Der älteste Großmeister der Welt spielte gegen einen 4-jährigen

Der älteste Großmeister der Welt spielte gegen einen 4-jährigen

Letzten Dienstag fand im Ostankino Tower in London eine kleine Schachveranstaltung statt. Neben der Schachlegenden Boris Spassky und Yuri Averbakh nahmen auch Sergey Karjakin und Russlands neueste Nachwuchshoffnung, Misha Osipov, daran teil

Für Chess.com war Maria Emelianova dabei.

Alle Fotos sind von: Chess.com/Maria Emelianova.

Zum 50. Geburtstag des Moskauer Fernsehturms Ostankino, wurde ein spezielles Schachprogramm, das von der "Change One Life" Foundation gesponsort wurde.

Sergey Karjakin gab eine Simultanvorstellung aber der Höhepunkt des Abends war die Partie des ältesten lebenden Großmeisters, dem 95 Jahre alten Yuri Averbakh und dem 4-jährigen Misha Osipov—an dessen Fernsehauftritt mit Anatoly Karpov ihr Euch vielleicht noch erinnern könnt.

Osipov gegen Karpov letztes Jahr.

Es wurde auch eine Partie im "Schach-Doppel" gespielt, und Karjakin und Osipov gewannen gegen Averbakh und Alexander Zhukov. Letzterer ist der stellvertretende Vorsitzende des russischen Parlaments und der Präsident des russischen olympischen Kommitees.

Ehrengäste des Abends waren der 10. Schachweltmeister Boris Spassky und FIDE Präsident Kirsan Ilyumzhinov.

Gastgeber der Veranstaltung war der berühmte Sportkommentator Dmitry Guberniev und die Entertainerin (und Schach Journalistin) WGM Elmira Mirzoeva.

Das Video auf Chess.com's russischem YouTube Kanal läßt die Athmosphäre erahnen.

Vor der Veranstaltung saßen Boris Spassky und Yuri Averbakh an einem Brett, und der älteste Großmeister zeigte einige interessante Schachpuzzles. Die 3 interessantesten stellen wir hier vor.

Lauf Sergey Karjakin ist dies das schönste:

Weiß droht Matt auf h6 oder einen Turmgewinn wegen der Fesselung. Die weiße Dame geht wie auf einer Treppe bis auf f6 und zwingt Schwarz zur Damenumwandlung. Und nachdem die weiße Dame die Schwarze geschlagen hat, geht sie genau auf dem gleichen Weg wieder nach vorne. Einfach geil!

Diese Aufgabe ist leichter: Natürlich muss Schwarz irgendwie den weißen Freibauern schlagen. Nur wie?

Und noch eine Schönheit: Normalerweise ist ja Dame und Springer gegen Dame ein Remis, aber nicht hier! Weiß setzt die schlecht positionierte schwarze Dame unter Zugzwang. Wie oft sieht man schon in so einer Stellung, dass ein Königszug gewinnt?

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Die Veranstaltung in Moskau war ausverkauft.

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FIDE Präsident Kirsan Ilyumzhinov (links) mit den Gastgebern, WGM Elmira Mirzoeva und Dmitry Guberniev.

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Der 10. Weltmeister, GM Boris Spassky.

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GM Yuri Averbakh, hat mit 95 Jahren immer noch ein phänomenales Gedächtinis und einen klaren Verstand. Obwohl er aufgrund einer Augenerkrankung das Brett fast nicht mehr erkennen kann, gewann er eine Figur und erreichte eine absolut dominante Stellung. Leider verlor er dann einen Turm, weil er einen Turm seines jungen Gegners nicht gesehen hatte.

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Misha Osipov (vier) sagte, dass es nicht so wichtig sei zu gewinnen, sondern die besten Züge und keine Fehler zu machen.

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Misha machte zwar einige Fehler, aber nicht den letzten.

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In der Zwischenzeit gewann Sergey Karjakin alle Partien gegen Kinder aus Pflegefamilien. Die Veranstaltung wurde von der "Change One Life" Foundation gesponsort.

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Schach macht Spass!

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Boris Spassky erzählt eine Geschichte des schwedischen Königs Karl XII, dessen Armee von den Türken umzingelt war und sich deshalb dem Gegner im Kampf Mann-gegen-Mann stellen musste. Als der Kommentator die Bemerkung einwarf, dass er die Geschichte erzählen würde, als wäre er selbst dabei gewesen, antwortete Spasski: "Natürlich war ich dabei. Karl und ich waren gute Freunde!"

