Paris: Carlsen führt vor Nakamura

Paris: Carlsen führt vor Nakamura

Magnus Carlsen liegt bei der Paris Grand Chess Tour weiterhin in Führung. Am Ende des vorletzten Tages ist Hikaru Nakamura sein ärgster Verfolger und liegt nur einen Punkt zurück. Der Amerikaner zeigte am Samstag beim Blitzturnier die stärkste Leistung aller Teilnehmer und holte 7 von 9 möglichen Punkten.

Carlsen und Nakamura remisierten die heutige Partie. | Foto: Maria Emelianova.

Unser Interview mit Magnus Carlsen nach 9 gespielten Blitzpartien.

Nachdem gestern Abend Magnus Carlsen´s Interview mit Maurice Ashley das Gesprächsthema Nummer 1 war, gab es heute gleich den nächsten Streit.

Am Vormittag wurden alle Teilnehmer nach Château d'Asnières (etwa 25 Autominuten nördlich des Hotels) gefahren, wo sie sich mit hunderten Kindern und deren Eltern trafen.

Es war eine relaxte Veranstaltung ohne irgendwelche besonderen Verpflichtungen. Die Großmeister gaben Autogramme, machten Selfies mit den Kids und spielten gegen einige Kinder Schach. Dies nahm etwa 45 Minuten in Anspruch und danach wurden die Teilnehmer noch zum Essen eingeladen. Nach etwa 2 Stunden machten sich Nakamura, Kramnik & Co wieder auf den Rückweg zum Hotel.

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Die Großmeister und ihre Fans in Château d'Asnières. | Foto: Maria Emelianova.

Ob so eine Veranstaltung am einem Spieltag stattfinden muss, ist sicher eine Diskussion wert, wenn sie ist sich nicht Ideal für die Spieler, aber eines war zumindest klar: Den Kindern hat es gefallen!

Worüber musste man also streiten? Tja, einfach um den Fakt, dass Carlsen bei diesem Event durch Abwesenheit glänzte.

Einer der "likes" für diesen Tweet kam von Nakamura. Es ist kein Geheimnis, dass es manchen Spielern nicht gefällt, dass Carlesen immer wieder Sonderrechte zugestanden werden. Das mag wohl auch wahr sein, aber in diesem Fall steckte etwas anderes dahinter.

Carlsen hatte einen steifen Hals und Rückenschmerzen und benötigte diese Pause aus medizinischen Gründen. Sein Team bat sogar um einen speziellen Stuhl für Carlsen für die Partien, der ihm auch gestellt wurde.

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Carlsen relaxt auf seinem Spezialstuhl. | Foto: Maria Emelianova.

Seine Schmerzen verhinderten aber nicht, dass Carlsen einen fliegenden Start in das Blitzturnier hinlegte. Er besiegte zuerst Caruana in einer Partie, die der Kommenator GM Yasser Seirawan für einen Witz benutzte: "Können wir diesen Sieg "flüssig" nennen?"

Dann gewann er mit den schwarzen Figuren gegen Bacrot eine Partie, die der Franzose eigentlich garnicht mehr verlieren konnte. Aber als der schwarze König seinen Weg ins Zentrum fand, drehte sich das Blatt.



Gleichzeit lies Grischuk, der nach dem Schnellschach noch auf Platz 2 gelegen hatte, in seinen ersten beiden Partien 1.5 Punkte liegen. Zuerst verlor er völlig unerwartet gegen Topalov der danach sagte: "Als seine Zeit immer weniger wurde hat er angefangen zu paniken. Alexander ist einer der besten, wenn nich sogar der beste Blitzspieler der Welt und er kann mit Zeitnot besser umgehen als jeder andere. Aber trotzdem ist Zeitnot einfach ein Nachteil."

Und dann war Fortuna endlich einmal auf der Seite von Caruana, der eine verlorene Stellung gegen Karjakin gewinnen konnte:

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Der französische Rugby-Star Sébastien Chabal besuchte das Turnier und spielte eine Partie mit dem Schiedsrichter... | Foto: Maria Emelianova.

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...während Topalov, der sich ständig in guter Laune präsentiert, seine Chance, etwas Aufmerksamkeit zu erregen, wahrnahm... | Foto: Maria Emelianova.

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...und ankündigte: "Diese Partie spiele ich blind!" | Foto: Maria Emelianova.

Caruana hat offensichtlich 3 Tage gebraucht um sich warmzuspielen, denn er gewann auch seine zweite Partie des Tages. Auch gegen MVL drehte er eine eigentlich verlorene Partie und verbuchte den vollen Punkt. Er sagte: "Ich wusste, dass das Turnier noch nicht vorbei ist. Ich glaube, ich hatte ganz gute Chancen, zumindest eine der 27 Partien zu gewinnen!" Caruna hatte am Ende des Tages übrigends, ganau wie Carlsen und MVL, 6 Punkte auf seiner Habenseite.

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Vielleicht brauchte Caruana diese Erinnerung an seinen Sieg beim Sinquefield Cup 2014, um besser zu spielen.
Dieses Siegerfoto hängt in der Chess World Hall of Fame in Château d'Asnières. | Foto: Maria Emelianova.

