Carlsen gewinnt das Norway Chess 2019
Magnus Carlsen sicherte sich bereits eine Runde vor Turnierende den Titel beim Altibox Norway Chess Turnier 2019.
"Ich bin in letzter Zeit von meinen Helden inspiriert worden", sagte Carlsen. "Das ist zum einen AlphaZero und zum anderen einer meiner Sekunden von der Weltmeisterschaft, [Daniil] Dubov, der viele dieser Ideen mit Opfern in der Eröffnung hat. Im Grunde genommen bin ich in Bezug auf den Stil ein ganz anderer Spieler geworden als früher und es war ein großartiges Turnier."
Dies war nur eine von mehreren aufschlussreichen Bemerkungen von Carlsen, nachdem er Yu in ihrem Standardspiel überzeugend geschlagen hatte, um die vollen zwei Punkte in der achten Runde einzufahren. Während der Analyse seiner Partie mit Judit Polgar und Anna Rudolf wurde im Kamera-Feed die Aufgabe von Aronian gezeigt. In diesem Moment hatte Carlsen das Turnier in Stavanger zum zweiten Mal gewonnen.
Carlsen has now won 7 straight tournaments:
— Tarjei J. Svensen (@TarjeiJS) June 13, 2019
🏆 Norway Chess
🏆 Lindores Abbey
🏆 Abidjan GCT
🏆 Grenke Chess Classic
🏆 Shamkir Chess
🏆 Wijk aan Zee
🏆 World Blitz Ch.
Carlsen hat jetzt 7 Turniere in Serie gewonnen
Der Grund für Carlsens großartige Form, die es seit der Blitzweltmeisterschaft 2018 hat, ist eine Kombination verschiedener Faktoren. Er merkte an, dass er immer noch von der Arbeit profitiere, die er für die Weltmeisterschaft 2018 geleistet habe:
"Was die Ideen angeht, war die Vorbereitung großartig", sagte Carlsen. "Ich habe immer noch viele Ideen aus dem WM-Kampf in petto und fast in jeder Partie kann ich ein kleines Stück davon verwenden."
Und dann gab es ja die Phase im letzten Jahr, als Carlsen nicht immer die gewünschten Ergebnisse erzielte, was ihn motivierte, neue Herausforderungen zu finden:
"Dieses Jahr ist es einfach", sagte Carlsen. "2017 und 2018 habe ich oft schlecht gespielt und wollte unbedingt meine Position in der Rangliste verteidigen. Die Motivation war überhaupt kein Problem. Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich besser spielen kann!"
"Irgendwann interessierten mich die klassischen Partien nicht mehr besonders, da ich ja wusste, dass ich im Armageddon gewinnen würde", sagte Carlsen.
Die Partie am Donnerstag war jedoch eine Ausnahme. Yu überraschte Carlsen mit der slawischen Verteidigung. Der Weltmeister entschied sich für eine Nebenvariante und nutzte dann einen Positionsfehler seines Gegners, um ein vielversprechendes Endspiel zu erhalten, das er mit seiner tadellosen Technik verwandelte.
In der letzten Runde schaffte Fabiano Caruana die kleine Sensation und gewann als einziger Spieler gegen Magnus Carlsen im Armageddon. Allerdings hatte er bereist in der klassischen Partie einen studienartigen Sieg verpasst. Levon Aronian und Yu Yangyi teilten sich den zweiten Platz.
"Es ist schön, den Turniersieg in der Hand zu haben, aber morgen wartet noch eine große Partie auf mich", sagte Carlsen am Tag vor der letzten Runde. "Wir spielen um die Ehre und wir spielen um Elo-Punkte. Es ist immer eine große Sache gegen Fabi zu spielen. Ich freue mich darauf."
Der Weltmeister hatte erwartet, dass Caruana ebenfalls motiviert sein würde, denn mit einem Sieg hätte er Carlsen im klassischen Turnier überholt.
Wir steigen in die Partie in dem Moment ein, als Caruana diesen schönen Sieg auf dem Brett hatte. Bis dahin überlassen wir Caruana alle Kommentare.
Er spielte 50.Sf3 mit 4:03 auf der Uhr, während Carlsen nur noch 1:18 hatte. Beide Spieler erhielten pro Zug einen Zeitbonus von 10 Sekunden:
Obwohl Carlsen den längsten Teil der Partie eine vielversprechende Stellung hatte, hatte Caruana das Gefühl, dass er in dieser Partie mehr verloren als gewonnen hatte, denn er hatte ja schließlich ein Schachmatt auf dem Brett. Es war übrigens sein Gegner, der ihn nach der Partie darauf hinwies.
