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Sinquefield Cup, Runde 7:  Anand und Aronian schließen zu Vachier-Lagrave auf

Sinquefield Cup, Runde 7: Anand und Aronian schließen zu Vachier-Lagrave auf

Zwei Runden vor Schluss führen gleich 3 Spieler punktgleich den Sinquefield Cup 2017 an. Vishy Anand und Levon Aronian gewannen ihre Partien und zogen damit, mit Maxime Vachier-Lagrave, der nicht über ein Unentschieden hinauskam, gleich.

MVL wurde von Aronian und Anand eingeholt. | Foto: Maria Emelianova.

Bei der fünften Ausgabe des Sinquefield Cups können wir uns also auf zwei spannende letzte Runden und vielleicht sogar auf ein Playoff am Samstag freuen. Anand, Aronian und MVL liegen in Führung (wobei der erst- und der letztgenannte am Donnerstag gegeneinander spielen) und Carlsen liegt nur einen halben Punkt hinter diesem Trio in Lauerstellung.

Der Kommentatorin Jennifer Shahade fiel während der LiveÜbertragung ein interessantes Detail auf: Die fünf Brillenträger liegen auf den ersten fünf Plätzen. Ferner liegen die 6 Spieler aus den USA und Russland hinter den 4 anderen Spielern, die nicht aus diesen beiden Ländern stammen.

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Wesley So spielte gegen Fabiano Caruana von Anfang an auf Remis und niemand nahm es ihm übel, nicht einmal sein Gegner. "Er wurde in den letzten beiden Runden schwer verwundet und wollte nur die Blutung stoppen," sagte Caruana.

So had a down-to-earth approach today. "Ich versuchte mir vorzustellen, dass heute der erste Turniertag wäre und wollte verhindern dass ich vom Regen in die Traufe kommen würde. Die letzten Tage waren stressig und anstrengend für mich, denn die Niederlagen sind natürlich nicht spurlos an mir vorbeigegangen."

Caruana wollte auch kein zu großes Risiko eingehen. "Ich dachte gestern etwas über meine Strategie nach. Ich liege etwas hinter den Führenden zurück aber ich habe immer noch Chancen um die Lücke zu schließen. Ich beschloß, dass heute aber nicht der richtige Tag wäre, um alles auf eine Karte zu setzen."

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Caruana wollte heute noch nicht alles auf eine Karte setzen. | Foto: Maria Emelianova.

Die Qualifikation für das Kandidatenturnier, für welches Wesley So und Vladimir Kramnik die Hauptkonkurrenten Caruana´s sind, spielte dabei auch ein Rolle.

"Ich will meine ELO behalten um mich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren. Das ist eines meiner Hauptziele. Momentan habe ich einen komfortablen Vorsprung vor den beiden. Deshalb dachte ich, dass Wesley heute etwas Boden gutmachen will, aber es hatte nicht den Anschein als ob er unbedingt gewinnen wollte," sagte Caruana.

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So wollte heute "seine Blutung stoppen". | Foto: Maria Emelianova.

Eine der faszinierendsten Partie der siebten Runde war dass Remis zwischen Maxime Vachier-Lagrave und Sergey Karjakin. Die Spieler gingen direkt in ein "Berliner Endspiel" über, und alle Experten erwarteten ein schnelles Remis. Das Ergebnis haben die Experten zwar dann richtig vorhergesagt, aber keiner hatte vorausgesehen, durch welche Abenteuer sich die beiden Kontrahenten noch spielen würden.

Einer dieser Experten war sogar Caruana. Er sah sich die Partie MVL-Karjakin zusammen mit Maurice Ashley an und war von einigen Zügen — die Aussahen, als wären es wunderschöne Studien von Computern  —  wie benebelt und sagte, das müsse alles Vorbereitung sein.

Caruana: "Wenn sie sich beide an ihre Vorbereitung erinner könnten, wäre die Partie schon mit einem Remis beendet. Das Problem ist, dass diese Variante so lange und kompliziert ist, dass man sich einfach nicht an alles erinnern kann. Und dann hast Du eine tolle Partie. Ich habe keine Ahnung wie die Partie enden wird, und ich glaube, das ist die Definition von Spannung."

