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5 amüsante Grundlinien-Matt Geschichten

5 amüsante Grundlinien-Matt Geschichten

Gserper
| 88 | Taktiken

Wettkampfschach ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit. Es erfordert von den Spielern, ständig ein Höchstmaß an Konzentration zu bewahren, unter Druck ruhig zu bleiben und während der gesamten Partie kreativ zu sein. Und so überrascht es nicht, dass jede Partie ihre eigene Geschichte hat und einige dieser Geschichten würden zweifellos eine großartige Grundlage für Hollywood-Blockbuster abgeben.

Heute werden wir über einige dieser Geschichten sprechen. Alle Partien, die wir besprechen werden, haben eines gemeinsam: Sie wurden durch Taktiken auf der Grundlinie entschieden. Dadurch werden auch unsere weniger erfahrenen Mitglieder mit einem der gängigsten Mattbilder vertraut.


Einführung

Bevor wir beginnen, möchte ich Euch eine berühmte Partie zeigen, die durch eine klassische Grundlinien-Kombination entschieden wurde:

Das klassische Mattbild bei einem Grundlinienmatt sieht dann so aus:

Die trickreiche Partie

Versucht zunächst den Zug zu finden, der Schwarz sofort zur Aufgabe zwingt:

Dies ist für einen Großmeister keine sehr schwierige Kombination, aber wie konnte IM Vladas Mikenas, ein sehr guter Taktiker, der schon den großen Aljechin ausgerechnet hatte, diesen Trick übersehen? GM David Bronstein hat diesem Thema einen ganzen Artikel gewidmet. Er wurde in der Zeitschrift "Chess In The Soviet Union" mit dem vielsagenden Titel "Hokus Pokus" veröffentlicht. Dort erklärt Bronstein, der den Spitznamen "Tricky David" hatte, die ganze Handlung, bei der es sogar um die Bestellung einer Tasse Kaffee ging.

Bronsteins Geschichte in ein paar kurzen Sätzen nachzuerzählen wäre dasselbe, wie die Mona Lisa einer Person zu beschreiben, die das Gemälde noch nie gesehen hat. Da Bronstein in seinem Artikel lehrt, wie man den Gegner am Schachbrett mit legalen Mitteln betrügen kann, verdient es wohl eine gesonderte Diskussion. Seit aber versichert, dass ein Gentleman wie Bronstein niemals auch nur annähernd unethische Tricks versuchen würde.

Das Ende der Geschichte gefällt mir besonders gut. Während Bronstein über seinen entscheidenden Zug nachdachte (der natürlich lange vorbereitet war), wanderte Mikenas im Turniersaal herum, wo er auf Mark Taimanov, der an diesem Tag spielfrei hatte, traf. "Sieh mal, was für eine großartige Stellung ich habe", sagte Mikenas. "Aber...aber...was ist, wenn der Turm a3 schlägt?", fragte Taimanow. Mikenas erkannte sofort, was passieren würde, aber es war es schon zu spät, denn Bronstein hatte den Zug bereits gespielt.
 

Die geheimnisvolle Partie

Hier ist eine tolle Kombination eines Weltmeisters:

Die Schlussstellung dieser Partie zeigt das klassische Grundlinienmatt. Aber lasst uns einen Schritt zurückgehen. Warum hat Weiß 34.Dxh6 gespielt? Anstelle eines einfachen Zuges wie 34.Dg3, was ein sofortiges Schachmatt verhindern würde? Die Version, dass Weiß den Gewinnzug 34...De1+ einfach nicht gesehen hat, ist sehr unwahrscheinlich, da Andreas Moen ein FIDE-Rating von fast 2400 hatte und ich denke, dass sogar ein Spieler mit 1400 sehen würde, was auf ihn zukommt. Aber tun wir für eine Sekunde so, als hätte er einen Sekundenschlaf, einen Blackout oder was auch immer gehabt. Hat er denn wirklich geglaubt, dass ein Weltmeister einzügig einen Läufer einstellen würde? War da kein riesiges rotes Schild mit der Aufschrift "Achtung, Gefahr!" ? Das ist ein Rätsel, das ich einfach nicht lösen kann.

Die traurige Partie

Hier fand Bobby Fischer eine tolle Taktik.

Da GM Oscar Panno am nächsten Tag nicht zu seiner Partie gegen Fischer auftauchte, war diese Partie gegen GM Svetozar Gligoric die letzte offizielle Turnierpartie des amerikanischen Genies. Aus irgendeinem Grund erinnere ich mich jedes Mal, wenn ich diese Partie sehe, an die Worte der alten Rose DeWitt Bukater: "Die Titanic wurde das Schiff der Träume genannt, und das war sie auch. Sie war es wirklich ...".

Die schockierende Partie

In einem ganz aktuellen Turnier unterlief Weltmeister Magnus Carlsen ein sehr ungewöhnlicher Fehler:

Da der Fehler des Weltmeisters wirklich schockierend war, war seine Reaktion auf den Fehler durchaus verständlich. Ihr könnt sie hier oder in diesem Tweet ansehen:

Die beleidigende Partie

Wie wir wissen, werden auch die besten Spieler immer gegen "Vater Zeit" verlieren. In jungen Jahren hätte Viktor Korchnoi sogar in einer Blitzpartie 27. Tf8 gespielt, aber im Alter von 75 Jahren stellte er stattdessen seinen Läufer ein.  Seine unnachahmliche Fähigkeit, Menschen zu beleidigen, hat er aber trotz seines hohen Alters nicht verloren.

Das schrieb Irina Krush in ihrem Blog: "Das erste, was er sagte, war: 'Ich hätte zwei Mehrbauern haben könnens!', dann schlug er einen Zug vor und ging weg. Eine Minute später kam er aber zurück und beleidigte mit mit Sätzen wie 'Theorie zu kennen ist ganz gut, aber Du solltest auch Schachspielen lernen.' Und dann passierte noch das: Er schlug einen Zug vor und Elisabeth [IM Elli Pähtz] schlug eine bessere Alternative vor. Beide Züge waren relativ einfach zu finden. Nichts Spezielles. Aber er sagte zu Elisabeths Vorschlag: 'Nein, dieser Zug ist zu gut für die.'"

Ich hoffe, dass Euch diese Geschichten gefallen haben und, was noch wichtiger ist, dass Ihr in Euren eigenen Partien nie wieder ein Grundlinienmatt übersehen werdet!

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