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Tata Steel Runde 8: Carlsen gewinnt gegen Caruana und Keymer holt ein Remis
Carlsen und Caruana beginnen ihre 66. klassische Partie gegeneinander. Foto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess Tournament 2023.

Tata Steel Runde 8: Carlsen gewinnt gegen Caruana und Keymer holt ein Remis

NM_Vanessa
| 0 | Berichterstattung von einem Schach-Event

In der achten Runde des Tata Steel Turniers konnte Magnus Carlsen seinen langjährigen Rivalen Fabiano Caruana mit Schwarz besiegen und dadurch in der Tabelle, die weiterhin von dem Usbeken Nodirbek Abdusattorov angeführt wird, weiter nach oben klettern.

Vincent Keymer holte gegen Anish Giri ein ganz starkes Remis und Alex Donchenko hat die Tabellenführung im Challenger Turnier verteidigt.

So könnt Ihr zusehen:
Wir übertragen alle 13 Runden des Turniers live und in voller Länge auf Chess.com/TV. Die Übertragung mit Kommentaren von IM Steve Berger findet Ihr aber auch auf Twitch und unserem deutschen YouTube-Kanal. Die englischsprachige Übertragung könnt Ihr Euch auf YouTube.com/ChesscomLive ansehen und alle Partien findet Ihr wie immer auf unserer Event-Seite.

Hier ist die Aufzeichnung der Übertragung der 8. Runde:

Der 18-jährige Tabellenführer Abdusattorov musste in dieser Runde gegen Levon Aronian antreten. In einer spanischen Eröffnung überraschte er den Spieler mit der vierthöchsten Elo der Geschichte, als er mit dem Damenmanöver De1-c3 den schwarzen Doppelbauern auf der c-Linie unter Druck setzte und anschließend auf die Rochade verzichtete und stattdessen mit Sg5 und f4 einen Angriff auf den König des Amerikaners startete. Aronian reagierte darauf mit einer präzisen Verteidigung und nach einigen Abtäuschen war die Luft aus der Stellung und die Spieler einigten sich auf ein Remis.

Weltmeister Magnus Carlsen scheint nach einem Durchhänger in den frühen Runden endgültig wieder in die Spur gefunden zu haben. Am Sonntag kam es zum 56. Duell zwischen Carlsen und Caruana und Carlsen konnte zum 13. Mal gewinnen (bei 5 Niederlagen und 38 Remis).

Obwohl ja beide Spieler große Experten der spanischen Eröffnung sind, schaffte es Carlsen dennoch seinen Gegner zu überraschen. Der Amerikaner reagierte auf die vermeintliche Ungenauigkeit mit einer Expansion am Königsflügel, doch Carlsen schaffte es, seinem Rivalen die Initiative abzuringen!

In einer geöffneten Stellung drohte Schwarz fast auf dem gesamten Brett mit Taktiken und Caruana brach in nur wenigen Zügen völlig zusammen. Wie das genau geschehen konnte, hatte selbst Kommentator Daniel Naroditsky nicht ganz verstanden: "Ich kann überhaupt nicht glauben, wie diese Stellung für Herrn Caruana so tödlich werden konnte."

I am in total disbelief for how this position has deteriorated fatally for Mr. Caruana.

-Daniel Naroditsky

Großmeister Rafael Leitao hilft uns, Licht ins Dunkel zu bringen und zu verstehen, was Naroditsky nicht glauben konnte:

GM Rafael Leitao GotD

In seinem Interview nach der Partie sagte Carlsen: "Ich dachte, ich hätte eine solide Stellung und wenn er kämpfen will, sind die Bedingungen ziemlich gut für mich."

If he wants to go for a fight, the conditions are pretty good for me.

-Magnus Carlsen

Ist Euch eigentlich schon der neue Sponsor auf Carlsens Ärmel aufgefallen? Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess Tournament 2023.

Vincent Keymer musste erneut mit Schwarz gegen einen Spieler der absoluten Weltklasse antreten: Lokalmatador Anish Giri.