Carlsen setzte derweil seine Siegesserie fort und schlug auch Topalov, mit der derzeit sehr beliebten Eröffnung 1.d4, 2.Lf4, relativ "flüssig".

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Carlsen besiegt Topalov und Grischuk sieht zu. | Foto: Maria Emelianova.

Jetzt lagen Grischuk und Nakamura schon 3 Punkte zurück. Der letztere bemerkte aber, dass Carlsen noch nicht gegen die stark eingeschätzten Grischuk und MVL gespielt hatte: "Die Pflicht hat er erledigt - jetzt kommt die Kür."

Dieser Satz fiel, direkt nachdem Nakamura Wesley So geschlagen hatte. "Wesley spielt einfach ein schlechtes Turnier", sagte er.

Wie schlecht? Tja. Wesley So gewann die ersten beiden Schnellpartie und wartet seitdem, seit 16 Partien, auf seinen dritten Sieg. So schlecht!

Seinen vierten Sieg in der vierten Partie errang Carlsen gegen Mamedyarov mit den schwarzen Figuren. Der Aserbaitschaner entschied sich für den seltsamen Damenzug auf c2. Eine schlechte Entscheidung, nach der er keine Chance mehr hatte.

Ashley wollte seine Angriffe gegen Carlsen im gestrigen Interview wohl entschärfen und sagte: "Magnus spielt fantastisch. Das ist der Inbegriff flüssiger Siege".

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Carlsen erreichte ohne große Anstrengung 4/4. | Foto: Maria Emelianova.

Grischuk fiel durch sein Remis gegen Wesely So noch einen halben Punkt weiter zurück. Nakamura konnte den Rückstand aber konstant halten, indem er Caruanas Comeback stoppte.

Dann kam aber der Wendepunkt. In der Partie gegen Grischuk gelang Carlsen, der bis dahin in einer eigenen Liga gespielt hatte, garnichts.

Carlsen war "schlecht und langsam" und verlor schließlich auf Zeit. Kurz vor Ende der Partie warf er zweimal Figuren um, und stellte sie in Grischuks Bedenkzeit wieder auf..

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Carlsen-Grischuk war eine etwas unbeholfene Vorstellung des Weltmeisters. | Foto: Maria Emelianova.

Interessanterweise, wurde diese Situation aber in der Spielersitzung explizit angesprochen: Umgeworfene Figuren in der Bedenkzeit des Gegners wieder aufzustellen ist Verboten! Die FIDE Regeln besagen aber keine spezifische Bestrafung für dieses Vergehen sondern überlassen des dem ermessen des Schiedrichters, dieses Verhalten zu Sanktionieren.

In Paris informierte der Hautschiedrichter die Spieler, dass, falls dies bei einer Bedenkzeit von weniger als 20 Sekunden geschieht, der betroffene Spieler die Uhr anhalten und seinen Sieg reklamieren darf. An diese Regel wurden alle Spieler vor der ersten Blitzrunde noch einmal erinnert, hauptsächlich weil Carlsen der Spielersitzung vor dem Turnier ferngeblieben war.

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Hauptschiedsrichter Stephane Escafre erinnerte die Spieler an eine Regel, von der die meisten aber nicht profitieren wollen. | Foto: Maria Emelianova.

Grischuk hätte seinen Sieg zweimal reklamieren können, aber tat es nicht. Carlsen überschrat dann im 84. Zug die Zeit, aber Grischuk bemerkte es erst 2 Züge später! Die Spieler sahen dann zu Schiedsrichter und dieser erklärte die Partie für gewonnen, da Grischuks einsamer Läufer ja theoretisch noch Schachmatt setzten könnte, wenn noch gegnerische Figuren auf dem Brett sind.

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Der Start der 5. Blitz- oder der 14. Turnier-Runde. | Foto: Maria Emelianova.

Jetzt musste Nakamura liefern und einen "Pflichtsieg" landen. Er tat es und verkürzte Carlsens Vorsprung auf 2 Punkte.

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Nachdem die Partien beendet waren blieben die meisten Spieler im Saal und sahen den anderen zu. | Foto: Maria Emelianova.

In der nächsten Partie konnte er aber gegen Topalov nicht gewinnen. Sehr enttäuscht über das Remis sah er das Ende der Partie Carlsen-Karjakin an. Dass Carlsen in einem Turmendspiel den Siegeszug nicht fand stimmte ihn dann wieder besser.

Neben Carlsen, Nakamura und Grischuk, hatten zu diesem Zeitpunkt noch Mamedyarov und MVL Chancen auf den Gesamtsieg. In direkten Duell der letzteren wählten Sie exakt die selbe Eröffnung wie bei deren Schnellschachpartie vor 2 Tagen aber diesesmal fand der Franzose die bessere Fortsetzung.

Und auch er hatte offensichtlich von dem Interview vom Vortag gehört! "Du kannst mir ruhig unterstellen, dass mein Sieg nicht flüssig war. Ich werde nicht ausflippen!" sagte er zu Maurice Ashley. 

