Nepomniachtchi und Goryachkina gewinnen die Russische Meisterschaft
GM Ian Nepomniachtchi ist der neue Russische Meister. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Nepomniachtchi und Goryachkina gewinnen die Russische Meisterschaft

PeterDoggers
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0 | Berichterstattung von einem Schach-Event

Genau 10 Jahre nach seinem ersten Triumph konnte Ian Nepomniachtchi gestern zum zweiten Mal in seiner Karriere die Russische Meisterschaft gewinnen. Den Titel sicherte er sich mit einem schnellen Remis in der letzten Runde und profitierte davon, dass der mit ihm punktgleich in Führung liegende Sergey Karjakin gegen Daniil Dubov mit wehenden Fahnen unterging.

Nur wenige Minuten danach sicherte sich Aleksandra Goryachkina zum insgesamt dritten Mal den Titel bei den Damen. Die 22-jährige Großmeisterin aus dem Uralgebirge besiegte die erst 19-jährige Moskauerin Polina Shuvalova im Armageddon.

Wo finde ich die Partien?
Alle Partien des russischen Superfinales findet Ihr hier auf unserer Live Plattform. Das Damenturnier findet Ihr hier


Nachdem sich einer der beiden Führenden mit seinem Gegner schon nach wenigen Minuten auf ein Remis geeinigt hatte, war der Ausgang der Meisterschaft völlig offen. Es war Nepomniachtchi, der in seiner Partie gegen GM Maksim Chigaev mit den weißen Figuren auf Nummer Sicher ging und sich in einem 6.Le4 Sg4 Najdorf auf eine Stellungswiederholung einließ.

Damit stand fest, dass Nepomniachtchi sein Turnier mit 7.5 von 11 möglichen Punkten beendet hatte und nur noch von Karjakin eingefangen werden konnte. Würde Karjakin seine letzte Partie Remis spielen, würde ein Playoff über den Titel entscheiden, aber mit einem Sieg konnte Karjakin jetzt seinen allerersten nationalen Titel holen.

Dann aber spielte Dubov "die Partie seines Lebens" und verhalf Nepo zu seinem zweiten Titel.

Dubov-Karjakin Superfinal
Dubov gegen Karjakin. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Dubov begann die Partie mit einer Art Evans-Gambit und opferte schon im 15. Zug einen Läufer. Doch damit nicht genug. Im 19. Zug entschied er sich auch noch für ein Damenopfer, aber danach hatte er eine so dominante Stellung, dass selbst der "russische Verteidigungsminister" keine Verteidigung mehr fand. Diese Partie müsst Ihr Euch unbedingt ansehen!

Dubov Karjakin Russian Championship Superfinal 2020
Nepomniachtchi sieht sich die Partie Dubov gegen Karjakin an. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Dubov hatte zu Beginn des Turniers auch den späteren Sieger Nepomniachtchi geschlagen und das war ebenfalls eine ziemlich spektakuläre Angelegenheit. Dort wählte der Eröffnungsspezialist 1.d4 und erwischte seinen Gegner in einem Grünfeld.

Daniil Dubov chess
Daniil Dubov zeigte einige brillante Partien. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

In der siebten Runde kam es zum direkten Duell zwischen Nepomniachtchi und Karjakin. Bis zu einer Neuerung im 15. Zug war es eine theoretische Stellung in der Nimzo-Indischen-Verteidigung, aber Karjakin verlor schon bald darauf den Faden und damit auch die Partie:

Nepomniachtchi - Karjakin Russian Championship 2020
Nepomniachtchi gegen Karjakin in Runde sieben. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Das Turnier wurde beeinträchtigt, weil GM Mikhail Antipov positiv auf COVID-19 getestet wurde und deshalb nach der sechsten Runde zurücktreten musste. Da er mehr als die Hälfte seiner Partien gespielt hatte, blieben seine Ergebnisse bestehen und seine nächsten Gegner erhielten alle an einem zusätzlichen Ruhetag und einen kampflosen Punkt.

