Carlsen besiegt Guseinov im Speed Chess

Carlsen besiegt Guseinov im Speed Chess

Am Mittwoch besiegte Magnus Carlsen im letzten Achtelfinale der Chess.com Speed Chess Championship Gadir Guseinov mit 20.5 : 5.5. Carlsen trifft damit im Viertelfinale am 21. November auf Wesley So.

Alle Infos über die Speed Chess Meisterschaft findet ihr hier.

Der 15 Punkte Vorsprung lies keine Zweifel daran, dass Carlsen seinem Gegner in allen Belangen überlegen war und der Vorsprung hatte ähnliche Dimensionen wie bei seinem Sieg im letzten Jahr gegen Tigran Petrosian bei der GM Blitz Battle. Im Gegensatz zu damals war Carlsen aber mit seiner Leistung diesesmal überhaupt nicht zufrieden.

"Ehrlich gesagt glaube ich, dass ich heute nicht gut gespielt habe. Das nächste Mal werde ich besser spielen müssen."

Carlsen begann das Duell mit Kopfhörern, aber er hörte keine Musik.

Diese Bemerkung hat nicht nur die Kommentatoren GM Eric Hansen und IM Danny Rensch, überrascht, aber wenn man sich die einzelnen Partien genauer ansieht, merkt man, dass sich der Weltmeister immer wieder in schlechten Stellungen wiederfand, auch wenn er die Partien dann am Ende gewinnen konnte.

Habt ihr dieses Achtelfinale verpasst? Hier könnt ihr es in kompletter Länge ansehen.

Die erste Partie war eine typische Partie zwischen einem starken Großmeister und einem Elite-Großmeister. Guseinov, der seine Teilnahme durch einen Sieg beim ersten Qualifikationsturnier gewonnen hatte, konnte die Stellung lange Zeit ausgeglichen halten, benötigte dafür aber ungleich mehr Zeit als der Weltmeister.

Hier hatte er gerade 29.d6 gezogen, was eigentlich zu einem Remis führen sollte. Carlsen spielte aber weiter und verlor kurz darauf sogar einen Bauern. Am Ende gewann er die Partie dann auf Zeit.


Der 31 Jahre alte Guseinov sollte insgesamt 9 Partien auf Zeit verlieren. "Irgendwie ist das der größte Fehler, den man im Schach machen kann," sagte der Kommentator Daniel Rensch.

Die Geschwindigkeit machte den Unterschied. "Sicher ist es im Blitz wichtig, schnell zu spielen," sagte Carlsen danach.

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Besonders beim Speedchess sollte man schnell spielen.

Nur 3 Tage, nachdem er das Chess.com Isle of Man Turnier gewonnen hatte, setzte Carlsen seine Strategie der unkonventionellen Eröffnungen fort. In der zweiten Partie entschied er sich für einen 2.a3 Sizilianer. Ein Zug wurde von dem Holländer Roel van Duijn, der in den 60er Jahren ein linker (!) Politiker war, oft gespielt.

Während er neben der Partie einige Snacks genoß, sah Carlsen wie der frühe Gewinner aus, aber nachdem er 19...Tab8! übersehen hatte war die Partie weiter offen. 25.c4 war ein starker Zug aber nach einem Fehler im 33. Zug war im Turmendspiel wieder die Zeit das größte Plus für Carlsen.

Carlsen konnte die ersten 4 Partien in Serie für sich entscheiden, aber in der fünften Partie erzielte Guseinov zumindest ein Remis. Diese Partie zeigt deutlich Carlsens unbändigen Siegeswillen und die exzellenten Verteidigungskünste seines Gegners.

In der sechsten Partie bekamen wir den ersten Fehler von Carlsen zu sehen. Kommentator Rensch war fast erleichtert und sagte: "Das war der Beweis! Magnus Carlsen ist doch ein Mensch!"

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Carlsen bewies, dass er doch nur ein Mensch ist.

Leider konnten die zahlreichen Zuschauer dann aber nicht sehen wie die Partie weiter ging. Zum ersten Mal in der Geschichte brach nämlich das Internet im Übertragungszentrum von Chess.com zusammen und somit war auch die Übertragung unterbrochen. Nach etwa 2 Minuten war die Übertragung wieder online, aber es war zu spät um zu sehen, wie sich Carlsen doch noch retten konnte:

Auch in der achten Partie lief für Carlsen nicht alles nach Plan. Im Mittelspiel wurde er ausgetrickst und man konnte sehen, wie er darauf seinen Kopf schüttelte. Aber wieder konnte er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen.

"Magnus ist so stark. Sogar wenn er einen Fehler macht hat er noch eine spielbare Stellung." (Hansen). "Carlsens Fehler sind bei anderen Spielern gute Züge." (Rensch)

Damit war das erste Drittel fast beendet. Nun folgte die abschießende Schach960 Partie. Carlsen konnte diese ebenfalls gewinnen und somit gingen die Spieler bei einem Spielstand von 8:1 in die kurze Pause.

Ergebnis: 5|2 Bedenkzeit

Spieler Land 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Gesamt
Magnus Carlsen 1 1 1 1 ½ 1 ½ 1 1 8
Gadir Guseinov 0 0 0 0 ½ 0 ½ 0 0 1

Carlsen erschien jetzt mit einem Kapuzenpullover und spaghettiessend vor der Kamera. "Carlsen ist eine Berühmtheit. Die Fans wollen sehen, wie er aussieht, wenn er isst. Jetzt wissen wir es!" (Danny Rensch)

Guseinov startete mit einem guten Remis ins zweite Drittel, aber musste gleich danach wieder 4 Volltreffer in Folge verkraften. Beim Stand von 12.5 : 1.5 gelang aber dann Guseinov endlich der erste Sieg. (Insgesamt sollte er 3 Partien gewinnen.) Es war die bis dahin spektakulärste Partie.

