Vladislav Artemiev gewinnt die Europameisterschaft

Vladislav Artemiev gewinnt die Europameisterschaft

PeterDoggers
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0 | Berichterstattung von einem Schach-Event

Nachdem er schon das Turnier in Gibraltar gewinnen konnte, hat Vladislav Artemiev auch die europäische Einzelmeisterschaft in Skopje, Mazedonien, gewonnen. Der russische Großmeister hatte im Laufe des Turniers die stärkeren Gegner als der punktgleiche Nils Grandelius und gewinnt deshalb sein zweites großes Turnier 2019.

Artemiev spielte das ganze Turnier über sehr solide - gewann alle 6 Partien mit Weiß und remisierte alle 5 Partien mit den schwarzen Figuren. Nur in der ersten Runde feierte er noch einen zusätzlichen Sieg mit Schwarz. Besonders die siegreichen Partien mit Weiß waren aber alle hochinteressant.

In der sechsten Runde kam es zu einem Duell gegen seinen, ebenfalls noch sehr jungen Landsmann David Paravyan. Es war eine wunderbare Schlacht. Freilich nicht ganz ohne Fehler aber beide Spieler zeigten einen tollen Kampfgeist.

Zwei Tage später hatte Artemiev die Chance auf eine Kombination, die es sicher in alle Schachbücher und Magazine geschafft hätte. Sein Gegner war der erfahrene tschechische Großmeister Zbynek Hracek.

Könnt Ihr die ganzen Varianten berechnen?

In der vorletzten Runde traf Artemiev wieder auf eines der zahlreichen Talente aus der russischen Schachschule. Den erst 17-jährigen Andrey Esipenko. Da er diese Grünfeld-Variante einfach besser kannte, fiel es ihm aber nicht allzu schwer, die Partie zu gewinnen:

Artemiev Esipenko European Championship. | Photo: Patricia Claros/EICC2019.
Artemiev gegen Esipenko. | Foto: Patricia Claros/EICC2019.

Zwei Tage zuvor hatte Esipenko den 33 Jahre älteren Boris Gelfand besiegt. Gelfand entschied sich, wie schon 2012 bei seinem WM Kampf gegen Vishy Anand für die Sweschnikov Variante und es war interessant zu sehen, wie er mit Fabiano Caruanas Fortsetzung 7.Sd5 umgehen würde. Die Antwort ist: Schwarz hat wohl nie ausgleichen können:

Nils Grandelius spielte ebenfalls ein großartiges Turnier und erzielte ja genauso viele Punkte wie Artemiev. Allerdings musste sich der Schwede gegen Sergei Azarov in einer scharfen Najdorf Partie geschlagen geben:

Gleich am nächsten Tag konnte Grandelius aber gegen das deutsche Supertalent Vincent Keymer, der im April sein Debut bei den Grenke Chess Classics geben wird, eine Najdorf Partie gewinnen:

Vincent Keymer chess
Vincent Keymer. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

In der letzten Runde zog Grandelius dann durch diesen Sieg mit Artemiev gleich:

Bei 361 Teilnehmern aus 42 Ländern, darunter 143 Großmeister, gab es natürlich noch viele weitere spannende und interessante Partien. Hier ist eine kleine Auswahl.

Miguel Santos hätte sich gegen den Theoretiker Romain Edouard durchaus besser vorbereiten können, wenn er eine so scharfe Französisch-Variante spielt. Wie der Franzose aber dann die Partie gewann, ist wirklich sehenswert:

In der selben Runde kam es bei der Partie zwischen dem 17-jährigen polnischen IM Szymon Gumularz und dem 27-jährigen armenischen Großmeister Robert Hovhannisyan zu einem sehr interessanten Endspiel: 2 Läufer gegen einen Springer. Die Computer zeigen ein "Matt in 36" an, aber in der Partie ging es etwas schneller. 

Irgendwo in einer Ecke des Turniersaals spielte sich in der 8. Runde ein wahres Drama ab. Der weißrussische Großmeister GM Sergei Zhigalko wartete eigentlich schon auf die Aufgabe seines Gegners, dem ukrainischen IM Petro Golubka, und lies ihn dann doch noch entkommen

Manche behaupten, dass Zhigalko mit seinem Kopf schon im Hotelzimmer und bei einem Date am gleichen Abend war.

Aber nicht nur die Russen, sondern auch die Russinnen machten auf sich aufmerksam: Allen voran Aleksandra Goryachkina. Die 20-jährige Nachwuchsspielerin aus Orsk war die einzige Dame, die sich unter den Top 100 platzieren konnte.