Nach einer Nebenvariante in der italienischen Eröffnung spielten beide Spieler nahezu fehlerfrei und da man eine Schachpartie einfach nur gewinnen kann, wenn der Gegner einen Fehler macht, endete diese Partie logischerweise Remis.

Die Chess.com Partieanalyse bescheinigt beiden Spielern eine sehr hohe Genauigkeit

Der Internationale Meister Adrian Petrisor stellt uns die Partie vor:

Gegen die Caro-Kann Verteidigung von Ding Liren entfesselte Wesley So zwar eine starke Neuerung, aber Ding fand die perfekte Fortsetzung und nachdem beide Seiten rochiert hatten, entwickelte sich eine eher langweilige Partie, die mit einem Remis in einem Turmenspiel endete.

Hier ist die Partie im Schnelldurchgang:

Solche .gifs könnt Ihr Euch auch von Euren eigenen Partien erstellen. Einfach unter jeder Partie auf "teilen" und dann "animated Gif" klicken.

Großmeister Richard Rapport ließ in einer italienischen Eröffnung seiner Fantasie wieder einmal freien Lauf und spielte den überraschenden Zug 10.h4. Danach rochierte er auf den Damenflügel und aus der Partie war ein zweischneidiger Schlagabtausch geworden.

Praggnanandhaa R. rannte mit seinem König ins Zentrum, um den offenen Königsflügellinien zu entkommen, aber Rapport drängte seinen e-Bauern auf e5 und dann auf e6, um seinen Durchbruch am Königsflügel fortzusetzen. Das indische Wunderkind konnte die Partie zwar mit einem Qualitätsopfer am Leben erhalten, aber seine Stellung war miserabel und die Uhr tickte gnadenlos herunter. Nach 39 Zügen dachte der Inder, dass er die Zeitkontrolle erreicht hatte und stand vom Brett auf, um sich die Beine zu vertreten. Das war der letzte Fehler dieser Partie.

Rapport hat hochverdient, aber am Ende etwas glücklich gewonnen. Foto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess Tournament 2023.

Arjun Erigaisi setzte in seiner Partie gegen van Foreest auf die aggressive Königsindische Verteidigung und startete früh einen Angriff am Königsflügel. Als der Angriff von Schwarz jedoch ins Stocken geriet, brach van Foreest am Damenflügel durch und gab einen Springer für drei Bauern auf, um zwei starke verbundene Freibauern zu erhalten, die am Ende nicht mehr aufzuhalten waren.

Jorden Van Foreest. Foto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess Tournament 2023.

Es war dann Gukesh, der den Tag für die indischen Schachfans rettete, indem er gegen Parham Maghsoodloo gewann. Zeitweise sah es zwar so aus, als hätte sich das jüngste der drei indischen Wunderkinder zu lange auf seinen a-Bauern konzentriert und den Gegenschlag des Iraners im Zentrum unterschätzt, aber selbst als die schwarzen Figuren seinen König umschwärmten, machte Gukesh am Damenflügel weiter Fortschritte. Ein ungenauer Zug von Maghsoodloo gab Gukesh dann die Möglichkeit zur Entscheidung. 

Die beiden vielversprechenden Großmeistern lieferten sich einen heißen Kampf. Foto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess Tournament 2023.

Im Challenger-Turnier gewann Yilmaz eine wilde Partie gegen Javokhir Sindarov. Im Interview nach der Partie gab er zu: "Die Partie war so kompliziert, dass ich nach jedem Zug meine Meinung geändert habe!"

B. Adhiban fand gegen Luis Supi eine kreative Taktik, mit der er seinen Angriff am Königsflügel verstärken konnte, was schließlich zu seinem ersten Sieg in diesem Turnier führte. Wer kann sie finden?

Die Ergebnisse der 8. Runde

Die Tabelle nach 8 von 13 Runden

Die Paarungen der 9. Runde (Dienstag)

Alle Partien - Masters - 8. Runde


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