Nakamura vernichtete Mamedyarov und setzte den Tabellenführer weiter unter Druck.

Da Carlsen zeitgleich gegen MVL verlor verkürzte Nakamura seinen Rückstand in dieser Runde auf nur noch einen Punkt. Zuerst übersah Carlsen einen Gewinn und im Endspiel wurde er von MVL plötzlich nach allen Regeln der Kunst überspielt.

"Es sieht aus, als wenn irgendetwas bei Magnus nicht mehr stimmt, seit er auf Zeit verloren hat," sagte der Kommentator Romain Edouard. "Davor hat er wie eine Maschine gespielt."

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Endspielmagie von MVL. | Foto: Maria Emelianova.

Kein Hollywood Film hätte das Duell Carlsen gegen Nakamura zu einem besseren Zeitpunkt stattfinden lassen können. Mit einem Sieg hätte Nakamura mit Carlsen gleichziehen können und MVL lag nur 2 Punkte, Grischuk 2.5 Punkte zurück.

Die Partie war dann auch der erwartete Kampf und beide Spieler hatten Siegchancen.

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Nakamura's Emotionen während der Partie. | Foto: Maria Emelianova.

Kurz vor der Partie hat Nakamura noch auf Facebook veröffentlicht, dass er sich gerade für seinen ersten Halb-Marathon registriert hat.

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Eine Marathonpartie musste er auch spielen, nachdem er nicht 82...Se6 (wie von Seirawan vorgeschlagen) zog. In Fakt, war die Partie in diesem Moment dann eigentlich auch verloren.

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Ein hartumkämpftes Remis bei Carlsen-Nakamura. | Foto: Maria Emelianova.

Die letzte Runde am Samstag hat die Situation an der Tabellenspitze dann nicht mehr verändert, denn sowohl der Spitzenreiter als auch sein Verfolger gewannen ihre Partien. Nakamuras zwei Türme erwiesen sich als stärker, als die 3 Leichtfiguren Caruanas.


Carlsen gewann etwas glücklich gegen Wesley So:

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Durch seinen Sieg in der 9. Runde blieb Carlsen vor Nakamura. | Foto: Maria Emelianova.

"Eigentlich habe ich am Anfang zu langsam gespielt. In der Partie gegen Grischuk wurde mir das bestraft," sagte Carlsen in den Interview mit Chess.com, dass ihr ganz oben in diesem Artikel findet. "Die nächsten Partien liefen dann ganz gut aber gegen Maxime bin ich wieder in Zeitnot gekommen und wieder zusammengeklappt."

"Die letzten beiden Partien waren aber einfach Mist. Ich war erschöpft und habe überhastet gespielt. In der letzten Partie hab ich überhaupt nicht mehr auf die Qualität meiner Züge geachtet und habe nur noch gezogen. Irgendwie habe ich das überlebt."

Paris Grand Chess Tour | Blitzturnier - Tabelle nach der 9. Runde

# Land Name Rtg Lstg 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 Punkte SB
1 Nakamura,Hikaru 2792 2990 1 ½ ½ 1 ½ ½ 1 1 1 7.0/9
2 Caruana,Fabiano 2782 2894 0 0 1 1 ½ 1 1 ½ 1 6.0/9 22.75
3 Carlsen,Magnus 2851 2886 ½ 1 0 ½ 0 1 1 1 1 6.0/9 22.25
4 Vachier-Lagrave,Maxime 2783 2894 ½ 0 1 0 ½ 1 1 1 1 6.0/9 21.75
5 Karjakin,Sergey 2776 2853 0 0 ½ 1 1 ½ ½ 1 1 5.5/9
6 Grischuk,Alexander 2779 2775 ½ ½ 1 ½ 0 0 ½ 1 ½ 4.5/9
7 Topalov,Veselin 2725 2702 ½ 0 0 0 ½ 1 ½ ½ ½ 3.5/9
8 Mamedyarov,Shakhriyar 2784 2654 0 0 0 0 ½ ½ ½ 1 ½ 3.0/9
9 Bacrot,Etienne 2688 2567 0 ½ 0 0 0 0 ½ 0 1 2.0/9
10 So,Wesley 2789 2494 0 0 0 0 0 ½ ½ ½ 0 1.5/9

Paris Grand Chess Tour | Gesamtstand

# Land Name Rtg Lstg Punkte
1 Carlsen,Magnus 2851 2932 20
2 Nakamura,Hikaru 2792 2938 19
3 Grischuk,Alexander 2779 2852 17,5
4 Vachier-Lagrave,Maxime 2783 2873 17
5 Mamedyarov,Shakhriyar 2784 2755 14
6 Karjakin,Sergey 2776 2794 13,5
7 So,Wesley 2789 2653 10,5
8 Caruana,Fabiano 2782 2716 9
9 Topalov,Veselin 2725 2661 8,5
10 Bacrot,Etienne 2688 2567 6

Für diese Tabelle wurde das eigene Rating System der Grand Chess Tour benutzt.


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