Andreikin gelingt in Dortmund ein magisches Endspiel

Andreikin gelingt in Dortmund ein magisches Endspiel

In der vierten Runde von Dortmund sahen wir 4 hart umkämpfte Remis, wobei zwei Partien über 100 Züge lang waren. Nach einem siebeneinhalbstündigen Kampf rettete sich Dmitry Andreikin gegen Matthias Blübaum in ein Remis, obwohl er mit einem Turm und 2 Bauern gegen 2 Türme spielte.

Der Start der vierten Runde. | Photo: Georgios Souleidis.

In den letzten beiden Runden stieg die Remisquote in Dortmund auf 81.2%, aber den Spielern kann man keinesfalls mangelnden Kampfgeist vorwerfen. Nach 4 interessanten Remispartien heute, liegen Blübaum und Wojtaszek weiterhin gemeinsam in Führung.

Sparkassen Chess Meeting 2017 | Ergebnisse der 4. Runde

Land Name ELO Pt. Ergebnis Pt. Land Name ELO
Matthias Bluebaum 2642 2 ½ - ½ Dmitry Andreikin 2712
Radoslaw Wojtaszek 2736 2 ½ - ½ Vladimir Fedoseev 2726
Liviu-Dieter Nisipeanu 2683 ½ - ½ 1 Vladimir Kramnik 2812
Maxime Vachier-Lagrave 2791 ½ - ½ 1 Wang Yue 2699

Matthias Blübaum gegen Dmitry Andreikin war ohne Zweifel die Partie des Tages, wenn nicht sogar die Partie des Turniers, und das nicht nur, weil die Partie 7.5 Stunden dauerte. Die Spieler einigten sich schließlich im 121. Zug auf ein Remis, 2 Züge bevor die Partie durch Patt beendet worden wäre.

Andreikin kam besser aus der Eröffnung, aber in Zeitnot gab er die Initiative an seinen Gegner ab. Im 51. Zug hatten wir diese Stellung auf dem Brett und die Partie schien schon fast zugunsten des jungen deutschen entschieden:

Nur wenige hätten gedacht, dass die Partie aber jetzt erst richtig beginnen würde, denn wir hatten noch nicht einmal die "Halbzeit" erreicht.

Schwarz verlor dann den f-Bauern, gewann aber dafür die restlichen weißen Bauern, und so erreichten wir ein Endspiel mit 2 Türmen gegen Turm und 2 verbundene Freibauern. Dann folgte die nächste Wendung. Weiß konnte zwar den h-Bauern gewinnen aber der g-Bauer war derweil noch weiter vorgerückt:

Auch wenn die Stellung jetzt vereinfacht wurde, ist der Gewinn für Schwarz extrem schwer zu finden. Dejan Bojkov's Erklärung beinhaltet eine Variante, die mit 87.Tg5 beginnt und zu einem Gewinn im 110. Zug führt!

"Am Anfang dachte ich noch, das wäre ein einfacher Gewinn," sagte Blübaum, und seine Fans dachten das selbe...

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 Blübaum and Andreikin lieferten sich über 7.5 Stunden einen Kampf. | Foto: Georgios Souleidis

Da wir gerade von langen Partien sprechen: Radoslaw Wojtaszek und Vladimir Fedoseev überschritten auch die 100 Züge Marke, aber 40% der Partie bestand daraus, dass Wojtaszek verzweifelt versuchte, mit Turm und Springer gegen den einzelnen Turm Fedoseev´s zu gewinnen.

Es gibt ja einige Beispiele, in denen dies gelungen war (die bekannteste Partie ist sicherlich die von Polgar gegen Kasparov, 1996 in Dos Hermanas), aber meistens erreicht der Verteidiger in diesem Endspiel relativ problemlos ein Remis.

Profis sollten es aber zumindest versuchen und bei Wojtaszek spielte sicher auch eine Portion Frust mit, denn er hatte eine hervorragende Partie gespielt und war dem Sieg schon sehr nahe.

