Carlsen gegen Giri: Die Trash Talk Edition
What are Carlsen's and Giri's Twitter Elos? 🤔

Carlsen gegen Giri: Die Trash Talk Edition‎

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In einem meiner letzten Artikel nannte ich Magnus Carlsen einen "geborenen Entertainer" und fragte: "Wer könnte die Sticheleien vergessen, die er mit GM Anish Giri auf Twitter austauscht?" Unser Weltmeister hat uns seitdem nicht enttäuscht. Noch am Tag nach der Veröffentlichung meines Artikels konnten wir das folgende Gespräch auf Twitter miterleben:

Tarjei J. Svensen:
Carlsen sagt, die Wahl der Eröffnung sei eine gute psychologische Entscheidung von Dubov gewesen und gibt zu, dass er sich in solchen Stellungen nicht wohl fühlt: "Dubov weiß wahrscheinlich, in welchen Stellungen er mich ausspielen kann."
Anish Giri:
Kann er genau erläutern, welche Stellungen?

Magnus Carlsen:
Es bedeutet, dass ich mich unwohl fühle, wenn mein Gegner im Julio Granda Stil spielt
Anish Giri:
Autsch - mich an Julio zu erinnern ist unter der Gürtellinie!
Wie auch immer, keine Springereinsteller mehr im Knockout, Pepega! Ich halte zu Dir!

Ich hoffe, dass sich eines Tages jemand die Arbeit macht, den gesamten Twitter-Austausch zwischen diesen beiden großartigen Spielern zusammenzutragen. Neben dem offensichtlichen Unterhaltungswert könnte eine solche Sammlung den Menschen etwas über Schach lehren. Mal sehen, worüber Carlsen und Giri in diesem speziellen Tweet sprechen. Hier ist die Partie, die diese Stichelei auslöste:

Für die meisten Leute wird diese Partie wegen des grotesken Einstellers im Endspiel in Erinnerung bleiben. Und ganau darauf bezieht sich Giri, wenn er sagt: "Keine Springereinsteller mehr im Knockout." Aber um die wahre Bedeutung von "diesr Art von Stellungen" oder "Julio Granda-Stil" zu verstehen, müsst ihr ein wenig Schachgeschichte kennen.

Reisen wir 74 Jahre in der Zeit zurück. Die Welt erholte sich gerade vom 2. Weltkrieg und der Städtekampf Moskau gegen Prag war eines der ersten internationalen Schachereignisse. Wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt, war dieses Duell nicht besonders spannend. Die Moskauer Mannschaft hätte wohl auch die Schacholympiade gewonnen und hätte David Bronstein bei diesem Duell nicht die königsindische Verteidigung mehr oder weniger erfunden, würden sich nur Schachhistoriker an dieses Turnier erinnern. Diese dynamische Eröffnung hatte in den ersten Jahren noch viele verschiedene Namen: "Eine unregelmäßige Eröffnung", "die indische Verteidigung", "die ukrainische Variante" usw. GM Bronstein verwandelte in diesen beiden Partien eine Eröffnung, die bis dahin als zweifelhaft angesehen wurde, in eine gefährliche Waffe. Sehen wir uns die wichtigen Punkte dieser neuen Eröffnungsstrategie an.

Hier ist die zweite Partie Bronstein aus diesem Vergleichskampf:

Wenn man die Partie Carlsen gegen Dubov mit Bronsteins Meisterwerken vergleicht, sieht man viele Ähnlichkeiten: Der gleiche "hoffnungslose d6-Bauer" erwies sich als nicht so hoffnungslos, wie Aljechin dachte und der Vorstoß des h-Bauern, der die Stellung des Weißen Königs verwundbar macht. Nicht zu vergessen, der mächtige Läufer auf g7 usw. Jetzt kennt Ihr schon mal die Art von Stellungen, um die es bei den Twitter-Sticheleien zwischen Carlsen und Giri geht.

Jetzt müssen wir noch herausfinden, um was es sich bei dem "Julio Granda-Stil" dreht. Ich habe nur einmal gegen den talentierten peruanischen Großmeister gespielt, aber ich habe sein einzigartiges Talent immer respektiert. Obwohl er nie ein echter professioneller Schachspieler war (er zog sich sogar für ein paar Jahre aus dem Schach zurück, um sich um seine Farm zu kümmern), konnte er an einem guten Tag fast jeden Spieler schlagen. Er hatte immer seine ganz eigene Vision vom Schach und produzierte viele herausragende Partien. Was meinte Carlsen mit "Julio Granda-Stil"? Glücklicherweise hilft uns die Leistungsfähigkeit moderner Datenbanken, dieses Rätsel zu lösen, indem wir und die folgende Partie ansehen:

Wie ihr sehen könnt, hat GM Granda Anish Giri in genau der Stellung besiegt, die Carlsen gegen Dubov verloren hat. Für uns ist das eine weitere Gelegenheit, Carlsens Schachwissen zu bewundern. Erinnert Ihr Euch an Magnus Carlsens größtes Geheimnis? Erinnert er sich wirklich an alle Partien, die Großmeister gespielt haben, oder achtet er nur besonders auf die Partien seines Lieblingsfeindes Giri? Es ist auch ein gutes Beispiel für Schachkarma, dass GM Giris Witz als Bumerang zu ihm zurückkehrte.

Die nächste Runde im Twitter-Match zwischen Carlsen und Giri kann ich kaum erwarten!
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