Deep Thinking: Kasparov auf Tour

Deep Thinking: Kasparov auf Tour

PeterDoggers
PeterDoggers
03.06.2017, 05:17 |
0 | Schachspieler

Garry Kasparov tourt derzeit durch die englischsprachige Medienlandschaft und bewirbt sein neuestes Buch "Deep Thinking," in welchem er nicht nur auf sein berühmtes Duell mit dem Computer Deep Blue in den 90er Jahren zurückblickt, sondern auch die Rolle der künstlichen Intelligenz in der heutigen Zeit diskuttiert.

Kasparov mit Stephen Fry beim Hay Festival. | Foto: BBC.

"Auf lebendige und gnadenlose Art und Weise, besiegte der I.B.M. Computer Deep Blue gestern, zumindest vorübergehend, die Menschheit in Form des Schachweltmeisters Garry Kasparov, der die sechste und somit auch letzte Partie gegen den Computer nach 19 Zügen mit den Worten "Ich habe meinen Kampfgeist verloren," aufgab."

Mit diesen Worten begann Bruce Weber's Artikel in der New York Times über Kasparovs wohl berühmteste Niederlage, gegen den SuperComputer Deep Blue, die vor 20 Jahren, am 11. Mai 1997 stattfand. Und auch wenn die Menschheit noch nicht endgültig geschlagen war, war diese Partie doch der Wendepunkt in der Geschichte, in der Computer den Menschen im Schach überlegen wurden. Dieses Duell wurde sogar zu einer Metapher die den Aufstieg der künstlichen Intelligenz beschreibt (auch wenn Kasparov weiterhin behauptet dass Deep Blue alles andere als Intelligent wäre).

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In "Deep Thinking" wirft Kasparov einen Blick zurück auf das Duell, teilt seine Gedanken und analysiert die Partien im Detail. In einem Artikel, der kürzlich auf Medium erschien, beschrieb der Autor die Entstehung des Buchs:

"Dieses Buch zu schreiben war wie eine Therapie. Es war ein schmerzhafter Prozess aber ich habe dabei viel über mich selbst und meinen Gegner gelernt und jetzt bin ich froh die Möglichkeit zu haben, die ganzen Erfahrungen in eine positive Geschichte zu packen und diese der ganzen Welt mitteilen zu können. In Deep Thinking stelle ich klar, dass meine Niederlage gegen Deep Blue auch ein Sieg für die Menschheit war —nämlich für seine Erbauer und für alle Menschen, die vom technologischen Fortschritt profitieren. Und das ist eigentlich jeder. Das ist ein Teil des "Gesamtbildes", und der Grund, warum das Buch nicht "Mensch gegen Maschine" heißt. Die Maschinen arbeiten ja immernoch für uns und nicht umgekehrt. Das letzte Drittel des Buchs beschäftigt sich mit der blühenden Zukunft, die uns intelligente Maschinen bescheren werden, wenn wir nur mutig genug sind, diese Hilfe anzunehmen. Ich hoffe, dass mein Optimismus ansteckend ist."

Bis jetzt zeigten sich die Medien sehr interessiert an "Deep Thinking". Von Business Insider über Nature und Esquire bis zur Financial Times wurde das Buch durchgehend positiv bewertet, und erst kürzlich wurde der Experte für künstliche Intelligenz, Murray Campbell, der 1997 ein Teil des Entwicklerteams von Deep Blue war, im Scientific American's nach seiner Meinung über das Buch interviewt.

Natürlich erhält aber Kasparov, der Autor des Buches, die meiste mediale Aufmerksamkeit. Er erschien kürzlich in dutzenden von Radio- und TV-Shows und Podcasts. Außerdem befindet er sich gerade auf einer Werbetour in der er über künstliche Intelligenz und seine Erfahrungen damit spricht. Hier sind einige Beispiele:

Am 5. Mai 2017 war Kasparov im Studio von Yahoo News und sprach über sein Buch. (Das Interview beginnt aber mit mit einem anderen Thema: Vladimir Putin.)

Am 11. Mai war er Gast im Podcast von Tyler Cowen, einem amerikanischen Intellekutellen, der versucht "die größten Denker der Welt und deren Arbeiten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen". Frühere Gäste in diesem Podcast waren z.B. Malcolm Gladwell, Stephen Pinker und Peter Thiel.

Fünf Tage später war Kasparov im CBC Radio zu hören und gleich danach war er in einem Podcast der NBC News, wo er von Chuck Todd, dem Moderator von "Meet the Press" interviewt wurde. Er sprach auch mit Jeremy Vine von BBC2—der zugleich der Versuchung nicht widerstehen konnte, gegen Kasparov eine Partie zu verlieren:

Noch am gleichen Tag war Kasparov einer der Gäste bei der TechCrunch Disrupt, einer Veranstaltung von TechCrunch, in der Startup Unternehmen ihre neuen Produkte potentiellen Geldgebern und Medien vorstellen.

Etwa zur gleichen Zeit wurde ein Vortrag von Kasparov bei TED Talk veröffentlicht. Dieser Vortrag wurde vor etwa einem Monat in Vacouver, Kanada aufgezeichnet, und ging über das selbe Thema, aber noch ausführlicher, da es ein Monolog war. Wenn man nur wenig Zeit hat, ist dies wohl die beste Option, um den derzeitigen Ansichten des Ex-Weltmeisters zu lauschen.

Auf Facebook fügte Kasparov dann seinem Vortrag noch einen Absatz hinzu, da ihm die Redezeit ausging und er deswegen diesen Absatz spontan aus seiner Rede gestrichen hatte:

"Wir jönnen uns nicht aussuchen, wann und wo der technologische Fortschritt aufhört." Menschen, deren Arbeitsplätze von der Automatisierung abhängen, sind auch von der nächsten Welle der Technologie, die neue und nachhaltige Arbeitsplätze schafft, abhängig. "Intelligentere Technik ist auch einfacher zu bedienen - Vergleichen Sie einfach, was ein Kind mit einem iPad machen kann, im Vergleich zu dem Wissen, das erforderlich war, um das alles auf einem PC vor zwanzig Jahren zu schaffen. Maschinen, die physische Arbeit ersetzen, haben uns erlaubt, uns mehr auf die Entwicklung unseres Geistes zu konzentrieren. Intelligente Maschinen setzen diesen Prozess fort. Sie übernehmen die menschlichen Aspekte des Fortschritts und erlauben uns, uns unserer Neugier, Kreativität, Freude und der Kunst zu widmen. "

Bei dieser (unvollständige) Liste von Kasparovs Auftritten darf dieser nicht fehlen, denn es waren gleich zwei meiner persönlichen Idol auf der selben Bühne: Der großartige Stephen Fry interviewte Kasparov letzte Woche beim Hay Festival in Hay-on-Wye, Powys, Wales. Bill Clinton beschrieb diese Veranstaltung einst als "das Woodstock der Gedanken."

Fry offenbarte auch seine Liebe zu Schachsport: Gleich zu Anfang des Interviews erzählte er, dass er jede Partie des Duells Kasparov-Short 1993 in London verfolgte. Seine Liebe zur Sprache und zu blumigen Ausdrücken kam in dem Interview aber auch nicht zu kurz.

(Wenn ihr auf das nachstehende Bild klickt, kommt ihr auf die Webseite der BBC, wo ihr das Interview in voller Länge ansehen könnt.)

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