Nakamura gewinnt die Chess.com Bullet Meisterschaft

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Hikaru Nakamura schlug am Sonntag im Finale Oleksandr Bortnyk und gewann damit die Chess.com Bulletmeisterschaft 2019. Zuvor hatte Maxime Vachier-Lagrave gegen Levon Aronian das Spiel um Platz drei gewonnen.

Dieser Artikel fasst das ganze Wochenende der Bulletmeisterschaft zusammen. Am Samstag fand das Viertel- und das Halbfinale statt. Am Sonntag das Finale und das Spiel um Platz 3. Über die untenstehenden Links könnt Ihr schnell zu jedem Abschnitt gelangen.

Von Peter Doggers & Isaac Steincamp

Der Turnierbaum der Bulletmeisterschaft 2019

2019 Chess.com Bullet Championship Bracket

Viertelfinale:  Der erst 15 Jahre alte Firouzja gewinnt beinahe gegen Nakamura

Nachdem er das erste Qualifikationsturnier gewonnen hatte, glaubten viele Fans, dass der 15-jährige iranische GM Alireza Firouzja die nötige Geschwindigkeit hätte, um GM Hikaru Nakamura gefährlich werden zu können. Im Laufe des Qualifikationsturniers gelang es Firouzja sogar, als erster Spieler in der Geschichte von Chess.com ein Rating von 3300 zu erreichen.

Firouzja hielt mit Nakamura Schritt und lag 15 Minuten vor dem Ende nur mit 4:5 zurück. Dann spielte der iranische Großmeister aber ganz groß auf, erzielte in den nächsten 4 Partien 3.5 Punkte und lag damit mit 7.5:5.5 in Führung. Besonders sehenswert war dieser Damenfang:

Jetzt waren nur noch 8 Minuten zu spielen und der amtierende U.S. Meister benötigte ein Comeback, um nicht schon im Viertelfinale auszuscheiden. Nakamura gelang es dann, die nächsten beiden Partien zu gewinnen und damit auszugleichen. 90 Sekunden vor Ende des Viertelfinals zeigte er dann seine grandiose Endspieltechnik und ging dadurch mit 8.5:7.5 in Führung:

Firouzja setzte dann in der letzten Partie mit Schwarz alles auf eine Karte und wurde überspielt. Nakamura gab dann nach seinem 9.5:7.5 Sieg ein kurzes Interview:

"Ich glaube nicht, dass es gegen irgendjemanden noch schwieriger als gegen Firouzja werden kann. Wenn ich im Halbfinale oder Finale verliere, liegt es alleine an mir und ich würde wirklich kotzen, denn Alireza ist um einiges Stärker als der Rest des Feldes."

Viertelfinale: Levon Aronian durchbricht die 3100 Schallmauer

Selbst GM Sergey Karjakin's Probleme mit dem Internet konnten den Unterhaltungswert des zweiten Viertelfinales nicht schmälern. GM Levon Aronian setzte schon früh ein Ausrufezeichen, als er durch eine Unterumwandlung in einen Springer einen halben Punkt rettete:

Karjakins Pechsträne war damit aber nicht beendet. Als er mit 6:3 zurücklag und schon unter Siegzwang stand, spann der russische Großmeister ein wunderschönes Mattnetz -  um dann von der Uhr gestoppt zu werden:

Durch diesen Sieg wuchs Aronians Vorsprung auf 4 Punkte an und Karjakin, der nur wenige Stunden zuvor in Shamkir gegen Anand gewonnen hatte, war nicht in der Lage ein Comeback zu starten. Aronian gewann schließlich mit 11:3 und somit stand das erste Halbfinale fest: Aronian gegen Nakamura.

Viertelfinale: Bortnyk überrascht Grischuk und zieht ins Halbfinale ein


Einige Schachfans haben vor dieser Bulletmeisterschaft sicher noch nie etwas von dem ukrainischen Speed Schach Spezialisten GM Olexandr Bortnyk gehört, aber nach diesem Wochenende ist er kein Unbekannter mehr. Nachdem er schon das dritte Qualiturnier nach Belieben dominiert hatte, war Bortnyk im Chess.com Bulletrating schon auf Platz 4 geklettert.

In seinem Viertelfinale gegen Grischuk zeigte er bereits in der ersten Partie, welche Tricks er auf Lager hat und erschwindelte sich ein Remis:

Bortnyk erspielte sich dann durch 3 Siege und 4 Remis eine komfortable Führung. Die Alekhine Verteidigung des Ukrainiers stellte Grischuk das ganze Duell über vor Probleme und Bortnyk konnte mit Schwarz 4 von 7 möglichen Punkten holen.