"Objektiv gesehen ist die Stellung Remis. Ich glaube, ich habe dieses Endspiel schon analysiert und jeder andere Spieler in diesem Turnier wohl auch, und wir haben alle festgestellt, dass es zu einem Remis führt. Aber es ist echt kompliziert und wirklich schwer und am Brett kann deshalb alles passieren."

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Der Handschlag, bevor die beiden Spieler bewiesen, dass der Ausdruck "ein spannendes Berliner Endspiel" kein Widerspruch in sich sein muss. | Foto: Maria Emelianova.

Nach der Partie bestätigte Karjakin alle Mutmaßungen: "Ich habe mich zu Hause sehr gut Vorbereitet, also theoretisch. Aber bei der heutigen Partie konnte ich mich natürlich nicht mehr an alles erinnern und obwohl ich mir genau diese Variante eine Stunde vor der Partie nochmal angesehen hatte, hat es mir nicht wirklich geholfen."

Wie auch immer, sein Ruf als "Verteidigungsminister" half Karjakin. Obwohl er nach dem 28. Zug (f4 a4) mit seiner Theorie am Ende war, fand er alle kritischen Züge am Brett.

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Karjakin zeigt seine Fähigkeiten, nachdem ihm sein Erinnerungsvermögen nicht mehr weiterhalf. | Foto: Maria Emelianova.

Vachier-Lagrave, der sich diese Variante nicht wie Sergey eine Stunde vor der Partie, sondern 20 Minuten vor der Partie nochmal angesehen hatte, sagte: "Ich habe nicht erwartet, dass sich Sergey auf diese Variante besonders vorbereitet, denn sie wurde doch schon seit mehreren Jahren nicht mehr gespielt. Sie ist ein wenig verzwickt. Ab einem gewissen Zeitpunkt musste er die besten Züge selbst finden. Und diese Züge nahmen fast seine gesamte Bedenkzeit in Anspruch. (...) Ich habe schon gedacht, dass Sergey Vorbereitet ist, aber auch, dass er sich nicht so exakt an alles erinnern würde. Es war auf jeden Fall einen Versuch wert."

Chess.com's Interview mit Karjakin nach der Partie.

Der erste Sieger des Tages war Vishy Anand, der damit seine zweite Partie mit Weiß in Folge gewinnen konnte. Im Endspiel gab es einige interessante Züge, und Anand spielte auch gut, aber der Hauptgrund des Sieges war sicherlich, dass Ian Nepomniachtchi kurz vor dem 40. Zug überraschenderweise einen totalen Blackout hatte. In einer Stellung, in der er eine Stunde Bedenkzeit auf der Uhr hatte, blitze er einen zweifelhaften und gleich darauf einen schlechten Zug. Danach war er verloren.

Ziemlich sauer, verlies Nepomniachtchi sofort nach der Partie den Veranstaltungsort. "An diesem Punkt ist er total zusammengebrochen," sagte Anand über die entscheidende Phase der Partie.

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"Er bekam heute einen Sieg geschenkt. Anders kann man das nicht beschreiben. Es war traurig anzusehen," sagte MVL über Anands Sieg. | Foto: Maria Emelianova.

Chess.com's Interview mit Anand nach der Partie.

Am Ende des Tages fand sich auch Levon Aronian in der Tabellenspitze wieder, denn er konnte Hikaru Nakamura in einer langen und komplizierten Partie besiegen. "In einem solchen Turnier Partien zu gewinnen ist wirklich schwer," sagte er. "Es war echt befriedigend eine gute Stellung zu bekommen und drücken zu können."

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Aronian gab Nakamura eine "falsche Hoffnung", indem er auf f3 mit dem Turm nahm, anstatt Lg2+ zu ziehen. | Foto: Maria Emelianova.

Laut Nakamura war er an seiner Niederlage selbst schuld, denn er kam durch einen Fehler, den er selbst machte, aus dem Tritt. Er übersah einen Zug und sah dann die Idee mit h4 und Kh2 zu spät. Weiß hätte dies, ohne den Springer auf d5 zu ziehen, spielen sollen.

Als er diesen Fehler während der Partie bemerkte, bekam Nakamura "schlechte Laune", wie er sagte, und diese blieb für den Rest der Partie bestehen.

