Keymer verliert beim Grenke eine Marathon Partie gegen Carlsen

Keymer verliert beim Grenke eine Marathon Partie gegen Carlsen

PeterDoggers
PeterDoggers
|
0 | Berichterstattung von einem Schach-Event

Magnus Carlsen begann bei den Grenke Chess Classic in Karlsruhe so, wie er sein letztes Turnier, das Gashimov Memorial beendet hatte: Mit einem Sieg. Der Weltmeister bezwang das 14-jährige Supertalent IM Vincent Keymer nach hartem Kampf in einer Marathon-Partie.

Sechs Stunden und 42 Minuten dauerte es, bis der Norweger seinen halb so alten und 329 Elo Punkte niedriger eingestuften Gegner bezwungen hatte. Dies und die Tatsache, dass Keymer eine wirklich vielversprechende Stellung im Mittelspiel hatte, zeigte einmal mehr das außergewöhnliche Talent des Mainzers.

Keymer Carlsen 2019 Grenke Chess Classic
Keymer gibt dem stärksten Spieler, gegen den er je gespielt hat, die Hand. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Welche Eröffnung sollte ein Super-Großmeister spielen, wenn er gegen einen IM mit Schwarz gewinnen möchte? Als Erstes fällt einem da natürlich Königsindisch ein und genau dafür hatte sich Carlsen auch entschieden. Er verließ aber schon früh die Theorie, denn er kombinierte ...c5 mit ...e5.

Keymer ließ sich davon aber nicht beeindrucken und setzte die Partie mit logischen Zügen fort. Carlsen schuf darauf ein Ungleichgewicht, indem er seinen Königsläufer aufgab um die Bauernstruktur seines Gegners zu zerstören und kurz darauf tauschte er auch noch seinen zweiten Läufer gegen einen Springer.

Die Stellung vor 28.g4.

Nur wenige Züge später stand Keymer so richtig gut und wäre noch besser gestanden, wenn er den Zug g3-g4 eingestreut hätte. Peter Svidler sagte, dass er es besser gefunden hätte, wenn der schwarze g7-Springer und nicht der f6-Springer nach h5 gezogen wäre. "Nach g4-g5 kann die Partie eigentlich nur Weiß gewinnen."

Keymer Carlsen 2019 Grenke Chess Classic
Keymer erreichte gegen Carlsen eine vielversprechende Stellung. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Das Blatt drehte sich, als Keymer den Miniplan fasste, seinen König von f2 nach d2 zu bringen. Carlsen gewann den weißen g-Bauern und erspielte sich eine Gewinnstellung, die er allerdings durch einen unglücklichen Turmtausch im 56. Zug wegwarf.

Der Weg zum Remis war für den 14-jährigen aber trotzdem alles andere als einfach zu finden und schließlich war es dann doch Keymer, der den letzten Fehler machte. Es war aber absolut keine Partie, für die er sich schämen müsste!

Carlsen 2019 Grenke Chess Classic
Ein bärtiger Carlsen musste gegen Keymer sein ganzes Können aufbieten. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

"Ich denke nicht, dass ich heute besonders gut gespielt habe. Ich habe zu viel auf Tricks gespielt und mein Kopf fühlte sich irgendwie schwer an," sagte Carlsen. "Er hat mir einen großen Kampf geliefert. Am Ende ging es nur darum, ihn auszusitzen. Mehr war da nicht. Aber wenn man bis zum Ende kämpft, wird man manchmal belohnt."

Carlsens Interview nach der Partie.

Vor den Augen von FIDE Präsident Arkady Dvorkovich endeten alle anderen Partien Remis. In seiner Rede vor den Top-Großmeistern, Zuschauern und hunderten von Teilnehmern des Opens erwähnte er auch die historische Entscheidung der FIDE, im Oktober in Norwegen eine "Schach960 Weltmeisterschaft" auszurichten.

Dvorkovich gab in Karlsruhe ebenfalls ein Interview.

Das heißt, dass wir 133 Jahre nach der Steinitz-Zukertort Partie eine neue Schach960 Weltmeisterschaft haben werden. Wer weiß, welche Tradition hier noch entstehen könnte?

In diesem Zusammenhang wollen wir natürlich erwähnen, dass Chess.com einer der Sponsoren dieses Turniers ist. Alle weiteren Informationen findet Ihr auf der offiziellen Webseite des Turniers.

Dvorkovich Noppes 2019 Grenke Chess Classic
Dvorkovich (rechts) hält seine Eröffnungsansprache. Neben ihm steht Turnierdirektor Sven Noppes. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Kommen wir aber zurück zum traditionellen Schach. Das erste Remis des Tages lieferten Maxime Vachier-Lagrave und Vishy Anand ab. Diese Partie war wirklich schnell vorbei und mehr kann man darüber fast nicht sagen. Die Spieler testeten gegenseitig ihr Wissen in einer scharfen Caro-Kann Vorstoßvariante. Der Franzose konnte keine neue Idee finden und Anand war auf alle alten Ideen bestens vorbereitet.

