Grischuk gewinnt den Grand Prix in Hamburg
Grischuk beat Duda in the tiebreak of the Hamburg final. Photo: Valeria Gordienko/World Chess.

Grischuk gewinnt den Grand Prix in Hamburg

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Alexander Grischuk hat am Sonntag den mit $24.000 dotierten FIDE Grand Prix in Hamburg gewonnen. Im Tiebreak besiegte er Jan-Krzysztof Duda, der für seinen zweiten Platz einen Scheck in Höhe von $14,000 überreicht bekam. Durch seinen Sieg ist der russische Großmeister so gut wie sicher für das Kandidatenturnier 2020 qualifiziert.

Grischuk verdiente sich in Hamburg 10 Grand Prix Punkte (acht für seinen Sieg und zwei Extrapunkte für die Siege in den vorherigen Runden ohne Tiebreak). Duda erspielte sich 7 Punkte (fünf für den zweiten Platz plus zwei Extrapunkte).

2019 FIDE Grand Prix Serie | Zwischenstand nach 3 Turnieren

# Land Spieler Moskau Riga Hamburg Jerusalem GP Punkte TB1 TB2 TB3
1 Grischuk 7 3 10 x 20 1 2 11½
2 Vachier-Lagrave 8 5 13 0 1 9
3 Mamedyarov 0 10 10 1 0
4 Nepomniachtchi 9 0 9 1 0 5
5 Duda 0 1 7 x 8 0 0 7
6 Dubov 2 0 3 x 5 0 0 6
7 Wojtaszek 5 0 5 0 0 5
8 Svidler 2 0 2 x 4 0 0
9 So 1 3 4 0 0
10 Nakamura 3 0 0 x 3 0 0 4
11 Topalov 1 2 3 0 0
12 Yu Yangyi 1 1 2 0 0
13 Wei Yi 2 0 2 0 0 3
14 Karjakin 0 1 1 0 0
15 Navara 0 1 1 0 0 2
16 Vitiugov 0 0 0 x 0 0 0
17 Radjabov 0 0 0 0 0 2
18-21 Giri 0 0 0 0 0
18-21 Jakovenko 0 0 0 0 0
18-21 Aronian 0 0 0 0 0
18-21 Harikrishna 0 0 0 0 0

(Feinwertung: 1. Anzahl der ersten Plätze 2. Anzahl der zweiten Plätze, 3. Die Anzahl der in den klassischen Partien erspielten Punkte.)

Da er bereits beim Grand Prix in Moskau im Finale stand, führt Grischuk jetzt fast uneinholbar die Grand Prix Wertung an und da sich selbst der zweitplatzierte für das Kandidatenturnier qualifiziert, ist ihm sein Startplatz dort so gut wie sicher. Er führt jetzt mit 7 Punkten Vorsprung vor Maxime Vachier-Lagrave, 10 Punkten Vorsprung auf Shakhriyar Mamedyarov und 11 Punkten Vorsprung vor Ian Nepomniachtchi, die aber alle 3 beim letzten Grand Prix in Jerusalem am Start sein werden. 

Not too much luck to Maxime because I can not be rooting against myself."

—Alexander Grischuk

"Ich wünsche Maxime nicht zu viel Glück, denn ich kann ja nicht gegen mich selbst sein."

- Alexander Grischuk

"Ich werde jetzt das Turnier in Jerusalem mit Genuss verfolgen," sagte Grischuk. "Ich wünsche allen Teilnehmern, die sich noch qualifizieren können, also 'Shakh' Mamedyarov, Nepomniachtchi und Maxime viel Glück. Maxime aber nicht zu viel Glück, denn ich will ja nicht, dass er mich noch überholt. Ich kann ja nicht gegen mich selbst sein."

Das Worst-Case-Szenario wäre für Grischuk, dass entweder Mamedyarov oder Nepomniachtchi MVL im Finale besiegt, nachdem MVL alle drei seiner vorherigen Duelle ohne Tiebreak gewonnen hat und auch Mamedyarov oder Nepomniachtchi vorher genug Duelle ohne Tiebreak gewinnen würden, um 20 Grand Prix Punkte zu erreichen. Das wäre aber auch das einzige Szenario, das Grischuk noch vom zweiten Platz verdrängen würde.

In diesem Fall würden beide Finalisten den Russen noch überholen. MVL würde dann 8 Punkte erzielen und Grischuk überholen und Mamedyarov oder Nepomniachtchi reicht es, mit Grischuk gleichziehen, da beide in diesem Fall dann 2 Grand Prix Turnier gewonnen hätten, während Grischuk nur einen Sieg feiern konnte.

Andererseits ist es aber auch möglich, dass sich Grischuk für das Kandidatenturnier qualifiziert, bevor die erste Partie in Jerusalem gespielt wurde. Das wäre der Fall, wenn alle drei Rivalen um den Gesamtsieg in die gleiche Hälfte gelost werden würden, denn dann kann das Worst-Case-Szenario nicht eintreten.

Duda Grischuk tiebreak Hamburg Grand Prix 2019
Duda und Grischuk beginnen den Tiebreak. Foto: Valeria Gordienko/World Chess.

