Das wichtigste Feld auf dem Schachbrett

Das wichtigste Feld auf dem Schachbrett‎

Gserper
GM Gserper
|
66 | Taktiken

Wenn man ein Dutzend Schachspieler nach ihrem Lieblingsfeld fragt, erhält man höchstwahrscheinlich ein Dutzend verschiedener Antworten. Ich vermute aber, dass die vier Zentrumsfelder d4, d5, e4 und e5 auf jeden Fall auf der Liste stehen werden. Obwohl es schwierig ist, die Bedeutung der Zentrumsfelder zu bestreiten, werden die Partien aber auf ganz anderen Feldern gewonnen.

Seit meiner Kindheit erinnere ich mich an diese Stellung:

In seinem Buch über ausgewählte Partien zeigt Großmeister Bent Larsen ein Diagramm der letzten Stellung und fragt, was der Springer auf d4 eigentlich die letzten 19 Züge dort gemacht hat?

Bent Larsen
Bent Larsen ist nicht nur für sein hervorragendes Schach, sondern auch für seinen Humor und seine großartigen Analysen bekannt. Foto: Dutch National Archive.

Es gibt aber es ein wirklich kritisches Feld, das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit über das Schicksal einer Partie entscheidet. Es ist das Feld f6 (bzw. f3 für Schwarz)! Es ist fast unmöglich, alle Mattbilder aufzuzählen, die auftreten, wenn eine feindliche Figur oder ein Bauer auf diesem Feld landet. Einige der wichtigsten haben wir uns bereits in diesem Artikel angesehen. Manchmal entscheidet sogar nur die Drohung, dass eine Figur auf diesem Feld landen könnte, die Partie:

Sobald der Springer auf f6 landet, ist das Schachmatt nicht mehr zu verhindern. Schwarz gab die Partie auf!

Aber auch wenn es nicht zu einem sofortigen Schachmatt führt, ist die Vereinnahmung des Feldes f6 normalerweise schon eine enorme strategische Leistung. Der Grund dafür ist sehr einfach: In vielen Fällen kann sich Schwarz gegen einen bevorstehenden Angriff nur mit dem Zug f7-f5 verteidigen. Dieser wichtige Verteidigungszug hat zwei Ziele: die gefährliche Diagonale b1-h7 zu blockieren und die Kommunikation zwischen den Flügeln auf der siebten Reihe sicherzustellen. Indem man auf f6 eine Figur oder einen Bauern platziert, verhindert man beide Verteidigungsideen. Hier sind zwei klassische Zwillingspartien, die dieses Konzept veranschaulichen:

Ein völliger Mangel an Kommunikation zwischen den beiden Flügeln machte die Stellung von Schwarz auch in dieser bekannten Partie völlig hoffnungslos:

David Bronstein
David Bronstein war ein energischer und kreativer Spieler. Foto: Dutch National Archive.

Die nächste Partie ist weniger bekannt, aber mir gefällt sie noch besser als Bronsteins Partie, weil das erste Opfer von Weiß 14.Sh6!! wie ein Blitz aus heiterem Himmel einschlug. Das Ziel des Opfers ist es, den weißen Turm auf f6 zu platzieren und abermals die komplette schwarze Armee ins Abseits zu stellen:

Momentan kann man ja kein schachliches Thema diskutieren, ohne dabei die Netflix Serie "Das Damengambit" zu erwähnen. Also machen wir das auch: Für die letzte Partie in der Serie diente diese Partie von GM Vasyl Ivanchuk als Vorlage und wieder fällt die Entscheidung auf dem Feld f6:

Wie Ihr jetzt gesehen habt, ist das Geheimnis eines erfolgreichen Angriffs ganz einfach: Stellt einfach einen Bauern oder eine Figur auf das Feld f6 und vernichtet Eure Gegner!

Mehr von GM Gserper
Magnus Carlsen kennt dieses Endspiel. Du auch?

Magnus Carlsen kennt dieses Endspiel. Du auch?

Die Eröffnung für Schachtrolle

Die Eröffnung für Schachtrolle