73. Russische Meisterschaft | Abschlusstabelle

# Land Name Elo Lstg. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Punkte SB
1 Nepomniachtchi, Ian 2784 2813 1 ½ 0 ½ ½ ½ ½ 1 1 1 1 7.5
2 Karjakin, Sergey 2752 2781 0 ½ 0 ½ 1 1 1 ½ 1 ½ 1 7.0
3 Fedoseev, Vladimir 2674 2754 ½ ½ 1 ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ ½ 6.5 35.5
4 Dubov, Daniil 2702 2752 1 1 0 0 ½ ½ ½ 1 ½ 1 ½ 6.5 35
5 Chigaev, Maksim 2619 2727 ½ ½ ½ 1 1 ½ ½ ½ 0 0 1 6.0 33
6 Artemiev, Vladislav 2711 2719 ½ 0 ½ ½ 0 ½ ½ 1 1 ½ 1 6.0 29.5
7 Vitiugov, Nikita 2720 2687 ½ 0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ 5.5 28.5
8 Svidler, Peter 2723 2687 ½ 0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 5.5 27.75
9 Esipenko, Andrey 2686 2659 0 ½ ½ 0 ½ 0 ½ ½ ½ 1 1 5.0 23.25
10 Matlakov, Maxim 2698 2658 0 0 0 ½ 1 0 ½ ½ ½ 1 1 5.0 22.75
11 Goganov, Aleksey 2594 2566 0 ½ ½ 0 1 ½ 0 ½ 0 0 ½ 3.5
12 Antipov, Mikhail 2611 2436 0 0 ½ ½ 0 0 ½ 0 0 0 ½ 2.0

Alle Partien


Bei den Damen brach IM Polina Shuvalova, die ja mit 6 aus 6 in das Turnier gestartet war, in der zweiten Hälfte völlig ein und konnte keine einzige Partie mehr gewinnen. Am Ende standen 4 Remis und eine Niederlage gegen IM Alisa Galliamova zu Buche.

So konnte Aleksandra Goryachkina den 1.5 Punkte Rückstand noch aufholen und mit der u19-Weltmeisterin gleichziehen. Laut den Regeln folgt bei Punktegleichstand ein Playoff.

70. Russische Damenmeisterschaft | Abschlusstabelle

# Land Name Elo Lstg. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Punkte SB
1 Shuvalova,Polina 2456 2596 ½ 1 ½ 1 1 1 0 ½ 1 ½ 1 8.0 41.5
2 Goryachkina, Aleksandra 2593 2584 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 1 1 1 1 8.0 38
3 Kashlinskaya, Alina 2494 2487 0 ½ ½ ½ 1 ½ 1 ½ 0 1 1 6.5 32.5
4 Garifullina, Leya 2348 2499 ½ ½ ½ 0 1 ½ ½ ½ ½ 1 1 6.5 32
5 Kosteniuk, Alexandra 2471 2488 0 ½ ½ 1 0 1 0 ½ 1 1 1 6.5 29.75
6 Guseva, Marina 2359 2498 0 ½ 0 0 1 0 1 1 1 1 1 6.5 28.5
7 Pogonina, Natalija 2474 2456 0 ½ ½ ½ 0 1 1 ½ 0 1 1 6.0 29.5
8 Galliamova, Alisa 2438 2459 1 0 0 ½ 1 0 0 1 1 ½ 1 6.0 28.5
9 Girya, Olga 2464 2328 ½ 0 ½ ½ ½ 0 ½ 0 0 1 ½ 4.0
10 Gunina, Valentina 2451 2294 0 0 1 ½ 0 0 1 0 1 0 0 3.5
11 Grigorieva, Yulia 2290 2229 ½ 0 0 0 0 0 0 ½ 0 1 ½ 2.5
12 Getman, Tatyana 2302 2179 0 0 0 0 0 0 0 0 ½ 1 ½ 2.0

Im Playoff endeten dann beide Schnellschach-Partien Remis und Goryachkina gewann das Armageddon und somit nach 2015 und 2017 zum dritten Mal die Russische Damenmeisterschaft.

Aleksandra Goryachkina 2020 Russian Championship
Aleksandra Goryachkina. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Alle Partien

Die 73. Russische Meisterschaft und die 70. Russische Damenmeisterschaft wurden vom 5. bis zum 16. Dezember im Zentralen Schachclub in Moskau ausgetragen. Das Turnier war eines der wenigen Turniere, die trotz der Pandemie am Brett ausgetragen wurden. Das nächste "echte" Superturnier finden im Jänner in Wijk aan Zee statt.


Ein Zwischenbericht der Russischen Meisterschaft (leider nur auf Englisch):

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