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Tata Steel Runde 9: Giri besiegt Ding und Abdusattorov rettet gegen Keymer ein Remis
Giri bleibt Abdusattorov auf den Fersen. Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess Tournament 2023.

Tata Steel Runde 9: Giri besiegt Ding und Abdusattorov rettet gegen Keymer ein Remis

NM_Vanessa
| 1 | Berichterstattung von einem Schach-Event

Großmeister Nodirbek Abdusattorov hat seine Tabellenführung bei Tata Steel Turnier nach einem über siebenstündigen Kampf gegen Vincent Keymer mit viel Geschick und einer riesigen Portion Glück verteidigt. Sein ärgster Verfolger Anish Giri konnte den Rückstand aber durch einen Sieg mit den schwarzen Figuren gegen Ding Liren auf einen halben Punkt verkürzen und Richard Rapport gewann seine zweite Partie in Folge.

Im Challenger-Turnier musste Alex Donchenko seine Tabellenführung leider durch eine Niederlage gegen Erwin L'Ami leider abgeben, aber er liegt nur einen halben Punkt hinter dem neuen Tabellenführer Mustafa Yilmaz und hat damit allerbeste Chancen, sich den Platz an der Sonne zurückzuerobern.

So könnt Ihr zusehen:
Wir übertragen alle 13 Runden des Turniers live und in voller Länge auf Chess.com/TV. Die Übertragung mit Kommentaren von IM Steve Berger findet Ihr aber auch auf Twitch und unserem deutschen YouTube-Kanal. Die englischsprachige Übertragung könnt Ihr Euch auf YouTube.com/ChesscomLive ansehen und alle Partien findet Ihr wie immer auf unserer Event-Seite.

Hier ist die Aufzeichnung der Übertragung der 9. Runde:

Levon Aronian und Jorden van Foreest beendeten ihren Arbeitstag weit vor allen anderen Spielern. Nach einer sehr ausgeglichenen Partie hatten sie ein ebenso ausgeglichenes Läuferendspiel erreicht und schlossen einen Friedensvertrag. 

Derweil hatte Wesley So seinem Gegner Parham Maghsoodloo in einer Nimzo-Indischen Verteidigung einen isolierten Doppelbauern auf der c-Linie verpasst und begann Druck am Damenflügel auszuüben. Maghsoodloo konterte mit einem Gegenspiel am Königsflügel und auf dem gesamten Brett entbrannte ein dynamischer Kampf. Als der Amerikaner mit seinen Figuren in die geschwächte Stellung von Weiß einbrechen konnte, rettete sich Maghsoodloo im letzten Moment mit einem Dauerschach.

Maghsoodloo zeigte wieder einmal einen großen Kampfgeist. Foto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess Tournament 2023.

Auch die Partie Rapport gegen Erigaisi begann mit einer Nimzo-Indischen Verteidigung, aber als Rapport die neuartige Idee ...g5  entfesselte, war das Standardmittelspiel des Nimzo-Inders plötzlich von Angriffsideen durchdrungen. Kommentator Daniel Naroditsky sagte dazu: "Du kannst einen Silberdollar darauf setzen, dass er in jeder Stellung nur ein paar Züge von einem Damenopfer oder einem Schachmattmuster entfernt ist. Das lieben alle an Richard Rapport. Egal ob er in Killerform oder in schlechter Form ist, egal ob er am Gewinnen oder am Verlieren ist und egal ob er gegen Magnus Carlsen oder einen Spieler mit einem 2000er-Rating spielt. Er wird im gleichen schillernden Stil spielen."

Obwohl Erigaisi auf den Damenflügel rochierte, gelang es Rapport, die g-Linie zu öffnen und ein starkes Spiel gegen die Schwächen seines Gegners am Königsflügel aufzuziehen. Als Erigaisi in einer ohnehin schwierigen Stellung einen Fehler machte, geriet auch noch sein König unter Beschuss und die Stellung war hoffnungslos verloren.

