Radjabov opfert sich zu seinem zweiten Sieg in Genf

Radjabov opfert sich zu seinem zweiten Sieg in Genf

Teimour Radjabov ist nach 2 gespielten Runden der alleinige Tabellenführer beim FIDE Grand Prix im schweizerischen Genf. Obwohl er in Zeitnot war, fand er eine tödliche Kombination, die eine positionelle Partie gegen Pavel Eljanov zu seinen Gunsten entschied.

GM Alexandra Kosteniuk eröffnete die Partie von Teimour Radjabov. | Foto: World Chess.

Für Schachfans ist es  nicht einfach, das Turnier live zu verfolgen, was wirklich schade ist, denn bis jetzt gab es eine Menge sehenswerter Partien, und jede zweite Partie wurde mit einem Sieg beendet.

Radjabov hat nach seinem Sieg gegen Eljanov 2/2 und Giri steht wieder bei 50%, nachdem er Salem, den einzigen Spieler der beide Partien verloren hat, besiegen konnte. 

Genf Grand Prix | Ergebnisse der 2. Runde

Brett Gesetzt Land Name ELO Pt. Ergebins Pt. Fed Name ELO Gesetzt
1 12 Radjabov 2724 1 1 - 0 1 Eljanov 2739 7
2 8 Harikrishna 2737 1 ½ - ½ 1 Adams 2736 9
3 14 Jakovenko 2703 ½ 0 - 1 ½ Aronian 2809 1
4 2 Mamedyarov 2800 ½ 1 - 0 ½ Inarkiev 2707 13
5 4 Grischuk 2761 ½ 1 - 0 ½ Rapport 2694 15
6 10 Li Chao 2735 ½ ½ - ½ ½ Svidler 2749 5
7 6 Nepomniachtchi 2742 ½ ½ - ½ ½ Gelfand 2728 11
8 18 Salem 2638 0 0 - 1 0 Giri 2775 3
9 16 Hou Yifan 2666 0 ½ - ½ 0 Riazantsev 2654 17

"Ich fühle mich großartig," sagte Teimour Radjabov nach seinem Sieg über Pavel Eljanov, obwohl er vor Anspannung immer noch zitterte. Die Partie sieht eigentlich nach einem ungeführdeten "Start-Ziel-Sieg" aus, aber Teimour hatte sich seine Bedenkzeit wirklich schlecht eingeteilt und so war es am Ende fast ein Glücksspiel.

Einen Zug zog Radjabov mit nur noch einer Sekunde Bedenkzeit auf der Uhr. "Da war ich ganz schön nervös." Im nachhinein fand er es auch komplett unnötig so viel Zeit in eine Stellung, in der er eh schon besser stand, zu investieren. "Es war ziemlich krank, das zu tun."

Radjabov's Angriff auf die Damenindische Verteidigung war nicht super gefährlich ("eigentlich sogar harmlos, wenn Schwarz die richtigen Züge findet") aber da Elianov kleine Fehler beging, erlangte Radjabov einen Vorteil. Das weiße Springermonster auf d5 dominierte den Rest der Partie, aber wegen seiner Zeitnot sprach Radjabov trotzdem von "Glück", dass er die Gewinnkombination entdeckt hatte.


Der Pressesprecher der FIDE, Goran Urosevic, interviewt Teimour Radjabov nach der Partie.

Levon Aronian gewann die letzten beiden Turniere mit langer Bedenkzeit an denen er teilnahm, kam aber beim Schnellschach und Blitzturnier in Löwen unter die Räder. Sein überzeugender Sieg gegen Dmitry Jakovenko untermauerte aber seine Favoritenstellung auf den Turniersieg in Genf.

"Ohne Druck kann ich besser spielen," sagte Aronian und spielte dabei auf seine schlechte Leistung beim Grand Prix in Sharjah an, bei der er sich so gut wie alle Chancen auf den Gesamtsieg der Grand Prix Serie verbaut hatte.

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 Aronian spielte in der zweiten Runde sehr überzeugend. | Foto: World Chess.

"Was Dmitry gespielt hat, war zwar passiv, aber trotzdem solide," sagte er über die Eröffnungsphase der Partie gegen Jakovenko. "18.Qf1 war sehr interessant. Er hat danach das ganze Brett kontrolliert, aber trotzdem war er am verteidigen."

Aronian erklärte dann, dass mein ein Risiko eingehen müsste, um Spieler wie Jakovenko zu schlagen: "Ich bin ein Risiko eingegangen, auch wenn es für mich nicht wirklich gefährlich war. Zumindest hatte ich dann mehr Spass an der Partie, als er!"

WGM Anna Burtasova interviewt GM Levon Aronian nach der Partie.

Es war aber nicht die einzige italienische Partie, die Schwarz gewinnen konnte, denn auch Anish Giri überspielte Salem Saleh in dieser Eröffnung. Die beiden analysierten die Partie dann lange und ausgiebig. "Sonst hatten wir ja eh nichts zu tun!" sagte Giri dazu.

Der holländische Großmeister war der Meinung, dass beide Spieler sehr schlecht gespielt hatten. "Wir hatten beide sehr komplizierte Verteidigungsstellungen."

