nicht Matt setzen, aber wenn noch ein Bauer auf dem Brett ist, sieht die Sache anders aus. Der Bauer kann von einem Springer blockiert werden, während der andere Springer zusammen mit dem König, den gegnerischen König in eine Ecke treibt. Im letzten Moment gibt der zweite Springer dann die Bauern-Blockade auf und kommt dem ersten zu Hilfe und setzt Matt. Eigentlich wäre der König schon lange Patt gesetzt aber der Bauer kann ja jetzt wieder ziehen. Bei dieser Idee ist es wichtig, den Bauern so weit wie möglich von der Grundreihe entfernt, hinter der sogenannten "Troitsky Linie", zu blockieren. In Foisor's Fall war der b-Bauer ein Feld zu weit vorgerückt, was ihrem Gegner ein Remis ermöglichte.

Willst Du dieses Endspiel versuchen? Dann probier es einfach auf Chess.com/Training.

Foisor führte diese unglaubliche Strategie durch (unterstützt durch einen Fehler ihres Gegners), aber 2 Züge vor dem Matt reklamierte ihr Gegner die 50-Zug-Regel. Hätte Ihr Gegner den legalen Zug 102...b4 gezogen, hätte er einen Bauernzug gemacht und somit hätte Foisor 50 weitere Züge Zeit gehabt, den Gegner Matt zu setzen. Eine der Schwierigkeiten dieses Endspiel ist es, dass man selbst bei perfektem Spiel machmal mehr als 50 Züge braucht, um Matt zu setzen.

Abschlußtabelle (Sieben Punkte und mehr)

Platz Gesetzt Land Titel Benutzername Name Punkte
1 25 GM jefferyx Jeffery Xiong 8.5
2 11 GM jcibarra José Carlos Ibarra Jerez 8
3 20 IM Keranke Vladimir Seliverstov 8
4 15 GM Sebastian Leinier Dominguez Perez 8
5 2 GM daro94 Dariusz Swiercz 8
6 14 IM JoachimBN Joachim B Nilsen 8
7 8 GM Fandorine Maksim Chigaev 7.5
8 21 GM iturrizaga Edwardo Bonelli Iturrizaga 7.5
9 29 IM Yaacovn Yaacov Norowitz 7
10 5 GM Indianlad Mystery Man 7
11 101 FM djano Dawid Janaszak 7
11 10 GM TenisMaster Yuniesky Quesada 7
13 27 GM Konavets Samuel Sevian 7
14 148 FM abubakrtagelsir Abubaker Tagelsir 7
15 84 FM djogrodek1 7
15 33 GM Spartakus1975 Спартак Высочин 7
17 150 WCM tanki97 Rochelino Watermelon 7
18 45 GM BogdanDeac Bogdan Daniel Deac 7
18 67 IM Cryptochess Alexander Katz 7

Die vollständige Tabelle findest Du hier.

Hast Du dieses Turnier verpasst? Du kannst es in voller Länge mit den Live-Kommentaren von IM Danny Rensch and IM Anna Rudolf hier ansehen!

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Xiong gewann auch noch $500 durch seinen Sieg. Die GMs Ibarra Jerez, Leinier Dominguez Perez, Swiercz und die IMs Vladimir Seliverstov und Joachim Nilsen erhielten jeweils $180 für den geteilten zweiten Platz. Den $100 Preis für die unterhaltsamste Vorstellung erhielt Publikumsliebling GM Matej Sebenik (AKA Raphael).

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