Nach dem verpassten Sieg war es für Caruana nicht einfach, in den Armageddon-Modus umzuschalten, aber irgendwie gelang es dem Amerikaner, seine Nerven zu behalten und eine gute Partie zu spielen. In einer lustigen Eröffnung, bei der Carlsen seine ersten 12 Züge nur mit Bauern und Springer ausführte, gelang es ihm nicht, das hohe Niveau zu halten, das er in seinen ersten sechs Armageddon-Partien gezeigt hatte.

Carlsen hatte den Siegerscheck über 75,000 Euro ja schon sicher, aber mit seiner Leistung des letzten Tages war er nicht zufrieden. Obwohl er jetzt 7 Turnier in Serie gewonnen hat, sagte er: "Ich muss besser spielen."
Carlsen clearly not satisfied with his game: "My performance in the event has been mediocre. There is something missing right now. But I shouldn't complain too much, but it has been a mess in the last round." #NorwayChess
— Tarjei J. Svensen (@TarjeiJS) June 14, 2019
Carlsen war mit seiner Leistung nicht zufrieden: "Meine Leistung bei diesem Turnier war mittelmäßig. Es fehlt momentan etwas. Ich sollte mich zwar nicht zu sehr beschweren, aber die letzte Runde war ein Chaos
Yu Yangyi war die große Überraschung des Turniers und landete mit 10.5 Punkten auf dem geteilten zweiten Platz. Ein exzellentes Ergebnis beim stärksten Turnier, an dem er jemals teilgenommen hat. Er nimmt 32,500 Euro mit nach Hause.
In der letzten Runde benötigte Yu kein Armageddon um den schwach spielenden Shakhriyar Mamedyarov zu besiegen, der sich im schottischen 4 Springer Spiel für 9...Lg4 entschieden hatte.
Yus vorbereitete Verbesserung gegenüber seiner Partie von vor zwei Tagen funktionierte perfekt und Mamedyarov sah sich schon bald mit einem weißen Turm auf d7 konfrontiert. Ein bemerkenswert reibungsloser Sieg für den Chinesen, der sagte, er sei "sehr glücklich", da er erwartet hatte, ein Armageddon spielen zu müssen.
Der zweite Spieler, der mit 32,500 Euro nach Hause fährt, ist Levon Aronian. Es muss aber gesagt werden, dass er in seiner klassischen Partie gegen Vishy Anand schon viel Glück hatte und noch mehr Glück hatte er im Armageddon, als Anand in einer vielversprechenden Stellung eine Figur einstellte.
Neben dem Brett war Aronian wie immer in Topform. Zum Beispiel war seine Antwort auf die Frage, wie er mit Fehlern umgeht, von unschätzbarem Wert und vielleicht nützlich für viele unserer Mitglieder. Dieser Autor wird es auf jeden Fall ausprobieren:
„Ich habe diese Routine. Ich rede mir ein, dass ich ein Idiot bin. Ich akzeptiere es und lebe damit. Zu wissen, dass du ein Idiot bist, ist eine Erleichterung. Du entspannst dich und musst nur noch Schach spielen.“
Alexander Grischuk schaffte es zu seiner Überraschung, nicht alleine im Keller zu landen: „Nach zwei Runden hatte ich mich mit dem letzten Platz abgefunden.“
Als sich der russische GM dem Kommentatorenteam anschloss und zu seiner Leistung gegen Ende des Turniers beglückwünscht wurde, konterte er: „Zunächst einmal bin ich froh, dass das Turnier vorbei ist!“
Seine schlechte Form illustrierte er mit folgendem Moment aus seiner klassischen Partie gegen Ding Liren.
Weiß spielte gerade 14.cxd5.
Grischuk: “Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen. Ich will Euch zeigen, in welcher Verfassung ich gerade bin: Eine Minute lang berechnete ich 14...Txb3 15.axb3 Db5 16.TTxa8+ und sah einen Geisterturm auf b8. Also dachte ich eine Minute lang, dass die Partie komplett gewonnen sei. Welch eine Schande.“
Er ist nicht der Typ, der mit Ausreden kommt, aber Grischuk erwähnte den harten Grand Prix von Moskau, den er kurz vor Norway Chess gespielt hatte. "Ich habe es nicht gespürt, aber ich glaube, ich war einfach total erschöpft. Manchmal passiert es, dass man extrem müde bist, obwohl man sich eigentlich ganz gut fühlt."
Das Turnier endete mit einer weiteren enttäuschenden Armageddon-Partie für Ding, der bereits in der Eröffnung einen Fehler machte. Wie einige Spieler bereits betont haben, ist es seltsam, ihn auf dem sechsten Platz zu sehen, obwohl er keine einzige klassische Partie verloren hatte und, wenn man die Armageddon Partien aus der Tabelle herausrechnet, das Turnier gemeinsam mit Carlsen auf dem geteilten ersten Platz beendet hätte.
