Der wegen Betrugs gesperrte Igors Rausis nimmt unter einem anderen Namen an einem Turnier teil
Igors Rausis spielte am Samstag unter einem anderen Namen. Foto: I. Leitis/Valka.lv

Der wegen Betrugs gesperrte Igors Rausis nimmt unter einem anderen Namen an einem Turnier teil

PeterDoggers
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Igors Rausis, der von der FIDE wegen Betrug gesperrt wurde und deshalb auch seinen Großmeistertitel verloren hat, nahm am Samstag an einem kleinen Schnellschachturnier in Lettland teil. Er spielte dort unter seinem neuen Namen Isa Kasimi, zog sich aber nach dem Protest eines lettischen Großmeisters vom Turnier zurück.

Das zweitägige Schachturnier fand an diesem Wochenende in der Stadt Valka, zwei Autostunden nordöstlich von Riga, statt. Es war ein Gedächtnisturnier für den im Jänner verstorbenen lettischen Schachspieler Vsevolods Dudzinskis.

Das Turnier war eine relativ kleine Veranstaltung mit nur 37 Teilnehmern und einem Preisfonds von rund 1.000 Euro. Am Samstag gab es ein Schnellschach-Turnier, bei dem für den Sieger 140 Euro ausgelobt waren. Am Sonntag stand dann ein Blitzturnier, bei dem der erste Platz mit 100 Euro dotiert war, auf dem Programm. Das Turnier am Samstag ging über 8 Runden und wurde mit einer Bedenkzeit von 12+5 gespielt.

Erst vor Beginn der dritten Runde bemerkte GM Arturs Neiksans, der große Favorit und einzige Großmeister im Feld, dass auch Igors Rausis unter den Teilnehmern war. Oder besser gesagt, Isa Kasimi. Denn das ist der neue Name, den Rausis jetzt verwendet. (Chess.com wurde sein neuer Pass mit dem neuen Namen gezeigt.)

Rausis Kasimi Valka
Rausis (mitte, mit dunkelbraunem Sacko), während der ersten Runde. Foto (Ausschnitt): I. Leitis/Valka.lv.

Obwohl keine Gesichtsmasken vorgeschrieben waren, trugen einige Spieler welche und Kasimi gehörte ab der zweiten Runde zu dieser Gruppe (das Foto oben wurde während der ersten Runde aufgenommen). Neiksans sagte, er habe den Eindruck gehabt, dass Kasimi versucht habe, seine Identität zu verbergen.

Im Gespräch mit Chess.com bestritt dies Kasimi: "Ich bin eine bekannte Persönlichkeit im lettischen Schach. Jeder hätte mich bereits in der ersten Runde erkennen können. Außerdem habe ich unter meinem neuen Namen bereits zwei andere Turniere gespielt, ein Schach960 und ein Würfel Schach Turnier.

Da Kasimi die Teilnahme an Veranstaltungen der FIDE verboten wurde, protestierte Neiksans. Er dachte, dass die Ergebnisse des Turniers an die FIDE geschickt würden - aber es stellte sich heraus, das das nicht der Fall war.

"Bevor ich nach Valka fuhr, habe ich beim lettischen Schachverband extra nochmal nachgefragt, ob das Turnier ausgewertet wird", sagte Kasimi gegenüber Chess.com. "Mir wurde gesagt, dass es nicht registriert ist und daher nicht ausgewertet wird."

Als Neiksans den Veranstalter nach der Legitimität der Teilnahme von Kasimi befragte, beschloss dieser, einen der Hauptschiedsrichter in Lettland anzurufen. Der erklärte, dass die Teilnahme von Kasimi legal sei. Neiksans protestierte aber so lange weiter, bis Kasimi beschloss, sich vom Turnier zurückzuziehen.

Neiksans fragte dann via Facebook den internationalen Schachverband nach seiner Meinung. GM Hikaru Nakamura verbreitete den Eintrag auf Twitter und schon bald danach kam von FIDE-Präsident Emil Sutovsky höchstpersönlich eine Antwort. 

Sutovsky bestätigte, dass Kasimi das Turnier spielen durfte, da seine Sperre nur für Turniere, die Elo gewertet werden, gilt. Technisch gesehen, kann ihm die FIDE also nicht verbieten, an einem solchen (privaten) Turnier teilzunehmen. Er würde jedoch von lokalen Organisatoren erwarten, dass sie sich "gemäß dem Geist der Entscheidung der FIDE verhalten".

Neiksans sagte zu Chess.com, dass das Turnier ursprünglich für eine FIDE-Auswertung vorgesehen war, der Veranstalter das Turnier jedoch zu spät bei der FIDE registriert hatte. "Rausis hat nach einer Lücke gesucht, um wieder spielen zu können und eine gefunden", sagte der lettische Großmeister.

Während er zwar anerkennt, dass Kasimi rechtlich gesehen an diesem Turnier teilnehmen durfte, findet Neiksans es aus moralischen Gründen aber trotzdem falsch: "Es war ein Gedächtnisturnier zur Erinnerung an meinen ehemaligen Trainer Vsevolods Dudzinskis. Diese Erinnerung wird doch mit Füßen getreten, wenn man da einen überführten Betrüger mitspielen lässt!"

Kasimi sagte gegenüber Chess.com, dass er seinen Namen Anfang dieses Jahres wegen des wenig schmeichelhaften Fotos geändert habe, das in zahlreichen Publikationen und in sozialen Medien veröffentlicht wurde. Auf dem Bild sieht er auf der Toilette sitzend auf sein Handy. Es wurde im Juli 2019 während einer Partie bei einem Turnier in Straßburg aufgenommen.

Igors Rausis toilet
Das viral gegangene Foto aus Straßburg.

Abgesehen davon, dass der Name Rausis für immer mit dem Foto verbunden ist, sagte Kasimi, er habe seinen Namen auch geändert, weil er sich für seine Familie schäme. Er benutzt jetzt den Nachnamen seiner Ex-Frau, mit der er sich noch gut versteht.

Im Dezember 2019 wurde dem inzwischen 59-jährigen lettisch-tschechischen Spieler von der Ethikkommission der FIDE der GM-Titel entzogen und er erhielt eine sechsjährige Sperre. Abgesehen von dem Vorfall in Straßburg gestand er zwei frühere Fälle, in denen er sein Handy während einer Partie benutzte hatte und einen Fall, in dem das Ergebnis einer Partie vorab arrangiert wurde.

Die Kommission stellte fest, dass Rausis weiterhin Fern- oder Online-Schach spielen darf und weiterhin als privater Trainer arbeiten kann, solange er nicht an offiziellen FIDE-Veranstaltungen beteiligt ist. Sein Rating wurde nicht geändert und er durfte seine Titel als Internationaler Meister-, FIDE-Trainer und nationaler Schiedsrichter behalten.


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