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Das Endspiel, welches jeder Anfänger kennen sollte

Das Endspiel, welches jeder Anfänger kennen sollte

Schach ist das Spiel der dramatischen Möglichkeiten.

Bereits nach wenigen Zügen liegt die Anzahl potenzieller Positionen in Millionenhöhe und kurz darauf gibt es mehr Permutationen, als ein Mensch in seinem Leben zählen könnte. Dies ist wohlbekannt. Manchmal hört man, dass es mehr Schachzüge gibt als Moleküle im Universum. Trotzdem überrascht es mich immer wieder. Selbst wenn die Spieler der Theorie 20 Züge lang folgen, steht praktisch fest, dass einer der beiden irgendwann einen neuen Zug macht.

Ich spreche aber nicht von Neuerungen und schon überhaupt nicht von einer neuen strategischen Philosophie. Ich meine die ewige Spirale von Zug und Gegenzug, für die dieses Spiel seit hunderten Jahren bekannt ist - und sich deshalb immer wieder verändert.

Und besonders, weil das Potenzial einer jeden Partie so unvorstellbar groß ist, überrascht es mich immer wieder, wie schnell, vorhersehbar und natürlich Partien beendet werden. Figuren werden getauscht, das Brett leert sich, die Stellung wird vereinfacht und innerhalb von wenigen Zügen hat man eine Stellung erreicht, die der menschliche Verstand vollständig verstehen kann. Aus etwas Originellem entsteht etwas, das jeder normale Schachspieler vorher gesehen hat. Zum Beispiel ein weißer König, ein weißer Bauer und ein weißer Turm; gegen einen schwarzen König und einen schwarzen Turm.

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Diese Stellung ist nicht nur bekannt, sondern es ist für einen guten Schachspieler auch einfach, einen Blick darauf zu werfen und zu sehen, ob die Partie gewonnen, remis oder verloren ist. Er kann die Muster der Stellung intuitiv, ohne mühsame Berechnungen erkennen. Er kann sofort erkennen, ob er mit angemessenem Spiel eine Stellung erreicht, in der Schwarz hilflos sein und er seinen Bauern auf die Grundreihe ziehen können wird. Das Setup ist ein solcher Standard, dass es sogar einen Namen hat: Die Lucena-Stellung.

Wer diese Stellung erreicht hat die Partie so gut wie gewonnen. Hier besiegt die Geschichte die Zufälligkeit.

Die prinzipielle Idee ist es, den Bauern auf die siebte Reihe zu ziehen, wobei das Einzugsfeld vom eigenen König blockiert wird. Der weiße Turm hält den schwarzen König derweil vom Geschehen fern während der schwarze Turm verhindert, dass sich der weiße König hinter dem Bauern hervorwagen kann. Wenn der Bauer jetzt kein Randbauer ist, kann der weiße Turm im richtigen Moment dem König ein sicheres Feld freiblocken. Diese Methode wird auch "eine Brücke bauen" genannt.

Sobald die Türme getauscht wurden, kann der weiße Bauer ohne Gegenwehr auf die Grundreihe ziehen.



Auf dem Brett werden wohl nur wenige Spieler diesen Gewinnweg herausfinden. Stattdessen haben sie ihn einfach gelernt - ähnlich die man die Opposition oder die Eröffnungstheorie der Katalanischen Eröffnung gelernt hat. Die Vergangenheit lehrt die Gegenwart. Die Techniken können erlernt werden. Die Geister der vergangenen Schachgrößen sind Genies. Ihre Lehren leben weiter. Das ist zumindest die Idee.

Nur für mich ist Lucena kein freundlicher Geist. Für mich ist Lucena mehr ein persönlicher Alptraum.

Einmal saß ich in meiner Küche mit einem Bauern und einem Turm gegen einen Turm und versuchte über eine Stunde lang, gegen mich selbst zu gewinnen. Der Geist Lucenas hat mich die ganze Zeit gnadenlos ausgelacht. Bei einer Partie habe ich es nicht nur nicht geschafft, den Bauern umzuwandeln, sondern sogar noch meinen Turm eingestellt und die Partie verloren. Ich hatte nämlich Lucena mit seinem Cousin, der Philidor Stellung, verwechselt. Als ich meinem Gegner zum Sieg gratulieren musste, wollte ich nur noch weglaufen und mich irgendwo verstecken.

Weglaufen ist aber keine Lösung!

Wer war dieser Lucena eigentlich? Nach einer weiteren schmerzlichen Erfahrung mit der Lucena Stellung habe ich mir diese Frage gestellt. Sein Name war Luis Ramirez de Lucena. Sein Buch,  Repetición de Amores y Arte de Ajedrez con 101 Juegos de Partido (“Das Rezept der Liebe und die Kunst des Schachs mit 101 Partien"), wurde etwa 1949 in Salamanca, Spanien, veröffentlicht.

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Foto: University of North Carolina.

Is ist eines der ältesten, noch existierenden Schachbücher -- und gleichzeitig eines der unbekanntesten. Es existieren nur noch wenige Exemplare. Es wurde geschrieben, als die Schachregeln gerade festgelegt wurden und wie mir gesagt wurde, ist es voller Fehler. Viele Abschnitte dieses Buches wurden auch von einem älteren Buch, das aber inzwischen verloren gegangen ist, plagiiert. Welche Verbindungen Lucena zwischen der Liebe und dem Schachspiel gefunden hat, denn das Buch wurde nie ins englische Übersetzt. Anstatt jetzt Klarheit über Lucena zu haben, hatten meine Nachforschungen diesen Lucena noch mysteriöser gemacht.

Dazu kommt noch, dass in Lucenas Buch die Lucena Stellung überhaupt nicht erwähnt wird! Diese wurde nämlich erstmals erst im Jahr 1634, in Alessandro Salvio’s Buch "Il Puttino", veröffentlicht.

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Bild: Wikipedia

Vielleicht ist das angemessen. Immerhin ist jede Partie ein falsches Echo einer vorherigen Partie. Da ist etwas Faszinierendes für mich. Der Versuch, etwas Altes zu nehmen und etwas Neues daraus zu erschaffen. Ich kann einem Pfad folgen und gleichzeitig meinen eigenen Weg beschreiten.

Aber nicht, bis ich die Lucena Stellung erlernt habe.


Ihr könnt die Lucena Stellung gegen den Chess.com Computer in dieser Übung trainieren.





nullLouisa Thomas ist eine amerikanische Schriftstellerin und Authorin von 2 Büchern (eines davon ist: The Extraordinary Life of Mrs. Adams (Das außergewöhnliche Leben der Frau Adams)). Sie schreibt auch regelmäßig Beiträge auf NewYorker.com, und arbeitete früher als Schriftstellerin und Editorin bei  Grantland.com. Außerdem ist sie "besessen" von Tennis und Schach. Ihr könnt ihr auf Twitter folgen.

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