Caruana gewinnt das Kandidatenturnier

Caruana gewinnt das Kandidatenturnier

Fabiano Caruana gewann das FIDE Kandidatenturnier 2018 in Berlin und spielt nun im November gegen Magnus Carlsen um die Weltmeisterschaft.

Caruana besiegte in der letzten Runde Alexander Grischuk mit den schwarzen Figuren. Sergey Karjakin unterlief ein Fehler, nach welchem er sich gegen Ding Liren mit einem Remis begnügen musste. Die Partien Kramnik-Mamedyarov and Aronian-So endeten ebenfalls Unentschieden.

Caruana Press conference Candidates 2018

Caruana war bei der Pressekonferenz überglücklich. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

"Ich bin absolut begeistert. Als ich heute ankam, war ich mir nicht sicher, was passieren würde, aber die Dinge hätten nicht besser laufen können. Vor ein paar Tagen, als ich die Partie gegen Karjakin verloren hatte, dachte ich, das Turnier wäre mir durch die Finger geglitten aber irgendwie ist am Ende alles perfekt gelaufen. Ich könnte wirklich nicht glücklicher sein."

Das war Caruanas erste Aussage auf der Pressekonferenz. Der 25-jährige Großmeister, der in Miami geboren wurde, in Brooklyn aufgewachsen ist und zwischen 2005 und 2015 für Italien spielte, gewann das Turnier mit einem vollen Punkt Vorsprung. Jetzt fehlt nur noch die Weltmeisterschaft.

Caruanas Aussage beinhaltete einen Aspekt, der seinen Sieg in Berlin so eindrucksvoll machte: Nachdem er seine Partie in Runde 12 verloren hatte, konnte er sich vollständig erholen und das Turnier mit zwei Siegen in Folge beenden. Ein psychologischer Sieg höchsten Ranges.

Caruana beats Grischuk Candidates 2018

Caruana besiegte Grischuk und beendete das Turnier mit 2 Siegen. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Die letzte Runde des Turniers war an 3 der 4 Brettern unglaublich spannend (So und Aronian, deren Partie bedeutungslos war, remisierten in 17 Zügen).

Wegen der kontroversen Tiebreak-Regeln (wäre es nicht an der Zeit, eine Entscheidungspartie einzuführen?) gingen die Spieler oft zu den anderen Brettern und begutachteten die Stellungen der anderen Spieler. Ständig stand die Frage im Raum: Reicht mir ein Remis?

Spectators looking at Grischuk-Caruana Candidates 2018

Zuschauer verfolgen die Partie Grischuk-Caruana. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Sergey Karjakin gegen Ding Liren war die zweite Partie des Tages, die beendet wurde. Es war eine Partie, die beide Spieler unbedingt gewinnen mussten (sogar Ding hatte ja noch eine theoretische Chance auf den Turniersieg). Die Partie endete aber mit einem Remis. Dramatisch wurde sie im 27. Zug, als Karjakin eine eigentlich einfache Taktik übersah, wonach seine Chancen auf einen Sieg wie weggeblasen waren. Zumindest sah alles danach aus.

Karjakin-Ding Candidates 2018

Nach einem Fehler hatte Karjakin keine Chance mehr, die Partie zu gewinnen. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Da er ja zumindest ein Remis in der Tasche hatte, konnte Karjakin noch auf Niederlagen seiner Kontrahenten Caruana und Mamedyarov hoffen, was aber nicht geschah. "Ich ärgere mich ein wenig über mich selbst, weil ich meinen Gegner vor keinerlei Probleme gestellt habe", sagte er nach der Partie. Die Frage, was er in diesem Turnier besser machen hätte können, beantwortete der Russe mit dem Satz: "Vielleicht hätte ich versuchen sollen, die ersten beiden Partien des Turniers mit Weiß nicht zu verlieren!"

Ding Liren kann auf ein erfolgreiches Debüt beim Kandidatenturnier zurückblicken. Er beendete das Turnier als einziger Spieler ungeschlagen und gewann immerhin eine Partie. Da er erst 25 Jahre alt ist, wird dies sicher nicht sein letztes Kandidatenturnier gewesen sein.

