Biel, Runde 2: Carlsen gewinnt schon wieder
Magnus Carlsen hat in der 2. Runde des Bieler Schachfestivals gegen Maxime Vachier-Lagrave ein studienhaftes Doppelturmendspiel gewonnen und führt damit die Tabelle ohne Verlustpunkt an. Nico Georgiadis ziert nach seiner Niederlage gegen Peter Svidler mit 0 Punkten das Tabellenende.
"Rubinstein hätte dieses Spektakel gefallen," schreibt unser Kommentator Dejan Bojkov. Ihm gefiel es aber genauso, wie den vielen Schachfans aus aller Welt, die die Partie live verfolgten.
In der zweiten Runde von Biel zeigten Carlsen und MVL in einem wahrlich großartigen Kampf ihre Endspielkünste, der mit einem tollen Tanz des schwarzen Königs und einem schönen Tempogewinn von Carlsen, der ihm zum Sieg reichte, endete.

Da am Montag auch das Open begann, war der Turniersaal entsprechend voll. | Foto: Lennart Ootes/Biel International Chess Festival.
Der Weltmeister entschied sich für die Pirc-Verteidigung, auf die er eher selten zurückgreift ("Ich wollte einfach mal etwas anderes spielen") and MVL versuchte die selten gespielte Variante mit Lc1-f4. "Ich dachte, ich sollte Magnus aus der Theorie bringen, aber irgendwie hat das nicht so toll geklappt."
Die Spieler erreichten recht bald ein komplexes Endspiel welches laut Peter Svidler für Weiß weit weniger angenehm war, als typische Endspiele die aus der Franzöischen Verteidigung, z.B. nach der "Staubsauger-Variante" entstehen (1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.Sf3 Sc6 7.Le3 cxd4 8.Sxd4 Lc5 9.Dd2 Sxd4 10.Lxd4 Lxd4 11.Dxd4 Db6 12.Sb5 Dxd4 13.Sxd4).
Der Hauptunterschied ist, dass MVL seinen Bauern noch nicht auf f4 hat und einige Tempi investieren muss, um dies zu arrangieren. In dieser Zeit kann Schwarz allerdings die weißfeldrigen Läufer tauschen und dann ist das Endspiel vorteilhaft für den Nachziehenden.
Weiß hatte die Stellung aber weiterhin mehr oder weniger unter Kontrolle und sie wurde erst ungemütlich, als er die Fesselung seines f-Bauers durch 29...Tc4! übersah. "Ansonsten wäre die Stellung ausgeglichen gewesen", sagte Carlsen.

MVL geriet in ein unangenehmes Doppelturmendspiel. | Foto: Lennart Ootes/Biel International Chess Festival.
Es wurde noch schlimmer, als der französische GM davon absah, seinen h-Turm auf f6 zu ziehen und als die erste Zeitkontrolle erreicht war, hatte Carlsen eine Gewinnstellung erreicht.
Dann begann allerdings der Weltmeister etwas ungenau zu spielen. MVL kämpfte wie ein Löwe und vielleicht hätte er sogar irgendwann eine Chance auf ein Remis gehabt ("Wenn es einen Weg zu einem Remis gab, war es aber ein ziemlich enger Weg" - Carlsen), aber nach der zweiten Zeitkontrolle zog Carlsen sein Spiel durch.
"Am Ende musste ich nur noch berechnen, wie ich mit jedem Turm zwei Tempi gewinnen konnte", sagte er.

Ein exzellentes Endspiel von Carlsen. | Foto: Lennart Ootes/Biel International Chess Festival.
Vachier-Lagrave bezeichnete 54…Kb7 als großartigen Zug. Es ist schwer mit Worten zu erklären: Der König muss auf c7 ziehen können um den Turm auf d6 angreifen zu können. "An diesem Punkt wollte ich meine Ambitionen auf einen Sieg schon aufgeben, aber dann sah ich einige kleine Chancen. Und eigentlich waren die gar nicht so klein", sagte Carlsen. "Deshalb ist der Sieg etwas glücklich, aber so ist das eben manchmal."


MVL gibt nach 79 Zügen auf. | Foto: Lennart Ootes/Biel International Chess Festival.
Peter Svidler gegen Nico Georgiadis war für beide Spieler eine schwierige Partie, denn nachdem Svidlers Eröffnung nicht nach Plan gelaufen war, lieferte der Außenseiter dem Favoriten einen harten Kampf. "Eine schwierige Partie und so wie ich die Eröffnung gespielt habe, hätte ich nie in die Partie kommen dürfen," sagte Svidler.
Durch den Zug 16...Sxd5 gab Georgiadis der Stellung unnötig schärfe und erst ab diesem Zeitpunkt dachte Svidler, dass er eventuell sogar besser stehen könnte. Da beide Könige nicht besonders sicher standen, blieb die Partie bis zum Ende sehr taktisch und bis zum 44. Zug war Georgiadis einem Remis sehr nahe.

Georgiadis gibt seine Partie auf. | Foto: Lennart Ootes/Biel International Chess Festival.
Auch die Partie von David Navara und Shakhriyar Mamedyarov war sehr interessant. Der aserbaidschanische Großmeister stand schon nach der Eröffnung kurz vor einer Niederlage, und das, obwohl er eine vorbereitete Variante aufs Brett bringen konnte und über die ersten 17 Züge fast nicht nachdenken musste.
Navara dachte, dass sein Gegner zwei Varianten verwechselt haben musste. Mit dem Zug 23.Sf5 hätte der tschechische Großmeister die Partie wohl gewonnen, denn die Engines springen hier sofort auf +2. Aber selbst so starke Großmeister können nicht jede Stellung berechnen.
Auch im Endspiel stand er dann noch besser, aber nachdem Navara ein Tempo verlor, waren seine Chancen auf einen Sieg verschwunden.

Mamedyarov musste gegen Navara lange leiden. | Foto: Lennart Ootes/Biel International Chess Festival.
Biel 2018 | Tabelle nach der 2. Runde
| # | Land | Name | ELO | Leistung | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | Punkte | SB |
| 1 | Carlsen,Magnus | 2842 | 3560 | 1 | 1 | 2.0 | ||||||
| 2 | Mamedyarov,Shakhriyar | 2801 | 2824 | ½ | 1 | 1.5 | 0.25 | |||||
| 3 | Svidler,Peter | 2753 | 2843 | ½ | 1 | 1.5 | 0.25 | |||||
| 4 | Vachier-Lagrave,Maxime | 2779 | 2607 | 0 | ½ | 0.5 | 0.75 | |||||
| 5 | Navara,David | 2741 | 2631 | 0 | ½ | 0.5 | 0.75 | |||||
| 6 | Georgiadis,Nico | 2526 | 1977 | 0 | 0 | 0.0 |
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Die Partien starten jeden Tag um 14.00 Uhr und ihr könnt sie auf unserem Live Chess Server verfolgen. Die Chessbrahs Yasser Seirawan, Eric Hansen und Aman Hambleton werden die Partien live auf Chess.com/TV und Twitch.tv/Chessbrah kommentieren.
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