Es geht weiter: Die FIDE gibt nicht nach, Ilyumzhinov tritt nicht zurück

Es geht weiter: Die FIDE gibt nicht nach, Ilyumzhinov tritt nicht zurück

PeterDoggers
PeterDoggers
28.03.2017, 08:19 |
1 | Schachpolitik

Auch wenn Kirsan Ilyumzhinov selbst dementiert, dass er seinen Rücktritt als  FIDE Präsident verkündet hat, behauten FIDE-Funktionäre weiterhin, dass er genau dies getan hat. Auf einer Pressekonferenz heute in Moskau betonte Ilyumzhinov nochmals, dass er das Amt des FIDE Präsidenten bis 2018 ausüben werde.

(Dies ist ein Folgebericht des gestrigen Artikels, in dem wir gemeldet hatten, dass auf der Internetseite der FIDE eine Meldung erschien, wonach Kirsan Ilyumzhinov seinen Rücktritt als FIDE Präsident verkündet habe.)

Ilyumzhinov's schriftliche Widerlegung ("die Informationen über meinen angeblichen Rücktritt auf der Internetseite der FIDE sind falsch") wurde heute, zusammen mit einer Stellungsnahme des geschäftführenden Direktors der FIDE, Nigel Freeman, veröffentlicht.

Er schreibt:

Lieber Kirsan,

während der Präsidiumssitzung in Athen hast Du mehrmals mit deinem Rücktritt gedroht und am Ende der Sitzung hast Du drei mal den Satz "Ich trete zurück" wiederholt, bevor Du den Raum verlassen hast.

Um diese Angelegenheit zu erörtern wurde auf Antrag der Vorstandsmitglieder für den 10. April eine außerordentliche Präsidiumssitzung einberufen, .

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Ilyumzhinov hat darauf bereits geantwortet. In einem längeren Brief schrieb er unter anderem, dass es eine "sehr emotionale Diskussion war", die NACH der Präsidiumssitzung stattgefunden hat. Ferner wiederholte er seine Sicht der Vorfälle, die mit der Aussage seines Assistenten, Berik Balgabaev, übereinstimmt.

Laut Ilyumzhinov habe er in Athen gesagt: "Wenn es für die FIDE notwendig ist, werde ich als FIDE Präsident zurücktreten."

Ilyumzhinov weist auch darauf hin, dass die Frage bei der FIDE-Generalversammlung gelöst werden sollte, "die mir das Mandat bis zu den nächsten Wahlen, die im September 2018 stattfinden werden, gegeben hat. Somit sehe ich keine Notwendigkeit für eine außerordentlichen Vorstandsitzung im April. "

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Ilyumzhinov schrieb auch einen Brief an alle nationalen Verbände. Auch hier stellt er klar, dass er vorhat, sein Amt bis zum regulären Ende seiner Amtszeit auszuüben, und dass er keinen Grund dafür sieht, "Geld für eine unnötige Präsidiumssitzung  zu verschwenden".

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Pressekonferenz

Ilyumzhinov hielt heute auch eine Pressekonferenz im größten Moskauer Schachclub ab. Er wurde vom Vizepräsidenten der FIDE und Präsidenten des russischen Schachverbandes, Andrey Filatov, begleitet, der, wie es den Anschein hat, das einzige FIDE Präsidiumsmitglied ist, das Ilyumzhinov noch öffentlich unterstützt.

"Jetzt versuchen meine Gegner, mich zum Rücktritt zu zwingen, weil es ihre einzige Chance ist", sagte Ilyumzhinov. "Aber bei der letzten FIDE-Präsidiumssitzung in Athen habe ich nichts unterschrieben, und ich werde freiwillig nichts unterschreiben, und werde weiterhin als FIDE-Präsident bis zu den Wahlen im Jahr 2018 arbeiten."

Ilyumzhinov stellte auch klar, dass die Sanktionen der amerikanischen Regierung seine Arbeit als FIDE-Präsident nicht beeinträchtigen, wenn man davon absieht, dass er nicht in der Lage war der Weltmeisterschaft 2016 in New York beizuwohnen.

