Mamedyarov erreicht die 2800 Marke in Moskau

Mamedyarov erreicht die 2800 Marke in Moskau

Durch seinen zweiten Sieg in Folge, zog Shakhriyar Mamedyarov nicht nur mit Ding Liren in der Tabelle des FIDE Grand Prix in Moskau gleich; der Aserbaitschaner wurde dadurch auch der 13. Spieler in der Schachgeschichte, der die 2800 ELO Marke in den Live Ratings knackte.

Shakhriyar Mamedyarov hat nur eine Live-ELO von 2801.1! | Foto: Maria Emelianova.

Mamedyarov's Form ist wirklich beeindruckend. Seit dem 21. April gewann die Nummer 1 Aserbaitschands 29.1 ELO Punkte hinzu. 9 beim Gashimov Memorial, 13.9 in der russischen Mannschaftsmeisterschaft (wo er alle 4 Partien gewann) und bis jetzt 6.2 in Moscow. In diesem Zeitraum verlor er nur eine einzige Partie (in der achten Runde von Shamhir gegen Radek Wojtaszek).

So schön wie Mamedyarov's Live Rating auch aussieht, wird er sich aber mehr auf das Turnier selbst und den Grand Prix Gesamtstand interessieren. Seine Fans rechnen hingegen schon, wie lange es noch dauern wird, bis er den 11.1 Punkte Rückstand auf die Nummer 2 der Welt, Wesley So, aufgeholt haben wird.

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Ehrlicherweise muss aber gesagt werden, dass es heute weniger Mamedyarov´s Sieg, als Salem Saleh´s Niederlage war.

In dieser faszinierenden Partie hielt der Großmeister aus den Vereinigten Arabischen Emiraten lange mit und war in einem Damenendspiel nahe an einem Remis. Nach sechs Stunden Spielzeit verpasste Salem aber gleich mehrmals die besten Verteidigungszüge.

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Salem konzentriert sich im Damenendspiel. | Foto: Maria Emelianova.

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Verlierer und Gewinner hatten gleichermaßen Spass bei der Pressekonferenz. | Foto: Maria Emelianova.

Die Partie des Tages war Paco Vallejo gegen Teimour Radjabov.  In der Rossolimo Variante der Sizilianischen Verteidigung schien Vallejo alles auf eine Karte zu setzen. Vielleicht waren dem spanischen Großmeister ja die 12 Remis in Serie, die er in den bisherigen Grand Prix erzielt hatte, zu langweilig geworden?

Wie auch immer, auf jeden Fall haben wir eine verrückte Partie gesehen. 

"Dies war eine der kompliziertesten Partien, die ich in letzter Zeit gespielt habe" fasste Radjabov die Geschehnisse auf dem Brett zusammen.

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Radjabov, über seine Idee, einen Bauern in einen Springer umzuwandeln: "Eine der kompliziertesten Partien, die ich in letzter Zeit gespielt habe." | Foto: Maria Emelianova.

Alexander Grischuk erzielte sein viertes Remis in Folge, aber dieses Mal war es eine echte Partie. Her hatte Maxime Vachier-Lagrave die Schlinge schon um den Hals gelegt, aber vergab den Sieg im 40. Zug, wie er selbst dachte.

"Ich hatte schnell einen Vorteil und dachte ich würde gewinnen. Mein 40. Zug war ein Riesen-Fehler. Wenn ich 40.d6 spiele statt 40.Te8+ würde ich wohl gewinnen. Über meinen 41. Zug habe ich dann eine halbe Stunde nachgedacht und keine Gewinnchance mehr gesehen." sagt Grischuk.

"Igendwie hab ich garnicht verstanden was da schiefgelaufen ist," sagte MVL. "Ich dachte, ich würde gut stehen, und plötzlich kam mir, dass alle seine Figuren auf optimalen Feldern waren. Da konnte ich nicht mehr viel ausrichten."

Der Franzose dachte, dass Grischuk heute mehr als eine Gewinnchance ausgelassen hat: "Irgendwie bin ich ihm entkommen. Es ist wie ein Wunder."

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"Warum hab ich nicht einfach den Bauern gezogen...?" | Foto: Maria Emelianova.

Grischuk, der immer noch unter dem nasskalten Moskauer Wetter leidet, sagte noch: "Die Partie heute war natürlich eine Enttäuschung aber wenn man bedenkt, dass ich noch gestern so erkältet war, dass ich kaum atmen konnte, und nur versucht habe zu überleben, ist es eigentlich ein Erfolg, mit einem der besten Spieler der Welt mitgehalten zu haben."

Michael Adams war den zweiten Tag in Folge sehr kritisch mit sich selbst. Der Engländer entschied sich gegen Ian Nepomniachtchi für die 6.g3 Najdorf Eröffnung, mit der beide Spieler kürzlich eher schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Der Russe verlor mit dieser Eröffnung im Winter in Wijk aan Zee gegen Anish Giri. "Ich musste also etwas vorbereiten," sagte er. 