Ding hatte sich im frühen Mittelspiel gegen Giri eine vielversprechende Stellung erspielt, die aber nach ein paar langsamen Zügen des Chinesen zunächst verflachte. Nachdem er dann Giri's taktischen Schuss 28...Lxc4 übersehen hatte, platzierte Ding alle seine Figuren auf ambitionierten Feldern und setzte all seine Hoffnungen auf einen letzten Angriff. In dieser chaotischen Stellung konterte Giri aber dann mit einer schönen Mattkombination. Wer kann sie finden?

Großmeister Rafael Leitao hat sich diese Partie ganz genau angesehen und für uns analysiert. 

GM Rafael Leitao GotD


Durch diesen Sieg hatte Giri in der Blitztabelle Abdusattorov eingeholt und Naroditsky zog schon mal ein Zwischenfazit über das unglaubliche Turnier des Holländers: "Er hat Magnus geschlagen und Ding geschlagen. Er hat die Nummer eins und die Nummer zwei der Welt im selben Turnier geschlagen. Wie oft in der Geschichte ist das schon passiert?"

Nach der Partie teilte Giri seine Gefühle: "Ich bin sehr glücklich. Ich fühle mich so glücklich, weil die Stellung wirklich nicht gut aussah. Irgendwann dachte ich sogar, ich würde die Partie verlieren."

Obwohl sich Gukesh D. mit Schwarz aus der Eröffnung heraus eine komfortable Stellung erspielt hatte, entzündete Magnus Carlsen mit seinem atemberaubenden Zug 28.e4 ein Feuerwerk. Kommentatorin Jovaka Houska sagte dazu: "Der Weltmeister entfacht wieder seine Magie." Auf den Druck, den Carlsen auf seine Stellung ausübte, reagierte Gukesh mit nüchterner Genauigkeit. Er achtete auf die Drohungen seines Gegners und verlor seine eigenen Konterchancen niemals aus den Augen. Als Gukeshs a-Bauer kurz vor der Umwandlung stand, musste sich Carlsen mit einem Dauerschach zufriedengeben.

In einem Ragozin expandierte Praggnanandhaa R. am Damenflügel, während Fabiano Caruana Linien im Zentrum eröffnete.

Im Mittelspiel bauten dann beide Spieler ihre Kräfte am Damenflügel auf, kämpften um die b-Linie und drückten gegenseitig auf die schwachen c-Bauern. Im weiteren Verlauf der Partie konnte Praggnanandhaa zwar leichten Druck aufbauen, aber Caruana verteidigte sich aktiv und die Partie endete mit einem Turmendspiel, das keiner der beiden gewinnen konnte.

Vincent Keymer unternahm den tapferen Versuch, Tabellenführer Nodirbek Abdusattorov zu besiegen. Mit einem starken Springer auf dem e5-Vorposten, einem aktiven Turm auf der sechsten Reihe und einem isolierten schwarzen Bauern auf der d-Linie drückte Keymer fast sieben Stunden lang auf die schwarzen Schwächen. Obwohl der Großmeister aus Usbekistan in einem schwierigen Turmendspiel bereits mehrfach am Boden lag und angezählt wurde, konnte Vincent den finalen K.o.-Schlag nicht landen und musste sich letztendlich mit einem halben Punkt begnügen.

Der internationale Meister Adrian Petrisor zeigt uns, wie viele Chancen Vincent vergeben hat:

Zu diesem Zeitpunkt hatten Keymer und Abdusattorov noch keine Ahnung, dass sie fast sieben Stunden später immer noch am Brett sitzen würden. Foto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess Tournament 2023.

Im Challenger-Turnier gewann Mustafa Yilmaz seine zweite Partie in Folge:

Und da Erwin l'Ami zeitgleich gegen Alexander Donchenko gewinnen konnte, musste Alex die Tabellenführung an Yilmaz abgeben. Hier äußert sich der Holländer zu seinem Sieg.

Ergebnisse - Masters - Runde 9

Tabelle nach 9 von 13 Runden

Die Paarungen der 10. Runde


Alle Partien der 9. Runde - Masters

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