Vachier-Lagrave Anand 2019 Grenke Chess Classic
Vachier-Lagrave und Anand verglichen eigentlich nur ihre Hausaufgaben. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Die Partie Peter Svidler gegen Fabiano Caruana war ebenfalls sehr theoretisch. Eine kleine Überraschung war nur, dass Caruana exakt die Sweschnikov Variante mit Schwarz spielte, die Carlsen gegen ihn bei der Weltmeisterschaft gespielt hatte.

Der Unterschied in der Vorbereitung war aber riesig: Svidler hatte sich die Variante erst vor 2 Tagen mit seinem Sekundanten angesehen, während sich Caruana mit der Stellung nach 12.Ld2 seit November nicht mehr beschäftigt hatte.

Der Grund dafür war, dass Caruana diesen speziellen Zug nur für die Weltmeisterschaft vorbereitet gehabt hatte, und niemals plante, diesen Zug noch einmal zu spielen, denn "Schwarz hat hier sehr viele verschiedene Möglichkeiten".

“Es war die einzige Idee, die ich gegen Fabis Repertoire hatte," sagte Svidler. "Es ist zumindest eine sehr interessante und zweischneidige Stellung."

Caruana wich erst mit 18…Lf6 von der Partie ab. Einem Zug, der so offensichtlich ist, dass Caruana eigentlich dachte, Carlsen hätte in dieser Stellung im November die Zugreihenfolge verwechselt.

Einige Züge später dachten beide Spieler, dass sie etwas schlechter stehen würden. Svidler: "Von diesem Moment an war es logisch, dass wir taten, was wir taten und sich die Stellung vereinfachte."

Svidler Caruana 2019 Grenke Chess Classic
Caruana führte dieses Mal die schwarzen Figuren in einem 7.Sd5 Sweschnikov. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Arkady Naiditsch war zuletzt viel beschäftigt. Beim Gashimov Memorial sprang er für Ljubomir Ljubojevic, der wegen Visa-Problemen nicht nach Aserbaidschan reisen konnte, ein. Danach spielte er in der Schach-Bundesliga, flog für einige Partien in der chinesischen Liga nach China und am Samstag war er schon wieder in Deutschland und fit genug, um Levon Aronian Paroli zu bieten.

Aronian Naiditsch 2019 Grenke Chess Classic
Aronian gegen Naiditsch. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Schließlich kam es auch noch zwischen Georg Meier und Paco Vallejo zu einem Remis. Hier bekamen wir eine unregelmäßige und sehr interessante 1.d4 Eröffnung zu sehen, bei der der Spanier den Fianchetto-Aufbau von Weiß mit einem frühen ...d5 und ...b5 beantwortet. Zumindest in dieser Partie hat es funktioniert.

Meier Vallejo 2019 Grenke Chess Classic
Meier und Vallejo remisierten relativ schnell. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Die Paarungen der zweiten Runde lauten: Vallejo Pons gegen Carlsen, Anand gegen Keymer, Caruana gegen Vachier-Lagrave, Naiditsch gegen Svidler und Meier gegen Aronian.

Grenke Chess Karlsruhe playing hall
Der riesige Turniersaal in Karlsruhe mit hunderten von Schachspielern und Fans. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Die ersten 5 Runden werden vom 20. - 24. April in der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe ausgetragen werden. Nach einem Ruhetag zieht das Turnier dann in das Kulturhaus LA8 Museum in Baden-Baden um, wo vom 26. bis zum 29. April die restlichen Runden absolviert werden.

Die Bedenkzeit beträgt 100 Minuten für 40 Züge, gefolgt von 50 Minuten für 20 weitere Züge und dann 15 Minuten für den Rest der Partie. Zusätzlich erhalten die Spieler einen Zeitbonus von 30 Sekunden pro Zug. Remisgebote vor dem 40. Zug sind verboten.

Die Partien beginnen immer um 15:00 Uhr Ortszeit.

Ihr könnt das Turnier hier auf unserer Event-Seite verfolgen. Die Partien werden auf Live Chess übertragen.

IM Levy Rozman wird von dem Turnier auf seinem Twitch Kanal GothamChess berichten.

Impressionen der ersten Runde


Weitere Artikel über das Grenke Classics:

Mehr von PeterDoggers
Aronian gewinnt in St. Louis

Aronian gewinnt in St. Louis

Nepomniachtchi gewinnt die Levitov Chess Week

Nepomniachtchi gewinnt die Levitov Chess Week