Nakamura und So gehen bei den US Meisterschaften in Führung

Nakamura und So gehen bei den US Meisterschaften in Führung

Es wird immer schwieriger, den Titel des US Meisters in St. Louis zu verteidigen. GM Gata Kamsky hat in der letzten Dekade Meistertitel am laufenden Band gewonnen, aber diese Zeiten sind vorbei. Sogar beim Sinquefield Cup, der auch in St. Louis ausgefochten wird, gabe es 4 verschiedene Sieger in den letzten 4 Turnieren.

Titelfoto: Lennart Ootes vom Chess Club and Scholastic Center of Saint Louis.

Der amtierende Meister, GM Fabiano Caruana, hat große Startschwierigkeiten in den ersten 3 Runden, aber er hatte auch sehr starke Gegner. Er musste bereits gegen 3 der 4 amerikanischen Natinalspieler antreten, weshalb seine bisherige magere Punktausbeute vielleicht auch trügerisch ist.

Während er noch auf seinen Sieg wartet, haben 5 Spieler bereits 2 Punkte erzielt und führen das Feld damit an: Wesley So, Hikaru Nakamura, Alexander Onischuk, Daniel Naroditsky, und Yaroslav Zherebukh

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GM Hikaru Nakamura (stehend) gewann am Mittwoch und sah sich die Partien seiner nächsten Gegner an. Foto: Lennart Ootes

Aber zurück zu Caruana. Er hatte große Schwierigkeiten gegen GM Sam Shankland in der ersten Runde ein Remis zu halten, und gegen Nakamura konnte er mit weiß nicht gewinnen.

Die Auslosung meinte es aber auch nicht gut mit ihm, denn in der dritten Runde wartete der Topgesetzte So auf ihn, und noch dazu hatte er wieder Schwarz. Hier kam er aber relativ problemlos zu einem Remis und freut sich nun auf etwas leichtere Gegner.

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GM Alex Onischuk. Kann er dieses Jahr zu einem Mehrfach-Champion wie Kamsky, Nakamura und Shabalov werden? Foto: Austin Fuller

Heute haben aber nicht nur die Nummer 1 gegen die Nummer 2 gespielt, sondern auch die Nummer 3 gegen die Nummer 4. Nakamura konnte sich aber keine nennenswerten Vorteile gegen GM Jeffery Xiong erspielen.

Sehen wir uns also einige der Zweitrundengewinner an. Der 2700+ Club löste all seine Hausaufgaben in der ersten Runde, von der wir ausführlich berichtet haben. Heute kam Naroditsky durch konsequentes Spiel zu einem Sieg gegen GM Varuzhan Akobian. Seine aktiven Figuren führten zu positionellen Schwächen (Doppelbauern) in der gegnerischen Stellung und damit zu einem gewonnenen Endspiel.

Der Stanford Student erklärte das ganze etwas ausfühlicher und hier sind einige Auszüge davon:

"Speziell nachdem ich ...c5 gespielt hatte, dachte ich, dass die Stellung nun ausgeglichen war. Es gab natürlich Komplikationen weil es eine Mischung aus Damengambit und Ragozin war, aber ich glaube, ich hatte in der Eröffnung keinerlei Probleme."

Diese Niederlage beendete Akobians kurzen Flirt mit der Tabellenführung. Nach der gestrigen Partie, und Kamskys Fehler, hatte er diese kurzzeitig inne. Dieser Sieg war auch eine kleine Revanche für die Niederlage die Akobian gegen Kamsky 2014 erlitten hatte.

Es war aber nicht Kamskys einziger taktischer Fehler. Heute hatte er eine vielversprechende Bauernstruktur, und Robson war in seiner üblichen Zeitnot. Der Youngster entdeckte dann aber eine schöne Taktik und spielte auf Damenfang, den Kamsky nur verhindern konnte indem er einen wunderschönen Bauern opferte. Danach war es ein leichtes für Robson ein gewonnenes Bauernendspiel anzusteuern.

Für die Statistiker unter euch: Die beiden trafen seit 2010, jedes Jahr exakt einmal aufeinander. Immer bei den US Meisterschaften. Und dies war der erste Sieg von Robson gegen Kamsky: 

Überraschenderweise ist aber Kamsky mit seinem halben Punkt aus 3 Partien nicht am Tabellenende, denn der Turnierneuling Zherebukh besiegte den anderen mehrmaligen US Meister GM Alexander Shabalov. Der Pittsburgher hält somit mit 0 Punkten die Rote Laterne.

Shabalov zeigte bis jetzt, dass er keine schnellen Remis mag, aber seine Kämpferqualitäten haben ihm bis jetzt noch nichts zählbares gebracht. In Runde 3 verlor er gegen Zherebukh, der sich auf diese Partie noch nicht einmal vorbereiten konnte, da er vor der Partie eine wichtige Vorlesung an der St. Louis University nicht verpassen durfte.

Onischuk gewann gegen Shabalov am Vortag mit den seltsamsten Triplebauern, die man sich vorstellen kann. Zuerst hatte Shabalov keine Lust diese zu nehmen auch wenn er die Möglichkeit dazu gehabt hätte, zumindest den vordersten zu schlagen, dann "überholte" der c7 den c6 Bauern wie im Halma, und schließlich konnte er sie auf einmal nicht mehr aufhalten.