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Andrey Filatov und Kirsan Ilyumzhinov, heute in Moskau. | Foto Russian Chess Federation.

"Einige Leute im Präsidium wollen diesen internen Aufruhr um Ilyumzhinovs Rücktritt zu erzwingen, denn dies ist deren einzige Möglichkeit, um ihn um seine Präsidentschaft zu berauben", sagte Filatow.

Ilyumzhinov: "Warum sollen wir Geld für die außerordentliche Präsidiumssitzung ausgeben und zehntausende Euro aus dem Fenster werfen, wenn die Beschlüsse keine Entscheidungskraft haben werden, da der Präsident nichts unterschrieben hat, Es ist doch besser, wir geben das Geld für Kinderturniere aus."

Rechtliche Grundlagen

Das Hin und Her zwischen dem FIDE-Präsidenten und den anderen Präsidiumsmitgliedern lässt erahnen, dass gerade ein Kampf um die Macht in der FIDE stattfindet. Doch momentan gibt es mindestens drei Gründe, warum Ilyumzhinov nicht so einfach als Präsident des Weltschachverbandes abgelöst werden kann.

1) Es gibt keine Unterschrift.

Als erstes hat Ilyumzhinov nichts unterschrieben. Vielleicht hat er wirklich den Satz "ich trete zurück" gesagt, und vielleicht sogar mehrmals. Die Präsidiumsmitglieder argumentieren, dass dieser Satz bindend sei und sie haben sogar die Veröffentlichung dieses Satzes auf der Internetseite der FIDE angeordnet. Aber kann ein Präsident wirklich ohne irgendetwas zu unterschreiben, einfach so zurücktreten? Das klingt doch unwahrscheindlich.

2) Eine Amtsenthebung ist schwierig.

Ilyumzhinov will sein Amt nicht freiwillig aufgeben und eine Amtsenthebung ist schwierig. 

In den FIDE Statuten steht folgendes:

Jeder gewählte oder ernannte Funktionär der FIDE kann aus seiner Position enthoben werden, wenn dafür ein triftiger Grund vorliegt. Ein solcher Grund liegt vor, wenn ein Präsidiumsmitglied gegen den Geist und den Text der Satzungen und Vorschriften des jeweiligen Amtes verstößt. Die Enthebung muss die Zustimmung des Ethikausschusses haben und erfordert eine Zweidrittel-Mehrheit des Vorstands oder eine Mehrheit in der Generalversammlung. (...)

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3) Welchen Status hat eine außerordentliche Präsidiumsversammlung?

Welchen Status hat also jetzt diese außerordentliche Präsidumssitzung, die für den 10. April angekündigt wurde? Können die restlichen Präsidiumsmitglieder diese überhaupt einberufen? Laut den FIDE Statuten kann dies nämlich nur der Präsident selbst. In Kapitel 7 des FIDE Handbuchs steht:

Eine Präsidiumssitzung sollte mindestens alle 3 Monate stattfinden. Darüber hinaus kann der Präsident jederzeit zusätzliche Präsidiumssitzungen, an denen die Mitgieder persönlich oder per Konferenzschaltung teilzunehmen haben, einberufen.. [Die Schrägschrift ist von Chess.com eingefügt]

Entscheidend in dieser Angelegenheit könnte Ilyumzhinovs Entscheidung vom Dezember 2015 sein, "sich aus allen rechtlichen, finanziellen und geschäftlichen Operationen der FIDE zurückzuziehen", nachdem das Finanzministerium der Vereinigten Staaten Sanktionen gegen ihn erhoben hatte. Was genau ist jetzt eigentlich seine Funktion? Kann der stellvertretende Präsident Georgios Makropoulos eine außerordentliche Präsidiumsversammlung einberufen? Kann er andere Entscheidungen treffen?

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der ganze Vorgang schließlich vor dem Schiedsgericht für Sport (CAS) in Lausanne landen wird. Mittlerweile können Schachspieler und Fans nur hoffen, dass dies alles nicht zur Streichung von Schachereignissen oder anderen laufenden Projekten führen wird, und dass der Ruf unseres Sports nicht (noch) weiter beschädigt wird.


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