Wesley So konnte sich über die 1.5 Punkte, die er gegen Maxime Vachier-Lagrave erzielte hatte, nicht beschweren. Beim Remis in der klassichen Partie hatte der Franzose die besseren Chancen und im Armageddon hatte MVL eigentlich schon gewonnen (und bewiesen, dass auf diesem Level sogar eingefleischte Grunfeld Spieler Königsindisch beherrschen!).
Altibox Norway Chess 2019 | Abschlußtabelle
| # | Land | Name | Elo | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Punkte |
| 1 | Carlsen | 2875 | ½1 | 2 | ½0 | ½1 | ½1 | ½1 | ½1 | ½1 | 2 | 13.5 | ||
| 2-3 | Aronian | 2752 | ½0 | ½1 | 0 | ½1 | ½1 | ½0 | ½1 | 2 | ½1 | 10.5 | ||
| 2-3 | Yu Yangyi | 2738 | 0 | ½0 | ½1 | 0 | ½1 | ½1 | ½1 | 2 | 2 | 10.5 | ||
| 4-5 | Caruana | 2819 | ½1 | 2 | ½0 | ½0 | 0 | 2 | ½1 | ½0 | ½1 | 10.0 | ||
| 4-5 | So | 2754 | ½0 | ½0 | 2 | ½1 | ½0 | ½1 | ½0 | ½1 | ½1 | 10.0 | ||
| 6 | Ding Liren | 2805 | ½0 | ½0 | ½0 | 2 | ½1 | ½0 | ½0 | 2 | ½0 | 8.5 | ||
| 7-8 | Vachier-Lagrave | 2779 | ½0 | ½1 | ½0 | 0 | ½0 | ½1 | ½0 | ½1 | ½1 | 8.0 | ||
| 7-8 | Anand | 2767 | ½0 | ½0 | ½0 | ½0 | ½1 | ½1 | ½1 | 0 | ½1 | 8.0 | ||
| 9-10 | Mamedyarov | 2774 | ½0 | 0 | 0 | ½1 | ½0 | 0 | ½0 | 2 | ½0 | 5.5 | ||
| 9-10 | Grischuk | 2775 | 0 | ½0 | 0 | ½0 | ½0 | ½1 | ½0 | ½0 | ½1 | 5.5 |
Mehrere Spieler gaben ihre Kommentare zum Armageddon-System ab. Der allgemeine Tenor war, dass es sich lohnen könnte, es mit einigen kleinen Anpassungen zu wiederholen.
Grischuk: "Das Format ist gut. Ich habe nicht die Angewohnheit, dem Format die Schuld zu geben, wenn ich schlecht spiele. Ich denke, wenn ich schlecht spiele, heißt das nicht, dass das Spiel schlecht ist. Das Format war in Ordnung. Das einzige Problem war, dass es im Kampf um den ersten Platz fast keine Spannung gab, da Magnus im Armageddon praktisch unschlagbar war."
Grischuk empfahl daher das Eishockey-System: Ein Sieg in der regulären Spielzeit (also im Schach: Ohne Armageddon) gibt 3 Punkte; Ein Sieg in der Verlängerung 2. Eine Niederlage in der Verlängerung 1 Punkt und eine Niederlage in der regulären Spielzeit 0 Punkte. Ich glaube, das wäre natürlicher.”
Die Abschlußtabelle hätte mit Grischuks System aber nicht viel anders ausgesehen:
Norway Chess 2019 | Abschlußtabelle, basierend auf einer Punktevergabe wie im Eishockey
| # | Land | Name | Elo | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Punkte |
| 1 | Carlsen | 2875 | 2 | 3 | 1 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 3 | 19 | ||
| 2-5 | Aronian | 2752 | 1 | 2 | 0 | 2 | 2 | 1 | 2 | 3 | 2 | 15 | ||
| 2-5 | Yu Yangyi | 2738 | 0 | 1 | 2 | 0 | 2 | 2 | 2 | 3 | 3 | 15 | ||
| 2-5 | Caruana | 2819 | 2 | 3 | 1 | 1 | 0 | 3 | 2 | 1 | 2 | 15 | ||
| 2-5 | So | 2754 | 1 | 1 | 3 | 2 | 1 | 2 | 1 | 2 | 2 | 15 | ||
| 6 | Ding Liren | 2805 | 1 | 1 | 1 | 3 | 2 | 1 | 1 | 3 | 1 | 14 | ||
| 7-8 | Vachier-Lagrave | 2779 | 1 | 2 | 1 | 0 | 1 | 2 | 1 | 2 | 2 | 12 | ||
| 7-8 | Anand | 2767 | 1 | 1 | 1 | 1 | 2 | 2 | 2 | 0 | 2 | 12 | ||
| 9-10 | Mamedyarov | 2774 | 1 | 0 | 0 | 2 | 1 | 0 | 1 | 3 | 1 | 9 | ||
| 9-10 | Grischuk | 2775 | 0 | 1 | 0 | 1 | 1 | 2 | 1 | 1 | 2 | 9 |
Aronian sagte zunächst mit einem Lächeln: "Was soll man denn kritisieren, wenn man Zweiter geworden ist?"
