Carlsen und Wesley So gehen in Paris in Führung

Carlsen und Wesley So gehen in Paris in Führung

Magnus Carlsen und Wesley So liegen nach dem ersten Spieltag der Paris Grand Chess Tour gemeinsam in Führung. Beiden holten 5 von 6 möglichen Punkten. Dies ist möglich, da die Schnellschachpartien doppelt zählen. Auf den Plätzen liegen Hikaru Nakamura und Veselin Topalov.

Magnus Carlsen (r.) spielte in der zweiten Runde gegen Shakhriyar Mamedyarov. | Foto: Maria Emelianova.

Nicht nur die Hitzewelle über Paris, sondern auch die Partien des ersten Tages der Grand Chess Tour trugen zur Erwärmung der Gemüter bei. Im Canal+ Studio an der Seine, am südwestlichen Zipfel von Boulogne-Billancourt, zeigten die Spieler wunderbares Schach, dass die Fans Online und am Fernseher genossen.

Denn dies ist eine der großen Neuerungen in diesem Jahr: Das erste Turnier der Grand Chess Tour in Paris wird in einem Fernsehstudio gespielt und mit englisch-, französisch- und spanischsprachingen Kommentaren von Canal+ übertragen.

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Garry Kasparov machte bei der Partie Bacrot gegen MVL den ersten Zug. | Foto: Maria Emelianova.

Anders als erwartet, wird das Turnier jedoch in Frankreich nicht Live übertragen, da keine Sendeplätze zur Verfügung standen. Canal+ zeigt aber am Abend eine einstündige Zusammenfassung der Geschehnisse des Tages auf seinem Sportsender.

Vielleicht macht das aber auch Sinn. Damit Schach zu einem Fernsehsport werden kann müssen die Zuseher erst langsam und behutsam an den Schachsport herangeführt werden. Eine gut produzierte und kurze Sendung erfüllt diesen Zweck wahrscheinlich am besten. Wenn sich dann ein Stammpublikum gefunden hat, können Live-Schach-Übertragungen vielleicht eher zu einer Erfolgsstory werden, als durch "einen Sprung ins kalte Wasser".

Hier ist ein Video, bei dem Ihr eine Vorstellung bekommt, wie es in Paris aussieht. Organisator IM Malcolm Pein und die Canal+ Kommentatorin IM Almira Skripchenko haben Chess.com auch Interviews gegeben, die Ihr ebenfalls in diesem Video seht:

Das Schach startete mit einer Parallele zum letzten Jahr. Wesley So, der Gewinner der Grand Chess Tour 2016, bekam früh Probleme und konnte dennoch gewinnen—genau wie ein Jahr zuvor gegen Magnus Carlsen. Dieses Jahr war es aber Fabiano Caruana, der die Chance zum Sieg nicht wahrnahm:

Die große Attraktion der ersten Runde war aber das franzöische Duell zwischen Etienne Bacrot, der für das Turnier eine Wildcard erhalten hatte, und Maxime Vachier-Lagrave. Bacrot, der einst der jüngste Großmeister der Welt war, reagierte anfänglich gut auf MVL`s kreative Eröffnung, übersah dann aber eine Taktik und war ab dann unter Druck. Das Damenendspiel hätte aber eigentlich Remis enden müssen.

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Bacrot gibt seine Partie gegen Vachier-Lagrave auf. | Foto: Maria Emelianova.

Das wir gerade von krativien Eröffnungen sprechen: Was haltet Ihr von Alexander Grischuk's 1.d4 d5 2.c4 c6 3.cxd5 cxd5 4.Lg5 gegen Magnus Carlsen? Das war der Startschuss für ein unterhaltsames Remis, bei dem der weißfeldrige Läufer des Weltmeisters von Anfang an auf g6 eingesperrt war. Es war aber wirklich cool mit anzusehen, wie Carlsen seinen Turm über h7 auf der siebten Reihe ins Spiel brachte und seinen Läufer mit dem Manöver Lg6-e8-b5, unterstütz von seinem Springer auf d6, schließlich abtauschen konnte.

Nach dem Remis zu Auftakt gewann Carlsen seine nächsten beiden Partien. Der erste Sieg gegen Shakhriyar Mamedyarov, kam aus einer Stellung zustande, die überhaupt nicht gefährlich aussah (und es eigentlich auch nicht war).

Das Bauernopfer anzunehmen war keine gute Idee, sagte Carlsen, denn es half nur Schwarz. Der richtige Fehler kam aber im 28. Zug: 28.a4 verliert sofort. Carlsen nannte dieses Zug eine "nette Überraschung".

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 Mamedyarov gegen Carlsen. | Foto: Maria Emelianova.

Calsen's nächstes Opfer war Maxime Vachier-Lagrave, der aber trotzdem ein ernsthafter Anwärter auf den schönsten Zug des Tages ist. "Ich hatte nicht gedacht, dass dieser Zug geht!" sagte Malcolm Pein über den Zug 18...d5. MVL spielte danach stark weiter aber stellte dann eine ganze Figur ein.

Wesley So hatte auch Fortuna auf seiner Seite. In einem Endspiel, das eigentlich Remis war, entschied er sich ein paar Züge weiterzuspielen, zog 47.Ld4, und wurde für seine Ausdauer belohnt. Brcrot, der in arger Zeitnot war, vergaß seine Strategie, alle Figuren auf den weißen Feldern zu halten, und verlor die Partie:


Den denkbar schlechtesten Start in das Turnier hatte Fabiano Caruana, der all seine 3 Partien verlor. In der dritten Runde wurde er von Hikaru Nakamura besiegt, der sich somit für seine Niederlage beim Norway Chess revanchieren konnte.


Chess.com sprach mit Nakamura über diese Partie und auch über die Partie in Norwegen, was aber Stoff für neue Diskussionen liefern könnte:

Hier ist eine der interessantesten Partien des Tages. Yasser Seirawan sagte über die Partie von Maxime Vachier-Lagrave gegen Alexander Grischuk: "Über diese Partie könnte man ein ganzes Buch schreiben."

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 MVL und Grischuk lieferten sich einen faszinierenden Kampf. | Foto: Maria Emelianova.

Paris Grand Chess Tour | Schnellschach, Tabelle nach der 3. Runde

# Land Name Rtg Lstg 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 Punkte SB
1 Carlsen,Magnus 2851 3061 1 2 2 5.0 3.75
2 So,Wesley 2789 3029 1 2 2 5.0 1.25
3 Nakamura,Hikaru 2792 2901 1 1 2 4.0 1.25
4 Topalov,Veselin 2725 2869 1 1 2 4.0 0.75
5 Grischuk,Alexander 2779 2807 1 1 1 3.0 3.25
6 Mamedyarov,Shakhriyar 2784 2806 0 1 2 3.0 2.00
7 Vachier-Lagrave,Maxime 2783 2773 0 1 2 3.0 1.25
8 Karjakin,Sergey 2776 2647 1 1 0 2.0
9 Bacrot,Etienne 2688 2487 0 1 0 1.0
10 Caruana,Fabiano 2782 1969 0 0 0 0.0

Bei dieser Tabelle wurde das eigene  Rating System der Grand Chess Tour benutzt.

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Karjakin, Mamedyarov und Grischuk unterhielten sich nach der dritten Runde. | Foto: Maria Emelianova.


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