Carlsen gewinnt die Speedchess Meisterschaft

Carlsen gewinnt die Speedchess Meisterschaft

Nur vier Tage nach dem Gewinn der FIDE Blitz-Weltmeisterschaft konnte Magnus Carlsen den nächsten Titel einheimsen. Mit einem noch deutlicherem Ergebnis als letztes Jahr (18 : 9) besiegte der Norweger in der Neuauflage des Finales von 2016 Hikaru Nakamura und gewann damit überzeugend die Chess.com Speed Chess Meisterschaft 2017.

"Magnus wird im Speed Chess jedes Jahr noch besser," sagte der Kommentator GM Eric Hansen kurz vor dem Ende des Finales zwischen Carlsen und Nakamura und sprach damit nur aus, was die meisten Zuschauer nach der Siegesserie von 5 Bulletpartien in Folge eh schon dachten.

Die Speedchess Meisterschaft begann im Mai mit dem Achtelfinale oder, wenn man es genau nimmt, im April 2017 mit den Qualifikationsturnieren. Nakamura besiegte auf seinem Weg ins Finale Sergey Grigoriants, Fabiano Caruana und Sergey Karjakin; Carlsen räumte Gadir Guseinov, Wesley So und Alexander Grischuk aus dem Weg.

Wegen des vollen Terminplans der beiden Finalisten konnte das Finale der Speedchess Meisterschaft 2017 dann erst am 3. Jänner 2018 ausgetragen werden. Carlsen brachte seine großartige Form von 2017 aber in das Jahr 2018 mit. Das letzte Speedchess Finale hatte er noch mit 14.5-10.5 gegen Nakamura gewonnen. Dieses Mal verdoppelte er seinen Vorsprung.

Vor dem Finale hatte Chess.com verschiedene Experten nach ihren Vorhersagen gefragt. Den besten Tipp gab der norwegische Großmeister Jon Ludvig Hammer ab, der richtig vorhersagte, dass Carlsen alle drei Drittel für sich entscheiden würde, aber die Schach960 Partien verlieren würde.

Hammer predicts Speed Chess

Nakamura spielte von einem sehr ungewöhnlichen Ort aus: Johannesburg, Südafrika. Im Rahmen eines Kurzurlaubs besucht er dort auch die Südafrikanischen Jugendmeisterschaften. Das ist eine riesige Veranstaltung, bei der über 2.500 Kinder mitspielen und etwa 120 dieser Kinder saßen im selben Raum, in dem der Amerikaner auf seinen Laptop spielte.

Nakamura playing the Speed Chess final from South Africa

Nakamura spielte das Finale for Live-Zusehern in Südafrika. | Foto: Lennart Ootes.

Carlsen hatte sein Laptop wie üblich in seinem Wohnzimmer aufgestellt und erschien wie fast immer zu spät und ungenügend vorbereitet. Zu Beginn der ersten Partie war er fast nicht zu sehen, denn er war noch mit dem platzieren von Drinks und Snacks und seinem Headset beschäftigt. Erst als die Partie schon 2 Minuten am Laufen war konnten die Zuschauer sehen, wie er mit seinem Kopf im Rhythmus der Musik auf seinen Kopfhörern mitwippte. Zumindest hatte er Spaß.

Seine gute Laune übertrug sich auch sofort auf sein Spiel. Carlsen gewann gleich die erste Partie mit Schwarz, obwohl die Stellung Anfangs noch absolut ausgeglichen ausgesehen hatte. Mit 18...Sb4 übernahm er allerdings die Initiative.

(Wieder zu Hause und bereit für noch mehr Blitz! Das Chess.com Match mit Nakmura beginnt in einer Stunde)

In der zweiten Partie geriet Carlsen unter Druck aber konnte sich in ein Remis retten. Die dritte Partie konnte Nakamura aber dann gewinnen und der Spielstand war wieder ausgeglichen.

In der Zwischenzeit verfolgten über 25.000 Schachfans das Finale und machten das Event damit zur dritt meist gesehenen Show auf Twitch. Später sollte das Finale noch Platz 2 erklimmen.

In der vierten Partie stieg die Zuschauerzahl erstmals über 30.000 und Carlsen zeigte seine brillante Endspiel Technik. In einer absolut ausgeglichenen Stellung stellte Nakamura einen Bauern ein. Oft ist dies ja immer noch ein Remis, aber dieses mal nicht.

Carlsen gewann dann auch die Partien 5 und 7 und somit führte erstmals einer der beiden Finalisten mit mehr als einem Punkt Vorsprung. Die Art und Weise wie diese Niederlage zustande kam, war sicher ein Schock für Nakamura. Er stand die halbe Partie kurz vor dem Sieg und verlor dann ein Bauernendspiel, das komplizierter war, als er auf den ersten Blick aussah.

Rensch: "Das war eine Partie, die Turniere entscheiden."
Hansen: "Das war [Nakamura's] beste Stellung bis jetzt. Er muss sie nur richtig verwerten."

Carlsen-Nakamura Speed Chess prediction

Anstatt jetzt sofort zurückzuschlagen, verlor Nakamura dann auch die nächste Partie - wieder aus einer vielversprechenden Stellung heraus - und Magnus baute seine Führung auf 3 Punkte aus. Fans und Kommentatoren konnte dies kaum glauben:

"Ich bin mir sicher, dass Magnus nach diesem Zug zu sich selbst sagte, dass es ja nicht so schlimm ist," sagte Rensch nach 32...b5 zum Ende der Partie: "Magnus Carlsen gewinnt sogar die verlorenen Stellungen."

