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Skandal um die Kleiderordnung beim Weltcup: Kovalyov steigt aus

Skandal um die Kleiderordnung beim Weltcup: Kovalyov steigt aus

Anton Kovalyov trat heute zu seiner Drittrunden Partie gegen Maxim Rodshtein beim FIDE Weltcup in Tiflis nicht an, nachdem er aufgefordert wurde, seine Kleidung zu wechseln. Erbost darüber, wie er behandelt wurde, zog sich der 25 jährige Kanadier mit sofortiger Wirkung aus dem Turnier zurück.

Anton Kovalyov verläßt das Hotel. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Den vollständigen Bericht über die dritte Runde des Weltcups findet ihr hier. Dieser Artikel befasst sich ausschließlich mit den Ausscheiden des Kanadiers.


UPDATE 10. September 2017: Der Verband der professionellen Schachspieler hat eine Petition veröffentlicht, in der sie sich gegen Zurab Azmaiparashvilis Verhalten gegenüber Kovalyov positionieren.

Der AKP-Ausschuss verurteilt und protestiert gegen die Handlungen von Herrn Zurab Azmaiparashvili in seiner Eigenschaft als Weltcup-Organisator.

Mobbing und Bedrohung der Spieler, die an einer Veranstaltung teilnehmen, ist inakzeptabel und macht es direkt vor einer Partie sogar noch schlimmer.

Die Kleiderordnung dieses Turniers ist vage, und es ist nicht einmal klar, ob Großmeister Anton Kovalyov diese verletzt hat - aber das ist nicht der Punkt, denn bis zu diesem Moment war er nicht einmal vor einer möglichen Verletzung gewarnt worden und er trug die gleiche Kleidung wie in den vorherigen Runden. Plötzlich wurde ihm aber mit den Ausschluß gedroht und er wurde sogar beleidigt. Kein Spieler darf so behandelt werden, denn das ist nicht akzeptabel. Großmeister Kovalyow hatte das Gefühl, dass er keine andere Möglichkeit hatte, als das Turnier zu verlassen, und wir verstehen seine Entscheidung.

Ferner ist Herr Azmaiparashvili nicht nur der Veranstalter, sondern auch der Vorsitzende des Berufungsausschusses. Der Berufungsausschuss ist das einzige Gremium, das die Handlungen von Schiedsrichtern und Organisatoren korrigieren kann! Dieser Interessenkonflikt hätte niemals geschehen dürfen, und wir beschuldigen die FIDE für die Herbeiführung dieses Interessenkonflikts.

Wir erwarten nicht, dass FIDE handeln wird, und wir glauben nicht, dass sie alles tun wird, um die Situation zu beheben. Wir wenden uns an die globale Schachgemeinschaft und die nationalen Verbände.

Der Schachsport hat etwas besseres verdient! Wollen wir in vergangen Zeiten zurückfallen? Sollen sich die Spieler sich wie Marionetten fühlen, die Beleidigungen einfach akzeptieren und vor allem gehorchen? Ist es nicht an der Zeit, sich zu vereinen und an einem Strang zu ziehen? Wenn du das Gefühl hast, dass die Zeit gekommen ist, um diese Situation drastisch zu verändern, beteilige dich bitte an unserem Protest und unterschreibe diesen Brief.

ACP Board


Zehn Minuten vor beginn der dritten Runde wurd Anton Kovalyov vom Hauptschiedsrichte Tomasz Delega im Turniersaal angesprochen. Der Schiedsrichter fragte den Spieler ob es möglich wäre, eine lange Hose, anstatt der Shorts die er trug, anzuziehen, denn diese Shorts würden nicht der Kleiderordnung des Turniers entsprechen.

Kovalyov war überrascht, denn er hatte genau diese Shorts nicht nur während der ersten beiden Runden, sondern auch schon beim Weltcup vor 2 Jahren getragen. Dies antwortete er auch dem Schiedrichter.

Dann protestierte er gegen die Farbe seiner Figuren, denn er hatte gedacht er würde mit Weiß spielen. Daraufhin überprüfte der Schiedsrichter die Auslosung und bestätigte dem Spieler, dass alles seine Richtigkeit habe und er mit Schwarz spielen müsste.

Daraufhin wurde Kovalyov zum Turnierleiter Zurab Azmaiparashvili zitiert, der ihn dazu aufforderte, seine Kleidung zu wechseln. Als Kovalyov nach dem Grund fragte, antwortete Azmaiparashvili: "Weil du wie ein Zigeuner aussiehst!"

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Der Streit zwischen Azmaiparashvili und Kovalyov. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

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Kovalyov verläßt den Turniersaal. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Kurz darauf verlies der Kanadier erbost den Turniersaal und da er 15 Minuten nach Partiebeginn noch nicht zurückgekehrt war, wurde seine Partie als verloren erklärt.