Trotzdem schmolz der Vorsprung wie Eis in der Sonne, aber als Grischuk nur noch einen Punkt Rückstand hatte, gelang es Bortnyk die letzte, alles entscheidende Partie und damit das Viertelfinale mit 7.5:5.5 zu gewinnen:

Viertelfinale: Vachier-Lagrave muss gegen Perez Ponsa in die Verlängerung


GM Federico Perez Ponsa hatte schon im zweiten Qualifikationsturnier einige starke Großmeister überrascht und sich für das Viertelfinale qualifiziert. Obwohl der Argentinier auf Chess.com ein besseres Rating als GM Maxime Vachier-Lagrave hatte, räumten ihm die meisten Experten aber nur Außenseiterchancen ein.

Der Franzose konnte dann gleich die erste Partie gewinnen, aber es sollte seine einzige und letzte Führung in der regulären Spielzeit werden. Perez Ponsa setzte MVL konstant unter Druck und führte meistens mit einem Punkt Vorsprung, konnte sich aber nie entscheidend absetzen.

MVL schaffte es, ständig in Schlagweite des Argentiniers zu bleiben und schaffte am Ende den Ausgleich. Jetzt musste ein Sudden-Death über den Einzug ins Halbfinale entscheiden und hier war es der Franzose, der das glücklichere Ende für sich hatte und schließlich mit 8.5:7.5 gewann. 

Diese Niederlage beendete den beeindruckenden Lauf des Argentiniers und auch das zweite Halbfinale stand jetzt fest: Bortnyk gegen MVL

Halbfinale: Nakamura demoliert Aronian und zieht ins Finale ein


Mit der Erinnerung an sein Viertelfinale-Match-Up in Gepäck, stellte Nakamura im Halbfinale seine Extraklasse im Bulletschach unter Beweis. Nakamura zeigte gegen den von Internetproblemen geplagten Aronian seine ganze Klasse, erspielte sich schnell einen Vorsprung und gab diesen niemals auf.

Nakamura legte, nachdem er bereits mit 2.5:1.5 geführt hatte, eine Serie mit 14.5 von 16 möglichen Punkten hin. Im Laufe dieser Serie fand der U.S. Champion einmal ein geniales ...Dxf5 Damenopfer:

Aronian kam erst zum Ende des Halbfinales in Fahrt und widerlegt zumindest noch Nakamuras Bong Cloud Eröffnung - das kam aber viel zu spät. Der an Nummer 1 gesetzte Nakamura zog mit einem nie gefährdeten 28.5:6.5 Sieg ins Finale ein.

Halbfinale: Bortnyk eliminiert MVL und gewinnt die Herzen der Zuschauer

Nach seinem Viertelfinalsieg gegen Grischuk tippten 82 Prozent der Zuschauer auf Twitch auf einen Sieg Bortnyk gegen Vachier-Lagrave.

Wie schon im Viertelfinale baute Bortnyk nach einem vernichtenden Sieg mit den schwarzen Figuren bis zur Halbzeit einen Vorsprung von drei Punkten auf:

MVL hatte sich aber in der kurzen Pause bestens erholt und erspielte sich 4.5 von 5 möglichen Punkten. 20 Minuten vor dem Ende des Halbfinales war es dann die Philidor Verteidigung, mit der der Ukrainer zurückschlug:

Der Ukrainer schaffte es dann, 7 der 8 nächsten Partien nicht  zu verlieren und besiegte Vachier-Lagrave mit 16.5:12.5.

Spiel um Platz 3: MVL ist schneller als Aronian

Für das Spiel um Platz 3 und das Finale hatte sich Chess.com einen ganz neuen Modus ausgedacht: Es wurde wie beim Tennis gezählt. Der erste Spieler, der sechs Punkte erreicht (mit einem Punkt Abstand) gewinnt einen Satz, wobei Remis nicht gewertet wurden. Das Spiel um Platz 3 wurde auf 2, das Finale auf 3 Gewinnsätze gespielt.

Kommentator IM Danny Rensch erfand dann auch gleich den entsprechenden Fachbegriff dafür: Chennis Match!

Der Hauptunterschied im Spiel um Platz 3 war dann, dass MVL besser mit seiner Maus umgehen konnte und auch mehr Premoves spielte. Eine Partie gewann er dann sogar mit Turm und Springer gegen Dame!

"Ich erinnerte mich an die Zeit, als ich süchtig nach Bulletschach war und dass es immer ein Alptraum war, mit der Dame gegen zwei Figuren spielen zu müssen," sagte Vachier-Lagrave danach.

