Leon: Wesley So besiegt Anand im Finale

Leon: Wesley So besiegt Anand im Finale

Wesley So konnte das Turnier, indem ihm sein größter Fehler seit Jahren unterlief, doch noch gewinnen! Im Finale war ihm Viswanathan Anand unterlegen.

Seine Sonnenbrille brachte Wesely So den Durchblick. | Foto: Offizielle Facebook Seite.

Letztes Wochenende fand zum 30 mal das Turnier mit dem einprägsamen Namen "Torneo Magistral de Ajedrez Ciudad de León" statt. Es ist eigentlich etwas tolles, dass das Turnier in Leon, das etwa 300km nordwestlich von Madrid liegt, schon eine so lange Tradion hat.

Wie jedes Jahr wird bei dem Turnier ein Halbfinale und ein Finale gespielt. Jedes dieser Duelle besteht aus 4 Schnellschachpartien mit 20/10 Bedenkzeit und falls nötig 2 Blitzpartien mit 5/3. Sollte danach immer noch kein Sieger gefunden sein, wird dieser in einer Armageddon Partie ermittelt.

Im ersten Halbfinale musste Wesley So gegen den Polen Jan-Krzysztof Duda antreten. In der ersten Partie unterlief Wesley So ein Fehler der Kategorie Vladimir Kramnik´s, der 2006 gegen den Supercomputer Deep Fritz ein Matt in 1 übersehen hatte.


Auf der Pressekonferenz entschuldigte So seinen Fehler damit, dass er erwartet hatte, sein Gegner würde zuerst auf d2 und dann erst auf f3 nehmen. Und irgendwie spielte er die Züge dann nach dieser Variante, und nicht nach der Variante, die auf dem Brett war!

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Alfonso Lahuerta Izquierdo, der Sportminister der Region Castilla y León, führte den ersten Zug aus. | Foto: Offizielle Facebook Seite.

Das war natürlich eine kalte Dusche für So, der mit seiner Pflegemutter Lotis Key direkt von Löwen nach Leon gereist war. Aber nachdem die zweite Partie mit einem Remis endete verhinderte So die Sensation, indem er die letzten beiden Partien gewann.

Duda hatte in einer Variante, die schon einige Male vom jungen Bobby Fischer gespielt worden war, durchaus seine Gewinnchancen, aber der polnische Großmeister verärgerte wohl die Schachgöttin Caissa, indem er von der Linie der amerikanischen Legende abwich... 

Am nächsten Tag betrat Vishy Anand die Arena, oder in diesem Fall: Den 1.200 Zuschauer fassenden Zuschauerraum in Leon. Die indische Schachlegende ist in Spanien immer noch extrem populär, denn er hatte ja viele Jahre in Spanien gelebt.

Anand versuchte in Leon seinen 10.(!) Titel zu gewinnen, und somit ist Leon wohl für ihn, was Dortmund für Kramnik ist. Die erste Hürde zum Titel stellte der Lokalmatador IM Jaime Santos Latasa dar. Keine allzu schwere Aufgabe, hätte man denken können, aber der junge Spanier zeigte sein ganzes Talent und erreichte ein 2:2 in den Schnellschach Partien.

Santos, der direkt aus Leon stammt, entschied sich in der ersten Partie für die Breyer Variante in der spanischen Verteidigung und hielt durch energisches Spiel mit den schwarzen Figuren ein Remis. In der zweiten Partie zwang er Anand durch aktives Figurenspiel sogar zur Aufgabe:

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Der Lokalmatador Jaime Santos zeigte eine hervorragende Leistung. | Foto: Offizielle Facebook Seite.

Anand schlug aber mit den weißen Figuren sofort zurück. Seine Eröffnung 1.Sf3 und 2.e3 war wohl von Kramnik inspiriert und hatte wahrscheindlich den Zweck, bekannte Gewässer so früh wie möglich zu verlassen. Durch eine Zugumstellung ging die Partie in eine Caro-Kann Stellung über, in der Weiß eigentlich keinen Vorteil hat, aber Anand überspielte seinen Gegner trotzdem.

Nach einem weiteren Remis gewann Anand dann die Blitzpartien und zog in das Finale gegen Wesley So ein. Das Finale wurde auch erst mit Blitzpartien entschieden. In der zweiten Partie konnte der fünfmalige Weltmeister auf unglaubliche Art und Weise seinem Gegner entkommen.

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Anand und So im Finale. | Foto: Offizielle Facebook Seite.

So gewann das Turnier, weil er die erste Blitzpartie gewinnen und die zweite Remis halten konnte. Nach einer langen Tour, bei der er an den Turnieren in Norwegen, Paris, Löwen und in Leon teilnahm, macht der Amerikaner nun Zuhause eine kleine Pause vom Turnierschach. Beim Sinqufield Cup tritt er aber wieder an und Anand wird dort seine Revanche einfordern.

Die Organisatoren haben ein tolles Video über das Finale gedreht.

Wie jedes Jahr, gab es um das Hauptevent die ganze Woche lang viele Schachveranstaltungen wie ein offenes Turnier, Simultanpartien und Vorlesungen in Leon. Wer sich zu dieser Zeit in Spanien aufhält, sollte Leon unbedingt besuchen!

Das einzig negative, das man über diese Veranstaltung sagen kann, ist die Online-Präsenz. Chess.com hat ja diese Woche schon Agon für deren enttäuschenden Internetauftritt kritisiert, und um fair zu bleiben muss man sagen, dass der Internetauftritt von Leon nicht viel besser war.

Der Kommentar war nur auf spanisch, das Bild viel zu dunkel und die Bildschirmaufteilung der Übertragung war, gelinde gesagt: seltsam. Der Hauptpunkt war aber, dass die Zugübertragung ständig Probleme machte.

Warum rege ich mich jetzt aber über solche Kleinigkeiten auf? Einfach, weil ich schon seit den 1990ern Schachübertragungen im Internet verfolge und die waren damals so richtig armselig. Und wenn ich sehe, dass mein Lieblingssport heute noch genauso amateurhaft übertragen wird, dann ist das für mich einfach nur schwer zu verkraften.

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