Adams Hauptproblem war, dass er im frühen Mittelspiel einfach keinen guten Plan entwickeln konnte. "Mit diesem 24.h4, 25.Lf3 und 26.Lg2 habe ich den Faden komplett verloren," sagte er. "Ich hätte irgendwann einfach Sb2 spielen sollen. In den letzten Runden muss ich einfach besser spielen. So einfach ist das."

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Adams gibt gegen Nepomniachtchi auf. | Foto: Maria Emelianova.

Nepomniachtchi, der jeden Tag 40 Minuten zu Fuß von seiner Wohnung in den Turniersaal geht, hat nach 4 Partien immer noch kein Remis. "Nach jeder zweiten Partie ärgere ich mich fürchterlich über mich selbst. Morgen darf ich mit  Weiß auf keinen Fall verlieren, dann wenn man zweimal in Folge mit Weiß verliert, bringt das Unglück."

Hikaru Nakamura spielte gegen Hou Yifan in seiner vierten Partie zum vierten Mal Unentschieden. Der Amerikaner versuchte eine Königsindischen Angriff, der auch im Standart-Repertoire des jungen Bobby Fischers war.

Es ist untypisch für diese Eröffnung, aber irgendwie fand heute das meiste auf dem Damenflügel statt, und es hatte den Anschein, dass Hou sehr genau spielte und die die Partie zu jeder Zeit im Griff hatte.

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Nakamura zeigte sich nach seinem vierten Remis in Folge, enttäuscht. | Foto: Maria Emelianova.

Jon Ludvig Hammer zeigte sich in Moskau bis jetzt von seiner besten Seite und spielte auch heute gegen Anish Giri wirklich stark, und stand kurz vor einem Sieg.

"Ich glaube, ich hatte einen großen Vorteil," sagte er. "Anish sagte mir zwar, dass das gesamte Endspiel immer Remis war, aber ich bin ein Optimist im Schach. Besonders wenn es um meine eigenen Partien geht, bin ich immer optimistisch und so dachte ich, dass ich gewinnen hätte können, und ich nur nicht sah, wie. Ich dachte, die Stellung wäre extrem schwierig zu Verteidigen, aber Anish hat das Klasse gemacht. Wirklich stark von ihm."

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Ein weiteres Remis, aber eines, mit dem Hammer zufrieden sein kann. | Foto: Maria Emelianova.

Giri: "I habe einfach gezockt und mal probiert was nach 19...Dg6 so passiert. Ich habe mich da auch etwas aufs Glück verlassen, aber vielleicht hätte ich noch etwas mehr Glück gebraucht."

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Giri und Hammer unterhalten sich über ihre Partie. | Foto: Maria Emelianova.

Nach vier absolvierten Runden können wir also mit Freude feststellen, dass der Patient namens Grand Prix vom Remisfieber geheilt wurde. Interessanterweise wurden von den 11 Partien, die bis jetzt gewonnen wurden, 9 davon mit den schwarzen Figuren gewonnen! Solltet ihr dafür irgendwelche Erklärungen haben, schreibt diese doch bitte in die Kommentare

2017 Moskau Grand Prix | Tabelle nach der 4. Runde

Platz Gesetzt Land Titel Name ELO Punkte ELO+/-
1 4 GM Ding Liren 2773 3 6,6
5 GM Mamedyarov Shakhriyar 2772 3 6,2
3 6 GM Svidler Peter 2755 2,5 2,7
13 GM Radjabov Teimour 2710 2,5 7,5
5 1 GM Vachier-Lagrave Maxime 2795 2 -4,2
2 GM Nakamura Hikaru 2786 2 -4,8
3 GM Giri Anish 2785 2 -4,5
7 GM Nepomniachtchi Ian 2751 2 -4,9
8 GM Grischuk Alexander 2750 2 -2,4
12 GM Gelfand Boris 2724 2 2,1
15 GM Tomashevsky Evgeny 2696 2 3,2
16 GM Hou Yifan 2652 2 6,7
17 GM Salem A.R. Saleh 2633 2 6,8
18 GM Hammer Jon Ludvig 2621 2 7,1
15 9 GM Harikrishna P. 2750 1,5 -7,5
14 GM Vallejo Pons Francisco 2710 1,5 -2,5
17 10 GM Adams Michael 2747 1 -8,4
11 GM Inarkiev Ernesto 2727 1 -9,7

Die Auslosung der fünften Runde ergab folgende Partien: Mamedyarov-Ding, Svidler-Radjabov, MVL-Salem, Giri-Nakamura, Nepomniachtchi-Gelfand, Hou Yifan-Grischuk, Tomashevsky-Hammer, Harikrishna-Adams und Vallejo-Inarkiev.

Das Turnier geht bis zum 21. Mai, wobei am 17. Mai ein Ruhetag ist. Gespielt werden 9 Runden nach Schweizer System. Die 18 Teilnehmer kämpfen um einen Preisfond von 130.000 Euro. Nach Moskau finden noch 2 weitere Grand Prix statt: im Juli in Genf und im November in Palma de Mallorca. Die ersten beiden der Gesamtwertung qualifizieren sich für das Kandidatenturnier 2018.

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