Der Franzose gewann den ersten Satz mit 6-2 und schon am Anfang des zweiten Satzes war Aronian in taktischen Stellungen hoffnungslos verloren.

MVL gewann den zweiten Satz dann mit 6-0 und somit war das Spiel um Platz 3 schneller entschieden, als es die meisten gedacht hatten.

"Ich habe eine keine Übung darin. Ich spiele ansonsten nie Bulletschach. Premoving ist ein absolutes Neuland für mich," entschuldigte sich Aronian.

MVL: "Ich glaube, ich hatte einfach die schnellere Maus und das hat mir im ersten Satz wahnsinnig geholfen. Im zweiten Satz habe ich dann nicht nur schnell, sondern auch noch gut gespielt."

Auf die Frage, ob ihm Bullet Spaß machen würde, fand Aronian eine urkomische Antwort:

"Bullet macht schon Spaß, aber es gibt so viele andere Sachen, die auch Spaß machen und länger als eine Minute dauern!"

"Aber um ehrlich zu sein hat es mir richtig Spaß gemacht," fügte Aronian hinzu. "Natürlich macht es nie besonders viel Spaß zu verlieren, aber wenn es so schnell geht, hat man wenigstens keine Zeit um sich zu Ärgern."

Finale: Nakamura zu schnell und zu stark für Bortnyk

Im Finale beeindruckte Nakamura von Anfang an. Er gewann die erste Partie mit 29 Sekunden Restzeit auf der Uhr und die zweite in einem schlechteren Endspiel auf Zeit. Und er sieht Taktiken in einer unglaublichen Geschwindigkeit:

So dachte Nakamura über die Züge 44.Tb5 und 47.Tc3 überhaupt nicht nach. Er spielte sie einfach intuitiv und plötzlich hat Schwarz keine Möglichkeit mehr, die weißen Bauern aufzuhalten.

Nakamura gewann den ersten Satz mit 6-1 (Rensch: "Du solltest Dich schämen, dass Du so gut bist"), den zweiten mit 6-2 (Rensch: "Hikaru sieht einfach alles!") und den dritten wieder mit 6-1. Im gesamten Finale endeten nur 4 Partien mit einem Remis (und wurden deshalb nicht gewertet).

Mit der Hilfe von Alexandra Kosteniuk, die als Übersetzerin einsprang, sagte Bortnyk:

"Ich hatte von der Zählweise im Tennis bis vor dem Finale überhaupt keine Ahnung. Aber Hikaru war einfach zu stark und zu schnell. Wenn ich versucht habe, so schnell wie Hikaru zu spielen, dann habe ich Fehler gemacht und wenn ich langsamer gespielt habe, dann habe ich auf Zeit verloren."

Nakamura über das Tennis Format:

"Zuerst denke ich, dass es definitiv für einen Spieler, der im Rückstand liegt, ein Vorteil ist. Im Finale war es relativ egal, aber gegen Alireza wäre es bei diesem Format noch enger geworden. Eigentlich macht es aber keinen großen Unterschied."

Und was sagten die beiden zur Abwesenheit von Magnus Carlsen? Interessanterweise dachte Bortnyk, dass Nakamura trotzdem der Favorit gewesen wäre, weil er einfach schneller spielt. Nakamura selbst sagte:

"Es wäre auf jeden Fall eng. Es gibt zwei Spieler die gegen mich eine Chance haben: Magnus und Alireza Firouzja. Wenn es ein langes Duell wäre, würde es auf einige Kleinigkeiten ankommen. Wer in den entscheidenden Momenten das Glück auf seiner Seite hat. Ich glaube schon, dass ich der Favorit wäre, aber bei uns dreien ist es unmöglich vorherzusagen, wer gewinnen würde."

So können wir nur hoffen, dass wir ein 1|0 Duell zwischen Carlsen und Nakamura zu sehen bekommen werden. Seit der Übernahme von Chess24 durch PlayMagnus, engagiert sich der Norweger natürlich auf dieser Seite, aber deshalb ist es ja nicht grundsätzlich ausgeschlossen, dass wir nich doch einmal einen Carlsen-Nakamura Bulletkampf sehen werden. Die Mitglieder beider Seiten würden es sicher begrüßen.


GM Robert Hess, GM Eric Hansen und IM Danny Rensch haben die Bulletmeisterschaft für Euch kommentiert. Ihr könnt alle Übertragungen in voller Länge auf twitch.tv/chess ansehen.

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