Mamedyarov gewinnt den FIDE Grand Prix in Riga im Armageddon
The two finalists on stage with officials after their thrilling tiebreak match. | Photo: Niki Riga/World Chess.

Mamedyarov gewinnt den FIDE Grand Prix in Riga im Armageddon

Shakhriyar Mamedyarov gewann das Finale des FIDE Grand Prix im lettischen Riga durch einen Sieg über Maxime Vachier-Lagrave im Armageddon des Tiebreaks. Nach 2 gespielten Turnieren führt er die Grand Prix Wertung jetzt gemeinsam mit Alexander Grischuk an.

"Diese beiden Spieler können einfach kein langweiliges Schach spielen," fasste der Kommentator Evgeny Miroshnichenko das Finale des Riga Grand Prix treffend zusammen.

Durch jeweils einen Sieg hatten die beiden schon in den klassischen Partien für maximale Unterhaltung gesorgt und auch im Tiebreak wurde niemand enttäuscht. Dieser blieb bis zur letzten Sekunde spannend und wurde erstmals in der Geschichte eines Turniers, das eine Qualifikation für das Kandidatenturnier ermöglicht, im Armageddon entschieden. 

In der ersten 25+10 Partie wiederholte Mamedyarov seinen Zug 7.Da4+ im Grünfeld, mit dem er vor 2 Tagen so schnell gewonnen hatte. Im Schnellschach glich Vachier-Lagrave aber ohne Probleme aus und gerade als es den Anschein hatte, dass er sich einen kleinen Vorteil erspielt haben könnte, einigten sich die Spieler auf ein Remis. (Diese Partie haben wir in die Notation der ersten 10+10 Partie eingefügt).

MVL and Mamedyarov in Riga
MVL und Mamedyarov beginnen eine weitere Partie. | Foto: Niki Riga/WorldChess.

MVLs Eröffnung mit Weiß verlief weniger reibungslos. Wenn jemand nach der Eröffnung und zu Beginn des Endspiels besser stand, dann war es Schwarz. Trotzdem gelang es ihm, die Initiative zu ergreifen und als Mamedyarov beim Versuch, sich zu verteidigen, einen Fehler machte, hatte er ernsthafte Gewinnchancen. Die Aserbaidschaner konnte die Niederlage aber mit Glück und Geschick verhindern.

Vachier-Lagrave vs. Mamedyarov Riga
Das aufregende Remis war für Mamedyarov ein gutes Ergebnis. | Foto: Niki Riga/World Chess.

In der ersten 10+10 Partie kam wieder ein Grünfeld auf das Brett und MVL opferte einen Bauern, um das Läuferpaar zu erhalten. Die Kompensation wurde aber zusehends weniger. Mamedyarovs Figuren wurden immer aktiver und die schwarze Verteidigung wurde auch aufgrund der immer geringer werdenden Bedenkzeit immer schwieriger.

Shakhriyar Mamedyarov Riga Grqnd Prix
Shakhriyar Mamedyarov. | Foto: Niki Riga/World Chess.

Obwohl er mit Schwarz so souverän agierte, geriet MVL dann mit Weiß erneut in Schwierigkeiten. Nach einer ernsthaften Fehleinschätzung von 16.g4? konnte Mamedyarov schnell einen starken Angriff auf den König starten und eigentlich hätte "Harry der h-Bauer" die Partie entscheiden können. Stattdessen entschied sich Mamedyarov aber für eine Zugwiederholung.

So wurde das Finale, nachdem beide Spieler einen Elfmeter vergeben hatten, mit den 5 + 3 Partien fortgesetzt. In der ersten Partie war es wieder Mamedyarov, der nach der Eröffnung bequemer stand und dieses Mal fuhr er seine Ernte auch ein:

MVL stand jetzt zum zweiten Mal in diesem Finale unter Siegzwang. Anders als bei den klassischen Partien musste er aber jetzt mit den schwarzen Figuren agieren.

Drastische Zeiten erfordern drastische Maßnahmen. Es war eine der wenigen Ausnahmen, in denen Vachier-Lagrave von seiner Parade-Eröffnung, dem Grünfeld, abwich und sich stattdessen für 1...e6 und 2...b6 entschied. Nach einem frühen Damentausch stellte Mamedyarov zwar einen Bauern ein, aber das Remis schien immer noch in Reichweite zu sein.

MVL vermied auf geschickte Art und Weise ein Turmendspiel, bei dem die Remischancen am höchsten gewesen wären und erreichte die Traumstellung mit dem Turm hinter dem Freibauern. Wie schon in der Weltmeisterschaftspartie 1927 zwischen Alexander Aljechin und Jose Capablanca erwies sich dieser Vorteil als entscheidend - obwohl die Tablebase zu diesem Zeitpunkt noch ein Remis sieht.

