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Wie man im Schach rechnet
Here's one way to improve your calculation skills.

Wie man im Schach rechnet

Gserper
| 52 | Taktiken

Ich wette, Ihr habt schon tausendmal das Klischee gehört: "Schach ist zu 99 Prozent Taktik".

Obwohl es viel zu oft verwendet wird und auch zu einem gewissen Grad übertrieben ist, ist es eigentlich richtig. Die enorme Stärke moderner Computer beruht auf ihrer unübertroffenen Rechenfähigkeit.

Wenn Ihr also im Schach besser werden wollt, dann müsst Ihr Eure Rechenfähigkeiten verbessern. Hier auf Chess.com findet Ihr eine Vielzahl nützlicher Hilfsmittel, die Euch dabei helfen. Ich würde Euch empfehlen, mit den Lektionen anzufangen. Dort findet Ihr von einfachen Mattbildern bis hin zu Taktiken für Fortgeschrittene genau die Aufgaben, die Eurem Niveau entsprechen.

Beim sehr beliebten Puzzle Rush könnt Ihr dann Euer neu erworbenes Wissen anwenden. Aber Vorsicht! Puzzle Rush kann süchtig machen!

puzzle rush

In echten Partien steht Ihr aber vor einem anderen Problem, denn die meisten Taktikaufgaben führen ja zu einem eindeutigen Ergebnis. Etwa wie: "Schach, Schach, Matt" oder "Schlagen, Schlagen, Figur gewinnen".

In Euren Partien sind die Ergebnisse aber oft weniger eindeutig. Was würdet ihr zum Beispiel machen, wenn Ihr eine vierzügige Kombination seht, die ein Figurenopfer beinhaltet, und lediglich zu einem starken Angriff führt? Würdet Ihr sie spielen? Wenn Ihr ein Genie wie Mikhail Tal seid, dessen Motto "zuerst opfern - dann rechnen" lautete, dann ist die Antwort leicht. Aber was ist, wenn Ihr - wie die meisten von uns - sterblich seid?

In diesem Fall kann ich Euch eine einfache Übung vorschlagen, die Euch helfen kann, das Ergebnis von Berechnungen, bei denen das Endergebnis nicht klar ist, zu verbessern.

Holt Euch ein Buch mit ausgewählten Partien eines großartigen Spielers und versucht zu erraten, welcher Zug oder welche Variante zum Zeitpunkt der abgebildeten Diagramme in der jeweiligen Partie gespielt wurde. Das Schöne an dieser Übung ist, dass Ihr jetzt nicht wisst, ob es in dieser Stellung eine Gewinnkombination gibt oder ob die Lösung ein ruhiger Zug ist, der nur eine weitere Figur in den Angriff bringt.

Dies ist dann genau das Problem, auf das wir in unseren Partien stoßen. Weil uns ja niemand sagt: "Schau, da ist eine Kombination" oder "vor dem Opfer musst Du aber noch eine Figur entwickeln." Wir sind völlig auf uns allein gestellt.

Ich zeige Euch ein Beispiel aus dem wunderbaren Buch, das ich in meinem letzten Artikel vorgestellt habe:


Seht Euch die Stellung im Diagramm an. Reuben Fine gibt uns sogar einen Hinweis:

Weiß hat einen starken Angriff, aber wie soll er fortsetzen?

Es ist einfach zu sehen, dass wir mit Dh8 Matt setzen könnten, wenn es uns gelingt, den Springer von h5 zu vertreiben. Wie können wir das erreichen?  Der offensichtliche Zug 26.Sg3? scheitert an 26... Txc3 und auf 26. Sf4 kann Schwarz einfach mit dem Springer den Läufer schlagen und die Mattdrohung ist Geschichte.

Habt Ihr eine Idee?

Wenn Euch diese Variante zu einfach aussieht, um wahr zu sein, dann habt Ihr das richtig erkannt! Schwarz hat nämlich noch den Verteidigungszug: 27...Kg7! Wie würdet Ihr den Angriff nach diesem Zug fortsetzen? Fine fand einen sehr aufwendigen Weg und beendete die Partie mit Stil:

Hier sieht der Angriff von Weiß wirklich überzeugend aus, aber leider funktioniert er nicht wirklich, da Schwarz eine geniale Verteidigung hatte. Könnt Ihr sie finden?

Wie Ihr sehen könnt, hat es Fine nicht geschafft, seinen Angriff erfolgreich zu beenden. Schafft Ihr es?

Wenn Ihr Euch auf diese Weise mit Großmeisterpartien beschäftigt, werdet Ihr ziemlich schnell signifikante Fortschritte bei Euren Rechenfähigkeiten feststellen!

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