Vachier-Lagrave gewinnt die "Horrorshow" von Paris
Maxime Vachier-Lagrave with his trophy next to sponsor Gilles Betthaeuser of Colliers. | Photo: Lennart Ootes/GrandChessTour.

Vachier-Lagrave gewinnt die "Horrorshow" von Paris

Es wäre fast schiefgegangen, aber am Ende hat er es geschafft: Maxime Vachier-Lagrave hat bei der Grand Chess Tour sein Heimspiel in Paris vor dem mittlerweile 49 Jahre alten Vishy Anand gewonnen.

"Natürlich ist es eine Freude, aber im Moment ist es größtenteils Erleichterung, denn heute und auch gestern war es so eine Art Horrorshow", sagte Vachier-Lagrave nach der letzten Runde. "Mit meiner Spielweise bin ich nicht besonders zufrieden. Am Ende wollte ich nur noch irgendwie gewinnen und es ist wirklich eine Erleichterung, dass ich es geschafft habe, aber es ist noch zu früh, als dass ich mich wirklich darüber freuen könnte."

Den Pokal bekam er von Gilles Betthaeuser, Präsident von Colliers France, einem Unternehmen, das Immobiliendienstleistungen erbringt und das sowohl das Turnier als auch Vachier-Lagrave persönlich sponsert, überreicht.

Es war ein packender letzter Tag, an dem die Fans bis zum letzten Zug auf ihren Plätzen blieben. MVL fand einfach nicht seine Topform im Blitz und als er in 4 Partien 3 Niederlagen einstecken musste, kamen ihm seine Rivalen sehr nahe.

Während der Franzose aber beim letzten Grand Prix-Finale in Riga noch auf der Verliererseite stand, setzte er sich diesmal in einem letzten Spiel gegen denselben Gegner wie in Riga und vor heimischem Publikum durch.

Vachier-Lagrave wurde von Maurice Ashley interviewt.

Die etwas schüchterne Reaktion von MVL im Interview nach dem Turnier erklärt sich aus der Tatsache, dass er am letzten Tag des Turniers nur 3,5 von 9 möglichen Punkten erzielte und auch am Vortag mit 4.5 von 9 möglichen Punkten schon geschwächelt hatte. Zum Glück konnten seine härtesten Konkurrenten diese Steilvorlage nicht nutzen.

Der "Gewinner" des zweiten Tages war Jan-Krzysztof Duda, mit 6.5/9. Der polnische Nachwuchsstar ist immer noch unberechenbar in seinen Leistungen, aber sein Talent ist offensichtlich. Nach einer schrecklichen Eröffnung konterte er Alexander Grischuk mit den schwarzen Figuren aus und konnte die Partie gewinnen:

2019 Paris Grand Chess Tour participants
Die Teilnehmer auf dem Dachgarten des Vivendi Gebäudes mit dem Arc de Triomphe im Hintergrund. | Foto: Justin Kellar/Grand Chess Tour.

Bevor wir zum Turniergeschehen kommen, sollten wir Anand noch besonders erwähnen. Wie Duda und Nakamura erzielte er in den beiden Turniertagen 10,5/18, was zusammen mit seinen 5 Punkten aus dem Schnellschach für Platz 2 in der Endwertung reichte.

Nach zwei Remis und einer Niederlage gegen Daniil Dubov besiegte Anand nacheinander Grischuk, Fabiano Caruana und Nakamura, remisierte gegen MVL und Anish Giri und gewann dann seine letzte Partie gegen Ian Nepomniachtchi.

Die Partie gegen Nakamura hätte eigentlich Remis enden müssen, aber praktisch gesehen ist es immer schwierig, gegen das Läuferpaar oder mit einem Springer gegen einen Läufer in einer so offenen Stellung wie dieser zu spielen:

2019 Paris Grand Chess Tour playing hall
Im Gegensatz zu den letzten Jahren waren in diesem Jahr Zuschauer in Paris willkommen. | Foto: Lennart Ootes/GrandChessTour.

Der Tag begann mit Siegen von Grischuk, Nepomniachtchi und Vachier-Lagrave, was bedeutete, dass MVL seine Zweipunkteführung in der Gesamtwertung verteidigte. In der nächsten Runde remisierte er gegen Grischuk, aber "Nepo" verpasste seine Chance, dem Franzosen näherzukommen:

Nepomniachtchi missed a big chance vs. Duda. Paris Grand Chess Tour
Nepomniachtchi vergab gegen. Duda eine riesige Chance. | Foto: Lennart Ootes/GrandChessTour.

Nach der dritten Runde lag Grischuk nur noch einen Punkt hinter dem Führenden. Er hatte gerade gegen Giri gewonnen und durfte zusehen, wie MVL gegen Caruana unterging:

Danach brach Grischuk aber völlig ein und verlor sowohl gegen Anand als auch die ganz oben gezeigte Partie gegen Duda. Somit lagen die beiden Russen Grischuk und Nepomniachtchi wieder 2 Punkte hinter dem Führenden und es waren nur noch 5 Runden zu spielen.