Ihr Meisterstück lieferte sie in der 8. Runde ab, als sie Rauf Mamedov besiegen konnte:

Am Donnerstag bekamen wir dann noch bei der Partie zwischen Nils Grandelius und David Anton einen wunderschönen Tanz der Springer zu sehen. Warum es der Schwede allerdings vorzog seinen Springer zu retten, anstatt den Bauern seines Gegners zu schlagen und ihn zu fragen, wie er mit 2 Springern matt setzen will, ist ganz alleine sein Geheimnis.

Anton Grandelius European Championship 2019
Grandelius gegen Anton. | Foto: Patricia Claros/EICC2019.

Hier findet Ihr noch die Abschlußtabelle. Die fettgedruckten Spieler sind laut unserer Berechnung für den Welt Cup qualifiziert.

 Europameisterschaft 2019 | Abschlußtabelle (Top 30)

Platz Gesetzt Land Titel Name ELO Punkte TB1 TB2 TB3 ELO+/-
1 1 GM Artemiev Vladislav 2736 8,5 2600 70,0 76,0 8,5
2 9 GM Grandelius Nils* 2694 8,5 2595 71,5 77,5 13,5
3 37 GM Piorun Kacper 2631 8,0 2626 72,5 77,0 21,5
4 13 GM Rodshtein Maxim 2673 8,0 2622 69,5 74,5 15,0
5 16 GM Berkes Ferenc 2666 8,0 2595 67,5 72,5 12,2
6 28 GM Anton Guijarro David* 2643 8,0 2577 67,0 72,5 13,1
7 14 GM Nisipeanu Liviu-Dieter 2670 8,0 2569 67,0 71,0 8,5
8 41 GM Movsesian Sergei 2627 8,0 2539 62,5 68,0 10,3
9 76 GM Huschenbeth Niclas 2594 8,0 2531 62,0 67,0 13,6
10 58 GM Oparin Grigoriy 2613 8,0 2528 62,5 67,0 10,6
11 18 GM Safarli Eltaj* 2662 8,0 2515 62,5 67,5 2,8
12 110 GM Christiansen Johan-Sebastian 2539 7,5 2619 68,5 71,5 27,2
13 91 GM Aleksandrov Aleksej 2574 7,5 2604 70,0 74,5 20,5
14 11 GM Cheparinov Ivan* 2683 7,5 2603 69,0 74,0 5,8
15 186 IM Pultinevicius Paulius 2439 7,5 2600 62,0 66,5 38,1
16 69 GM Esipenko Andrey 2603 7,5 2591 70,0 74,5 15,4
17 79 GM Petrov Nikita 2591 7,5 2586 65,0 69,0 16,1
18 23 GM Gelfand Boris 2655 7,5 2585 66,5 71,5 7,3
19 38 GM Gledura Benjamin 2630 7,5 2583 68,5 74,0 10,6
20 63 GM Predke Alexandr 2611 7,5 2581 68,0 73,0 13,0
21 39 GM Rakhmanov Aleksandr 2629 7,5 2580 67,0 72,5 10,3
22 73 GM Bartel Mateusz 2600 7,5 2576 67,0 71,5 14,0
23 3 GM Dubov Daniil 2703 7,5 2569 67,0 71,5 -1,9
24 32 GM Lysyj Igor 2635 7,5 2564 68,0 73,5 7,4
25 15 GM Ponomariov Ruslan 2667 7,5 2562 65,5 70,5 2,8
26 61 GM Lupulescu Constantin 2611 7,5 2558 66,5 71,5 9,8
27 30 GM Alekseev Evgeny 2640 7,5 2556 65,5 70,0 5,5
28 29 GM Zvjaginsev Vadim 2642 7,5 2554 68,0 73,5 5,1
29 8 GM Ragger Markus 2696 7,5 2552 65,5 71,0 -2,4
30 27 GM Kuzubov Yuriy 2644 7,5 2538 63,5 68,5 2,7

(Die gesamte Tabelle findet Ihr hier.)
*Bereits seit letztem Jahr für den Welt Cup qualifiziert

Die Europameisterschaft wurde dieses Jahr zum 20. Mal ausgetragen. Sie ging über 11 Runden und fand vom 18. bis zum 29. März in Skopje, Mazedonien, statt. Sie wurde von der europäischen Schachunion zusammen mit dem Mazedonischen Schachverband organisiert.

Partien via TWIC.


Bericht nach der 5. Runde (englisch):

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