Robert Hess's Game of the Day analysis

Als Aronian von Yasser Seirawan gefragt wurde, wie es sich anfühlt, die neue Nummer 2 der Welt zu sein, antwortete der Armenier: "Ich glaube, dass es sich besser anfühlt, wenn man die Nummer 1 ist!" und fügte dann hinzu: "Aber es fühlt sich gut an, einige ELO Punkte zurückzugewinnen."

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Aronian mit dem in Armenien geborenen U.S. Großmeister Varuzhan Akobian vor dem Club. | Foto: Maria Emelianova.

Chess.com's Interview mit Aronian ist zwar auf Russisch — aber wenn ihr auf "CC" klickt, bekommt ihr (englische) Untertitel eingeblendet.

Und so kommen wir nun endlich zur Partie Peter Svidler gegen Magnus Carlsen. Diese Partie stand ganz im Zeichen von Kasparov, der heute den Schachclub von St. Louis besuchte, denn Svidler spielte die Schottische Eröffnung — also die Eröffnung, die zum ersten mal im WM Kampf zwischen Kasparov und Karpov 1990 gespielt wurde.

Svidler hatte die Schottische Eröffnung schon 19 mal in seiner Karriere gespielt und damit 9 mal gewonnen und nur einmal verloren. Die letzten 4 schottischen Partien hat er allesamt gewonnen (2000, 2001, 2011 und 2012). Von Carlsen finden sich nur 6 schottische Partien in der Datenbank, aber eine davon ist sein Sieg in der fünften Runde gegen Wesley So.

Die Eröffnung war aber leider auch das aufregendste in dieser Partie. Carlsen gewann einen Bauern, der aber wenig wert war, denn Svidler fand einen Weg, um in ein Turmendspiel mit 2 gegen 3 Bauern überzuleiten, das er locker Remis halten konnte.

"Das ist ein extrem starkes Teilnehmerfeld und ich gehe hier auch nicht unter, aber wenn Du dich darüber freust, dass Du bei einem Turnier auf Minus 1 stehst, egal wie stark das Turnier besetzt ist, dann läuft irgendwas falsch," sagte Svidler.

Carlsen: "In diesem Turnier hab ich so viele Chancen liegenlassen wie ich normal in einem ganzen Jahr vergebe, was aber irgendwo auch etwas Positives ist, denn das bedeutet, dass ich mir in fast jeder Partie diese Chancen herausgespielt habe. Heute war das aber nicht so. Da war eigentlich nichts, was einer von uns machen hätte können."

"Ich muss einfach weiterkämpfen. Es sind ja noch 2 Runden zu spielen... Ich bin natürlich auf keinen Fall mehr der Favorit auf den Turniersieg, aber ich kann immer noch ein gutes Turnier spielen."

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Es ist schon eine Weile her, dass Carlsen ein Turnier mit klassischer Bedenkzeit gewonnen hat, und es wird vielleicht auch noch eine Weile dauern. | Foto: Maria Emelianova.

Sinquefield Cup 2017 | Tabelle nach der 7. Runde

# Land Name ELO Lstg. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 Punkte SB
1 Vachier-Lagrave,M 2791 2895 ½ 1 ½ ½ ½ ½ 1 4.5/7 15.00
2 Anand,V 2783 2886 ½ ½ 1 ½ ½ ½ 1 4.5/7 14.75
3 Aronian,L 2799 2888 ½ ½ 0 ½ 1 1 1 4.5/7 13.75
4 Carlsen,M 2822 2836 0 ½ ½ 1 ½ ½ 1 4.0/7
5 Caruana,F 2807 2790 ½ 0 1 ½ ½ ½ ½ 3.5/7 13.00
6 Karjakin,S 2773 2786 ½ ½ ½ 0 ½ 1 ½ 3.5/7 12.75
7 Svidler,P 2749 2739 ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ 3.0/7
8 Nakamura,H 2792 2685 ½ ½ 0 ½ ½ 0 ½ 2.5/7 9.25
9 Nepomniachtchi,I 2751 2686 0 0 ½ ½ ½ 1 0 2.5/7 7.50
10 So,W 2810 2686 0 0 0 ½ ½ ½ 1 2.5/7 7.00
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