Zwei Stunden später wurde Kovalyov an der Hotelrezeption beim auschecken aus dem Hotel beobachtet.

Er sagte zu Chess.com, dass er im Moment zu aufgewühlt wäre um einen Kommentar abzugeben, aber er bestätigte, dass ihm vor dem Turnier niemand gesagt hätte, dass das Tragen von kurzen Hosen verboten wäre.

Ferner sagte er, dass er keine Beschwerde einreichen würde. Azmaiparashvili ist sowohl der Turnierleiter als auch der Vorsitzende des Beschwerdekommitees des Turniers. Bei jedem Turnier, das nicht von der FIDE selbst verstanstaltet wird, wäre dies eine bemerkenswerte Kombination.

Später veröffentlichte Kovalyov dieses Statement auf Facebook.

***Übersetzung der Facebook Post***

Ich wollte etwas warten, bis ich mich beruhigt habe, aber ich bin es leid, überall Lügen zu hören. Also folgendes ist passiert:
Das Problem waren nicht die Shorts, sondern wie ich behandelt wurde. Ich kam zum Spiel und wurde vom Schiedsrichter gebeten, mich umzuziehen (zum ersten mal). Ich habe ihm gesagt, dass ich keine andere Hose habe, und dann bemerkte ich, dass ich nicht Weiß sondern Schwarz hatte. Das war für mich eine Überraschung und ich bat ihn, das zu überprüfen. Er und die anderen Schiedsrichter überprüften dies und bestätigten mir, dass ich mit Schwarz spiele. Dann sprachen wir ein wenig und alles war gut. Dann kam Zurab. Er war sehr aggressiv, schrie mich an, nannte mich einen "Zigeuner" und drohte mir mehrmals, dass die FIDE mich bestrafen würde. Ich habe ihm gesagt, dass ich beim vorherigen Weltcup gefragt habe, ob das, was ich trug, ok wäre, und jemand von der Organisation hat gesagt, dass dies der Fall wäre. Zurab antwortete auf einer herablassende Art, dass ihm das egal sei, und er wäre jetzt der Turnierleiter. An diesem Punkt war ich wirklich wütend, aber versuchte, nichts dummes zu tun, und fragte ihn, warum er so unhöflich zu mir sei, und er antwortete, weil ich ein Zigeuner wäre.

Also stellt Euch das vor: Die Runde beginnt, ich werde vom Veranstalter des Turniers schikaniert, mit wird versichert dass ich von der Fide bestraft werde, ich werde beschimpft und rassistisch beleidigt. Was würdet Ihr in meiner Situation tun? Ich denke, viele Leute hätten dieser Person ins Gesicht geschlagen oder ihn wenigstens beleidigt. Ich beschloss einfach zu gehen.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass ich gar keine andere Hose mitgebracht habe, weil ich etwas zugenommen habe, und mir die meisten meiner Hosen zu eng geworden sind. Hätten mich die Organisatoren des Turniers früher gewarnt, hätte ich ein Taxi zum Einkaufszentrum genommen und Hosen gekauft. Das wäre kein Problem gewesen, aber stattdessen wurde ich wie Müll behandelt. Ich war gestresst, weil ich so behandelt wurde, und weil mir gedroht wurde, von der FIDE bestraft zu werden, egal wie ich mich verhalte.die Drohungen, von der Fide bestraft zu werden, egal, was ich tue. Deshalb habe ich mich entschieden zu gehen, bevor ich etwas dummes mache.

Zuletzt möchte ich noch klarstellen, dass mich Zurab bat mich nicht aufgefordert hat, mich umzuziehen. Das Gespräch bestand einzig und alleine aus Drohungen, Beleidigungen und aggressivem Verhalten von Zurab. Er hat mich bis aufs äußerste provoziert.

Ich werde keine Rechtsmittel einlegen, denn ich will mit solchen Menschen nichts zu tun haben. Ich will auch das Preisgeld nicht. Ich will nur noch nach Hause.

*** Übersetzung Ende ***

Delega sagte zu Chess.com, dass ihm nicht aufgefallen wäre, dass Kovalyov bereite in den vorherigen 4 Partien - zwei gegen Akobian und zwei gegen Vishy Anand - die selben Shorts getragen hätte.

"Ich habe ihn heute gesehen und entschieden, ihn darauf anzusprechen," sagte Delaga. "Er antwortete, dass er keine andere Hose dabei hätte und die selben Shorts bereits beim Weltcup vor 2 Jahren getragen hätte, aber dann fing er an, sich über die Farbe seiner Figuren zu beschweren."

Delega hatte keine Zeit um sich mit Kovalyov weiter über die Kleiderordnung zu unterhalten. Er sagte zu Chess.com, dass er ihn eh nicht sofort bestraft hätte. "Es war niemals meine Absicht, ihn von der Teilnahme an der heutigen Runde auszuschließen."