Er war der Meinung, dass die Spielgeschwindigkeit bei den klassischen Spielen zu hoch war: „Ich würde 15 Minuten Zeitbonus nach dem 40. Zug empfehlen. Das würde den Leuten zumindest die Möglichkeit geben, sich zu erholen. So war es zu hart."
Der Armenier schlug auch eine andere Art vor, mit Unentschieden umzugehen: „Anstelle eines Armageddons kann man zwei Partien mit 90 Minuten spielen. Wenn es zwei Remis gibt, denke ich, dass ein Armageddon in Ordnung wäre... Es ist nicht wirklich fair gegenüber einem Typen wie Ding, der plus zwei erzielt hat und nicht unter den ersten drei ist. Das ist meiner bescheidenen Meinung nach einfach verrückt."
Caruana sagte, dass er sein Spiel erheblich anpassen musste, um sich auf die im Grunde genommen kürzestmöglichen Bedenkzeit, die die FIDE vorgibt, damit eine Partie als klassische Partie ausgewertet wird, einzustellen: „Ich spiele sehr schnell. Ich habe das Gefühl, dass ich während der gesamten Partie intuitiv spielen muss. Zumindest bis es sehr konkret wird. Man hat einfach keine Zeit zu verlieren."
Und er stimmte der Anpassung des Punktesystems zu: „Ich denke, das Punktesystem könnte angepasst werden. Es fühlt sich nicht richtig an, wenn man eine perfekte Partie spielt und dafür zwei Punkte bekommt und ein anderer rettet sich mit Glück in ein Remis und bekommt 1.5 Punkte.“
Das Altibox Norway Chess Tournament fand vom 3. bis zum 12. Juni im Clarion Hotel Energy und vom 12. bis zum 14. Juni in der Stavanger Concert Hall in Stavanger, Norwegen, statt. Dieses Jahr mit der neuen Regel, dass die Spieler nach einem Remis sofort eine Armageddon Partie (mit den gleichen Farben) spielen mussten.
Armageddon beim Norway Chess
Weiß hat 10 Minuten Bedenkzeit, muss aber gewinnen; Schwarz hat 7 Minuten, aber ihm reicht ein Remis. Ab dem 60. Zug bekommen beide Spieler einen Bonus von 3 Sekunden pro Zug.
- Sieg in der klassischen Partie: 2 Punkte
- Niederlage in der klassischen Partie: 0 Punkte
- Remis in der klassichen Partie und Niederlage im Armageddon: 0.5 Punkte
- Remis in der klassichen Partie und Sieg im Armageddon: 1.5 Punkte
Ebenfalls neu war die Bedenkzeit bei den klassischen Partien: 2 Stunden für die gesamte Partie mit einem Bonus von 10 Sekunden pro Zug ab dem 40. Zug.
Die Übertragung der neunten Runde der Chessbrahs.
Neben den laufenden Damen und Junioren Speed Chess Championships hier auf Chess.com findet das nächste größere Turnier im Sommer in St. Louis statt (mit Gawain Jones, Jeffery Xiong, Sam Shankland, Jan-Krzysztof Duda, Dariusz Swiercz und Le Quang Liem).
Das nächste Superturnier ist der kroatische Stop der Grand Chess Tour vom 24. Juni bis zum 9. Juli, wo Carlsen und Caruana wieder aufeinandertreffen werden. Alle großen Schachturniere findet Ihr in unserem Turnierkalender.
Weitere Artikel über das Norway Chess Turnier (alle auf englisch):
- Carlsen Wins 2019 Norway Chess With Round To Spare
- 'Opponents Handing It To Carlsen' At Norway Chess
- Blunders Galore In Norway Chess Round 6
- Norway Chess Round 5: Carlsen Increases Lead, Aronian Escapes
- Carlsen Maintains Lead In Enthralling Round 4 Norway Chess
- Carlsen Surges To The Top In Norway Chess Round 3
- Mamedyarov Beats Anand In Standard Game, Leads Norway Chess
- Norway Chess Opens With 5 Armageddon Games
- MVL Wins Blitz As Revamped Norway Chess Begins
- Norway Chess New Format: Armageddon After Each Draw