Ding Liren gewinnt die Grand Chess Tour 2019
Ding Liren with the 2019 GCT trophy. Photo: Lennart Ootes/Grand Chess Tour.

Ding Liren gewinnt die Grand Chess Tour 2019

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Ding Liren gewann das Finale der Grand Chess Tour gegen Maxime Vachier-Lagrave mit 16:12. Magnus Carlsen sicherte sich durch einen 17:11 Sieg gegen Levon Aronian den dritten Platz.

Ding gewann neben dem Siegerpokal auch $150,000 während sich Vachier-Lagrave mit $100,000 begnügen musste. Die beiden qualifizierten sich damit zusammen mit Carlsen, der $60.000 mit nach Norwegen nehmen durfte, für die Grand Chess Tour 2020. Carlsen hat damit bei der Grand Chess Tour 2019 mit $302,500 sogar etwas mehr Preisgeld gewonnen, als Ding Liren. Der vierte Platz im Finale, den Aronian belegte, war mit $40,000 dotiert.

2019 Grand Chess Tour final standings prizes
Die Abschlußtabelle der Grand Chess Tour 2019. Bild: Spectrum Studios.

Durch einen Sieg in der ersten und ein Remis in der zweiten Schnellschachpartie sicherte sich Ding den Sieg bereits vor den damit bedeutungslos gewordenen Blitzpartien, die der Franzose dann mit 3.5:0.5 gewann. Aronian und Carlsen gewannen je eine Schnellschachpartie, bevor sich Carlsen dann durch ein Remis in der ersten Blitzpartie den dritten Platz sichern konnte.

"Ich fühle mich nach sechs Wettkampftagen sehr glücklich", begann Ding seine kurze Rede, nachdem er den Pokal vom Organisator in London, Malcolm Pein, erhalten hatte. "Wenn ich mich voll und ganz auf Schach konzentrieren kann, spiele ich sehr gut. Wenn mir das nicht gelingt, muss ich, wie Sie in den letzten Partien sehen konnten, heftige Niederlagen einstecken. Jetzt weiß ich aber, dass ich in Bestform mit jedem mithalten kann."

Und dieses "jeden" schließt Carlsen mit ein.

Genau das hat Ding im vergangenen Jahr bewiesen: Er ist in der Lage, jeden auf der Welt zu schlagen. Auch den Weltmeister. Er gewann das Finale beim Sinquefield Cup in den Playoffs gegen Carlsen. Im vergangenen Monat besiegte er Carlsen zweimal in Kalkutta und nun gewann er das Finale der Grand Chess Tour in London.

Sein zweiter Platz beim Weltcup sicherte ihm einen Startplatz beim Kandidatenturnier (obwohl er sich sonst sowieso über das Rating qualifiziert hätte) und erst dort werden wir ihn dann das nächste Mal sehen:

"Ich denke, das nächste große Turnier ist das Kandidatenturnier. Ich werde viele Monate Zeit haben, um mich auszuruhen und mich vorzubereiten", sagte Ding.

2019 Grand Chess Tour London Chess Classic stage spectators
Der Blick auf das Finale aus der letzten Reihe. Foto: Lennart Ootes/Grand Chess Tour.

Dank seines Sieges in der zweiten klassischen Partie startete Ding mit sechs Punkten Vorsprung in den letzten Tag und schon durch einen weiteren hervorragenden Sieg in der ersten Schnellschachpartie beendete er mehr oder weniger die Hoffnungen auf ein Wunder von Vachier-Lagrave.

In der offiziellen Übertragung lobte Garry Kasparov noch MVL´s Wahl der Eröffnung: Benoni. Die Kombination von ...Sa6 und ...Lf5 gefiel dem Ex-Weltmeister dann noch nicht mehr. Er sagte: Wenn du ...Lf8 spielen musst, ist das schon ein sehr schlechtes Zeichen."

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Ding genau diese Variante erwartet hatte und dass seine Entscheidung, 6.d5 zu spielen, ambitioniert war: "Am Ende habe ich mich entschieden, nur noch auf Sieg zu spielen."

Ding showing his game for the live broadcast on a touch screen. Grand Chess Tour
Ding erklärt seine Partie für die Liveübertragung auf einem Touch Screen Bildschirm. Foto: Lennart Ootes/Grand Chess Tour.

Durch diesen Sieg sprang die Führung von Ding von 9:3 auf 13:3 und der Chinese benötigte jetzt nur noch ein Remis (das ja 2 Punkte gibt) in der zweiten Schnellschachpartie, um das Finale zu entscheiden. Dieses Remis erzielte er relativ problemlos:

2019 Grand Chess Tour London Chess Classic Ding Liren trophy
Ding mit der Trophäe auf der Bühne zwischen Organisator Malcolm Pein (links) und dem Pressesprecher der Grand Chess Tour, Michael Khodarkovsky. Foto: Lennart Ootes/Grand Chess Tour.

