Rausis verliert seinen GM-Titel und wird für 6 Jahre gesperrt
Igors Rausis received a heavy penalty.

Rausis verliert seinen GM-Titel und wird für 6 Jahre gesperrt

PeterDoggers
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0 | Berichterstattung von einem Schach-Event

Igors Rausis, der 58-jährige lettisch-tschechische Großmeister, der Anfang des Jahres bei den Straßburg Open mit seinem Handy erwischt wurde, wurde der GM Titel aberkannt. Außerdem wurde er von der FIDE Ethikkommission für sechs Jahre gesperrt.

Diese Nachricht wurde gestern Abend auf der Webseite der FIDE veröffentlicht. Die vollständige Resolution der FIDE-Ethikkommission ist jetzt auch als PDF verfügbar.

Der lettisch-spanische Großmeister Alexei Shirov hatte die Nachricht bereits einige Stunden zuvor auf Facebook veröffentlicht.

Igor Rausis wird für 6 Jahre vom Schach ausgeschlossen und verliert auch seinen GM-Titel, den er seit 1992 gehalten hat. Aus irgendeinem Grund bleibt sein Rating jedoch bestehen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich solch strengen Sanktionen zustimmen kann, obwohl ich vollkommen verstehe, dass Igor schuldig ist. Trotzdem haben sich viele Spieler in ähnlicher Weise schuldig gemacht und einige von ihnen wurden nicht erwischt und andere erhielten nur eine sehr kurze Sperre. Die bisher längste Sperre waren 3 Jahre, was in Igors Fall durchaus gerechtfertigt wäre. Aber 6? Ich würde mich für eure Meinungen interessieren.

Im Rahmen einer Versammlung vom 23. bis 24. November in Lausanne diskutierte die Ethikkommission der FIDE unter anderem den Fall Rausis. Anwesend waren die Mitglieder Yolander Persaud, Ravindra Dongre, Rajesh Hari Joshi und der Vorsitzende Francois Strydom.

Dabei waren auch Yuri Garrett von der FIDE Fairplay Kommission und Kenneth Regan, ein Privatdozent der State University von New York, der in jahrelanger Arbeit ein Modell entwickelt hat, durch das die FIDE mittels Statistiken auf Betrugsfälle aufmerksam werden kann.

Die einstimmige Entscheidung der Kommission wurde in einer Pressemitteilung der FIDE veröffentlicht:

In Anbetracht des Schuldbekenntnisses von Herrn Rausis, seiner Mitarbeit bei der Anhörung und seiner Reue sowie seiner persönlichen Umstände, jedoch unter Berücksichtigung des Präzedenzfalls, der in der Entscheidung der ETH in Fall Nr. 7/2015 [der Fall Nigalidze - PD] hat die ETH einstimmig beschlossen, Herrn Igor Rausis mit einer weltweit geltenden Sperre von 6 (sechs) Jahren zu sanktionieren, die am 31. Juli 2019 in Kraft tritt und am 30. Juli 2025 enden soll. Rausis ist es untersagt, als Spieler an einem von der FIDE bewerteten Schachwettbewerb (egal ob klassisches Schach, Schnellschach, Schach960 oder Blitzschach) teilzunehmen oder als Schiedsrichter, Organisator oder Vertreter eines Schachverbandes zu fungieren. Außerdem wird Herrn Rausis der Großmeistertitel mit Wirkung ab dem Datum der Veröffentlichung dieser Entscheidung aberkannt.

Die Kommission fügte hinzu, dass Rausis (der bis heute auf der Webseite der FIDE als Großmeister geführt wird) weiterhin Fern- oder Online-Schach spielen und weiterhin als privater Trainer arbeiten darf, solange er nicht an offiziellen FIDE-Veranstaltungen beteiligt ist. Sein Rating bleibt ebenfalls bestehen und er behält seine Titel als Internationalen Meister, FIDE-Trainer und Nationaler Schiedsrichter.

Rausis stand schon seit geraumer Zeit unter Beobachtung. Der Verdacht, dass er andere Spieler betrügt, kam auf, als er in den letzten Jahren seine Elo auf fast 2700 steigerte. Zuletzt war er mit einer Elo von 2685 die Nummer 50 der Welt - und damit der älteste Spieler in den Top 100 der FIDE Rangliste.

Diesen Sommer wurde er während einer Partie bei den Straßburg Open mit seinem Handy erwischt. Kurz darauf kursierte ein Foto dieser Szene in den sozialen Medien und Rausis unterzeichnete eine Erklärung, dass das Telefon ihm gehörte. Nach Angaben der Ethikkommission hat er seine Schuld eingestanden.

Ein sehr ähnlicher Fall, auf den sich die Ethikkommission in ihrer Erklärung bezieht, betraf den georgischen Spieler Gaioz Nigalidze, der ebenfalls für 3 Jahre gesperrt wurde und seinen Großmeistertitel verlor, nachdem er im April 2015 bei den Dubai Open beim Betrügen erwischt wurde. Nigalidze benutzte damals in der Toilette seinen iPod, auf dem er unter seinem Namen auf einer Social-Network-Seite angemeldet war und analysierte seine Stellung mit einer Schach-App.

In ihrem Urteil erklärt die Ethikkommission nicht direkt, warum Rausis doppelt so lange wie Nigalidse gesperrt wurde, aber ihre Entscheidung hängt sicher mit der Tatsache zusammen, dass Rausis Betrug in 4 verschiedenen Fällen gestanden hat. Er gab zu, in einem Zeitraum von mehreren Jahren 3 Partien mithilfe seines Handys gewonnen und bei einer Partie das Ergebnis mit seinem Gegner abgesprochen zu haben.

Ob es für ihn einen großen Unterschied machen wird, ob er 3 oder 6 Jahre gesperrt wird, ist nicht klar. Kurz nachdem er bei den Straßburg Open erwischt wurde, sagte Rausis zu Chess.com: "Zumindest ist das, was ich gestern gemacht habe, eine gute Lektion. Aber nicht für mich, denn ich habe meine letzte Partie bereits gespielt."

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