Carlsen gewinnt das Schnellschach in Paris

Carlsen gewinnt das Schnellschach in Paris

Magnus Carlsen ist nach dem Schnellschach bei der Grand Chess Tour in Paris erster. Er konnte 14 Punkte, und damit einen mehr als der zweitplatzierte Alexander Grischuk holen. Hikaru Nakamura liegt vor dem Blitzturnier, das am Samstag und am Sonntag stattfindet, auf Platz 3.

Magnus Carlsen fragte Maurice Ashley: "Was soll ich deiner Meinung nach machen?"
Foto: Lennart Ootes.

Für den Tabellenführer hat sich somit nicht viel geändert. Wie schon gestern und vorgestern führt er mit einem Punkt Vorsprung das Feld an. Während aber Nakamura heute nur 1.5 Punkte von 3 möglichen holen konnte und damit auf Platz 3 zurückfiel ist Carlsens ärgster Rivale nun Grischuk, der heute 3 Punkte verbuchen konnte.

In der siebten Runde wurde Sergey Karjakin wieder einmal seinen Spitznamen, der russische Verteidigungsminister, gerecht. Diesen "Titel" bekam er während seines WM-Kampfes gegen Magnus Carlsen verliehen, und genau gegen diesen zog er auch heute wieder seinen Kopf aus der Schlinge und rettete sich in einer verlorenen Stellung in ein Remis.

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Eine weitere wundersame Rettung: Sergey Karjakin. | Foto Maria Emelianova.

Karjakin über seinen 21. Zug: "Es war ein schrecklicher Fehler. Ich hatte Glück, dass ich nicht sofort verloren hatte und dann habe ich einfach mein bestes versucht. Mein Ziel ist es einfach, immer bis zum Ende zu kämpfen und mein Bestes zu geben."

Carlsen ärgerte sich über seine vergebene Siegchance. Wie schon 2015 bei der Blitz WM machte er eine abwertende Geste mit seinem Arm und sagte das wort "faen", das auf norwegisch soviel wie "Teufel" bedeutet.

Die gute Nachricht für Carlsen war, dass er durch dieses Remis seine Führung auf 2 Punkte ausbauen konnte, denn sein Verfolger, Hikaru Nakamura musste zeitgleich gegen Maxime Vachier-Lagrave seine erste Niederlage in diesem Turnier eingestehen.

Weiß stand schon nach der Eröffnung etwas besser und dann entschied sich Nakamura für ein Bauernopfer im 17. Zug. "Ich glaube, Hikaro fand seine Stellung zu diesem Zeitpunkt einfach schlecht," sagte MVL. "Generell mag er es ja, aktiv zu verteidigen, und es wäre ihm ja auch fast gelungen."

Später vergab Nakamura eine Chance auf den Ausgleich, musste dann seine Dame gegen Turm und Springer tauschen, und trotzdem wäre es ihm fast gelungen, eine Festung zu bauen. Fast....

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Niedergeschlagen gibt Nakamura seine Partie gegen MVL auf. | Foto: Maria Emelianova.

Fabiano Caruana kommt in Paris vom Regen in die Traufe. Hier ist seine nächste Niederlage. Diesmal war es Alexander Grischuk der gegen den Amerikaner gewann:

In der achten Runde begann Magnus Carlsen ohne seine Brille zu spielen, setzte sie aber nach etwa der Hälfte doch auf. Ob er Fabiano Caruana damit provoziert oder motiviert hat weiß natürlich niemand, aber der Amerikaner spielte eine echt starke Partie und erreicht gegen den Tabelleführer immerhin ein Remis.

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Die Partie wurde gespielt, bis nur noch die Könige auf dem Brett waren. | Foto: Maria Emelianova.

Trotzdem beschieb Caruana bei seinem Gespräch mit Maurice Ashley dieses Turnier als einen einzigen Alptraum. "Ich hatte auch schon früher mal schlechte Resultate aber das ist das mit Abstand schlechteste, an das ich mich erinnern kann."

Vor der letzten Runde führte Carlsen mit einem Punkt Vorsprung vor Shakhriyar Mamedarov und Alexander Grischuk.

Beide gewannen ihre Partien der 8. Runde, wobei besonders Mamedyarov eine starke Angriffspartie spielte.

Dass Topalov seinen König mit dem Zug 27...g6 schwächte kam dem Aserbaitschaner aber auch gelegen. "Mir waren meine Bauern völlig egal. Ich habe nur noch auf den Königsangriff gespielt," sagte Mamedyarov.

Interessanterweise, trafen genau diese beiden Spieler, die noch dazu nur mit Wildcards in dieses Turnier kamen, in der neunten Runde aufeinander und es war Alexander Grischuk, der diese Partie für sich entscheiden konnte. Somit ist der Russe nun alleiniger Tabellenzweiter und Carlsens ärgster Rivale, vor dem Start des Blitzturniers.

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Dieses Foto wurde wirklich VOR Mamedyarov's Niederlage gegen Grischuk geschossen. | Foto: Maria Emelianova.

