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Chessbase und Stockfish einigen sich in einem Lizenzverletzungsverfahren auf einen Vergleich

Chessbase und Stockfish einigen sich in einem Lizenzverletzungsverfahren auf einen Vergleich

PeterDoggers
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Das Hamburger Schachsoftware-Unternehmen ChessBase und das Team hinter der Open-Source-Schachengine Stockfish haben sich in ihrem Rechtsstreit wegen wiederholter Lizenzverletzungen durch Chessbase mit ihren Produkten Fat Fritz 2 und Houdini 6 auf einen Vergleich geeinigt. 

Die Vereinbarung zwischen Chessbase und Stockfish wurde am Samstag auf der Webseite von Stockfish bekannt gegeben und von Matthias Wullenweber, Eigentümer und Chefprogrammierer von Chessbase, gegenüber Chess.com als zutreffend bestätigt.

Die beiden an dem Rechtsstreit beteiligten Parteien haben vor dem Landgericht München I vereinbart, dass Chessbase die Produkte vertreiben kann, solange das Unternehmen die Einhaltung der GPL-3.0 Lizenzbedingungen sicherstellt und die Öffentlichkeit über die Verwendung der Stockfish-Software in seinen Produkten angemessen informiert.

Der Vergleich sieht vor, dass Chessbase die Stockfish-Software für einen Zeitraum von einem Jahr nicht vertreibt und/oder öffentlich zugänglich macht. Nach einem Jahr kann Chessbase die Lizenz an der Stockfish-Software unter den Bedingungen der GPL-3.0 Lizenz wieder verwenden. Im Falle eines Verstoßes gegen diese Auflagen muss Chessbase eine angemessene Zahlung an die Free Software Foundation Europe e.V. leisten.

Fat Fritz 2

Um die Öffentlichkeit über die Verwendung von Stockfish zu informieren, wird Chessbase auf all seinen Webseiten zu Fat Fritz 2 und/oder Houdini 6 einen deutlich sichtbaren Hinweis platzieren, der auf die GPL-3.0-Lizenzbedingungen und den Vergleich hinweist. Außerdem wird Chessbase intern die Rolle eines "Free Software Compliance Officers" einführen und unter der Domain foss.chessbase.com die Produkte auflisten, die die Software Stockfish oder andere Free and Open Source Software (FOSS) enthalten. Wenn die jeweiligen Lizenzen die Bereitstellung des Quellcodes erfordern, wird Chessbase auch jedem das Herunterladen des Quellcodes ermöglichen.

Falls Chessbase nach einem Jahr wieder Produkte, die auf Stockfish basieren, vertreiben möchte, muss in der Werbung die Verwendung von Stockfish genannt werden und Vergleiche der Spielstärke mit Stockfish oder anderen Schachengines müssen wahrheitsgemäß und beweisbar sein (z. B. durch Bezugnahme auf entsprechende aktuelle Ranglisten) und sich auf aktuelle Versionen beziehen.

Auch neuronale Netze, die von Chessbase zur Verwendung mit Stockfish angeboten werden oder in Produkten von Chessbase enthalten sind oder im Rahmen der Initialisierung der Datenstrukturen und Logik der Software dynamisch geladen werden, müssen der GPL-3.0 oder einer kompatiblen Lizenz unterliegen.

Im Juli 2021 hatte das Stockfish Team die Hamburger Firma wegen des Verkaufs von Produkten, die auf Stockfish, einer Open-Source-Schachengine, basieren, ohne den Lizenztext anzuhängen und/oder den vollständigen entsprechenden Quellcode zur Verfügung zu stellen, verklagt. Als Urheberrechts-Inhaber hatten führende Entwickler von Stockfish die GPL-Lizenz gekündigt und ohne diese Lizenz hatte Chessbase das Urheberrecht verletzt, weil es die Produkte weiterhin vertrieb – daher war es zu der Klage gekommen.

Anfang des Jahres hatten die Teams hinter Stockfish und einem weiteren Open-Source-Schachprogramm, Leela Chess Zero, behauptet, dass die Engine in Fat Fritz 2 nur Stockfish mit minimalen Änderungen sei, dass Fat Fritz 2 deshalb gegen die GNU General Public License, unter der Stockfish veröffentlicht wurde, verstoßen würde und dass das Marketing von Chessbase falsche Behauptungen über die Spielstärke von Fat Fritz 2 aufgestellt habe.

In einer öffentlichen Anhörung am 4. Juli 2022 in München hatte die vorsitzende Richterin Dr. Elke Schwager zunächst festgestellt, dass es dem Stockfish-Team durchaus möglich sei, eine GPL-Lizenz zu kündigen. Wie es das deutsche Recht vorsieht, forderte die Richterin die beiden Parteien dennoch auf, sich um einen Vergleich zu bemühen. Für den Fall, dass sie sich nicht einigen würden, wurde ein neuer Gerichtstermin für März 2023 angesetzt.

Stockfish Chessbase lawsuit
Die zuständigen Richter des Landgerichts München I. In der Mitte die Vorsitzende Richterin Dr. Elke Schwager. Foto: Gerhard Grundhammer/Chess.com.

Joost VandeVondele, der derzeitige Sprecher von Stockfish, schrieb, dass der Vergleich "das Projekt Stockfish in seinem Ziel, die weltweit führende Schachengine als kostenlose Software zur Verfügung zu stellen, stärkt, und dass ChessBase unsere Software in Zukunft weiterhin verwenden kann". Den Grund für die Wiedererteilung der Lizenz in einem Jahr erklärt er wie folgt:

"Wir sind der Meinung, dass dies im Geiste von kostenloser Software und zum Nutzen der Gemeinschaft ist. ChessBase hat nun den Wert und das Potenzial von Open-Source-Software im Allgemeinen und Stockfish im Besonderen erkannt und sich klar dazu verpflichtet, die Prinzipien kostenloser Software zu respektieren."


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