Onischuk's Triple-Doppel-Triple Bauer entschied dann das Spiel (im realen Leben hat er ja "nur" Zwillinge!) und Shabalov gab auf bevor sie alle 3 zu Damen werden konnten. resigned before seeing each and every one of them promote. Wenn Bauern so unanfhaltsam der Grundlinie entgegenstürmen kann man sie nicht so leicht aufessen, wie Lucille Ball es tut:

Hier sind die Pralinen, oder besser, C-Bauern:

Bei der U.S. Frauenmeisterschaft, ist die Spitze weniger breit besetzt. GM Irina Krush's produzierte 2 Siege in 48 Stunden und führt damit das Feld mit 2.5 Punkten an. (Und damit steht fest, dass es in beiden Meisterschaften kein "perfektes Ergebniss" gibt, und sich der ClubEigentümer Rex Sinquefield seinen mit $64,000 dotierten "Fischer Preis" behalten kann.)

In der zweiten Runde drehte die siebenfache Gewinnerin ein verlorenes Endspiel gegen ihre Nationalmannschafts Kameradin Foisor:

WGM Tatev Abrahamyan feierte heute den Jahrestag ihrer Rivalität mit Krush. Wenn ihr denkt, dass Robson-Kamsky das ewige Duell der US Meisterschaft wäre, dann habt ihr euch geirrt, denn die beiden Damen bekämpfen sich jetzt seit 11 Jahren ununterbrochen in der US Damenmeisterschaft, und in manchen Jahren hatten sie sogar mehr als eine Partie, denn es waren auch einige Tiebreaks zwischen den beiden erforderlich. Trotzdem führte Krush vor der heutigen Partie ziemlich klar mit 8-1 nach Siegen, bei 2 Remis.

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Die Abrahayam-Krush Rivalität überlebte bis jezt 3 U.S. Präsidenten.

Foto: Austin Fuller

Abrahamyan ist irgendwie die weibliche Version von Akobian, und das nicht nur, weil sie beide Armenischer Abstammung sind. Beiden wird regelmäßig zugetraut den Titel des US Meisters zu gewinnen, aber beide sind noch nie über den 2. Platz hinausgekommen. Sie spielen auch beide oft die französische Verteidigung. Aber während Akobian mittlerweile auch manchmal Caro-Kann spielt, blieb Abrahmyan heute gegen Krush ihrem französisch treu.

Ein weiteres wichtiges Spiel um die Tabellenführung fand zwischen der Titelverteidigerin IM Nazi Paikidze und IM Anna Zatonskih statt. In der ersten Runde verlies die älterste Teilnehmerin nach über 5 Stunden Spielzeit die Konzentration. Heute gewann sie aber die längste und engste Partie des Turniers. Sie erlaubte ihrer Gegnerin erneut eine Taktik die Nazi eigentlich einen halben Punkt einbringen hätte sollen.

"Sie hätte sich ein Remis verdient gehabt," sagte Zatonskih.

Zatonskih hatte mit der Eröffnung hart zu kämpfen und geriet damit sehr früh in Zeitnot.

"Fragt mich bitte nicht danach. Mein Trainer wird mir genau die selbe Predigt halten!" war Zatonskihs Antwort auf die Frage nach ihrer Zeitnot.

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OK, jetzt analysiere bitte alle 129 Züge für die Zuschauer, Anna!

Foto: Lennart Ootes

Paikidze spielte 48 Züge fehlerfrei und überlebte dieses schwierig zu haltende aber trotzdem theoretische Remis, aber im 49 Zug kam der entscheidende Fehler der die Niederlage bedeutete! Darauf angesprochen gab sie zu, das gleiche Endspiel schon einmal verloren zu haben.

"Das ist absolut unglaublich und schockierend," sagte der Kommentator GM Maurice Ashley. (Und bedankte sich bei der Übertragungs-Mannschaft, dass diese die Partie bis zum Ende übertrugen, und diese Momente somit auf Videofestgehalten sind.)

"Das war kein Spiel, das war Krieg," war GM Yasser Seirawans Kommentar, nach dem letzten Zug "Zatonskih hat das Spiel dreimal gewinnen müssen für den einen Punkt".

Zatonskih liegt nun zusammen mit WGM Sabina Foisor (die heute auch gewann), und der zukünftigen Ingenieurin WFM Apurva Virkud, die "nur" eine Stunde am Tag trainiert, auf Platz 2.

Hier sind die Tabellen:

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Glücklicherweise ist Caruana daran gewöhnt gegen Gegner mit 2700 und 2800 anzutreten. Nachdem er schon gegen den an 1 und den an 3 gesetzten gespielt hat, ist nun der viertgesetzte an der Reihe. Und da er gegen sich selbst nicht zu spielen braucht, wird ab jetzt alles leichter werden.

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All images courtesy Spectrum Studios.

Ihr könnt die Berichterstattung mit Livespielen und Interviews täglich ab 20 Uhr auf Chess.com/TV oder offiziellen Seite uschesschamps.com verfolgen.

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