Karjakin press conference Candidates 2018

Diesmal sollte es für Karjakin nicht reichen. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Als die Partie Karjakin-Ding beendet war, befanden sich Vladimir Kramnik und Shakhriyar Mamedyarov in einem sehr nach einem Remis aussehenden Endspiel und somit sah alles nach einem Turniersieg von Caruana aus.

Kramnik-Mamedyarov war eine komplizierte Partie, in der eigentlich alles möglich war. "Ich danke Vladimir, dass er wirklich spielen wollte und mir dadurch eine Chance gegeben hat, die Partie zu gewinnen", sagte Mamedyarov nach der Partie.

Im 31. Zug vergab Kramnik die Chance auf einen Vorteil und Mamedyarov packte die daraus resultierende Möglichkeit für eine Taktik beim Schopf und erzwang ein vorteilhaftes Endspiel. Der Vorteil war aber nicht groß genug, um den vollen Punkt einzufahren.

Mameyarov Candidates 2018

Mamedyarov wurde etwas emotional, als er merkte, dass er nicht mehr gewinnen konnte. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Dies brachte Fabiano Caruana in eine wunderbare Ausgangslage. Er hatte ein vorteilhaftes Endspiel, dass er eigentlich gar nicht mehr verlieren konnte, gegen Alexander Grischuk erreicht, konnte aber jederzeit Remis bieten und das Brett als Turniersieger verlassen.

"Wenn meine Stellung nicht absolut gewonnen gewesen wäre, hätte ich vielleicht Remis geboten", sagte Caruana. "Er hatte ja nicht einmal ein Gegenspiel. Ich dachte aber, es wäre eine Schande, diese Stellung nicht zuende zu spielen, besonders, weil sie sich eigentlich ganz von selbst spielte."

"Nach der Zeitkontrolle war ich mir nicht sicher, ob ich wirklich viel besser stehen würde, aber nachdem die Partie von Shakh beendet war, hatte ich schon das Gefühl, dass ich gewinnen würde."

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Grischuk vs Caruana Candidates 2018

Grischuk entschied sich für 3.d4 gegen Caruana's Russische Verteidigung. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

"Vor der Partie habe ich gedacht, dass ein Remis ein gutes Ergebnis wäre. Ich dachte, wenn ich etwas Verrücktes versuche, verliere ich vielleicht, besonders, weil in den anderen beiden Partien ein Remis erwartet wurde. Wenn sich 2 Top-Spieler gegenüber sitzen, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Remis ja immer sehr hoch. Aber erst nachdem Ding 27...h3 gespielt hatte, fühlte ich mich bei dieser Partie sicher."

Ding, Caruana at Candidates 2018

Caruana sieht sich Ding's Stellung an. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

"Da ich vor der Zeitkontrolle ja selbst in Zeitnot war, konnte ich mir Shakhriyar's Stellung nicht wirklich ansehen. Ich wusste also nicht, was dort vor sich ging und nach der Zeitkontrolle war die Partie dann Tod-Remis und ich musste mir keine Sorgen mehr machen. Ich dachte aber, dass ich ganz normal weiterspielen und nichts Verrücktes unternehmen sollte. Ich dachte, dass ein Remis ein gutes Ergebnis wäre und wenn doch einer der beiden anderen gewinnt, dann hat es eben einfach nicht sollen sein. Ich meine, wenn Sergej auf einmal auf plus 5 kommt, dann könnte ich das ja auch nicht ändern."

Caruana USA flag

Irgendjemand gab Caruana nach seinem Sieg die Fahne der USA. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Durch diesen Turniersieg wird Caruana der erste Amerikaner seit Gata Kamsky sein, der um die Weltmeisterschaft spielen darf, aber damals (1996) war die Schachwelt in 2 Lager aufgespalten. Garry Kasparov war der Weltmeister der Professional Chess Association (PCA) und Kamsky und Karpow spielten um den FIDE Titel. Mit Caruana spielt also erstmals seit Bobby Fischer 1972 ein Amerikaner um den alleinigen Weltmeistertitel.

