Die wichtigsten Dinge, um ein besserer Schachspieler zu werden?

Die_Schanze
Die_Schanze
25.04.2017, 04:24 |
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In den letzten Jahren habe ich mich zu sehr mit Eröffnungen beschäftigt und die wenige Zeit für Schach nicht an den wirklich wichtigen Dingen gearbeitet. Mein Bücherregal ist nun gut aufgeräumt, einiges habe ich dem Schachverein gespendet, die meisten Eröffnungsbücher habe ich verkauft. Ich werde auch keine Bücher mehr kaufen, bis ich einige der vorhandenen Bücher durchgearbeitet habe. Z. B. besitze ich drei Turnierbücher von Aljechin und bin gerade mit 3/22 vom ersten Buch durch. Erst wenn das letzte Turnierbuch durchgearbeitet ist, werde ich ein neues holen, Keres Buch zur WM 1948 ist ein heißer Kandidat. Oder auch die Tigersprung-Reihe. Seit 2015 stehen 7 Bücher (4 x 1500, 3 x 1800) bei mir rum. "Tigersprung auf DWZ 1500 Band 3" habe ich denke ich kurz nach Erscheinen Ende 2010 oder Anfang 2011 gekauft. Aktuell bin ich nach einigen riesigen Pausen immer noch mitten in Band 2. Ich möchte das Material erst einmal komplett durch haben. Wahrscheinlich auch ein zweites mal, bevor ich mich überhaupt einmal daran wage, den ersten 2100er Band zu holen, welcher Stand jetzt eh viel zu schwierig ist.

 

Folgend die Prioritäten, die ich selbst befolgen werde. Basis ist meine Verbesserung von 1200 auf 1700 DWZ in 5 Jahren als Mitt-20er neben Studium und Beruf. Einiges hat mir denke ich sehr geholfen, anderes hat gar nichts gebracht.

 

  1. Spielen! Und zwar am Besten am richtigen Brett. Für eine ordentliche Verbesserung der Spielstärke geben viele erfahrene Trainer zwischen 50 und 100 Turnierpartien im Jahr an. Von 2005 bis 2016 zähle ich die Spitzenwerte 56, 41, 39 und 30. Wird schwierig, dieses Jahr in die Top 3 zu kommen, aber ich werde es versuchen! Nach Möglichkeit werde ich auch Schnell- und Blitzschach am Brett spielen. Es ist immer noch was anderes als ein 2D Brett am Bildschirm. Dazu kommen dann noch Online Partien, hoffentlich am Meisten Standard (15+10 o. Ä.). Wenn man zu wenig gewertete Partien spielt, hat jede einzelne Niederlage einen viel höheren Wert, ich spiele dann zu ängstlich.
  2. Die eigenen Partien analysieren. Nicht immer wieder die gleichen Fehler machen. Eventuell auch einen Trainer engagieren, der Fehler besser erkennt und einem helfen kann.
  3. Regelmäßiges Taktiktraining mit dem Taktiktrainer hier oder auf anderen Seiten, Programmen wie CT Art oder Büchern. Mit regelmäßig meine ich besser 15 Minuten jeden Tag als eine geballte 4 Stunden Session am Sonntag. Einfache Taktiken sollte man so gut kennen, dass man sie auch in den eigenen Partien in Sekunden entdeckt. Schwierige Aufgaben trainieren die Rechen- und Visualisierungs-Fähigkeiten.
  4. Kommentierte Meisterpartien nachspielen. Es gibt viele gute Partiesammlungen. Ich würde die alten Meister beginnend in den 1920er bis zu den 1970er-Jahren vorziehen (Aljechin, Botwinnik, Bronstein, Fischer, Keres,...). Es gibt dazu noch gute Bücher, die strategische Themen anhand von kommentierten Partien erläutern (z. B.  "Chess Structures" von Flores Rios und "die Macht der Bauern" von Hick, Zude, Schupp) und Eröffnungsbücher mit kommentierten Partien.
  5. Lerne die wichtigsten Endspiele! Silmans Endspielkurs hat finde ich die richtige Menge an Material für die Leute, die nicht mehr als das aller nötigste machen wollen. Dann sollte man zumindest das Material bis zur eigenen Spielstärke-Kategorie kennen und spielen können. Angegeben sind US-Ratings, die denke ich etwas höher sind. So ist Klasse A (von 1800 bis 1999) eher so 1700 - 1899 Fide-Elo und 1600-1799 DWZ.  
  6. Kenntnis der Spiel- und Turnierregeln, um nicht durch Unkenntnis in Nachteil zu kommen! Beim rochieren nicht den Turm zuerst anfassen, nicht auf Zeit verlieren weil man nicht weiß wie man eine dreifache Stellungswiederholung reklamiert oder wenn der Gegner in der sogenannten Endspurtphase nur noch hin und her zieht. Die Uhr anhalten um bei Problemen den Schiedsrichter zu holen ist erlaubt. Bei unter 5 Minuten für alle Züge einer Zeitperiode muss man nicht mehr mitschreiben, allerdings ist es praktisch für die eigenen Züge zu stricheln. Viel zu viele Vereins- und auch einige Turnierspieler haben da erhebliche Defizite, die sich in einer Stunde aufmerksamen Lesens oder einem unterhaltsamen Regelabend mit einem erfahrenen Schiedsrichter beseitigen lassen.

 

Wie vorher erwähnt arbeite ich mit Jussupows Tigersprung-Reihe. Dort gibt es Kapitel zu Taktik, Strategie mit einigen kommentieren Partien und Fragmenten und auch das Endspiel kommt nicht zu kurz. Diese Bücher allein würden schon reichen, um die Punkte 3-5 zu bedienen.

 

Allerdings juckt es mich auch immer in den Fingern,  die Eröffnungsbücher weiter in Datenbank-Dateien einzugeben und mit dem Chesspositiontrainer auswendig zu lernen. Ich bleibe standhaft und tue das nicht! Stattdessen werde ich spielen und danach mal ins Buch schauen, was ich hätte besser spielen können.