Eigentlich ging Duda mit einem kleinen psychologischen Vorteil in den Tiebreak. Der Pole hatte sich in den klassischen Partien zweimal aus schwierigen Stellungen gerettet und darüber hinaus hatte der 21-jährige Grischuk hier auf Chess.com in der Speed Chess Championship geschlagen.

Wenn man diese Faktoren in Betracht zieht, wäre ein Sieg von Duda keine große Überraschung gewesen. Besonders nachdem Grischuk etwas nervös in das Finale gestartet war, denn sein Versuch, die aktivere Stellung zu bekommen, endete mit einem Eigentor:

Duda tiebreak Hamburg Grand Prix 2019
Duda konnte die erste Partie gewinnen. Foto: Valeria Gordienko/World Chess.

Damit stand Grischuk, der in beiden klassischen Partien große Chancen vergeben hatte, in der zweiten Schnellschachpartie bereits unter Siegzwang. Umso beeindruckender war es, dass er diese Partie dann auch gewann. Anscheinend hatte er sich bestens auf Dudas Damenindische Verteidigung vorbereitet, denn nach 11.Sd3 begann der polnische Großmeister zu überlegen.

Grischuk Zug stammt aus einer Fernschachpartie gespielt, die Duda wahrscheinlich nicht kannte und ab dem 14. Zug ging es für den Polen nur noch bergab:

Jetzt war Grischuk im Finale angekommen und Duda hatte jeglichen psychologischen Vorteil verspielt. In der dritten Partie erspielte sich der russische Großmeister fast aus der Eröffnung eine Gewinnstellung.

Wie schon früher entschied sich Duda für die Halbslawische-Eröffnung. Grischuk hatte sich aber auch diese Variante Dudas anscheinend genauestens angesehen und fand ein starkes Bauernopfer - und was für ein starkes Opfer das war!

Duda kämpfte wie ein Löwe, aber ohne Erfolg. Allmählich wurde klar, dass Duda immer noch eine klare Schwäche hat: Die Eröffnungsvorbereitung. Wenn er das in den kommenden Jahren behebt, wird er definitiv zu den Top 10 und möglicherweise zu den Top 5 der Welt gehören.

Jetzt stand Duda unter Siegzwang, aber er konnte das Finale nicht mehr drehen. In einer intensiven Partie, bei der beide Spieler bereits nach dem 15. Zug weniger als eine Minute auf der Uhr hatten, war es Grischuk der die Kontrolle erlangte und in einer absolut gewonnenen Stellung ein Remis akzeptierte.

Duda Grischuk Hamburg Grand Prix 2019
Sechs Kameras verfolgten die Partie zwischen Duda und Grischuk. Foto: Valeria Gordienko/World Chess.

Als Grischuk aufstand, brach die ganze Freude aus ihm heraus:

Grischuk war mit Karjakin einer Meinung:

"Als Erstes möchte ich Jan-Krzysztof für dieses unglaubliche Duell danken. Ich habe 3 Tage lang jeden Moment des Finales genossen. Alle Partien waren sehr intensiv und es war ein großer Kampf ohne schnelle Remis oder sowas. Ich hatte das Gefühl, dass Jan ein bisschen wie ein alter Schachcomputer gespielt hat. Nicht wie Stockfish, sondern mehr wie Fritz ohne Eröffnungsdatenbank. In jeder Partie, egal ob mit Schwarz oder Weiß, spielte er in der Eröffnung irgendeinen Sch**ß und danach spielte er einfach nur unglaublich. Als ich noch Jung war, waren die Computer noch nicht so stark und man konnte noch mit ihnen mithalten, obwohl sie am Ende dann doch immer gewonnen haben. Das gleiche Gefühl hatte ich auch heute, aber dann hatte ich zweimal einen so großen Vorteil, dass nicht einmal Fritz oder Jan die Partie noch retten konnten."

Duda sagte dazu: "Als Erstes möchte ich meinem Gegner gratulieren. Meine Eröffnungen haben - besonders mit Schwarz - nicht funktioniert. Ich glaube die zweite Partie war besonders grausam, denn da hab ich schon in der Eröffnung einen Bauern eingestellt."

Mit seiner Turnierleistung war Duda aber zufrieden: "Ich habe hier in Hamburg sehr gut gespielt. Ich habe nicht erwartet, ins Finale zu kommen. Ich habe nicht einmal damit gerechnet die dritte Runde zu erreichen denn auf dem Weg dahin musste ich gegen Nepomniachtchi und Yu Yangyi bestehen und gegen beide hatte ich noch nie eine Partie gewonnen. Glücklicherweise haben aber beide gepatzt und die Partie durch einen einzigen Fehler verloren."


Weitere Artikel über den Grand Prix in Hamburg (alle auf Englisch):

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Peter Doggers

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Peter Doggers is Chess.com’s Senior Global Correspondent. Between 2007 and 2013, his website ChessVibes was a major source for chess news and videos, acquired by Chess.com in October 2013. The Guardian’s Leonard Barden described him as “widely regarded as the world’s best chess journalist.”

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