Nakamura übernimmt nach der ersten Runde die Tabellenführung

Nakamura übernimmt nach der ersten Runde die Tabellenführung

Als einziger Gewinner der ersten Runde geht Hikaru Nakamura beim Altibox Norway Chess Turnier in Führung. Der amerikanische Großmeister besiegte Anish Giri, der einem Remis schon sehr nahe war, aber sich am Ende doch noch seinem Gegner beugen musste.

Hikaru Nakamura war der einzige Gewinner am ersten Turniertag. | Foto: Maria Emelianova.

Die ersten sechs Runden des Altibox Norway Chess Turniers werden im Clarion Hotel Energy, Stavanger's größtem Hotel, das im August 2014 eröffnet wurde, gespielt. Dies befindet sich im Gegensatz zum Clarion Hotel Air, wo das gestrige Blitzturnier stattfand, im Stadtzentrum der viertgrößten Stadt Norwegens und die Partien finden auch nicht im 10. Stock, sondern im Erdgeschoss statt.

Und so kommt kein Gast, der das Gebäude betritt, am Schach vorbei. Auf der einen Seite der Rezeption haben sich die Kommentatoren Nigel Short und Dirk Jan ten Geuzendam eingerichtet und auf der anderen Seite befindet sich das TV2 Studio. Der norwegische Fernsehsender überträgt das Turnier wieder jeden Tag Live auf seinen Sport Kanal. 

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Das Foto wurde vom Pressezentrum aus aufgenommen. Es zeigt den Platz der Kommentatoren und dahinter die Rezeption des Hotels. Im Hintergrund das Fernsehstudio von TV2.

Nach dem Blitzturnier am Montag mussten sich Fans, Medien und Spieler umstellen. Die Dinge auf den Brettern entwickeln sich jetzt weniger schnell. Glücklicherweise hat das norwegische Fernsehen aber eine große Erfahrung mit Marathon-Übertragungen..

Was die Sache aber nicht vereinfachte, war die Tatsache, dass nach einigen Stunden spielzeit die meisten Partien, nach einem wenig spektaulärem Verlauf, in einem Remis zu Enden drohten. Beide Befürchtungen erwiesen sich aber als Falsch: Zum einen zeigten die Spieler in den Interviews nach der Partie, dass die Partien alles andere als Langweilig waren und zum anderen endeten nicht alle Partien mit einem Remis.

Beginnen wir also mit der einzigen Partie, die einen Sieger hervorbrachte: Hikaru Nakamura gegen Anish Giri. Es war eine Grünfeld Eröffnung mit 4.Lg5, in der Giri nicht 4...Lg7 sondern das klassische 4...Se4 zog. Nakamura hatte dies überhaupt nicht erwartet und war deshalb ab dem 9. Zug mit seinen Theoriekenntnissen am Ende. Er entschied sich für eine solide Fortsetzung, die in einem Endspiel mit 2 Türmen und Läufer gegen 2 Türme und Springer endete.

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Noch am Brett fingen die Kontrahenten an, ihre Partie zu analysieren. | Foto: Maria Emelianova.

Nakamura dachte, dass Schwarz mit dem ...e5, statt des üblichen ...f5 Aufbaus gut stehen würde, aber Giri gefiel bereits zu diesem Zeitpunkt seine Stellung nicht besonders. Die weißen Vorteile vergrößerten sich, nachdem einige Bauern getauscht wurden, und zu etwa diesem Zeitpunkt schossen Nakamura die ersten Gedanken an Bobby Fischers Lieblingsendspiel durch den Kopf.

Es war irgendwie ironisch, dass Weiß den Vorteil des Läufers gegen den Springer genau dadurch ausnutzen konnte, dass er die beiden Figuren im richtigen Moment abtauschte.

Giri sagte dazu auf der Pressekonferenz: "Falls uns Bobby zugesehen hat, hat er sicher gelächelt!"

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Nach der Partie stand Nakamura noch Chess.com für ein Interview zur Verfügung. Er sprach dabei über seine Partie und seine kürzlich entdeckte Liebe zum Joggen:

Nakamura fand am selben Abend noch Zeit um beim Titled Tuesday Turnier auf Chess.com mitzuspielen, und gewann dann das Turnier sogar noch! Ein Bericht über das Turnier folgt in Kürze.

Es war nicht nur die einzige Partie des Tages die einen Sieger hervorbrachte sondern auch die längste Partie. Wenn noch einer der anderen Spieler Siegchancen gehabt hatte, dann am ehesten Vladimir Kramnik, obwohl er aus der Eröffnung fast keinen Vorteil schlagen konnte. Es war aber Karjakin der sich gegen einen Zug entschied, der die Stellung ausgeglichen hätte, obwohl er ihn gesehen hatte. Karjakin hat ihn gesehen. Findest Du ihn auch?