Nakamura konnte dann die abschließende Schach960 Partie recht überzeugend gewinnen und so lag er nach dem ersten Drittel mit 6:3 im Rückstand.

Ergebnis bei 5|2 Bedenkzeit

Land Spieler ELO 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Gesamt
Magnus Carlsen 2965 1 ½ 0 1 1 ½ 1 1 0 6
Hikaru Nakamura 2853 0 ½ 1 0 0 ½ 0 0 1 3

Das zweite Drittel begann mit einem Remis und der schockierenden Nachricht, dass Nakamura sein Ladekabel für seinen Laptop im Hotel vergessen hatte und sich der Akku dem Ende neigte! Glücklicherweise konnte Hikaru aber bei diesem Problem geholfen werden, auch wenn Nakamura besonders im letzten Drittel mit weniger Power als sonst zu spielen schien.

Die zweite Partie konnte Carlsen wieder gewinnen, aber in der dritten wurde er vom Amerikaner schon in der Eröffnung und im frühen Mittelspiel überspielt. Nakamura sagte dann auch nach dem Finale, dass dies der größte Unterschied zum Großmeister Todesblitz 2016 war: "Letztes Jahr habe ich im gesamten Finale kein Land gesehen, aber heute hatte ich einige vielversprechende Stellungen."

In der nächsten Partie spielten die Spieler mit vertauschten Rollen, denn jetzt war es Carlsen, der ein gewonnene Stellung verlor. Das kommt beim Weltmeister nicht nur gestern, sondern generell eigentlich so gut wie nie vor!

Im zweiten Drittel gewann Carlsen 2 Partien, Nakamura eine und vier Partien endeten Remis. Der Gesamtstand war jetzt 10.5-6.5 und Nakamura hätte ein mittleres Wunder gebraucht um das Finale noch zu drehen.

Ergebnis bei 3|2 Bedenkzeit

Land Spieler ELO 1 2 3 4 5 6 7 8 Gesamt
Magnus Carlsen 2965 ½ 1 0 ½ 1 ½ ½ ½ 4.5
Hikaru Nakamura 2853 ½ 0 1 ½ 0 ½ ½ ½ 3.5

Das Wunder blieb jedoch aus und stattdessen fing die Dominanz von Carlsen jetzt erst richtig an. Nach einem Sieg und einem Remis gewann der Norweger die nächsten 5 Partien in Folge und nahm seinen Gegner damit auch die mathematische Möglichkeit, das Finale noch zu gewinnen. Beim Stand von 17:6 gewann Nakamura schließlich seine erste Bulletpartie, musste sich aber gleich in der nächsten wieder der Übermacht des Weltmeisters beugen. Erst in der abschließenden Schach960 Partie konnte der Amerikaner wieder punkten und den Endstand von 18:9 herstellen.

Nakamura vs Carlsen in South Africa

Hikaru Nakamura in Aktion gegen Magnus Carlsen. | Foto: Lennart Ootes.

Als ob das Auslassen von Chancen noch nicht genug gewesen wäre unterlief Nakamura in der 18. Partie auch noch ein Mouse Slip! Aaargh!



In der 23. Partie zog Kommentator Daniel Rensch einen Vergleich mit den Harlem Globetrotters, denn die Partie trotz des Verlustes des e4-Bauern zu gewinnen und am Ende den Läufer zu fangen, hatte etwas Zirkusreifes an sich.

Nakamura's letzter Sieg in einer regulären Partie kam zustande, als Carlsen eine relativ einfache Taktik übersah.

Wie Hammer richtig vorausgesagt hatte, gewann Nakamura den Vergleich im Schach960 (2.5 : 1.5). Anfang Februar werden sich die beiden Spieler bei einem Schach960 Turnier in Norwegen wieder treffen und Carlsen gab zu, dass er dafür noch trainieren muss, denn auch schon gegen Grischuk und Wesley So hatte er im Schach960 relativ alt ausgesehen (Gerüchten zufolge nimmt Carlsen deshalb bereits bei der Chess.com Chess960 Meisterschaft teil.)

Ergebnis bei 1|1 Bedenkzeit

Land Spieler ELO 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Gesamt
Magnus Carlsen 2965 1 ½ 1 1 1 1 1 0 1 0 7.5
Hikaru Nakamura 2853 0 ½ 0 0 0 0 0 1 0 1 2.5

Carlsen-Nakamura Speed Chess score

"Jedes Mal, wenn ich eine Chance hatte, lief irgendwas schief. So etwas kann einfach mal passieren," sagte Nakamura. 

Carlsen: "Die Geschichte hat sich wiederholt. Es hat mich geärgert, dass ich einige Male überspielt wurde. Das war auch der kritische Zeitpunkt des Finales. Er lag nur wenige Punkte zurück und hat die Partien absolut dominiert und natürlich nie aufgegeben. Ich musste mir mein Geld heute wirklich hart verdienen."

2017 Chess.com Speed Chess Championship bracket

Carlsen gewann in diesem Finale $8,333.33 und Nakamura $1,666.67. Im gesamten Turnier hat Carlsen $17,525.11 und Nakamura $10,493.25 verdient.

Chess.com wird auch in diesem Jahr eine Speedchess Meisterschaft ausrichten, aber das genaue Format steht noch nicht fest. Besonders das Finale war ein voller Erfolg. Über 400.000 Schachfans haben sich eingeloggt und fast 30.000 Zuschauer haben das Finale von Anfang bis Ende verfolgt. (Zum Vergleich: Die Weltmeisterschaft im Schnellschach und Blitz wurde Durchschnittlich von 7.000 Personen angesehen)

Hier könnt ihr das gesamte Finale noch einmal ansehen. 

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