"Ich hoffe wirklich, dass durch mich jetzt das Schach in den USA und auch in Italien beliebter wird. Ich glaube, die Beliebtheit des Schachs ist in den letzten 10 Jahren eh gestiegen, aber wir haben da noch einen langen Weg vor uns. Hoffentlich steigert mein WM-Kampf gegen Magnus in London die Popularität noch weiter. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann."

Nach der Pressekonferenz gingen Caruana, sein Sekundant Rustam Kasimszhanov, sein ehemaliger Manager Lawrence Trent und 2 weitere Freunde in ein italienisches Restaurant am Potzdamer Platz um den Sieg zu feiern. Während sie einen hervorragenden Chianti Classico und tolles Essen genossen, trudelten die Textnachrichten auf den Smartphones nur so herein. Ein stolzer Kasimzdhanov übernahm den Trinkspruch und witzelte, dass der Sieg 2 Jahre zu spät kam.

Dann wurde noch die Anreise nach Karlsruhe diskuttiert, denn in nur wenigen Tagen wird Caruana beim Grenke Turnier spielen (wo er unter anderem auf Carlsen treffen wird) und sowohl Kasim als auch Trent spielt beim dortigen Open mit.

Das Kandidatenturnier ist zwar zu Ende, aber das Schach macht deswegen keine Pause.

2018 FIDE Kandidatenturnier | Abschlußtabelle

# Land Name ELO Lstg. 1 2 3 4 5 6 7 8 Punkte SB
1 Caruana,F 2784 2887 ½½ ½0 ½½ ½1 11 9.0/14
2 Mamedyarov,S 2809 2832 ½½ ½0 ½1 ½½ ½½ 8.0/14 54.75
3 Karjakin,S 2763 2838 ½1 ½½ ½½ ½1 01 8.0/14 54.75
4 Ding Liren 2769 2812 ½½ ½1 ½½ ½½ ½½ ½½ ½½ 7.5/14
5 Grischuk,A 2767 2764 ½0 ½0 ½½ ½½ 01 ½½ 6.5/14 44
6 Kramnik,V 2800 2759 ½0 ½½ 10 ½½ 11 6.5/14 41.5
7 So,W 2799 2734 ½½ ½½ ½½ 6.0/14
8 Aronian,L 2794 2655 00 ½½ 10 ½½ ½½ 00 4.5/14

Games via TWIC.

Wo es Gewinner gibt, da gibt es auch Verlierer. Besonders Levon Aronian hat ein schreckliches Turnier zu verdauen. Beim letzten Kandidatenturnier war er nicht in Bestform angereist - diesmal war er völlig außer Form. Er büßte sogar seinen Platz in den TOP 10 der Welt ein.

Live ratings

Live ratings after Candidates

Quelle: 2700chess.com.

Das Turnier war wieder einmal von einer schlechten Organisation geprägt, die sich aber im Laufe des Turniers verbesserte. Für die Spieler waren die Toilettensituation (nur eine Toilette war zu Fuß erreichbar) und die Qualität des Hotels die größten Probleme. Für die Schachfans war die offizielle Webseite das Hauptproblem, die aber in den letzten Runden einigermaßen gut funktionierte. Hoffen wir, dass diese Probleme bei der Weltmeisterschaft nicht erneut auftreten.

Karpov at Candidates 2018

Anatoly Karpov sah in der letzten Runde beim Turnier vorbei. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Caruana Karpov stamp collection

Die Spieler bewunderten Karpov's Briefmarkensammlung, die im Kühlhaus ausgestellt wurde. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Caruana, Trent, Kasimdzhanov

Caruana, Trent und Kasimzdhanov. | Photo: Maria Emelianova/Chess.com.

Caruana wins Candidates 2018

Caruana mit der Siegermedaille. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Crowd of journalists Candidates' 2018

Die Medienvertreter. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Caruana winner speech Candidates' 2018

Die Siegesrede. | Foto: Maria Emelianova/Chess.com.


Weitere Berichte über das Kandidatenturnier:

(Fette Schrift = Artikel in Deutsch)

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