Azmaiparashvili sagte zu Chess.com: "Ich werde heute Abend mit den Schiedsrichtern sprechen. Ich will wissen, warum dies noch niemanden zuvor aufgefallen ist."  (Update: vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass Azmaiparashvili mittlerweile erklärte, dass er das Wort "Zigeuner" nicht als rassistische Beleidigung, sondern als Synonym für "Penner" verwandt hatte.)

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Schiedsrichter Arild Rimestad stoppt 15 Minuten nach Partiebeginn Kovalyov's Uhr. Hauptschiedsrichter Ashot Vardepetyan steht hinter ihm. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Die Kleiderordnung ist indes alles andere als klar. Die Regeln des Weltcups (hier als PDF) sagen:

3. 13. 4. Die Spieler werden gebeten, die Anforderungen der FIDE-Verordnungen C.01 (Artikel 8.1) in Bezug auf ein würdiges Erscheinungsbild während des Weltcups zu beachten.

Dies bezieht sich auf einen Teil des FIDE Handbuchs mit dem Titel: "01. Empfehlungen für die Organisation von Spitzenturnieren", welches 1983 von der FIDE Generalversammlung verabschiedet, und 1991 und 1992 überarbeitet wurde. Im relavanten Abschnitt steht:


For example, some federations have barred slippers, sleeveless T-shirts and vests in their tournaments. Those with unkempt and greasy hair should be admonished, as well as those wearing old or torn jeans and battered attire generally.

8.1 Die Kommission für Schachveröffentlichungen, Informationen und Statistiken (CHIPS) unterstreicht die Notwendigkeit, dass alle Schachspieler ihrem persönlichen Erscheinungsbild Sorge zu tragen haben. Das Bild des Schachspielers sollte ein würdevoller sein, und die Kleidung sollte sowohl den Respekt gegenüber des Spiels, als auch den Respekt gegenüber Sponsoren, die den Schachsport finanzieren, zum Ausdruck bringen.
Zum Beispiel sollten Badeschuhe, ärmellose T-Shirts und Westen nicht getragen werden. Spieler, die mit ungepflegten und fettigen Haaren zu einer Partie antreten sollten ebenso ermahnt werden, ebenso diejenigen, die mit alten oder zerrissenen Jeans oder im allgemeinen mit zerschlissener Kleidung zu einer Turnierpartie erscheinen.

"Shorts" werden aber jetzt in diesem Punkt 8.1. nicht erwähnt. Ausserdem haben schon mehrere Spieler ärmellose T-Shirts oder Kaputzenpullis während des Weltcups getragen. Auch wenn jetzt Short im allgemeinen nicht als formelle Kleidung gelten, sagt diese Regel jetzt nicht aus, warum sie weniger Formell als T-Shirts sein sollen.

Der Spielervertrag erwähnt nicht ausdrücklich eine Kleiderordnung, aber es steht darin, dass sich der Spieler durch die Unterzeichnung verpflichtet, in allen Qualifikationswettkämpfen für die Weltmeisterschaft die Regeln für die WM anzuerkennen und zu befolgen.

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Maxim Rodshtein erreicht als erster Spieler das Achtelfinale beim Weltcup. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Kovalyov ist als Sohn russischer Eltern in Charkiw in der Ukraine geboren. Nachdem er sieben Jahre in Argentinien gelebt hatte zog er 2007 nach Kanada und spielte kurz darauf für sein neues Heimatland. In einem früheren Interview mit Chess.com sagte er, dass er an seinem Master in Comptuerwissenschaften arbeitet und auch während des Weltcups studieren wird.

Wie GM Daniel King auf Twitter schrieb, gab es bereits einen Präzedenzfall. Bei der Europameisterschaft 1987 beschwerte sich Zoltan Ribli über Nigel Shorts kurze Hosen. Hier wurde bereits vor der Partie ein Kompromiss gefunden und das hätte auch in Tiflis geschehen sollen.

Der Weltcup findet vom 3. bis zum 27. September in der georgischen Hauptstadt Tiflis statt. Jede Runde besteht aus 2 klassischen Partien (nur im Finale sind es 4) und danach folgt, je nach Bedarf, ein Tiebreak im Schnell- und Blitzschach. Das Preisgeld bei diesem Turnier beträgt $1.600.000 und der Sieger bekommt mit $120.000 den Löwenanteil davon. Zusätzlich qualifizieren sich die beiden Finalisten für das Kandidatenturnier 2018.

Chess.com überträgt alle Partien des Weltcups live auf Chess.com/Live. Außerdem könnt ihr Live Kommentare der besten Kommentatoren der Welt, der Chessbrahs, also GM Eric Hansen, GM Robin van Kampen, GM Yasser Seirawan und IM Aman Hambleton auf  Chess.com/TV sehen.


Zum weitersurfen:

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