Bis zum 12. Zug spielten die beiden Eröffnungszüge, die schon 1937 Alexander Alekhine und Max Euwe gezogen hatten. Es war Mamedyarov der als erster von dieser Partie abwich und Grischuk, der kurz danach besser stand. Sein positioneller Vorteil war das alte Thema "Guter Springer gegen schlechter Läufer", und sein Springer verwandelte sich schließlich in einen Pacman, der einen schwarzen Bauern nach dem anderen Fraß.

In einem Interview mit Chess.com erklärt Grischuk den Unterschied zwischen dem Fischer-(Zeitzugabe) und dem Bronstein(Zeitverzögerung)-Modus.

Magnus Carlsen besiegte Etienne Bacrot in einer ziemlich interessanten Partie, in der Bacrot eine Figur für 2 Bauern opferte. Es hatte eigentlich auch gute Chancen aber seine Bauernübermacht im Zentrum brachte ihm weniger ein als geplant und Carlsen fand eine Reihe genauester Züge und konnte seine Stellung konsolidieren.

Nach der Partie wurden Magnus Carlsen von Maurice Ashley einige peinliche Fragen gestellt. Hier ist die Mitschrift des Interviews:

Ashley: Magnus, Du hattest einige Stolperer heute. Deine Partien liefen nicht wirklich flüssig. Auch diese Partie nicht. Sie war lange unklar. Wie hast Du dich gefühlt, als die Partie vor sich hintröpfelte?

Carlsen: "Was soll ich deiner Meinung nach machen? Ich habe die Figur genommen und natürlich hat er nichts großartiges Falsch gemacht. Die Partie war danach nicht sofort gewonnen. Was willst Du eigentlich von mir?"

A: "Ich will garnichts. Ich will nur gute Schachpartien sehen......"

C: "Du sagst, die Partie wäre nicht flüssig gewesen. Nochmal: Was soll ich deiner Meinung nach machen? Willst Du dass ich nach der Eröffnung schon einen riesen Vorteil habe und diesen dann druchdrücke.. ist das dann eine flüssige Partie? Ist es das, was Du meinst?"

A: "Nein Magnus, überhaupt nicht, und diese Partie war sicher schwierig. Sag mir einfach wie Du deine bisherige Leistung..."

C: "Deine ganze Art... wie Du die Fragen stellst.... Du willst meinen Erfolg kleinreden. Das ist mein Problem."

A: "Ich entschuldige mich. Wir respektieren dich natürlich als Weltmeister. Das hast Du falsch verstanden. Wir versuchen ja nur zu kommentieren."

C: "Schon gut. Grischuk spielt wirklich stark aber ich hoffe dass ich weiterhin meine Partien gewinne....... auch wenn sie manchen nicht flüssig genug sind."

Was denkt ihr darüber? Wir denken, dass Carlsen schon irgendwo Recht hatte. Seine Partie gegen Bacrot war eigentlich recht stark, und der Fakt, dass die Stellung lange Zeit unklar war, war auch dem Franzosen geschuldet, da er wirklich gut spielte. Und wie Carlsen dem schwarzen Druck standhielt war exzellent.

Seine Reaktion auf die Fragen war allerdings ziemlich deftig. Manche werden es mögen, andere nicht.

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Paris Grand Chess Tour | Schnellschach Abschlußtabelle

# Land Name Rtg Lstg 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 Punkte SB
1 Carlsen,Magnus 2851 2984 1 1 2 2 2 1 2 2 1 14.0
2 Grischuk,Alexander 2779 2940 1 0 1 2 1 2 2 2 2 13.0
3 Nakamura,Hikaru 2792 2893 1 2 0 1 1 1 2 2 2 12.0
4 Vachier-Lagrave,Maxime 2783 2852 0 1 2 0 1 2 2 2 1 11.0 20.75
5 Mamedyarov,Shakhriyar 2784 2852 0 0 1 2 1 2 2 1 2 11.0 19.75
6 So,Wesley 2789 2774 0 1 1 1 1 0 1 2 2 9.0
7 Karjakin,Sergey 2776 2737 1 0 1 0 0 2 1 2 1 8.0
8 Topalov,Veselin 2725 2615 0 0 0 0 0 1 1 1 2 5.0
9 Bacrot,Etienne 2688 2567 0 0 0 0 1 0 0 1 2 4.0
10 Caruana,Fabiano 2782 2495 1 0 0 1 0 0 1 0 0 3.0

Für diese Tabelle wurde das eigene Rating System der Grand Chess Tour benutzt.

Jetzt geht es mit dem Blitzturnier weiter, bei dem am Samstag und am Sonntag jeweils 9 Partien gespielt werden. In dieser Doppelrunde wird mit einer Bedenkzeit von 5 Minuten plus 3 Sekunden pro Zug gespielt, und die Partien werden wieder normal ausgewertet, also einen Punkte für einen Sieg und einen halben Punkt für ein Remis. Das heißt, dass die Blitzpartien nur halb soviel zählen, wie die Schnellschach-Partien.

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