Alexander Grischuk Paris Grand Chess Tour 2019
Alexander Grischuk. | Foto: Lennart Ootes/GrandChessTour.

Jetzt konnte aber Nepomniachtchi einen schnellen Sieg über MVL feiern und den Rückstand auf nur noch einen Punkt verringern:

Nepomniachtchi vs Vachier-Lagrave Paris GrandChessTour.
Kurz vor dem Beginn der Partie Nepomniachtchi gegen Vachier-Lagrave. | Foto: Lennart Ootes/GrandChessTour.

Durch sein Remis in der nächsten Runde gegen Dubov kam Nepomniachtchi dann sogar auf einen halben Punkt an MVL heran, denn jetzt zog der Franzose, wie schon am Tag zuvor, gegen Giri den Kürzeren:

In der vorletzten Runde verlor Nepomniachtchi dann gegen Grischuk, was bedeutete, dass Vachier-Lagrave einen Matchball zum Turniersieg hatte. An einem guten Tag hätte er sicher 24...b5 gefunden, aber weil es eben kein guter Tag war, wurde die Entscheidung vertagt.

MVL lag zu Beginn der letzten Runde noch einen halben Punkt vor Grischuk, geriet aber gegen Shakhriyar Mamedyarov, also genau den Gegner, gegen den er das Finale von Riga im Armageddon verloren hatte, in eine schlechtere Stellung.

Mamedyarov ließ jedoch zuerst den Ausgleich zu und geriet dann selbst unter Druck. Am Ende steckte Vachier-Lagrave in einem Endspiel mit Turm gegen Läufer und Bauern fest, das er einfach nicht gewinnen konnte. Und somit hatte Grischuk die Möglichkeit, ein Playoff zu erreichen.

Vachier-Lagrave Mamedyarov Paris Grand Chess Tour 2019
Vachier-Lagrave und Mamedyarov beenden das Turnier mit einem Lächeln. | Foto: Lennart Ootes/GrandChessTour.

Grischuk konnte sich über Caruanas Wahl der Eröffnung nicht beschweren: Das gute alte 4.Sc3 und 5.g4 in der Vorstoßvariante im Caro-Kann. Das führte zur vielleicht besten Partie im gesamten Turnier, bei der Grischuk dann in einem Damenendspiel mit wehenden Fahnen unterging.

2019 Paris Grand Chess Tour final standings
Das Endergebnis von Paris. | Bild: Spectrum Studios.

In der Gesamttabelle der Grand Chess Tour liegt Vachier-Lagrave jetzt hinter Magnus Carlsen und Wesley So auf dem dritten Platz. Die besten vier Spieler qualifizieren sich für das Finale, das im Dezember in London stattfindet.

Hier sind die restlichen Termine:

  • St. Louis Rapid & Blitz, 8. - 15. August, 2019. St. Louis, U.S.
  • Sinquefield Cup (Klassisch), 15. - 30. August, 2019. St. Louis, U.S.
  • Superbet Rapid & Blitz, 4. - 11. November 2019. Bukarest, Rumänien.
  • Tata Steel Rapid & Blitz, 20. - 27. November 2019. Kalkutta, Indien.
  • GCT Finale (4 Spieler), 30. November - 10. Dezember 2019. London, UK.
2019 Grand Chess Tour standings after Paris
Die aktuelle Gesamttabelle der Grand Chess Tour. | Bild: Spectrum Studios.

Zusammen mit den beiden Blitzpartien von Riga hat MVL in diesem Monat 102(!) Elo-Punkte im Blitzrating verloren und ist von Platz 1 auf Platz 4 in der Blitz-Weltrangliste abgerutscht.  

Das Rapid & Blitz Grand Chess Tour Event in Paris fand vom 27. Juli bis zum 1. August statt. Nach drei Tagen Schnellschach wurde 2 Tage lang "geblitzt". Chess.com hat das Turnier live auf Twitch.tv/Chess und Chess.com/TV übertragen. (Hier ist unsere Pressemitteilung.)

Die Übertragung des letzten Turniertages:

Alle Blitzpartien der Runden 10-18 zum durchklicken und herunterladen:


Alle Turnierpartien könnt Ihr hier in unserem Live Portal ansehen. Weiter Fotos aus Paris könnt Ihr hier ansehen und auf die offizielle Turnierseite kommt Ihr mit diesem Link.

Die Grand Chess Tour wird ab dem 10. August in den USA mit dem Saint Louis Rapid & Blitz fortgesetzt. Dort ist auch wieder Magnus Carlsen am Start. Alle anstehenden Großveranstaltungen findet Ihr in unserem Turnierkalender. Bis dahin interessiert Euch vielleicht ein Turnier in Amsterdam:


Weitere Berichte von der Grand Chess Tour in Paris (alle auf Englisch):

Mehr von PeterDoggers
Aronian gewinnt in St. Louis

Aronian gewinnt in St. Louis

Nepomniachtchi gewinnt die Levitov Chess Week

Nepomniachtchi gewinnt die Levitov Chess Week