In der Partie spielte Karjakin zwei ungenaue Züge in Folge, und stand danach gehörig unter Druck. Daraus resulierte ein Endspiel mit einem Minusbauern, aber er konnte sich Verteidigen, da Kramnik nicht die stärksten Züge fand.

"Ich dachte, ich stehe kurz vor dem Sieg," sagte Kramnik. "Aber wie üblich verteidigte sich Sergey super genau und fand immer die einzigen Züge..."

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Karjakin zeigte einmal mehr seine Verteidigungskünste. | Foto: Maria Emelianova.

Der 14. Weltmeister wies noch darauf hin, dass die verschiendenen Bedenkzeiten bei verschiedenen Turnieren sehr schwierig zu handhaben sind. Anders als bei anderen Turnieren, gibt es bei diesem Turnier keine Extra Bedenkzeit vor dem 61. Zug.

Kramnik: "Ich habe gepanikt. Fing an Unsinn zu machen. Ich wurde einfach nervös."



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Nachdem er ihn gestern beim "blitzen" geschlagen hatte, stand Kramnik heute gegen Karjakin wieder kurz vor einem Sieg. | Foto: Maria Emelianova.

Die Top-Partie des Tages war aber natürlich Magnus Carlsen gegen Wesley So, oder: Die Nummer 1 der Welt gegen die Nummer 2. Carlsen hatte gute Gründe um optimistisch in diese Partie zu gehen und gab sich am Vorabend, nach seinem Sieg beim Blitzturnier, auf Twitter angriffslustig:

Am Spieltag selbst schien sich seine Laune aber geändert zu haben, denn er wählte eine sehr solide Eröffnungsvariante—vielleicht eine zu solide.

"Was ich gemacht habe, war offensichtlich zu harmlos," sagte er. "Wenn Du Le3 ziehst weißt Du, dass es schwierig wird, die Partie zu gewinnen. Dann muss man schon extrem präzise spielen um irgendetwas zu erreichen."

Trotzdem war es eher Carlsen, der Siegchancen hatte. Oder wie er es nannte: "Ich sah nicht wie ich vorwärts kommen sollte, aber es ist nur zu 95% ausgeglichen und nicht zu 100%!"

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Carlsen erzielte seinen typischen minimalen Vorteil, aber heute konnte er diesen nicht in einen Sieg ummünzen, denn im Endspiel war sein Springer einfach zu schlecht platziert. | Foto: Maria Emelianova.

Nach dem 59. Zug entschied sich Carlsen endgültig, seine Gewinnversuche einzustellen, aber die Schiedrichter wiesen ihn an, noch weiter zu spielen. Der Weltmeister hatte hier ein Remis angeboten und vergessen, dass dies bei diesem Turnier nicht erlaubt ist. Deshalb wiederholten die beiden Kontrahenten schnell ein paar Züge, um dieses Problem "großmeisterlich" zu lösen.

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Die beiden besten Spieler der Welt waren nach der Partie gut gelaunt und diskuttierten ihre Züge. | Foto: Maria Emelianova.

Die Partie Vachier-Lagrave gegen Anand findet ihr in der PGN Datei. Aber auf die Partie Levon Aronian gegen Fabiano Caruana wollen wir noch einen Blick werfen, denn diese war voller versteckter Taktiken. Aronian hatte kein Problem damit, von Nigel Short ein "Hütchenspieler" genannt zu werden, und kündigte an, ihn eines Tages bestimmt austricksen zu können.

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"Hütchenspieler" unter sich: Caruana und Aronian | Foto: Maria Emelianova.

2017 Altibox Norway Chess | Tabelle nach der 1. Runde

# Land Name ELO Leistung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 Punkte SB
1 Nakamura,Hikaru 2785 3571 1 1.0/1
2 Carlsen,Magnus 2832 2812 ½ 0.5/1 0.25
3 So,Wesley 2812 2832 ½ 0.5/1 0.25
4 Kramnik,Vladimir 2808 2781 ½ 0.5/1 0.25
5 Caruana,Fabiano 2808 2793 ½ 0.5/1 0.25
6 Vachier-Lagrave,Maxime 2796 2786 ½ 0.5/1 0.25
7 Aronian,Levon 2793 2808 ½ 0.5/1 0.25
8 Anand,Viswanathan 2786 2796 ½ 0.5/1 0.25
9 Karjakin,Sergey 2781 2808 ½ 0.5/1 0.25
10 Giri,Anish 2771 1985 0 0.0/1

Die Paarungen der zweiten Runde lauten: Nakamura-Aronian, Giri-Karjakin, Caruana-Carlsen, So-MVL und Anand-Kramnik.

Ihr könnt die Partien auf unserem Live Server jeden Tag um 16.00 Uhr verfolgen. Berichte über das Turnier findet ihr hier auf Chess.com/News und auf unseren Twitter, Facebook und YouTube Kanälen.

 


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