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Er hatte einen schwierigen Stand, aber immerhin konnte Guseinov drei Partien gewinnen.

Als Carlsen sagte, dass er mit seiner Leistung nicht zufrieden gewesen wäre, hatte er wohl Partien wie diese gemeint. Sein Versuch, die gegnerische Dame zu fangen schlug fehl und führte zu einem verlorenen Endspiel. Nachdem er sich dann in eine ausgeglichene Stellung zurückgekämpft hatte unterlief ihm erneut ein Fehler, denn Guseinov aber nicht sah und dann in ausgeglichener Stellung erneut die Zeit überschritt.

Carlsen gewann dann auch noch die Schach960 Partie. Das zweite Drittel mit 3|2 Bedenkzeit gewann er mit 6.5 : 1.5 und baute damit seine Gesamtführung auf 14.5 : 2.5 aus.  

Ergebnis: 3|2 Bedenkzeit

Spieler Land 1 2 3 4 5 6 7 8 Gesamt
Magnus Carlsen ½ 1 1 1 1 0 1 1
Gadir Guseinov ½ 0 0 0 0 1 0 0

Die erste Bullet Partie war dann einfach nur fantastisch. Carlsen gewann zwar auch diese, aber Guseinov hatte zuvor eine absolute Gewinnstellung auf dem Brett. Offensichtlich hatte der Aserbaidschaner seine Strategie geändert.

"Ich habe gemerkt, dass ich taktischer spielen und opfern muss. Das funktionierte dann auch viel besser," sagte Guseinov nach dem Duell. Das letzte Drittel war dann auch Guseinovs bestes.

Carlsen gewann dann auch die nächsten beiden Partien und baute seine Führung damit auf 17.5 ; 2.5 aus. Guseinov lief Gefahr, die höchste Niederlage aller Zeiten einzustecken, aber dank eines starken Endspurts konnte der Aserbaidschaner dies vermeiden. Er remisierte die Partien 21 und 24 und konnte die Partien 22 und 25 gewinnen.

In der 22. Partie stellte der Weltmeister bereits in der Eröffnung seine Dame ein (das passiert also wirklich jedem!) und konnte die Partie dann nicht mehr halten, obwohl Hansen die Stellung als "gewonnen für Magnus" einschätzte. Lustigerweise sah Guseinov den Einsteller gar nicht sofort, bekam aber eine zweite Chance. Typisch Bullet eben!

Carlsen gewann dann auch die letzte Schach960 Partie und somit erreichten wir einen Gesamtstand von 20.5 : 5.5.

Ergebnis: 1|1 Bedenkzeit

Spieler Land 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Gesamt
Magnus Carlsen 1 1 1 ½ 0 1 ½ 0 1 6
Gadir Guseinov 0 0 0 ½ 1 0 ½ 1 0 3

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Das Viertelfinale ist komplett: Carlsen-So, Grischuk-MVL, Nakamura-Caruana und Nepomniachtchi-Karjakin.

In den Interviews nach dem Duell lobte Guseinov seinen Gegner. "Magnus spielt einfach sehr gut. Ich habe fast alle Endspiele verloren." (...) "Er gewann einige fantastische Endspiele." (Als Carlsen dann sagte, dass er seiner Meinung nach nicht gut gespielt hatte, rutschte ihm sein Herz wohl in die Hose.)

"Jeder weiß, dass Magnus der große Favorit auf den Gesamtsieg ist. Für mich war es schon aufregend, überhaupt dabei sein zu dürfen."

Der Autor dieses Artikels weiß aber wie stark Guseinov im Blitzen ist, nachdem er ihm in der Hotellobby beim Shamkir Turnier 2015 gegen Carlsen, Nakamura und MVL beobachtet hat. Aber Online ist alles ein wenig anders und offensichtlich war er auch etwas eingerostet.

"Ich hab das letzte Mal vor über einem Jahr geblitzt. [Anmerkung: Guseinov hat aber dieses Jahr ein Blitzturnier auf Chess.com gewonnen, durch das er sich für die Speed Chess Meisterschaft qualifizierte.] Ich spiele nicht so viel Blitzschach. Je länger das Duell dauerte, desto besser wurde ich dann."

Carlsen trifft im Viertelfinale am 21. November auf Wesley So.

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Carlsen freut sich schon darauf: "Ich habe eine gute Chance gegen Wesley, aber ich muss besser spielen als heute. Heute hatte ich in vielen Partien einfach nur Glück.  Besonders im Bullet muss ich wirklich viel besser spielen. Im Bullet hat er viel selbstbewusster und schneller gespielt und das hat mich etwas aus der Spur gebracht."

Carlsen gewann in dieser Runde $1,788.46 und Guseinov immerhin noch $211.54.

Carlsen ist das zwar egal, aber einigen Schachfans nicht: Trotz seines überlegenen Sieges fiel Carlsens Blitzrating auf Chess.com von 3002 auf 2983; sein Bulletrating fiel sogar von 3209 auf 2994.

Im laufe des Duells forderte Chess.com die Zuseher auf, die Frisuren der Moderatoren mit Photoshop zu "verschönern" und auf Twitter unter dem hashtag #speedchess zu veröffentlichen. Die Diamand Mitgliedschaft ging an Manu Sid:

Alle Infos über die Speed Chess Meisterschaft findet ihr hier.

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