Da war es nur verständlich, dass Ding etwas die Konzentration verlor. Dass er aber in der Blitzsektion mit 0.5:3.5 unterging, war trotzdem eine Überraschung.

Der letzte Sieg von MVL war eine positionelle Schönheit:

"Ich denke, ich sollte nur über Dings Spiel sprechen, weil er gestern und auch heute, bis das Finale entschieden war, einfach nur großartig gespielt hat", sagte Vachier-Lagrave. "Dann im Blitz war es für uns beide schwierig. Es ist wirklich schwierig, konzentriert zu bleiben, wenn das Finale entschieden ist und wir haben beide etwas abgeschaltet. Als es wichtig war, hat er zugeschlagen und er hat wirklich sehr sehr hart geschlagen und da kann ich ihm nur gratulieren. Er hat mich einfach überspielt!"

Maxime Vachier-Lagrave Sebastien Maze Jules Moussard
Vachier-Lagrave mit seinen Freunden Sebastien Mazé (mitte) und Jules Moussard (rechts), die beim Open mitspielten. Foto: Lennart Ootes/Grand Chess Tour.

MVL hat sich zwar, zusammen mit Ding und Carlsen, für die Grand Chess Tour 2020 qualifiziert, aber zuerst steht noch das wichtigste Turnier des Jahres in seinem Terminplan: Der Grand Prix von Jerusalem, der bereits in 2 Tagen beginnt.

Das Spiel um Platz 3 war weniger einseitig als das Finale. Carlsen startete zwar ebenfalls mit einer 9:3 Führung, aber sein Vorsprung schmolz auf 9:7 zusammen, als er in der ersten Schnellschachpartie in einer komplett gewonnenen Stellung eine Mattdrohung seines Gegners übersah:

In der zweiten Schnellschachpartie baute Carlsen seine Führung aber dann wieder auf 13:7 aus. Er ließ schon früh seinen h-Bauern loslaufen und unterstützte ihn gleich durch eine doppelte Turmüberführung auf den Königsflügel. Trotzdem wurde die Partie dann aber erst durch einen Fehler Aronians entschieden:

Ein Remis in der ersten Blitzpartie sicherte Carlsen dann den 15. Punkt, der das Spiel um Platz 3 entschied. Danach endete auch die zweite Blitzpartie mit einem Remis, bevor beide Spieler zum Abschluss des Turniers noch je eine Partie gewinnen konnten. 

Carlsen fand seine Leistung im Spiel um Platz 3 "OK", war aber nicht allzu begeistert: "Ich habe hier in London nicht wirklich super gespielt aber glücklicherweise kann man das auch über Aronian sagen. Ich denke, dass die richtigen Spieler im Finale standen."

Carlsen Aronian 2019 Grand Chess Tour London Chess Classic
Carlsen gewinnt die zweite Schnellschachpartie gegen Aronian. Foto: Lennart Ootes/Grand Chess Tour.

Carlsens Teilnahme an der Blitz- und Schnellschachweltmeisterschaft ist mittlerweile sehr wahrscheinlich, aber mittlerweile ist er auch noch an in einem anderen Wettbewerb aktiv - und das mit großem Erfolg. Als großer Fan der englischen Premier League spielt der Weltmeister seit einigen Jahren in der Fantasy Premier League und stieg in dieser Woche auf den dritten Tabellenplatz. Und das bei über 7 Millionen Spielern.

Alle Partien vom Sonntag zum durchklicken und herunterladen


Am Sonntag wurden auch die Turniere der Grand Chess Tour 2020 bekannt gegeben. Die Tour wird etwas verkürzt:

The 2020 Grand Chess Tour tournaments.
Die Turniere der Grand Chess Tour 2020. Bild: Spectrum Studios.

London Chess Classics - Open

Wie jedes Jahr wurde im Rahmen der London Chess Classics auch ein starkes Open gespielt. Den Sieg teilten sich der 14-jährige Inder Praggnanandhaa Rameshbabu und der 18-jährige Australier Anton Smirnov.

Smirnov hat gerade die High School abgeschlossen und spielt jetzt eine Reihe von Events in Europa, darunter die Tata Steel Challengers im Jänner. Mit seinem Sieg nähert er sich einem 2600-Rating und könnte schon bald den australischen Ratingrekord von Ian Rogers von 2618 (den er im Jänner 1999 gehalten hat) brechen.

Alle Partien von Praggnanandhaa & Smirnov zum durchklicken und herunterladen:


Weitere Berichte vom GCT Finale (alle auf Englisch):

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Peter Doggers

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Peter Doggers is Chess.com’s Senior Global Correspondent. Between 2007 and 2013, his website ChessVibes was a major source for chess news and videos, acquired by Chess.com in October 2013. The Guardian’s Leonard Barden described him as “widely regarded as the world’s best chess journalist.”

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