In diesem Aufbau ...h6 und ...g5 muss Schwarz immer sehr vorsichtig mit seinem König sein. Giri: "Für die Computer ist das nicht so wichtig, aber ein aktiver Zug am Königflügel kann bei einem Menschen zu einem Herzinfarkt führen."

Salem kam als erster in Zeitnot und fing an sich zu verteidigen, wobei Giri mehr Angst vor einem Gegenangriff am Königsflügel gehabt hatte. "Im Endspiel sind seine Bauern gefallen wie die Fliegen."

Der Pressesprecher der FIDE, Goran Urosevic, interviewt Anish Giri nach der Partie.

Giri sprach auch über den Unterschied des Schweizer Systems zum Round Robin (jeder gegen jeden) Modus:" Die meisten Spieler haben es lieber, gegen jemanden, der gleichviel Punkte hat, zu spielen, speziell, wenn es nicht so läuft."

"Das Problem ist dann halt, dass du irgendwann einen glücklichen Shakhriyar im Turnier hast, der Plus 1 oder Plus 2 hat, und nur noch auf Remis spielt, und seine Gegner sind mit diesem Remis ebenfalls zufrieden. Das ist ja schon in den ersten beiden Grand Prix passiert. dass Shakhriyar mit Plus 2 am Brett saß und die fürchterlichsten Remis geschoben hatte. Und jetzt hat er schon wieder Plus 1. Wenn er noch eine Partie gewinnt, wird er dieses Spielchen von neuem beginnen."

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Salem gegen Giri. | Foto: World Chess

Giri wollte aber auf keinen Fall respektlos sein, als er das Wort "fürchterlich" gebrauchte. Seine Stimme klange eher humorvoll als er dies sagte und er wollte einfach nur auf die Probleme dieses Modus hinweisen, der die Grand Prix Turniere etwas langweiliger als anderer Turniere macht.

Shakhriyar Mamedyarov erreichte dann auch sein Zwischenziel von Plus 1 recht mühelos, denn Ernesto Inarkiev übersah einen Damenfang gleich nach der Eröffnung. Eigentlich war die Eröffnung sogar noch gar nicht abgeschlossen.

Alexander Grischuk erreichte mit seinem Sieg in einer langen Partie mit vielen Manövern gegen Richard Rapport ebenfalls Plus 1. Der Russe wählte diese Strategie mit seinem Zug 12.d5, der die Stellung im Chigorin Spanier schließt. Normalerweise wartet Weiß mit diesem Zug bis Schwarz seinen Läufer auf b7 gezogen hat.

f2-f4 zu ziehen ist eine er Hauptideen von Weiß in dieser Stellung und in dieser Partie führte es zu einem "benoniartigen" Zentrum, in der die schwarzen Figuren einfach auf den falschen Feldern standen. Rapport wollte dieses Problem mit einem positionellen Bauernopfer lösen, aber er konnte das e5 Feld einfach nicht richtig blockieren und wurde dann von Grischuk überrollt. Dies ist eine sehr lehrreiche Partie für alle aufstrebenden Schachspieler die die spanische Eröffnung mit den weißen Figuren spielen.

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Den Kampf der weißen Hemden gewann der Spieler mit den weißen Figuren. | Foto: World Chess

Genf Grand Prix | Tabelle nach der 2. Runde

Platz Gesetzt Land Name ELO Lstg. Punkte
1 12 Radjabov, Teimour 2724 3557 2
2-6 1 Aronian, Levon 2809 2909 1,5
2-6 2 Mamedyarov, Shakhriyar 2800 2908 1,5
2-6 4 Grischuk, Alexander 2761 2891 1,5
2-6 8 Harikrishna, Pentala 2737 2885 1,5
2-6 9 Adams, Michael 2736 2878 1,5
7-12 3 Giri, Anish 2775 2681 1
7-12 5 Svidler, Peter 2749 2719 1
7-12 6 Nepomniachtchi, Ian 2742 2711 1
7-12 7 Eljanov, Pavel 2739 2695 1
7-12 10 Li Chao 2735 2779 1
7-12 11 Gelfand, Boris 2728 2771 1
13-17 13 Inarkiev, Ernesto 2707 2590 0,5
13-17 14 Jakovenko, Dmitry 2703 2589 0,5
13-17 15 Rapport, Richard 2694 2561 0,5
13-17 16 Hou Yifan 2666 2506 0,5
13-17 17 Riazantsev, Alexander 2654 2511 0,5
18 18 Salem, Saleh 2638 1956 0

Die Paarungen der dritten Runde lauten:: Aronian-Radjabov, Harikrishna-Mamedyarov, Adams-Grischuk, Giri-Li Chao, Svidler-Gelfand, Eljanov-Nepomniachtchi, Inarkiev-Hou Yifan, Rapport-Jakovenko und Riazantsev-Salem.

Der Genfer Grand Prix findet vom 6. bis um 15. Juli im Hotel Le Richemond in Genf statt. Die Teilnehmer spielen um einen Preisfond von €130,000 / $148,520. Die Bedenkzeit beträgt 100 Minuten für 40 Züge, dann 50 Minuten für weitere 20 Züge und 15 Minuten für den Rest der Partie sowie 30 Sekunden Extrazeit pro Zug, ab dem ersten Zug.


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