"Ich bin ein wenig angefressen, weil ich einen klaren Sieg weggeworfen habe" sagte der polnische Großmeister, "Vielleicht hatte ich nur einen einzigen Zug lang die Möglichkeit zu gewinnen, aber das sollte ja genug sein." Dieser Moment war gekommen, als Fedoseev den brillianten Zug 43...Te5! , der bequem ausgeglichen hätte, nicht gesehen hatte.

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Die Partie Wojtaszek-Fedoseev, ging auch über 100 Züge. | Foto: Georgios Souleidis

Liviu-Dieter Nisipeanu gegen Vladimir Kramnik war die kürzeste Partie der vierten Runde, aber trotzdem interessant. Die Spieler bekamen eine scharfe Variante des 4.Dc2 Nimzo-Indisch aufs Brett, die zwar auch nach 12 Zügen in einem Dauerschach enden kann, aber Kramnik, der die schwarzen Figuren hatte, lehnte dies ab.

Ob es aufgrund der Situation im Turnier oder aufgrund der Qualifikation über die ELO Leistung für das Kandidatenturnier war (oder beides) wissen wir nicht, aber auf jeden Fall spielte Kramnik mutig auf Gewinn.

Nisipeanu's 17.Tfb1 war eine Neuerung, aber es hatte den Anschein, als wäre er sich dessen garnicht bewusst, denn er fing schon viel früher an, über seine Züge nachzudenken. Weiß gewann dann eine Qualitäte aber dafür stand sein König unsicher. "Ich habe meine Stellung über- und sein Gegenspiel unterschätzt," sagte Nisipeanu nach der Partie.

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Ein kurzes, aber interessantes Remis. | Foto: Georgios Souleidis

Maxime Vachier-Lagrave wartet weiterhin auf seinen ersten Sieg. Wang Yue spielte erfolgreich die russische Verteidigung und überraschte seinen Gegner mit dem seltenen Zug 6...Lf5!?.

MVL spielte darauf logische Züge, aber er übersah den Wahnsinnszug 13...Sc3!!, mit dem Wang ein Endspiel erreichte, in dem er überhaupt keine Probleme auf dem Brett hatte. Auch wenn er einige Zeit mit seinen Eröffnungszügen verbrachte, gab der Chinese zu, dass dies eine komplett einstudierte Variante war.

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Wang Yue war exzellent vorbereitet. | Foto: Georgios Souleidis

Sparkassen Chess Meeting 2017 | Tabelle nach der 4. Runde

# Land Name ELO Lstg. 1 2 3 4 5 6 7 8 Punkte SB
1 Bluebaum,Matthias 2642 2816 ½ 1 ½ ½ 2.5/4 5.00
2 Wojtaszek,Radoslaw 2736 2845 ½ ½ ½ 1 2.5/4 4.25
3 Vachier-Lagrave,Maxime 2791 2690 ½ ½ ½ ½ 2.0/4 4.25
4 Fedoseev,Vladimir3 2726 2726 0 ½ ½ 1 2.0/4 3.75
5 Andreikin,Dmitry 2712 2719 ½ ½ ½ ½ 2.0/4 3.75
6 Nisipeanu,Liviu-Dieter 2683 2736 ½ ½ ½ ½ 2.0/4 3.75
7 Kramnik,Vladimir 2812 2626 ½ 0 ½ ½ 1.5/4 3.25
8 Wang,Yue 2699 2642 0 ½ ½ ½ 1.5/4 3.00


Das 45. Sparkassen Chess Meeting findet vom 15. bis zum 23. Juli in Dortmunder Orchesterzentrum statt. Die Bedenkzeit beträgt 100 Minuten für 40 Züge, dann 50 Minuten für weitere 20 Züge und 15 Minuten für den Rest der Partie sowie 30 Sekunden Extrazeit pro Zug, ab dem ersten Zug.

Die Paarungen der fünften Runde lauten: Wang Yue - Bluebaum, Kramnik - Vachier-Lagrave, Fedoseev - Nisipeanu und Andreikin - Wojtaszek. 

Ihr könnt die Partien jeden Tag ab 15:15 Uhr auf Live Chess live ansehen.


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