Dann folgte eine Partie "Schach-Doppel" auf zwei Brettern. Hier macht zuerst Weiß auf einem Brett einen Zug und der Spieler auf dem zweiten Brett muss den selben Zug machen. Den zweiten Zug macht der zweite Spieler zuerste, und der erste muss ihn nachmachen, usw. Zhukov hatte schon zusammen mit Karjakin die Moskauer Stadtmeisterschaft in dieser Disziplin gewonnen aber dieses Mal standen sie sich gegenüber. Misha spielte im Team Karjakin und Zhukov hatte Averbakh an seiner Seite.

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Alexander Zhukov (links) und Kirsan Ilyumzhinov. 

Bereits nach wenigen Zügen war das jüngere Team in Schwierigkeiten und Sergey entschied sich für ein riskantes Figurenopfer.

Misha: "Warum hat er den Läufer geopfert?"

Zwei Züge später verstand aber Misha die Idee des Blitzweltmeisters und so gewannen die beiden die Dame und die Partie.

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Osipov, der bereits einen Sponsor hat, verstand Karjakins Idee nicht sofort.

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Sergey war mit der Stellung nicht zufrieden und brachte mit 19.Lxd5?! action in die Partie.

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Der Rat der jungen Generation and die noch jüngere: "Spiel vernünftiges Schach, dann musst Du nicht opfern!"

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Averbakhs Augen funktionieren fast nicht mehr, aber sein Gedächtnis dafür immer noch bestens.

Yuri Lvovich unterstützt immer noch aktiv die russische Schachbewegung. Trotz seines hohen Alters arbeitet (!) er noch in der russischen Nationalbibliothek für Wissenschaft und Technik, wo er auch russische Schachtrainer trainiert. "Das ist meine Beruf," erklärte er. "Es ist nur schade dass Garry [Kasparov] vom Schach in die Politik gewechselt ist. Es hätte bei Schachbüchern und Schachpropaganda bleiben sollen, denn das ist unsere Berufung."

Averbakh, reached after the event, discussed his chess memories.

"Ich habe immer gerne Anekdoten erzählt, aber nicht DAMIT ich sie nicht vergesse, sondern WEIL ich sie nie vergesse," sagte Averbakh. "Ich habe ein sogenanntes 'emotionales Gedächtnis:' Ich verbinde jede Erinnerung mit einer Emotion: Anekdoten führen immer zu Lachern und deshalb kann ich mich an so viele erinnern."

"1947 hatte Benjamin Blumenfeld für seine Doktorantenarbeit einige Schachexperimente an mir durchgeführt, und da haben wir dieses Phänomen entdeckt. Bei diesem Experiment gingen wir meine Partien der Moskauer Meisterschaft von 1939 durch, und wir stellten fest, dass ich mich an alle Partien mit Opfern, die viel Stress verursachten, perfekt erinnern konnte, aber an die Partien mit langen und langweiligen Manövern konnte ich mich fast gar nicht erinnern."

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Averbakh erklärte sein "emotionales Gedächtnis."

Averbakh setzte fort: "Ich hatte das Glück im Goldenen Zeitalter des Schachs zu leben. Durch den Ländervergleich USA-UdSSR 1945 bekamen die Sovjetischen Spieler großartige Reisemöglichkeiten. Ich erinnere mich, dass der amerikanische Großmeister Denker dachte, dass es ein enges Spiel werden würde, weil die USA ja die letzten vier Weltmeisterschaften gewonnen hatten. Ich war als Aufseher bei dieser Veranstaltung dabei. Unser überwältigender Sieg hat alles verändert: Sowjetische Schachspieler konnten an allen Turnieren teilnehmen und sogar zweite Plätze wurden als Niederlage angesehen. In Folge dessen wurde Botvinnik dann Weltmeister."

"Es gibt viele Meinungen über die Sowjetrepublik aber dank ihr wurde Schach ein wichtiger Sport in Russland. Krylenko gründete das Sportministerium und Schach wurde offizieller Nationalsport. Unter seiner Regie wurden 1925, 1935 und 1936 in Moskau internationale Schachturniere veranstaltet."

Dass Averbakh auch bei vielen großen Schachturnieren als Schiedrichter fungierte, ist weniger bekannt. Als er darauf angesprochen wurde, antwortete er: "Ich erinnere mich an das Duell Kasparov gegen Short, weil ich dort Prinzessin Diana kennengelernt habe. Und an die Partie Ponomariov-Ivanchuk, bei dem Ruslan einen 12 jährigen Sekundanten mit dem Vornamen Sergey hatte."