Das bedeutete, dass der Riga Grand Prix durch eine Armageddon Partie entschieden werden musste. Es ging dabei um nicht weniger als 10.000 Euro, denn der Sieger würde 24.000 Euro oder der Zweite "nur" 14.000 Euro mit nach Hause nehmen können. Vielleicht waren den Spielern aber die 2 Extrapunkte für die Gesamtwertung des Grand Prix noch wichtiger als das Geld.

Das Ende der Partie wurde dann so chaotisch, dass der erste Satz der offiziellen Kommentatoren nach der Partie war: "Was ist passiert?"

Es war Mamedyarov, der, ständig mit einem geschlagenen Springer in seiner Hand spielend, immer die Kontrolle behielt und die stärkeren Nerven hatte. Er war niemals in Gefahr und hätte die Partie schon zweimal früher gewinnen können und hat damit das Turnier verdient gewonnen.

Für MVL, der schon 2017 das Finale des Weltcups 2017 in Armageddon gegen Levon Aronian verloren hat und damit die Qualifikation für das Kandidatenturnier knapp verpasste, ist es schwer, kein Mitleid zu empfinden. Diesmal hat er aber noch alle Chancen sich zu qualifizieren, wenn er in den verbleibenden beiden GP-Events gut spielt.

Mamedyarovs Chancen stehen sogar noch besser, da er jetzt gemeinsam mit Grischuk die Tabelle anführt. Allerdings kann er nur noch bei einem GP-Turnier spielen.

"Es war sehr interessant, ein Duell auf höchstem Niveau," sagte Mamedyarov. "Maxime ist zweimal zurückgekommen. Einmal mit Weiß und einmal mit Schwarz. Es war sehr wichtig, dass ich diese italienischen Varianten, die ich im klassischen Schach noch ziemlich schlecht gespielt hatte, im Schnellschach und Blitz viel besser gespielt habe. Ich glaube, dass aber auch Maxime ein sehr starkes Turnier gespielt hat."

Laut Mamedyarov ist der erste Tiebreak in einem Turnier immer besonders schwierig zu spielen. Es verglich das Turnier seines Gegners mit dem Auftritt von Veselin Topalov, der 2004 beim Weltcup so großartig gespielt hatte und erst im Halbfinale zum ersten Mal in den Tiebreak musste und dort prompt gegen den späteren Turniersieger Rustam Kasimdzhanov ausschied.

MVL wies darauf hin, dass es Mamedyarov selbst schon so ergangen sei, obwohl der Aserbaidschaner in diesem Jahr beim Weltcup in Khanty-Mansiysk nach einem ganz starken Auftakt im Viertelfinale gegen Sergey Karjakin direkt in den klassischen Partien ausgeschieden war.

The interview with the players.

Riga FIDE Grand Prix 2019 final standings
Die Abschlußtabelle des FIDE Grand Prix von Riga, 2019. | Bild: WorldChess

Die FIDE Grand Prix Serie 2019 besteht auf 4 K.O.-Turnieren, bei denen jeweils 16 Spieler mitspielen und pro Runde 2 klassische Partien gegeneinander spielen. Bei Gleichstand nach diesen Partien entscheidet am dritten Tag ein Tiebreak über das weiterkommen. Den ersten Grand Prix, der in Moskau ausgetragen wurde, hat Ian Nepomniachtchi gewonnen. Die beiden restlichen Turniere finden in Hamburg (4.-18. November) und in Tel Aviv (10. - 24. Dezember) statt.

The FIDE Grand Prix 2019 standings. | Image: WorldChess
Die FIDE Grand Prix Tabelle nach 2 gespielten Turnieren. | Bild: WorldChess

Jedes der vier Turniere ist mit 130,000 Euro dortiert. Zusammen für den Preisfonds für die Gesamtwertung in Höhe von 280.000 Euro werden somit insgesamt 800.000 Euro ausgespielt.

Alle Partien findet ihr hier in unserem Live Portal. Die offizielle Turnierseite findet Ihr hier.


Die offizielle Übertragung mit den Großmeistern Evgeny Miroshnichenko und Arturs Neiksans.

Chess and life) after the game

Een bericht gedeeld door Shakhriyar Mamedyarov (@shakh_mamedyarov) op

Ein Bild von Mamedyarovs Instagram Konto mit MVL und dessen Sekundanten Etienne Bacrot.

Besonders im Jahr 2019 stehen die Top-Spieler unter Dauerstress. Beide Finalisten kamen direkt vom Zagreb Grand Chess Tour-Turnier nach Riga und beide werden sofort nach Paris weiterreisen, wo in drei Tagen die Grand Chess Tour beginnt! Alle anstehenden Großveranstaltungen findet Ihr in unserem Turnierkalender.


Weitere Artikel über den FIDE Grand Prix in Riga (alle auf englisch):

Mehr von PeterDoggers
Aronian gewinnt in St. Louis

Aronian gewinnt in St. Louis

Nepomniachtchi gewinnt die Levitov Chess Week

Nepomniachtchi gewinnt die Levitov Chess Week