Mit Weiß gewinnen; Mit Schwarz remisieren; Aronian, So und Ding stehen im Halfinale

Mit Weiß gewinnen; Mit Schwarz remisieren; Aronian, So und Ding stehen im Halfinale

Drei Siege mit Weiß ebneten Levon Aronian, Wesley So und Ding Liren den Weg ins Halbfinale des Weltcups. Aronian war der einzige Spieler der gestern schon gewinnen konnte und das heutige (umkämpfte) Remis, reichte ihm, um Ivanchuk aus dem Turnier zu eliminieren.

Rapport scheidet nach einem beeindruckenden Lauf aus dem Weltcup aus. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova

Wesley So und Ding Liren kamen gestern zu komfortablen Unentschieden und holten heute das Maximum aus ihren Anzugsvorteil heraus. Sie gewannen gegen Vladimir Fedoseev bzw. Richard Rapport und stehen somit ebenfalls im Halbfinale.

Und so müssen morgen nur Maxime Vachier-Lagrave und Peter Svidler in einem Tiebreak um den letzten Platz im Halbfinale kämpfen. Nach einem frühen, spektakulären Bauerngewinn sprach eigentlich alles für eine spannende Partie, aber in den durch diesen Bauerngewinn entstandenen Komplikationen wollte keiner der Spieler ein Risiko eingehen.

World Cup 2017 | Viertelfinale, Tag 2

Land Spieler Land Spieler Klassisch Schnellschach Blitz Gesamt
Vachier-Lagrave (2804) Svidler (2756) ½-½,½-½
Ivanchuk (2727) Aronian (2802) 0-1,½-½
So (2792) Fedoseev (2731) ½-½,1-0
Ding Liren (2771) Rapport (2675) ½-½,1-0

Die mit am meisten Spannung erwartete Partie war Ivanchuk gegen Aronian. Nachdem er gestern verloren hatte, stand Ivanchuk unter Siegzwang. Das Gute für ihn war, dass er die weißen Figuren hatte. Das Schlechte war, dass dieser Vorteil schon bald verpuffte.

Bereichts nach der Eröffnung schätzte Radjabov die Chancen von Ivanchuk für ein weiterkommen auf nahezu Null ein.

Mit dem Zug 33.d4! öffnete Ivanchuk die Stellung für seine Läufer und nahm dadurch seine letzte Siegchance wahr, aber Aronian sicherte sich durch den Zug 36...f4! das notwendige Gegenspiel. Um einer Zugwiederholung zu entgehen opferte Ivanchuk dann einen Bauern, aber Aronian gab den Bauern umgehend mit 37...Te5! zurück und erreichte dadurch ein ausgeglichenes Endspiel. Obwohl er alles versucht hatte, und die Computer seine Stellung zeitweise sogar als ein wenig Vorteilhaft einstuften musste er im 71. Zug eingestehen, dass er die Partie nicht gewinnen würde, und somit war sein Ausscheiden besiegelt.

No one evinces the emotions of a chess game more vividly than Ivanchuk; perhaps that is why so many chess fans relate to him. | Photo: Chess.com/Maria Emelianova

Niemand zeigt seine Gefühle während einer Partie so offen, wie Ivanchuk. Vielleicht hat er gerade deswegen so viele Fans. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova

Die nächste Partie, die beendet wurde, war Vachier-Lagrave gegen Svidler. In der italienischen Eröffnung fand Vachier-Lagrave einen innovativen und aggressiven Durchbruch. Die Comptueranalyse zeigt aber kurz zuvor einen Zug, der die Partie fast schon entschieden hätte: 20.Dd2!! Der Franzose spielte stattdessen das zweifelhafte Bauernopfer 21.b4?! Nachdem Svidler die natürlichen Verteidigungszüge gefunden hatte, fand Vachier-Lagrave keine rechte Fortsetzung und nahm das Remisgebot des Russen an.

Vachier-Lagrave ist mit dem Erreichen des Tiebreaks sicher nicht unzufrieden, denn Svidler stand in beiden Remispartien in der Schlußstellung etwas besser. Es war zwar noch weit und breit kein Gewinn in Sicht, aber er hätte in beiden Remisstellungen seinen Gegner durchaus unter Druck setzen können.

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Vachier-Lagrave remisiert mit Weiß gegen Peter Svidler. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova

Als er danach gefragt wurde, gegen wen er lieber im Halbfinale spielen würde, hatte Aronian eine lustige Antwort parat:

Ding Liren's war ähnlich aggressiv wie die von Vachier-Lagrave. In beiden Partien drohte Weiß mit verschiedenen S(x)h6+ opfern. Rapport - der einzige Spieler im Viertelfinale mit einer ELO von unter 2700 - verhinderte zwar alle Gewinnvariationen, aber fand sich dann in einem verlorenen Enspiel wieder, das Ding fehlerfrei verwertete.

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Rapport reacts to Ding's opening play. | Photo: Chess.com/Maria Emelianova

Rapport reagiert auf Ding's Eröffnung. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova

Wesley So wird nachgesagt, dass sein Stil dem von Karpov ähneln würde. Heute hat er gezeigt, warum. In einer symmetrischen, russischen Stellung, die viele Spieler Remis gegeben hätte, erspielte er sich viele kleinste Vorteile, die sich schließlich zu einem großen Vorteil summierten.

Das Endspiel mit gleichfarbigen Läufern gewann er wie ein wahrer Meister. Speziell das Läufermanöver Ld6-a3-c1-d2-e1 war extrem Lehrreich und ist eine perfekte Ergänzung zu Shereshevskys Endspiel Buch.

Kommentare von GM Bojkov.

So surveying the board like a general contemplating grand maneuvers. | Photo: Chess.com/Maria Emelianova

Wesley So scheint wie ein göttliches Wesen über dem Brett zu schweben. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova

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Games von TWIC.

Der Weltcup findet vom 3. bis zum 27. September in der georgischen Hauptstadt Tiflis statt. Jede Runde besteht aus 2 klassischen Partien (nur im Finale sind es 4) und danach folgt, je nach Bedarf, ein Tiebreak im Schnell- und Blitzschach. Das Preisgeld bei diesem Turnier beträgt $1.600.000 und der Sieger bekommt mit $120.000 den Löwenanteil davon. Zusätzlich qualifizieren sich die beiden Finalisten für das Kandidatenturnier 2018.

Chess.com überträgt alle Partien des Weltcups live auf Chess.com/Live. Außerdem könnt ihr Live Kommentare der besten Kommentatoren der Welt, der Chessbrahs, also GM Eric Hansen, GM Robin van Kampen, GM Yasser Seirawan und IM Aman Hambleton auf  Chess.com/TV sehen.


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