Die 5 grandiosesten Unterumwandlungen im Schach

Die 5 grandiosesten Unterumwandlungen im Schach

GM Gserper
30.07.2017, 00:00 |
42 | Andere

Letzte Woche haben wir uns Partien angesehen, bei denen die Umwandlung in einen Turm, Läufer oder Springer geholfen hat, ein Ziel zu erreichen (entweder einen Sieg oder ein Remis). Heute sehen wir uns Partien an, bei denen eine Unterumwandlung keinen Sinn ergab und auch nicht der beste Zug war.

Warum haben aber so starke Schachspieler eine Unterumwandlung gemacht?

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1. Ein etwas schräger Humor

Meistens passieren sinnlose Unterumwandlungen in Stellungen, in denen die Partie eh schon entschieden ist, und es keinen Unterschied mehr macht, in welche Figur ein Spieler seinen Bauern umwandelt.

In dieser Partie gab der Schachcomputer gegen Nakamura einfach nicht auf, und der Amerikaner packte die Gelegenheit beim Schopf, und rächte sich im Namen der gesamten Menschheit an den Computern. Glaubt Ihr auch, dass sich der Computer bloßgestellt gefühlt hat? Ich bin mir da nicht so sicher...

Ein Jahr später erteilte Hikaru einem weiteren Biest aus dem Silicon Valley eine ähnliche Situation:

In der folgenden Partie erreichte GM Milan Vidmar ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern und 3 Mehrbauern Er versuchte 85 Züge lang, diesen Vorteil in einen Sieg umzumünzen, was ihm aber nicht gelang. Als es absolut klar war, dass die Partie in einem Remis enden würde, erlaubte sich der berühmte Ingenieur und Philosoph einen Scherz, und wandelte seine Bauern in Läufer um:

2. Die letzte Hoffnung

Wenn sich ein Spieler in einer komplett verlorenen Stellung wiederfindet, versucht er oft noch Tricks um seinen Gegner zu verwirren. Einer dieser Tricks ist eine Unterumwandlung. Da der Bauer sowieso geschlagen wird, macht es keinen Unterschied, ob man ihn in einen Läufer oder eine Dame umwandelt, aber man hat die Hoffnung, dass ein Läufer vielleicht garnicht geschlagen wird. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nie eine Partie gesehen, in der dieser Trick funktioniert hätte und ich glaube, es könnte auch nur eine Möglichkeit sein, noch etwas Spass zu haben bevor man aufgibt. 

In dieser Partie sehen wir gleich 2 solcher Bauernumwandlungen in Läufer:

3. Black Out

Ich bin mir nicht sicher was in dieser Partie passiert war, aber ich hoffe, dass Hikaru seine Gedanken zu dieser Umwandlung noch irgendwann teilt.

Einfache Züge wie 77...f1=D or 77...Txh5 hätten zu einem sofortigen Remis geführt. Ich verstehe einfach nicht, warum Nakamura den Bauern in einen Springer umgewandelt hat.

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Es gab Berichte, dass Hikaru in Zeitnot war und einfach die nächstbeste Figur in die Hand nahm die er finden konnte, aber im nachstehenden Video sehen wir, dass der Springer am weitesten wegstand! Ich kann nur raten, dass Nakamura auf 78.Tg5+ mit dem Gegenschach 78...Sg3+ antworten, und ab da auf Gewinn spielen wollte!

[Anmerkung: Eigentlich wollte Nakamura einen kleinen Spass machen und den Bauern in einen Läufer umwandeln (was auch gewonnen hätte). Da er auf die schnelle keinen Läufer finden konnte, nahm er ohne groß nachzudeken einen Springer—wir haben über diese Partie berichtet.]

Der interessante Teil des Videos beginnt bei 1:45:

4. Illegale Umwandlungen

Das nachstehende Video sagt eigentlich schon alles. Genauergesagt ist es keine Unterumwandlung, sondern einfach nur ein illegaler Zug. Beachtet, wie Schwarz geschickt den Bauern von c2 in eine Dame auf d1 umwandelt, um dem Damentausch zu entgehen!

Was war die außergewöhnlichste Umwandlung, die Du je gesehen hast? 

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